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Full text of "Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark"

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Beiträge 


zur 


Geſchichte Dortmunds 


und 


der Graffhaft Mark, 


Herausgegeben 


von dem 


hiſtoxiſchen Vereine fir Dortmund und die Grafſchaft Mark, 


XI. 


4 


Dortmund, 


Berlag der Köppen’fhen Buhhandlung 
(Hans Hornung). 


1902, 


Inhaltsverzeichniß. 


Hermann Rothert: Dad Buch der Dortmunder Suncheren- 
0 ee a EN 


. Ferdinand Zumbufh: Geſchichte des Katharinenklofters zu 


Dortmund und des Dorfes Kirchlinde bei Dortmund. . . 


. Karl Rübel: Amtliche Nachricht über den Zuftand der Graf: 


2 yaBe or) 


. Hermann Beder: Die Anfänge der Tagesprefje in Dortmund 


Karl Rübel: Agrarifches vom Hellwege und aus der Graf: 
ee en, ne. 
1. Ein Weisthum über Maftberehtigungen der Grafen von 
2 Vs Sa ee a N 
amenmaape am :Hellmege:- : » » » 2. u 0. ce 
3. Weisthümer des Reichshofes Wefthofen -. » . ..... 
4. Böhden, Vöhdeland, voweide, veweide, pascua, walde- 
meine, houde von der weide, drifft am Sellwege und 
nel 


Seite 


Verbeſſerungen. 


S. 38 Zeile 15 lies: „11030 Reichsthaler“ anſtatt „11030 Franes“. 
8.38 „17 „2 KRuithan“ für „Kuitthan“. 


I. 


Das Buch der Dortmunder Iuncheren 
Gefellfchaft. 


Beröffentliht von Dr. iur. Hermann Rothert. 


Im Belige einer weitfälifchen Adelsfamilie, die in früheren 
Sahrhunderten mit dem Dortmunder Stadtadel mehrfach ver- 
ſchwägert war, befindet fih ein Buch, das, aus 29 Pergament: 
blättern beftehend, in zwei Holzdedel von 12 zu 22 cm ge- 
bunden it. Die Holzdedel find mit Leder überzogen, da3 von 
einem gothiſchen Mufter aus Lilien und Löwen, umrahmt von 
Adlern, bededt ift. Das Buch enthält in handjchriftlichen Auf- 
zeichnungen die Statuten der „Ssuncheren Geſelſchopp“ zu 
Dortmund und fodann, von 1387—1623 reichend, die Namen 
der beiden Mitglieder, die die jährlich zweimal ftattfindenden 
Eſſen der Gejellichaft zu veranftalten hatten. Die ältefte Hand, 
auf die auch die Anordnung des Buches zurüdzuführen ift, 
gehört in die erite Hälfte des 15. Sahrhundert2. 

Haben die Namensverzeichnifje orts- und familiengefchicht- 
liches Snterefje, jo gewähren die Saßungen ein anfchauliches 
Bild von dem Leben und Treiben des fpätmittelalterlichen 
PBatriziates und lafjen in defjen Zuſammenſetzung einen werth- _ 
vollen Einblid thun. 


In nomine domini amen. Dey geselschopp dey men fol. 2a 
nomet dey Juncheren geselschopp, dar sollen ynne syn 


gude ersame erfsaten Jude. Dey hebn hyr vormaile gude 
Beiträge zur Geſchichte Dortmunds XI. 1 


* 


fol. 2b. 


fol. 3a. 


a 


wyse Jude, unse vorvaren, alsoe gemaket und gehalden 
umb ere und nüt der Stad und dat sich gude lude alt 
und junk dey leyfliker erliker und eyndrachtliker to 
samene halden, alle gude dynck dey bet und erberliker 
vort to settene, und umb dat dey ghene, dey andere 
lande versoiken ume erre handelinge willen, sey syn 
borgere ofte gheste, wanner dat sey hyr komen, dey better 
geselschopp lyden und dey des de mer geneyget werden 
hyr mit uns to blyvene. 

Und upp dat dese geselschopp des dey bet vort ghae 
und stande blyve, unde dey myn gelden, wänner sey to 
samene eten, soe wart overdregen in dem jare Ixxxiiij!), 
dat eyn jtlich, dey des werdich is, und yn deser gesel- 
schopp wesen wil, sal geven eyne marck dey geselschopp 
mede to beteren. Dar sal men twe to setten dat gelt to 
untfane und rente mede to ko-/pene to der geselschopp 
behoeff, und dey solen dat soe lange doin, bit men en 
des verlate und anderen sette. 

Vort were eymant, dey disser geselschopp begerde, 
dar sey ane twyvelden, off hey in der geselschopp billike 
wesen mochte, dar en sollen sey neyn gelt van nemen, 
sey en hebn sich eirsten mit den oldesten van der gesel- 
schopp beraden, und dan doin na eren rade. 

Papen und clerike, dey also vere komen sint, dat 
sey papen moten blyven, lude dey in ghilden sint eder 
eyniger ghilde volgich sint, und hantwerkslude, dey en 
hebn mit disser geselschopp nicht to done; were ouch 
sake, dat eynich, dey in disser geselschopp were, dey 
disser vurgescrevenen eynich worde, dey were der gesel- 
schopp untwert und wat hey dar an geleget hedde. 

Vort wey eyn wyff nemet, dey sall geven twe mark 
in dey geselschopp, dey sal hey betalen dar na, dat hey 
by geslapen hevet to den nesten twen tyden, wanner dey 
geselschopp / to samene eten to elliker tyt eyne mark. 


!) Am Rande in alter Schrift: 1384. 


WERE 


Der sollen sich dey scheffere dey dan sint underwinden 
to der geselschopp behoeff to vulleste der kost. Storve 
wes wyft, und hey eyne andere neme, hey sal de gelyken 
geven und alsoe dicke, als dat gevelle. 

Vort wat rente disse geselschopp hevet, dey sollen 
dey lest gekorne scheffere des jairs inmanen und boren 
to der geselschopp behoeff vnd to vulleste erre kost. 

Wanner dey geselschopp to den twen tyden to samen 
eten, soe en sal men to ytliker mailtyt nicht mer geven 
dan twe gerichte; uytgescheden kot, kemois, heringh und 
buckingh, off des noit were to gevene und kese, koken 
und andere vrucht. 

Ouch en sal dair nummant umme gain van den, dey 
in der geselschopp syn, dan dey twe scheffere, und dey 
moghen 'erre lyek!) eynen off twe knechte op dat meste 
hebn, dey der taeffelen deynen. 

Wolde wey welken reckeliken man, / dey van vro- fol. 8b. 
meden lande were, in dey geselschopp to gaste bidden, 
dat sall hey den schefferen to voren seggen und doint 
mit eren willen, und sal darvor betalen. 

Lude van bynnen landes sal nyman noch scheffer 
noch anders ymant in der geselschopp to gaste bidden, 
id en sy mit willen der gesellen, id en were, dat id dey 
borgermestere deden eder heyten doin umb der stades 
willen, dar sey wolden vor betalen. 

Dey eyne van den schefferen sal dey spyse laten 
reyden dey twe dage to mydwintere in syme huse. Dey 
ander scheffer dey twe dage to vastavende in syme huys, 
id en sy dat sey under eyn eyns anderen overdregen. 

Eyme ytlichen scheffer sendet men in syn huys eyne 
schottele van eyme ytliken gerichte und eyn halff veirdel 
wyns. 

Deme wynmanne, dar men den wyn nemet, dem mach 
men senden eyne schottele van eyme gerichte — wil men. / 


1) = jeder von ihnen. 
1 * 


fol. 4a, 


fol. 4b, 


IRA TEN 


Deme kocke sendet men eyne schotele van eyme 
gerichte und eyne quarte wyns elkes dages, und men 
gevet eme to verdrinkene van den twen dagen vor syn 
kocken. 

Der stades spelluden gevet men to elker tyt to samen 
X 0) 

Der stades unrederschen, dey dat unrait umme gevet 
to elker tyt. 

Der stades gesworne lopere, dey er kleder und er 
bussen hevet, dey mach dar komen eten. 

Heren und rekeliker stede pypere. 

Eyme scholer, de dey geselschopp verbodet und 
schryvet, dey dar eten will, deme gevet men. 

. Des scheffers gesynde, dar men twe dage dey spyse 
beret, den gevet men umb unledicheit, dey sey darmede 
hebn, to verdrinkene. 

Anders dan hyr vorscereven steit en sal men neyn 
spyse noch wyn versenden, id en sy by eyndracht der 
geselschop off by heyte‘ der burgermestere (by enen 
broke) ?) / 

Dey scheffere sollen des lesten dages er schefferye, 
dat is des dinxdages to vastavende, dey wyle dey gemeyne 
geselschopp over tafelen sittet, twe ander scheffere keysen 
thegen dat ander jair. Und wene sey dan keysen, dey 
salt wesen by eyner boute, eyn yslich van eynre mark, 
und den sollen sey bynnen den nesten vertennachten dar 
na nest volgende over geven boeke und schrift und wat 
sey van der geselschapp wegen hebben, dat sey mogen 
weten woe men dey renthe nemen sal, dey de gesellschopp 
hevet. 

Hyr vormails plach men alle jairs veir schefler to 
hebn, twe dey schaffeden to mydwinter, dey koren dan 
twe anderen thegen den anderen mydwinter; dey anderen 


1) xij 9. fpäterer Zuſatz. 
2) Später Zufab. 


——— 


twe schaffeden to vastavende, dey koren dan twe anderen 
thegen den anderen vastavent. Des duchte der gemeynen 
geselschopp best und overdrogen sementlike in dem jare 
unses herren m°ecelxxxv] in deme vastavende!), do sey fol. 5a. 
to samen aten, dat men vort an solde keysen twe scheffere 

dey solden schaffen beyde to mydwinter und to vastavende 

und koren dartoe Gobelen Wistraten vnd Johanne Walen. 
Darna woirden gekoren van jaren to jairen, als hyr na 
gesereven steit in dem jair m°ecelxxxvij etc. ?). 

Anno domini Millesimo quadringentesimo quinqua- 
gesimo quarto up vastavent overdroich de gheselschop 
eyndrechtliken: So wey to steghe und to strate gheit und 
toe geselschopen und to ghemeyner ghesterye gheit, de 
sal ouch to der ghaffelen ghain. 

Ouch soe is de gheselschop sementliken overkomen, 
soedane twe mark als eyn itlich van der geselschop plecht 
to geven, wanner he eyn bruydgam is, dat de numer 
komen sollen to behoiff der ghemeynen geselschop und 
nicht den scheffern eft to der kost. Overkomen als vurs- 
creven Anno cecexlviij / 

Ouch soe is de geselschop overkomen, soe als de ol. 5». 
scheffers de kost rekenden, dar dan malk syn antal van 
betalde, soe sal vortmer eyn juwelich, der to der gesel- 
schop kompt, eyn halff veirdel wyns gelden und nicht 
mer, und dat ander sollen de schefier up sich nemen. 
Overkomen anno ut proxime scripto. 

Anno domini dusent vyffhundert und twe, up sentfol. 6a. 
Blasius dach®), do was de gemeyne selschop by en andere 
vergadert, umme etlike gebrecke, de entstanden waren 
under der selschop van scheltwarden, kiwelinge und anders. 
Ind hebn dar umme endrechtliken gesloten und over- 


!) 1386 März 6. 

2) Bis hierhin reicht die urfprünglide Handjhrift; von nun an 
wechſeln die Handihriften. 

3) 1502 Februar 3. 


fol. 6b. 


fol. 9a. 


Ban ae 


komen: Wey na dissem dage sych untuchtigen hed med 
warden, werken, off enige kiwelinge an makede, dar dey 
selschop by eyn andere were, de sal brecken der sement- 
liken selschop to beteringe des huses vyff marck sunder 
emandes weder seggen, und de sunder gnaden op to 
leggen off van stünt an laten to penden an synem gude 
sunder emandz ovelmöt. Vort mer is overdragen end- 
rechtliken und gesloten: Were emand in der selschop 
de sych untüchtigen hed alse vurgescreven steyt, dar 
jünfferen und vrowen med den mans tsamen weren van 
der selschop, so sal syn broicke duwelt wesen und des 
nicht quyt to geven. Wert ok sake, dat eymand syn 
mefs ud toge, offte an syn mefs tastede in sulkem schyne 
enen andern mede tho / archwilligen, dat men betugen 
mach med twen van der selschop, so sal syn broicke ok 
duwelt wesen und dar en sal hey nicht neyn voir seggen 
mogen. Ind de broicke sollen al komen tbeteringe des 
huses as vurgescreven. 


Annno vyffteinhundert und einundvertich up dach 
seti Reinoldi!). is durch dey gemeyne geselschop eyn- 
drecehtich verdragen und geslotten, wer wyllick man van 
des: selschop, dey sich in dussen beyden vurgeschreven 
puncten off in er ein entgenge up deme richthufs offte 
winhufs, dat alsdan sin broike dubbelt sin salt sunder 
snade ane widderrede. Act. et conclusum in aede dominae 
Virginis. 


Es folgen zwei unbejchriebene Blätter. In der Mitte der 
Vorderjeite des nächften wird fortgefahren von der urſprüng— 
lichen Hand. 


Anno domini mecelxxxvi1. 


Johan Wystrate. 
Johan Wale. 


1715411 Jan. 7. 


et 
(13)88 Her Evert Wistrate |1403 Tydeman Eyklinchoff 


Johan Murman junior. Wynant van Vemern. 
(13)89 Her Arnd Suderman | 1404 Seghebode Putte 
Hermann Cleppink. Johan Suderman. 
(13)90 Johan vamme Schyde | 1405 Ertmer van Ergeste 
Johan Brake. Johan Murman _ filius 
(13)91 Clais Swarte Joh. 
Johan van Rode. 1406 Johan Wale 
fol. %.(13)92 Her Albert Swarte Detmer Berswoirt. 
Arnd Murman. 1407 Alvyn vamme Schyde 
(13)93 Ertmer van Ergeste Clais Wistrate. 
Tydeman van Hovele. | 1408 Arnd Murman 
(13)94 Lambert Berswort Clais Berswoirt. 
Mathias Trappe. 1409 Her Conrait Cleppink 
(13)95 Clais Berswoirt Her Hilbrant Henxten- 
Vrowin Saltrump. berg. 
(13)96 Herman Oldinchoff |1410 Johan Murman de olde fol. 10%. 
JoWickede filius dom. Evert vamme Schyde. 
Jo. 1411 Her Albert Beye 
| Mathias Trappe. 
(13)97 en filius AD He Albert Beye 
Hilbrant Henxtenberg. Mathias Trappe. 


1413 Her Albert Beye 


(13)98 ia Beye filius Al- Mathias Trappe. 
berti . 
{ 1414 Conrait Berswoirt 
DetmarCleppink filius On EDEIZ ON 
dom. Detmari. 1415 Johan Murman 
(13)99 Arnd Kalff Arnd Kalff. 
Godert Wistrate. 1416 Johan Wickede 
1400 Conr. Cleppink filius Hilbrant Suderman. 
dom. Alberti 1417 Johan Vemern 
Reckart van Afferde. Ewailt Lembergh. 
fol. 10.1401 Albert Plater 1418 Reynolt van Unna 
Series Henxtenberg. Coird van der Oelpe. 
1402 Johan Paelzod. 1419 Herbort Tassche fol. 11a. 
Conrait Berswoirt. Johan Bockel. 


BORN 


1420 Tydeman van den 1435 Albert Beye 
Schyde Andreis Cleppink. 
Tydeman van Hovele. |1436 Gerd Tolner 
1421 Everd Wistrate Hinrich ter Oesten. 
Hinrich Brake. 1437 Johan van Hovele m 
1422 Her Detmer Berswoirt Vrowin Berswoirt. 
Wynant Vemern. 1458 Her Coird Berswoirt 
1423 Her Hilbrant Henxten- Johan Cleppink. 
berg 1439 Gerd Trappe 
Johan van Hovele. Johan Bockel 
1424 Her Coird Berswoirt 1440 Her Gerwin Cleppink 
Johan Pailzod. Coird Berswoirt, junior. 
1425 Johan Vemern 1441 Her Gerwin Cleppink 
Johan Berswoirt. Coird DBerswoirt ex 
1426 Johan Murman rogat. 
Gerwin Oleppink. 1442 Her Johan Murman 
1427 Gosschalk Kalff Herman Wickede. 
Wilhelm Holthus. 1443 Johan Berswoirt 
fol. 116. 1428 Tydeman Kuken Ludeke Borchards. 
Arnd Balke. 1444 Her Gosschalk Kalff 
1429 Hilbrant Henxtenberg Cristoffer Henxtenberg. 
Albert Cleppink. 1445 Her Albert Cleppink 
1430 Her Johan Wickede Clais Berswoirt !). 
Her Hilbrant Suderman. |! 1446 Herbert Tassche fol. 12b. 
1431 Herbert Tassche Clais Swarte. 
Conrait Swarte. 1447 Her Tydeman vamme 
1452 Tydeman van Hovele Schyde 
Tydeman vamme Schyde. Segheboid Berswoirt. 
1453 Her Detmer Berswoirt | 1448 Reynolt Wale 
Reynolt Wale. Tydeman Swarte. 
1434 Rotger Wickede 1449 Rotgher Wickede 
Arnd Kalff. Gerwin Murman. 


!) So weit reicht die erfte Hand, von der aber noch die Jahreszahlen 
bis zum Jahre 1544 vorbemerkt ſind. Die jetzt folgenden Handſchriften 
wechſeln häufig. 


u 


1450 Mester Gerwin Clep-|1467 Johan van Hovele 


pink Johan Borehards. 
Arnd Kallft. 1468 Hinrick Brake 
1451 Albert beye Arnt Berswort. 
Goiswin van Unna. 1469 Her Herman Wickede 
1452 Her Andreis Cleppinck Her Gerwyn Cleppingh. 
Tydeman van Unna. [1470 Ludike Borchard 
1453 Ghert Tolner Johan Wysstrate. 
Johan van Hovele. 1471 Her Arnt Suderman 
1454 Hinrich der Oesten Clawes Berfswort. 
Ewalt Vemern. 1472 Her Cristoffer Henxten- 
fol. 13. 1455 Gherd Treppe bergh 
Arnd Berswoirt. Korle vamme Schide. 
> Een ee 1473 Coerd Kuken fol. 14a. 
— Coerd Cleppinck. 
1457 — — 1474 Segebode Berszwort 
un. Her Diderick Prume. 
1458 Her Gosschalk Kalff [1475 Hinrick Suderman 
Arnd Suderman. Johan Cleppinck. 
1459 Her Cristoffer en 476 Arnt Kleppinck 
berg 
ee. | 77 it — 
— ER Ge rung: Tonies van Schedingen. 
oird Kuken. 
1461 Claes Swarte dey alde 1478 Gerwin Murman 
Shegebod Bersword. Godert van Hovel. 
‚1462 Reynolt Wale 1479 Lambert Berzwort 
Hinrich Suderman. Bertram Berchofl. 
1463 Tydeman Swarte 1480 Her Albert Beyen 
Arnd Cleppinck. Albert Swarte. 
tol. 136. 1464 Reynolt Swarte 1481 Tideman van Unna 
Gerwin Muyrman. Gossehalck Vemern. 
1465 Her Albert Beye 1482 Her Johan van Hane fo. 140. 
Lambert Bersword. Johan Borchards. 


1466 Tydeman van Unna 1483 Her Herman Wickede 
Gotschalck vanVemern. et filii ejus sub- 


FAT 


tenuerunt vice, quia | 1499 Johan Duyster 


obiit Dethmar Cleppinck. 
Johan Beye. 1500 Gosswin van Unna fd. 15t. 
1484 Claesz Berswort Renolt van Unna. 
Wylhem van Schäphüsz. |1501 Anthonies van Sche- 
1485 Her Cristoffer Henxst- dingen 
bergh Jorghen Cleppinck. 
Bernd Henxstbergh. 1502 Tideman van Hovell 
1486 Cort Kuken Johan van Hovel. 
Cort Cleppink. 1503 Rotger Wyckede 
1487 Her Diderich Prume Johan Henxstenberch. 
Segebade Berswort. 1504 Claes Swarte 
1488 Johan Duester Herman Berszwort. 
(Goeswyn van Unna. 1505 Her Albert Swarte 
1489 Thonyes van Schedyn- Tideman Prume. 
gen 1506 Tideman Wickede 
Thyman van Hovele. Claes Poppinekhusen. 
1490 Lambert Berzwort 1507 Her Johan Beye 
Rutger Wickede. Johan Bersword. 
fol. 15a. 1491 Bertram Berchoff 1508 Her Hilbrant Swarte 
Claes Swarte. Bernt Duster. 
1492 Albert Swarte 1509 Johan Vemeren fol. 16a. 
Evert van Unna. Johan Forstenbereh. 
1493 Her Johan van Hovel |1510 Johan Düster 
Tydeman Wickede. Claes Swarte. 
1494 Her Johan Beye 1511 Johan Brake 
Hillebrant Swarte. Detmer Prume. 
1495 Clawes Berszwort 1512 Detmer Cleppinck 
Tydeman van Unna. Johan Duester d. J. 
1496 Her Wylhem van Schäp-|1513 Gosswin van Unna 
hüsz Renolt van Unna. 
Johan Vemern. 1514 Anthonyes van Sche- 
1497 Cort Küken dynge 
Rotger Wale. Jorghen Kleppyngk. 


1498 Her Diderick Prüme 1515 Tideman van Hovele 
Johan Brake. Claues Kleppynck. 


fol. 16b. 


fol. 1%. 


11 


1516 Johan van Hovell 
Rotger Wyckede. 

1517 Claues Swarte 
Johan Henxstenbergh. 

1518 Her Albert Swarte 
Gotschalek Vemeren. 

1519 Her Tideman Prume 
Coirdt Berszwoirt. 

1520 Her Tideman Wickede 
Her Johan Beye. 

1521 Her Hilbrandt Swarte 
Johan Berszwordt. 

1522 Johan Vemeren 
Berndt Duyster. 

1523 JohanFurstenbergh und 
in syns hulpers Ert- 
mar Swarten stede, 
so he dat schaffen 
affsachte , junffern 
und frowen. 

1524 Her Johan Brake 

Johan de Haene. 
1525 Dethmar Prume 
Dirick Routardt. 
1526 Joryen Kleppynek 
Tydeman Swartte. 
1527 Tideman van Hovele 
Claues Popynckhusenn. 
1528 Claes Cleppingk 
Claes Berswort. 


1529 Erthmar Swarte 
Hilbrandt Swarte de 
Beyuncher; 

1530 Johan van Hovell 
Rotger Wickede de 


yunghe. 


1531 
1532 
1539 
1534 
1535 
1536 
1537 
1538 
1539 


1540 


1545 
1544 
1545 
1546 
1547 


1548 


Rotger Wickede de alde 
CGlaues Swartte. 

Johann Henxstenbergh 
Hynrick Brake. 

Her Hilbrandt Swarte 
Cordt Cleppyngk. 

Johann Berszwordt 
Lambert Berszwordt. 

Her Johan Brake 

Diderieh Prume. 

Her Erthmar Swartte fol. 17%. 
Wilhem Swartte. 
Johan Haene 
Dethmar Prume. 
Diriek Routardt 
Tideman Swartte 
Claues Popynekhuszen. 
Claes Berswordt 
Philipes Varsem. 

Her Johan van Hovell 
Rotger Wickede. 
Hinrich Brake 

Shotte van Mengede. 
Her Lamberth Berswort 
Diderich Prume. 
Wilhelm Swarte 
Johan van Hovell. 
Her Johan Hane 
Dethmar Prume. 
Claes van Hovell 
Tyman Swarthe 
Andrees Cleppinck. 
Claes Poupinekhuis 
Godert Hane. 


fol. 182. 


fol. 18b. 


1549 Her Niclaus Berswort 
Jaspar Prume. 
Philips van Varssem 
Berndt Duester. 
Rotger Wickede 
Niclaisz Cleppinck. 
propter pestem inter- 
missum est 


1550 
1551 


1552 


Her Lambert Bersch- 
worth 
Johan Klyppinck. 


Johan van Hovell 
Goddert Berswort. 
Her Johan Hane 
Melchior Prume. 
Claus van Hovell 
Thiman Swarthe d. 
Junge. 
Tideman Swarthe der 
olde 
Conradt Cleppinck der 
junger. 
Andreas Cleppinck 
Goddert Hane. 
Her Niclaesz 
wordt 
Johan Hane der junger. 
Her Caspar Prume 
Nielaesz Hane. 
Philippus van Varssem 
Rutger Wyckede der 
elter. 


1562 Nielaesz Cleppingh 
Christoffer Hane. 


1553 


1554 


1555 


1556 


1557 


1558 


1559 Bersch- 


1560 


1561 


12 


1563 HerLambert Berszwordt 
Hilbrandt Cleppingh. 
1564 Johan van Hovell 
Rutger Wyckede der 
junger. 
1565 Goddert Berszwordt 
Schoette Pepinckhues. 

1566 Ist per pestem verhin- 
dert. 

1567 DurehafstervenMelchior. 
Prumen desselbigen 
wittfrouwe Chatarina 
Swarte 

Detmar Berswordt. 

1568 Nicolaus van Hoevel 

Her Albert Cleppinck. 
1569 Conradt Cleppinck der 
Junger 
Dietherich Prume. 
1570 Andreas Cleppinck 
Caspar Swarte. 
1571 Her Goddert Hane 
Gerion Hardenraedt. 
1572 Her Caspar Prume 
Nicolausz Hanen se- 
ligen erven. 


1573 Philippus van Farssem to. 10b. 


Nicolaus Cleppingh. 
1574 Christoffer Hane 
Hilbrandt Cleppingh. 
1575 Rotger Wickede 
(Goedert Beerswordt. 
1576 Schotto Poepinekhues 
Georgh von Farssem. 
1577 Dethmerr Berszwordt 
Niclaesz von Hoevel. 


1578 
1579 
1580 
1581 
1582 
ol. 20a. 1983 


1584 


1585 


1586 
1587 


1588 


1589 


1590 
1591 
1592 
1593 
1594 


01. 200. 1595 


ee 


Conradt Cleppingh 1596 
Hilbrandt Berswort. 
Diedrich Prume 1597 
Georgh Cleppingh. 1598 
Caspar Swarte 
Hilbrandt Hane. 
Her Godthardt Hane 
Philippus van Wickede. | 1599 
Gereoen Hardenraedt 
Herman Berswordt. 1600 
Philippus von Farssem | 1601 
Nielaesz Swarte. 1602 
Niclaesz Cleppingh 
Nielaesz van Hoevell| 1603 
der junger. 
Christoffer Hane 1604 
Andreas van Wickede. 
Hilbrandt Cleppingh 
Bertoldt van Farssem. | 1605 
Rutger van Wyckede 
Sehotto Poepinckhues. 
Georg van Varssum 
Conradt de Wendt zu 
Delwich. | 
Her Niclaus van Hoevel| 
Albert Hane. 1606 
Conraedt Cleppinghk 
Hilbrandt Bersworth. | 1607 
Georgh Cleppingh. 
Caspar Swarte. 
Hylbrandt Haen wegen | 1608 
seines witwen stan- 
des mytt gelt loss 
bezalt. 
Herr Gothart Hane. 1609 


Philips van Wickede 

Johann Cleppingh. 

Gereon Hardenraidt. 

Herman von der Bersz- 
wordt 

Constantinus Rotkir- 
chen. 

NielausScehwartte. tem- 
pus pestis fuit. 

Andreas Kleppinck. 

Nielas von Hövell. 

Albrecht der Häne, 
junior. 

Christoffer der Häne 

Göderth Peipinckhus. 

Bertolt von Varssem 

Albrecht Kleppinck 
Conradi filius. 

Georg von Varssem. 
Distulit consensu so- 
cietatis in proximum 
annum 

Lambrecht von der 
Bersworth, dedit pe- 
cuniam. 

Georg von Varssem so- 
lus. 

Conrath de Wendt in 
Delwich 

Niclas der Haen. 

Albrecht der Haen in 
Goy 

Andres Kleppinck, Con- 
radi filius. 

Conrath Kleppinck 


fol. 21a, 


Dieterich von Pletten- 
berch. 


1610 Her Georg Kleppinck | 


Caspar Swartz junior. 
Dedit pecuniam. 
1611 Caspar Swartz senior 
Dethmar Kleppinck. 
1612 Hilbranth der Haen 
obiit, vidua dedit 
pecuniam 
Göderth Kleppinck. 
1613 Philips von Wickede 
Dethmar von der Bers- 
worth. 
1614 Her Herman von der 
Berschworth 
Caspar Hardenrodt. 
1615 Nicolaesz Schwartze 
Christoffer von der 
Berschwort, dedit 25 
rs dal. 
1616 Andresz Kleppinck so- 
lus. 


Hiermit ſchließt das Namensverzeichniß des Buches. 


14 


— — 


1619 


1620 


1621 


1622 


1623 


Nicolesz von Hovel so- 
lus. : 
Albrecht der Hane zu 

Wanbel 
Johan von der Bersch- 
wort filius Hilbrandi. 
Bertholt von Varsem 
Andresz Wickede, filius 
Philip Wickeden. 
Albrecht Kleppinck 
Philips von Varsem 
filius Bertholdi, quia 
parens obiit, distulit 
consensu societatis 
in proximum annum. 
Nicolesz der Hane 
Philips von Varszem. 
Albrecht der Hane in 
Goie,dedit pecuniam. 
Andresz Kleppinck, fuit 
solus. 


fol. 21b. 


Doch 


liegt noch ein Papierzettel gleichen Formates bei, der folgende 
Namen enthält, die von den obigen abweichen: 


Anno 1593 Géorg Cleppingk 
alleine. 

1594 GasparSchwartzalleine. 

1595 Hillbrandt de Hane, 
weil ihm aber binnen 
jahrs seine hausz- 
frawen gestorben, 
hatt er das gelt da- 
für geben. 


1596 


1597 


1598 Gereon Hardenrodt, 


Her Godefried de Hane, 
alleine. 

Philips von Wickede 
und Johannes Clep- 
pingk. 

al- 

leine. 


1599 Herman von der Bers- 


wordt 


Constantin von Rott- 
kirchen. 
1600 Niclas Schwarz, alleine. 
1601 Andresz Cleppingk, al- 
leine. 
1602 Nielas von Hovele und 
Albrecht de Hane der 
junge. 


1603 Christopher de Hane 
und Godefridt von 
Poepincekhausen. 


1604 Berchtholdt von Vars- 
sem, und Albrecht 
Cleppingk. 

1605 Ob woll Georg vonVars- 
sem wurde, hatt er 
doch bisz ins fol- 
gende jar solehs auff- 
gestellet und hatt 
Lambrecht von der 


Sm Buche folgen mehrere unbefchriebene Blätter. 


Berswordt geben 
gelt. 

1606 Georg von Varssem, al- 
leine. 


1607 Conradt de Wendt und 
Niclas de Hane. 

1608 Albrecht de Hane der 
älter und Andresz 
Cleppingk der junger. 

1609 Conrad Cleppingk, und 
Dieterich von Plet- 
tenberg. 

1610 Her Georg Cleppingk 
und Gaspar Schwarz 
der jünger, dieser hat 
gelt geben. 

1611 Gaspar Schwarz, 
älter 

Diethmar Cleppingk. 

1612 


der 


Die 


beiden legten find zu Notizen benußt. 


fol. 27», 


Ao xv® nono in dem vastelavende!) hebben 


dei geselschap geschaffet int erste dei kemener van der 


burgermestre wegen, dar na 


Jorgen Cleppinck / Ertmar Swarte 
Goswin van Unna / Johan Henxtenberch 
Claesz Swarte / Detmar Prume. 
Aoxvexi schaffeden int erste kemeners van der burger- 
mestere wegen in dem vastelavende ?), dar na Tyman van 


Hovel Renolt van Unna. 


1) 1509 Febr. 20. 
2) 1511 März 4. 


Up sundach voir pinxten!) Rotger Wickede und Bernd 
Duster. 

Ao xii schaffeden Claesz Swarte Detmer?) op dinstach 
to vastavent?°). 

fol. 286. (Bon der urfprüngliden Hand gejchrieben bis 
auf die Namen links am Rande:) 

Der Juncheren geselschopp hebben des jairs erfliker 
renthe 
Berchoff Int eirste uyte Coird Jackenstitkers huys ge- 

legen beneven deme Raithuse an dey westsyde 


allemiain rn 222 
Beye Item Tydeman vamme ‚Schrde uyt Basuyns hus 
| up deme Westenheleweghe jairs. . 1 mark 
Thonys Rotert dey yunge. Item uyte Coird Doenhofs 
lande gelegen by Hoirde . . . „zwi schil: 
Hovel Item uyte deme huys Copinhaven by dem Sunnen- 
schyne. ...1©.“0 1. 2.0.2207 Do 

Juni lJ. 


2) Ole(pping) übergeſchrieben. 
2) 1512 Febr. 233. - 


II. 


Geſchichte 
des Ratharinenkloſters zu Dortmund 
und des Dorfes Birchlinde bei Dortmund, 


Bon Oberrentmeifter a. D. Ferd. Zumbuſch zu Dortmund. 


Das Katharinenklojter zu Dortmund und die Pfarrfirde 
zu Kirchlinde. 


Der Orden der Vrämonftratenfer wurde von Norbert, 
dem zu Xanten im Jahre 1082 geborenen Sohne des Grafen 
von Gennep und der Hedwig von Lothringen, gegründet. Der 
Ruf diejes frommen Mannes und feiner Mönche verbreitete 
fih bald in Franfreih, den Niederlanden und Deutfchland. 
Schon 1122 berief Graf Gottfried II. von Cappenberg den 
Norbert zu fih. 1125 wurde Norbert als Erzbifchof nad) 


Quellen: Königl. Staatsardiv Münfter. Königl. Staatsardiv 
Düfjeldorf. Kirhenarhiv zu Kirchlinde. Kirchenarchiv zu Lütgendortmund. 
Kirchenarchiv Propſteikirche Dortmund. Privatarchiv des Haufes Dellwig. 
Privatardiv des Schultenhofes zu Kirchlinde. Dr. Rübel, Urkundenbuch 
von Dortmund. Lacomblet, Urkundenbuch für den Niederrhein. Regierungs- 
aften zu Arnsberg. Mooren und Binterim, Annalen d. hiftor. Vereins 
für den Niederrhein. Stadtardhiv Dortmund. Hugo, Annales ord. 
Praemonstratensis. Geſchichte des Bürgerfchügenfeftes von Dortmund 
zum 500jährigen Jubiläum von Prof. Mette. General-Picariatsakten zu 
Köln. General: Vicariatsakten zu Paderborn. Mooren, Dortmunder 
Archidiakonat. Bau=- und Kunftdenfmäler Weftfalend von Ludorf (Kreis 
Dortmund). 

Beiträge zur Geihihte Dortmunds. XI. 2 


au Be CR 


Magdeburg berufen, wohin er feine Mönche mitnahm, und 
von wo aus fich diefelben bald über ganz Deutſchland verbreiteten. 
So wurden in furzer Zeit die Klöfter Amftein, Altenberg, Clar- 
holz, Conradsdorf, Dorle, Dunewald, Engelpforten, Füllen, 
Garken, St. Gerlah, Hamborn, Heinsberg, Ilbenſtadt, Leug— 
warden, Marienthal, Marienftern, Marienroth, Meer, Niederrehe, 
Ohlinghaufen, Reichenftein, Rommershaufen, Rumbed, Scheidt, 
Steinfeld, Thron, Weddinghauſen, Wenau, Barlar, Ellen und 
das St. KRatharinenklofter zu Dortmund nebft vielen 
anderen Klöftern, Abteien und Propfteien gegründet. 

Schon 80 Jahre nach der Stiftung des Ordens zählte 
derjelbe 24 Landjchaftsmeifter (Provinzialen), 1000 Aebte, 
300 Pröbfte und 500 Nonnenklöfter. Norbert ftarb 1134 am 
11. Juni zu Magdeburg und wurde in der Domfirche dafelbit 
beigeſetzt. 

Der Hauptzweck des Prämonſtratenſer-Ordens war die 
Ausübung des Predigeramtes und die Abhaltung des öffent— 
lichen Gottesdienftes. Derſelbe war unter allen abendländiichen 
Orden der Chriftenheit der am fefteften gegliederte. Alle jeine 
Klöfter ftanden mit einander in einem durchaus innigen, organi= 
ichen Verbande. Daher erklärte es fih, daß häufig die An- 
gehörigen des einen Klofters in der Seeljorge an anderen 
Kirchen angeftellt wurden, bei denen ein anderes das Beſetzungs— 
recht hatte. Beſonders zähe hielten die Prämonftratenjer an 
dem fogenannten Paternität3- und Filiationsverhältnig ihrer 
Nonnenklöſter feit und ließen die Leitung der ihnen untergebenen 
Klöfter um feinen Preis aus den Händen. Shrem Zwede und 
Berufe entfprechend erichienen die Prämonftratenjer ſchon früh 
und häufig im Beſitze bedeutender Pfarreien. Wir finden unfere 
Mönche bald im Klofter, bald außerhalb desfelben angeftellt, 
dann zurüdberufen und wieder ausgefchidt. 

Schon gleih nach der Gründung des Ordens entitanden 
nicht. allein Mönchs-, fondern auch Nonnenklöfter deſſelben 
Ordens in großer Zahl. So waren die Klöfter Heinsberg, 
Delinghaufen, St. Gerlah, Rumbeck, Leugmwarden, Meer, Fuß- 
jenich, Wenau, Engelpforten, Marienroth, Ellen, Marienftern, 


ee — 


Garten und endlih das St. Katharinenklofter zu Dort- 
mund Frauenklöfter dieſes Ordens. 

Mehrere Klöfter waren zu einem Kreife „Sircarin“ ver- 
einigt, an deren Spige der Generalvifitator oder Generalvicar 
des Ordens ftand. So beitand die „Cicaria Westfalia”, an 
deren Spiße der Abt von Steinfeld als Generalvilitator jtand. 
Diefem waren unter anderem die Klöfter Knechtitetten, Kappen- 
berg, Varlar, Clarholz unterftellt. Die Circaria ſelbſt hatte 
nun wieder ihre Vifitatoren, deſſen angejeheniter, was jeinen 
Einfluß auf kirchliche und bürgerliche Verhältnifje betrifft, in 
dem Erzitifte Köln der Abt von Knechtitetten war. Seine 
Surisdiction beftand jedoh nur in der geiftlichen Obergewalt 
und. der Vertretung der Klöfter in Streitfachen. Ihm und 
wiederum feinen Oberen gelobten die Profeſſen bei Ablegung 
ihrer Gelübde Gehorſam; er ernannte die Pröbfte und Prioren 
ber ihm unterftellten Klöfter, durch ihn wurden in feiner Eigen: 
ſchaft als geiftlicher Oberer diefer Klöfter die Pfarreien bejegt, 
bei welchen den leßteren das Patronatsrecht zuftand. In civil 
rechtlicher Beziehung wurde jedes einzelne Klofter durch feinen 
Dberen: Abt, Probſt, Prior, Priorin und Konvent, vertreten. 

Die Abtei Knechtitetten, bei Dornhagen am Rhein belegen, 
wurde 1130 von dem Nachfolger des Erzbiſchofs Bruno II. 
von Köln, dem Grafen Hugo von Sponheim, als er noch Dom- 
dechant war, gegründet, und gehörte bald zu den mächtigiten 
und reichften Klöftern des Niederrheind. In diefer glüdlichen 
Lage hat fi die Abtei behauptet, bis durch den Züneviller 
Frieden 1801 das Erzitift Köln und mit ihm alle Kloftergüter; 
fo auch die Abtei Knechtftetten, jäcularifirt und deren Güter 
von der derzeitigen franzöfifchen Landesregierung eingezogen 
wurden und dureh den Parifer Frieden 1815 auf den preußifchen 
Staat übergingen. Die Abtei mit allen Gütern wurde mit 
Ausnahme der Waldungen, welche uam heute dem Fiscus ge- 
hören, verkauft. 

Diefer Abtei waren, wie gejagt, eine Anzahl Klöfter, jo 
auch das zu Dortmund belegene Nonnenklofter ad Sanct. 


Catharinam, untergeorönet. 
2 * 


Ede 


Ueber die Entftehung dieſes Klojters, deſſen Gebäude heute 
nod zum großen Theile vorhanden find, geben die im Staats— 
archiv zu Münfter beruhenden uralten, jedoch noch in völlig 
unverlegtem Zuftande fich befindenden Pergamenturfunden (ge= 
drudt im Dortmunder Urfundenbudy von Dr. Kübel) völligen 
Auffhluß. Darnah wurde durh SKaifer Heinrih VI am 
23. März 1193 aus den Reichshöfen zu Dortmund, welche 
Reichsgut waren, ein Kamp, der „Koningesfamp”, ausgejchieden 
und zum freien und eigenen Befiß zur Erbauung des Kloſters 
geſchenkt. Inhaber war der conventus sancte Catharinae. 
Diefe Schenfungsurfunde, an welcher fi) ein mächtiges, altes 
Siegel Kaifer Heinrich's an rother Seidenfchnur befindet, ift 
von den jpäteren Kaifern und Erzbifchöfen zu Köln vielfach 
unter Verleihung der verjchiedenften Brivilegien bejtätigt worden. 
So durch Kaifer Friedrich II. 1218, Erzbiſchof Engelbert von 
Köln 1224, König Heinricb VII. 1224, Erzbifhof Conrad I. 
1253, König Wilhelm 1254, Kaijer Mathias 1617 und Kaiſer 
Leopold I. 1691. | 

1382 ertheilte Engelbert (IIL.), Graf von der Marf, dent 
Klofter ewige Freiheit über alle Klojtergüter. Erſt durch Ber- 
öffentlihung diefer Urkunden iſt die früher vielfach verbreitete 
falſche Annahme widerlegt, als verdanfe das Katharinenklojter 
den Grafen von Dortmund feinen Urjprung, wie jolches noch 
von Mooren, Heft 2, Seite 153 der Annalen des hijtorifchen 
Vereins für den Niederrhein, angeführt wird. 

Nach der Chronik Wefthoffs hat der Bau des Klojter3 jo- 
fort begonnen und ijt mit Hülfe der Einwohner Dortmundg 
und anderer Wohlthäter um das Jahr 1215 vollendet. Die 
Kirche ift dann durch den Kölner Weihbiſchof Theodor von’ 
Eithland der hl. Katharina geweiht worden. Daher führt 
denn auch das Klofterfiegel da3 Symbol diefer Märtyrerin, 
„ein Rad“, im Wappen. | | 

Das Katharinenklojter gelangte ſchon kurze Zeit nach jeiner 
Gründung zu großer Blüthe und Reichthum. Abgejehen von 
den Bermächtniffen aller Art erwarb dagjelbe in und um Dort- 
mund ganz außerordentlichen Grundbefig, Renten und Gefälle, 


ZEN RE 


fodaß das Klofter im Laufe der Zeit zu den reichiten der Gegend 
gezählt werden durfte In Dortmund felbit waren es viele 
Häufer, Gärten und Grundftüde, welche dem Klofter gehörten, 
in der Umgebung Dortmunds wurde das Klofter bald die Be- 
figerin ſchöner Ritterfiße und Bauernhöfe. Eritere find längit 
vergeffen, während ein großer Theil der uralten Höfe fich ſelbſt 
dem Namen nach bis auf die heutige Zeit erhalten haben. Die 
nennenswertheften Ermwerbungen mögen bier hervorgehoben 
werden. 

Die älteften Erwerbungen fanden in Kirchlinde ftatt, wel- 
ches damals „Linne“ hieß, und fpäter, wohl zur Unterjcheidung 
der benachbarten Merflinde und Frohlinde, Kirchlinde genannt 
worden ilt. 

Es mag hier erwähnt werden, daß Kirdhlinde unter den 
Drten des Landfreifes Dortmund urkundlich jehr früh genannt 
wird. Am 3. Mai 896 beitätigt Erzbifchof Heribert von Köln 
dem Klofter Deutz bei deſſen feierliher Einweihung alle dem— 
felben geſchenkten Befigungen, darunter auch die zu Lynne in 
Weftfalen. Haft gleichzeitig erſcheint Kirchlinde (Linne) mit 
Gaftrop, Mengede, Dorftfeld zufammen im Heberegiſter der 
Abtei Werden, deren ausgedehnte Befigungen auch in und um 
Kirchlinde fich finden. ES war deßhalb Seitens der Bewohner 
von Kirchlinde fehr wohl berechtigt, wenn fie im Jahre 1895 
das taufendjährige VBeftehen des Drtes feitlich begingen. Ein 
Spötter, dem e3 unglaublich ſchien, daß obige Urkunde von 896 
thatfächlich befteht, jchrieb als „Eingeſandt“ in der Fatholifchen 
Zeitung „Tremonia“ zu Dortmund hierüber, daß die tauſend— 
jährige Urkunde bei Weiterführung des Stollens der Zeche 
„Zollern“ in dem Sarge des im Jahre 940 ins Grab gebetteten 
föniglihen Cabinetsſecretärs frater felix Magnus Ignotus 
entdedt jei. 

Linne war zur Zeit der Entftehung des Klofters der Nitterfit 
Sächfifcher Adliger, der Grafen von Dafjeln. Die Erwerbung 
dieſes Beſitzes ſoll jpäter eingehend ausgeführt werden, da damit 
zugleich die älteften, bekannten Nachrichten über die firhlichen 
Verhältniffe in Kirchlinde beginnen. Es gehörten dem 


TR 


Katharinenkflofter: Zu Marten die Königsmühle. Chrembredt 
von Marten befundete jchon am 13. Mai 1357, daß er dem 
Klofter 30 Malter Korn für jene Mühle fchulde, weldhe er von 
demjelben in Genuß habe, während 1363 der Ritter Tönnis 
von Marten der Mühle vier Morgen Landes überträgt. Eben- 
fo gehörten dem Klojter die Hahnenmühle an der Emſcher, 
welhe im Sahre 1741 mit allen Renten und Rechten dem 
Kaspar Heinrih PRottgießer zu Dortmund cedirt wurde. In 
Weithofen wurde 1357 dem Klojter von Stine, der Tochter des 
Sohann Wefthufen, der Erlehof übertragen. In Kirchlinde 
übertrug 1363 Hermann de Schulte to Linne mit Weib und 
Kindern feine Güter dem Klofter. Die Familie des Schulte 
und deren Nachkommen find nachweislich bis zur Umwandlung 
der Höfe in freies Eigenthum durch die Ablöfeordnung Pächter 
reſp. Erbpächter dieſes ſchönen Schulzenhofes gewejen, mie 
denn der Befiter diefes Hofes nach dem Ausweiſe der mehr- 
fa vorhandenen Urkunden ftet3 den Vorſtand der Firch- 
lichen und politifchen Gemeinde bildete. — Die dem Klofter 
zu zahlenden Abgaben hat nad der Säcularifation zur Zeit 
der franzöfiihen Herrihaft außer anderen Gefällen aus fäcula- 
rifirten Gütern der General Coulaincour, Herzog von Vincent, 
dent jolche von Napoleon I. zugewiefen worden waren, bezogen. 
Das Arhiv des Schultenhofes enthält hierüber noch etliche 
interefjante Schriftftücfe. — Leider ift der ſchöne Hof in neuerer 
Zeit arg zerſtückelt worden. 

Johann Greve zu Dorſtfeld verzichtete zu Gunſten des 
auf den Holthuis-Kotten zu Kirchlinde 1366. 
Am 28. Januar 1504 verkauften Henrich Duyſcher von Rüddink— 
huſen, ſeine Ehefrau und ſeine Schweſter, dem Prior und 
Convent des Katharinenkloſters, den Kirſebaumshof in Kirch— 
linde. Auch dieſer Hof hat ſich unter gleichem Namen bis 
heute erhalten. Der Knappe Theodoricus, genannt von Martene, 
bekundet 1332, daß er auf einen Teich im Sundich bei Kirch— 
linde zu Gunſten des Kloſters verzichtet habe. 

1361 erklären die Gebrüder Wilhelm und Frederik von der 
Heide vor dem freien Stuhle, dem Katharinenkloſter zu Dort- 


mund den Zehnten zu Elyge (Kley bei Marten) und. der halven 
Hove thu Stohem aufgelaffen zu haben. Ebenſo ſchenken 
Gerlach von Weſthuſen demſelben in Stochem (Stodum) ver- 
fchiedene Einfünfte aus dem Budder'ſchen Gut und verjpredhen 
Abgaben dajelbit von den Gütern, welche Heinrih Paſchmann 
(jegt no Paßmann) bewohnt. 

1320 bezeugt der Knappe Rutger von Düngelen, daß jeine 
Eigenleute Arnold von Lütfendorpe und Lutgaris, deſſen Frau, 
den Hof zu Rode (Schulte Rahden zu Bövinghauſen) auf 
Lebzeiten vom Katharinenkloſter erhalten haben, zugleich ſind 
denſelben gewiſſe Holznutzungsrechte der Marka Weſterwik 
(Weſtrich) zugewieſen und müſſen ſie gewiſſe Naturalien an die 
heil. Geiſtkapelle in Dortmund leiſten. Es zeichnen unter 
Anderen Herbordus de Delewik (Dellwig), Herrmannus de 
Rüddinckhuſen (Rüdinghauſen), Arnoldus de Linne (Kirchlinde). 
Wegen dieſer Holzgerechtigkeiten ſind ſpäter zwiſchen dem Kloſter 
und den Pächtern des Schulte Rahden-⸗Hofes vielfache Streitig— 
keiten entſtanden, worüber noch ein umfangreiches Material im 
Staatsarchiv zu Münſter aufbewahrt wird. Nach der Um— 
wandlung des Hofes in freies Eigenthum iſt derſelbe in jüngſter 
Zeit von Erbſchafts wegen zwiſchen den Gutsbeſitzern Thiheuer 
zu Barop und Paßman zu Stockum getheilt, letzterer hat in- 
deß die Gebäulichkeiten erhalten. — In den alten Urkunden 
des Katharinenarchivs iſt noch von einem anderen Hofe zu 
Rodehem (die von Rodehem waren ein altes Rittergeſchlecht 
zu Marten), Kirchſpiels Lütgendortmund, die Rede, welchen 
Johann von Wiſchelink 1369 dem Kloſter verkauft hat, und 
im Jahre 1362 dem Wilhelm von Vrydag verpfändet war. 
1325 verkaufte der Paſtor Speke zu Lütgendortmund dem Kloſter 
den Albrandshof daſelbſt für 60 Denare. 1438 verkaufte Her- 
mann und Zudolph von Fürftenberg dem von Vittinghoff (zu 
Goldſchmieding bei Caftrop) das Schwarten und Didzgut zu 
Lütgendortmund, welcher diejes Gut, auch Dorlehof genannt, 
laut Erbfaufbrief vom Jahre 1444 an das Katharinenklofter 
veräußert. Dieſes Gut heißt jpäter der Niermanshof, und ift 
heute noch im Beliße Der gleihnamigen Familie. Der Dfter- 


EN VE 


mannshof zu Weſterwik (Weſtrich), jet im Befige des Defonomen 
Deufemann, kommt ſchon 1322 als Eigenthum des Klofters 
mit den Eigenhörigen Hermann und Heinrich, Söhne der Adel- 
heid von Weſterwik, vor. Auch bekundet der Truchjeß des 
Grafen von der Mark, E. Spede in Bodum, 1337, daß diefe 
fih dem Klofter zu Abgaben! verpflichtet haben. Der Hof wurde 
früher auch Dverhof oder Dvergut genannt, an welchem 1370 
Everhard, Sohn der Gertrud von Weſtrich, alles Necht dem 
Katharinenklofter überträgt. Das Gehdind-Gut zu Merklinde 
war bereit3 1336 abgabepflichtig. 1342 verfaufte der Rector 
der Kapelle in Wattenjcheid dem Klofter einen Ader in Sunne- 
born (Somborn) by der Byverne, dietum Dvelereder. Vom 
Sahre 1355 Datirt Schon ein Pachtvertrag zwifchen dem Dit- 
marinksgut zu Wambeln und dem Klofter. 1368 erwirbt 
leßtereg vom Schulte von Dreyre (Langendreer) deſſen Land 
zu Somborn auf dem Dvelenader. 1384 faufte dafjelbe den 
Krummenhof zu Doritfeld, deſſen Name fich bis heute erhalten 
bat, ebenſo ift 1396 das Gut Mönigshege bei Groppenbrud) 
erworben, und wird das Klofter 1591 mit dem Tobbinf3-, jetzt 
Tobbenhof, in Dorjtfeld daſelbſt von der Fürftin zu Eſſen be- 
lehnt. Bon 1592 Datirt der Erbfaufsbrief des früher Plaß— 
manns- jegt Schmidtmannshofes zu Dorftfeld, während eine 
Urkunde von 1431 das Verhältniß des gleichnamigen Schmidt- 
mannshofes zu Despel berührt. 

Drer ſchöne Meinbergshof zu Schüren, früher der Pütten- 
hof geheißen, wurde laut Erbfaufbrief von 1407 Eigentum 
des Klofter8 und führt jeinen Namen noch heutigen Tages. 
Mit einem Reichshofe zu Bradel, dem jebigen Gößlingshofe, 
früher Brinkhoverdinfsgute, ift das Klofter durch die Kurfürften 
von Brandenburg belehnt worden, und liegen jeit dem Jahre 1547 
darüber eine Anzahl Lehnbriefe vor. Der Haumannshof zu 
Marten, früher Schemminfshof genannt, abteilich Werden'ſches 
Lehen, ift 1459 vom Klofter von Bernhard Dvelader zu Wiſch— 
lingen angefauft, und bat feit diefer Zeit nach einer großen 
Zahl Lehnbriefe der Aebte von Werden die Belehnung an das 
Katharinenklofter ftattgefunden. 


Der Togethof zu Dorftfeld, die Spiederhove zu Deufen, 
der Hoppenhof zu Hudarde, Altjtette zu Lünne, Daene zu 
Waltrop, Schmidt, Göpel, Wemphof zu Kirchlinde, der Zehnt 
zu Derne und noch viele andere Höfe und Befigungen gehörten 
ſchon in den älteften Zeiten dem Katharinenflofter, und gewiß 
ahnt mancher Befiger nicht, daß die älteften Nachrichten über 
fein Beſitzthum fich fo unter ftaatlicher Fürforge bewahrt be- 
finden. 

Sm 18ten Sahrhundert fcheint das Klofter mit feinen 
Hofespächtern viele Schwierigkeiten gehabt zu haben; das Archiv 
weift eine große Anzahl diesbezüglicher Prozeßakten nad), 3. B. 
Schulte Rahde, Krumme zu Dorftfed, Schillink, Welfener zu 
Huckarde, Niermann zu Lütgendortmund, Altftette zu Lünen, 
Nieberg und Schmidtinann zu Doritfeld, Daene zu Waltrop, 
Bockholz zu Despel, Schulte zu Kirhlinde und Schmidt dafelbft. 
Die Nachrichten über alle diefe Höfe, wie gewiß auch über viele 
andere der Mark finden fich bejonders auch in dem Archiv des 
Cleve-märkiſchen Landes vor, welches theils in Münfter, theils 
in Düffeldorf aufbewahrt wird. 

Es jei hier jedoch bemerkt, daß auch das Archiv des 
früheren Minoriten- rejp. Franzisfanerklofters zu Dortmund 
ih im Staatsarchiv zu Münfter befindet und mande Auf- 
ſchlüſſe über ehemalige Befigverhältniffe gewährt. So enthält 
dasjelbe iiber die Höfe Ewringmann zu Wambeln, Forjchepiepe 
zu Körne, Lueg in Hacheney, Lohoff zu Breiten, Bönefen zu 
Werne bei Langendreer, Degener und Baad zu Hudarde, Deufe- 
mann zu Dorftfeld, ſowie über die Kapelle und Vicarie Abding- 
hof (Klufe) bei Hörde und Klofter Clarenberg dajelbit, ferner 
über die Schule und Paftorat zu Courl (Zumbufch zu Haus 
Courl) mande und zum Theil intereffante Nachrichten. Der 
freiadlige Ritterſitz Hudarde ift zwar niemals Cigenthum 
des Katharinenkloſters gewejen, jedoch hat der Abt von Knedht- 
ftetten folchen anno 1740 dennoch zu diefem Zweck von dem 
Freiherrn von Schall und Beveren für 16500 Thaler gekauft, 
um, wie es im Copirbuch der Abtei Anechtitetten heißt: „Dem 
Gotteshaus zu St. Ratharinen, weldhem der Orten unter Denen 


RN) apa 


unfatholifchen das geringfte zu aquiriren nit erlaubt noch dien- 
lich ift, dies ihnen fo wohl gelegenes Gut allgemach Fönnte 
cedirt werden“. — 

Es iſt ridtig, daß nad) den damaligen Statuten der 
Stadt Dortmund dem Klofter nicht erlaubt war, Erwerbungen 
in der Stadt zu machen; hierbei ift es auch bis zur Säculari- 
fation geblieben. Das Rittergut Hudarde ift in den 1790er 
Sahren an die Nebtiffin in Eſſen verfauft und demnächſt mit 
den übrigen Gütern derſelben zu Sudarde von der Landes— 
regierung eingezogen worden. Die Nevenüen des Gutes Yudarde 
find weder vom Abt von Knechtitetten, noch vom Katharinen- 
kloſter bezogen worden, vielmehr floſſen dieje als Subſiſtenzmittel 
dem Baftor zu Kirchlinde zu. Das Katharinenklofter zu Dort: 
mund hatte indeß nicht allein mit feinen Hofespächtern, jondern 
namentlich auch mit den Bürgern und dem Magijtrate zu Dort- 
mund mandherlei Prozeffe und Streitigkeiten zu beftehen. 
Namentlich waren e3 die alten dem Klofter gewährten Privilegien, 
wie die Abgabefreiheit, welche die Dortmunder zu bejeitigen 
ſuchten. Dieſe Verſuche boten häufige Veranlaffung zu Diffe- 
renzen. Sehr unangenehme Exceſſe hatte der Prior Hed des 
Klofter® mit der Schüßengejelfchaft zu Dortmund 1755 zu 
durchleben. Es war nämlih Sitte in der Stadt, daß jeder 
Junggeſelle fich diefer Geſellſchaft anjchließen mußte. Geſchah 
diefes nicht, dann wurde derfelbe ohne Weiteres auf eine Bahre 
gelegt und in einen Kübel mit Wafjer geworfen. Der Prior 
Heck glaubte jeinen Klofterfnehht hiervon befreit und widerſetzte 
fih der Schüßengefellfehaft, alS diefe tobend und lärmend zum 
Klofter fam und die Auslieferung des Knechtes oder des Prior 
verlangte. Als der Tumult jo arg wurde, daß man bereits 
anfing, Thüren und Fenfter einzufchlagen, und der Prior da- 
gegen remonftriren wollte, jchob man demjelben unverjehens die 
Bahre unter die Füße und trug denſelben zur erſten beiten 
Waſſerpfütze, in die man ihn dann bineinwarf. 

Die Verwaltung des Klofter3 wurde durch den Prior, der 
in früheren Sahren auch Probſt geheißen, durch die Priorin 
und den Convent geführt. Der Chronift und Rechtsgelehrte 


— 1 — 


Beurhaus ſchreibt darüber (ca. 1770) in feinen Merkwürdigkeiten 
der Stadt Dortmund, welche im Dortmunder Archiv Nr. 113 auf- 
bewahrt ‚werden: „Das Convent befteht aus Jungfrauen des 
Prämonſtratenſer⸗ oder Norbertiner-Drdenz, deren ehedem in die 
20 geweſen, und einigen Laienjchweitern, welche die Defonomie 
verfehen; die Gonventualinnen find ihrer Lebenstage in der 
Klaufur eingejchloffen und kommen ohne jpecielle Dispenjation 
nimmer heraus. Deren Vorgeſetzte, welche fich in der Klaufur 
mit befindet, wird die würdige Frau genannt, hat aber in alten 
Zeiten die Aebtiffin geheißen. Ein Prior, der in alten Zeiten 
auch Probſt geheißen, nebft einem Kaplan wohnt auf dem Klofter 
beſonders und verrichtet täglich den Gottesdienft. Diefe beiden 
werden von dem Herrn Abt von Knechtſtetten dahin gejeßt, find 
alfo eben defjelben Ordens, wie denn verſchiedene Prior 
dieſes Klofters auch in diefem Säculo zu Aebten von Knecht⸗ 
ſtetten erwählt werden. Ein zeitiger Abt zu Knechtſtetten iſt 
perpetuus visitator dieſes Kloſters und nimmt ſich deſſen bei 
wichtigen Streitigkeiten ſonderlich an, ſonſten aber ſtehet das— 
ſelbe auch unter der advocation bes Herrn Kurfüriten von 
Köln.” — 

Die Prioren de3 Katharinenklofters wurden gemeiniglich zu 
Aebten von Knechtitetten gewählt. Ein vollitändiges Prioren⸗ 
verzeichniß vom Jahre 1300 an befindet ſich im Dortmunder 
Stadtarhiv und werden von Beuerhaus wie folgt aufgeführt: 
anno 1300 Godefriedug, janno 1407 Degenhard v. Leth— 

„ 1316 Albertus | IE Na A 
1393 : udowicus a. Porta, 
Ä a" „ 1444 Sohannes v. Gan- 


gelt, 
„ 1336 Juſtinus, „ 1471 Sohannes Bufen, 
„1342 Antonius, „1480 Petrus v. Nein: 
„ 1348 Lambertus, werden, | 
„ 1360 Bruno, „1510 Sohannes v. Zons, 
1361 Hermann v. Holte,| ” 1539 Laurentius v. Geil- 
| ne Bien: firchen, 
„ 1391 Comadus Brod| 1560 Sohannes v. Pollen, 


haufen, „ 1560 Johann v. Süchtelen, 


EB PR 
anno 1586 Godefriedus Bocholt, anno 1700 Nicolaus Camp, 


„ 1599 Johann Schaben| „ 1704 Auguftinus Beders, 
berg, „ 1711 Wilhelm Eſſers, 
„1604 Laurentiu® Rota- „ 1719 Johann Fiardus 
riug, Schreiber, 
„ 1613 Gualterus Sturm, „ 1724 Leonhardus Sanfen, 
1620 Laurentius Rota-| „ 1728 Sohann Sacob 
rius, Klöcker, 
„1630 Johannes Cäſar, „ 1752 Dionyſius Kochs, 
„1630 Mathias Weſtorff, „1752 Carolus Casparus 
„ 1637 Bartholomäus Hed, 
Fraiſine, „1758 Petrus Baggen, 
„1643 Johann Greuter, | „ 1768 Henricus Reuter, 
„1679 Hermann Greven, „ 3770 Quirinus Gtieger, 
„1682 Godefried Friſch, „1783 Beeßel. 


Ein ganz beſonderes Verdienſt hat ſich das Katharinen— 
kloſter um die katholiſche Kirche in der Grafſchaft Mark, nament— 
lich aber um die jetzige katholiſche Pfarrgemeinde Kirchlinde 
erworben. 

Wie ſchon oben angeführt, kaufte das Katharinenkloſter 
von den Grafen Adolph und Ludolph von Daſſel anno 1231 
das Gut „Linne“ für 185 Mark, zu welchem eine Kirche, das 
ilt eine Kapelle, gehörte. (Gedrudt findet fich ecelesia et capella, 
es muß jedoch heißen: ecelesia id est capella.) Erzbijchof 
Heinrih von Köln beftätigte diefen Kauf am 10. März 1232, 
nachdem er fich überzeugt hatte, daß das Gut ihm nicht zu 
Lehen gehöre. Im Sahre 1244 beftätigte Bifchof Engelbert 
von Osnabrück, daß der edle Ludolph von Steinfurt auf alle 
Anſprüche auf dieſes Gut verzichtet hat, während Erzbifchof 
Konrad I. von Köln am 22. April 1253 unter nochmaliger 
Beitätigung des Befites das Katharinenklofter ſtrengſtens ver- 
pflichtete, die mitgefaufte Kapelle dauernd durch einen tüchtigen 
Drdensgeiftlichen verwalten zu laffen. Der Erzbifchof legte 
auf dieſe feine Beitimmung ein jo großes Gewicht, daß er der- 
jelben die Drohung beifügte, bei dem Zorne des Allmächtigen 
und der Apoftel Petri et Pauli daran nicht3 zu ändern. 


——— 


1271 bekennt Ludolph von Daſſel, daß er ſeine Anſprüche 
auf das Gut und die Kapelle dem Katharinenkloſter gegenüber 
fallen laſſe, nachdem er ſich durch Einſicht in die Driginal- 
urkunde überzeugt habe, daß feine Vorfahren, die Grafen Adolph 
und Ludolph von Daffel, folche dem Klofter verkauft haben. 

Zweifellos war die Kapelle des gräflichen Gutes die Kirche 
für den öffentlichen Gottesdienft. Daß dieje Kirche jpäter nur 
noch als Kapelle bezeichnet wird, findet jeine Erklärung darin, 
dab damals Kirchlinde Feine Pfarre, fondern nur eine Filiale, 
und zwar von der derzeit beſtehenden Pfarrkirche Lütgendortmund 
war. Die mit dem Gute Linne verbundene, dem öffentlichen 
Gottesdienste dienende Kirche war ſchon zur Zeit der Erwerbung 
des Gutes (1231) eine lange beftehende Einrichtung, heißt es 
doch in der Erwerbsurfunde, daß ſchon damals dieſe Kirche im 
befonderen Befige von Mühlen, Teichen, ſowie von eigenhörigen 
Leuten war. 

Darnad) darf man annehmen, daß daS heutige Kirchlein 
von Kirchlinde Schon auf einen Zeitraum von nahezu 1000 Sahren 
herabblickt. Ein alter, gothiſcher Altar, ein wahres Kunftwert 
alter Zeit, ift vielleicht der einzige ftumme Zeuge längft ver- 
ſchwundener Kunftthätigfeit, die unter den Gewölben der aus 
rohen Sandftein aufgeführten Kirche ſicher auch fich bemerkbar 
gemacht hat. Leider bricht aber auch dieſes Kunftwerk unter 
der Laft der Jahre zufammen, wenn nicht bald dem Zerflörung3- 
wert Einhalt geboten wird. Das Kirchengebäude felbft jtammt 
zweifellos aus der angegebenen, allerälteiten Zeit, da bei dem 
nahezu vollitändigen Archiv Des Katharinenklofters gewiß ſich 
irgend welche Nachrichten darüber vorfinden würden, wenn eine 
Zerftörung der alten Kirche oder ein Neubau ftattgefunden 
hätte!). Alle Nachrichten beziehen fih nur auf etliche vor: 
genommene Reparaturen, 3. B. die Aufführung hölzerner Giebel 


1) Die Kirche, dreifchiffige, zweichörige Hallenfirche mit Thurm und 
Thor, gehört der Webergangszeit vom romaniſchen zum gothifhen Bau- 
ftile an. Eine genaue Bejchreibung mit Glodenauffehriften bringt das 
Merk „Bau- und Kunftdenfmäler Weitfalens, Kreis Dortmund, Land”, 
S. 53—94. 


1; 


oder die Erneuerung des Flurbelages und dergleichen, während 
der erſte Paſtoratbau anno 1577, ein — nach 200 Jahren, 
1764, documentirt wird. 

Sn treuer Erfüllung feiner Pflicht hat das Katharinen- 
Elofter refp. der Abt von Knechtitetten die Kirche in Kirchlinde 
duch einen Drdensgeiftlichen verwalten und bedienen laſſen, 
war doch der Prior des SKatharinenklofter® häufig auch der 
Rector reſp. der Paltor in Kirchlinde. Eingedenf ihrer Ordens— 
pfliht und der ausdrüdlichen Beſtimmung Biſchofs Konrads 
hat der Prior des Katharinenklofters fih treu der Kirche in 
Kirhlinde angenommen, nicht die weiten, notorijch bodenlofen 
Wege von Dortmund nah Kirchlinde ſcheuend, nicht achtend 
die Opfer, welche die an fich blutarme, mittellofe Kirche und 
der Unterhalt des Paſtors an das Klofter zu ftellen gezwungen 
waren, mit fejter Hand ift die Verwaltung des Kirchleins dur 
die Stürme der Zeit hindurch geleitet, und hat diejelbe jelbft 
dem mächtigen Anprall der Reformation faſt als einzige unter 
ihren Schweitern in der Mark fiegreichen Widerftand geleiftet. 

Wie ſchon erwähnt, war die Kapelle zu Kirchlinde eine 
Filiale der ebenjo alten und älteren Pfarre Lütgendortmund. 
Sn der im GStadtarhiv zu Dortmund aufbewahrten Urkunde 
von 1288 verlangen jchon die Appellationsrichter, der Abt von 
St. Aubert, der Dechant von St. Gangerici von dem Pfarrer 
St. Maria zu Dortmund und in Lütgendortmund, daß der 
Dechant von Mariagraden vorzuladen jei, und beftätigen beide 
Pfarrer am 22. Januar 1289, daß die Vorladung erfolgt fei. 

1293 war zwiſchen dem gedachten Dechanten Pelegrin von 
Mariagraden und dem Domprobft und Archivdiacon Conrad 
ein heftiger Streit um die Decanatsrechte in der Stadt und 
Decanie Dortmund ausgebrochen, welcher Streit im genannten 
Jahre vom Erzbiſchof Siegfried zu Köln dahin entſchieden 
wurde, daß die Decanatsrechte in der Decanie Dortmund nach 
alter Gewohnheit dem Dechanten von Mariagraden verbleiben, 
der Probft dagegen das Recht haben folle, die Rectoren in 
Redlinghaufen, Lütgendortmund, Unna, Kamen, Methler und 
Courl einzujegen. Außerdem folle der Probft bei feiner Wahl 


ei > 


das Antrittsgeld in den ſechs Kirchen und in der Reinoldikirche 
erhalten, ferner folle der Dechant dem Probte bei defjen Wahl 
für die übrigen Dortmunder Kirchen der Decanie zwei Dort- 
munder Mark als Antrittsgeld überreihen. Eine Anzahl Ur- 
kunden aus jener Zeit beftätigen die damalige Eriftenz der 
Pfarre Lütgendortmund, deren Paſtor häufiger auch Rector ge- 
nannt wird. 

Diefe Verhältniffe haben in aller Ruhe und alljeitiger 
Zufriedenheit bis zur Einführung der Reformation in Die 
märfifchen Lande 1599—1609 fortbeitanden. 

Saft die ganze katholiſche Pfarrgemeinde von Lütgendortmund 
trat damals mit geringen Ausnahmen zur evangelifch-Tutheriichen 
- Religion über, in Folge deſſen ſetzten die Evangeliſch-Lutheriſchen 
ſich in den Beſitz der Kirche zu Lütgendortmund und nahmen 
das Parochialweſen an ſich. 

Auch in Kirchlinde wurden heftige Anſtrengungen gemacht, 
daſelbſt die Reformation einzuführen, hielt ſich doch im Jahre 1609 
beſonders zu dieſem Zwecke der lutheriſche Prediger und Kirch— 
ſpielsvicar Schotte dort auf; man ſagt, Kirchlinde ſei that— 
ſächlich zwei Tage lutheriſch geweſen. Feſten Boden hat indeß 
die Reformation durch die Feſtigkeit und Thätigkeit der Drdens- 
geiftlihen des Katharinenklojters und der Abtei Knechtitetten 
dort nie gefaßt. Der Prediger Schotte ftarb im Jahre 1625 
an der Veft. — Der Hebertritt Lütgendortmunds zur Reformation 
hatte nun zwiſchen der nunmehr [utherifchen Pfarre Lütgen- 
dortmund und der Filialgemeinde Kirhlinde viele Streitigleiten 
im Gefolge. Bisher hatte Niemand daran gedacht, ven Paſtor 
in Kirchlinde wegen feiner ſeelſorgeriſchen Verrichtungen, welche 
nicht allein in Abhaltung des öffentlichen Gottesdienſtes, jondern 
auch in pfarramtlichen Functionen, als Taufen, Copuliren ufw., 
beftanden, zu beläftigen, jeßt aber traten die Paſtoren zu Lütgen— 
dortmund bei der Elevifch-bergifchen Regierung dagegen auf, 
da ihnen durch diefe Eingriffe in ihre vermeintlichen Rechte die 
davon zu entrichtenden Gebühren verloren gingen. Da aber 
durch den zu Emmerich abgehaltenen Religionsrezeß de 1672 
die beftehenden Gewohnheiten in den einzelnen Gemeinden und 


Kirchen janctionirt wurden, jo wurden die Lütgendortmunder 
Paftoren mit ihren Klagen und Bejchwerden endgültig abgewiefen, 
indem der Kurfürft Friedrich Wilhelm unter dem 16. Juli 1686 
decretirte, daß den evangelifch-Iutherifhen Paftoren zu Lütgen- 
dortmund gemäß der ftattgehabten Religionsconferenz zu ver: 
bieten, den römiſch-katholiſchen Paftoren zu Kirhlinde im 
Sopuliren, Taufen und Begraben Eintrag zu thun, denfelben 
vielmehr in ihren‘ exereitio publico und was davon dependirt, 
manuteniren follen. In Lütgendortmund und Umgegend gab 
e3 nur noch ſehr wenige Katholifen. Bei der Entfernung von 
Kirhlinde fchaarten fich diefe Wenigen um das in Lütgen- 
dortmund belegene „Beguinenklofter” , ein Nonnenklofter, in 
weldem ein pater confessarius den Gottesdienſt und den 
Schulunterricht verjah. Zur Entftehungsgefchichte dieſes Klofter3 
möge bier erwähnt werden, daß dafjelbe im Sahre 1295 auf 
dem von Hermann Goldader angefauften Grunde erbaut wurde. 
1311 am Feſte B. M. V. fchenkte Wilhelm Domicelus de 
Weye demfelben feine Burg Dveftadt, ſpäter Hoveftadt genannt, 
welche dem Klofter incorporirt wurde. Außer diefer gehörten 
viele jchöne Ländereien, Aecker und Waldungen zum Klofter. 
Es war natürlid, daß, als 1610 die Reformation in Lütgen- 
dortmund ihren Einzug hielt, fi die wenigen, der Kirche treu 
gebliebenen Katholifen an diejes Klofter in ihren religiöfen 
Pflichten anſchloſſen, ſodaß fich auch hier feit jener Zeit ein 
öffentliches Kirchenwefen bildete, welches fih in damals kaum 
vorauszujehendem Umfange bis auf den heutigen Tag erhalten 
hat. Die alte Pfarre Lütgendortmund hielt ſich unter ſolchen 
Berhältniffen zum Theil zum Klofter Marienborn, zum Theil 
zur Filialkirche in Kirchlinde Zu erfterem gehörten die Ge- 
meinden Lütgendortmund, Werne, Bövinghaufen, Delwig-Holte, 
Despel, Kley, Somborn, Langendreer, Witten, Annen und 
Wullen. Legtgenannte vier Gemeinden find indeß ſchon vor vielen 
Jahren zu einer befonderen Eirchlichen Gemeinschaft nad Witten 
abgepfarrt worden. Nah Kirchlinde hielten fih die Katholiken 
der Gemeinden Kirchlinde, Weftrih, Rahm und Marten. Die 
kirchlichen Verhältniffe des Kloſters Marienborn bielten fich 


conftant und wurden ſelbſt durch die Aufhebung des Klofters 
1803 nicht alterirt. Vielmehr blieb die Fleine Klofterfapelle 
mit dem Paterhaus und Garten im Befit der Katholifen; ja, 
e3 gelang den Bemühungen derfelben, namentlich dem damaligen 
Vicar Giefe, daß der König von Preußen denfelben nicht allein 
die Eleine Kapelle ausdrüdlich überwies, jondern diefelbe und 
den Kirchencultus mit 450 Thalern jährlich neu dotirte, Dagegen 
aber die Patronatsrechte fich beilegte und ausübte. — Mehr 
als 50 Fahre vergingen unter diefen Verhältniffen, während 
durch den großartigen Auffchwung der heimifchen Snduftrie die 
Zahl der Katholiken jo gewaltig wuchs, daß ſich heute zur 
Filialkirche Lütgendortmund über 10000 Katholiken halten. 
Ueber zehn Jahre hat die Filialgemeinde Lütgendortmund mit 
dem Königlich preußifchen Fiscus einen ſchweren Kampf um die 
Erfüllung feiner Patronatsverpflihtung bei dem fo dringenden 
Neubau einer Kirche führen müffen. Dank den eifrigen Be- 
mühungen der Kirchenvertretung ijt dieſer Kampf zu Suniten 
der armen Gemeinde entjchieden. Es war jelbjtverftändlich, daß, 
nachdem nach der Reformation die Firchlichen Berhältniffe in 
etwas zur Ruhe gekommen waren, in den zerftörten Pfarreien 
wieder Drdnung gejchaffen werden mußte. So wurde dann in 
Lütgendortmund der Verſuch gemacht, die Trümmer der alten 
fatholifhen Pfarrei unter der Führung des Klofters Marien- 
born neu zu organifiren, und wurde diefem Klofter demgemäß 
im Sabre 1645 von dem brandenburgifchen und pfälzischen 
Commifjar das jus parochiale angeboten. Dieſes Anerbieten 
ift jedoch von demjelben zurücgewiefen worden. 

Es erfolgte dann und gewiß auch in Anbetracht der Sach— 
lage als das Nächftliegende und Naturgemäßefte die Erhebung 
ver Kapelle zu Kirhlinde zur eigentlichen Parochie an Stelle 
der früheren alten, Eatholifhen Pfarrgemeinde zu Lütgen- 
dortmund. Die hierüber ausgeftellte Urkunde des Biſchofs 
Johann Heinrich Anathan, Suffragan Sr. Durchlaucht Mari- 
milian Heinrich's, Erzbiſchofs und Kurfürften von Köln, ift 
vom 15. März 1686 datirt und befindet ſich wörtlich im Copir— 
buch der Abtei Knechtitetten des Staatsarchivs zu Düffeldorf. 


Beiträge zur Gejhichte Dortmunds. XI. 3 


So trat denn nunmehr in den kirchlichen Verhältniſſen 
das Umgekehrte des früheren Zuſtandes ein, indem jetzt die 
alte Filialkirche zu Kirchlinde die Hauptpfarrkirche, das Kloſter— 
kapellchen von Marienborn zu Lütgendortmund aber die Filial— 
kirche von Kirchlinde wurde. In den kirchlichen Verhältniſſen 
ſelbſt trat dadurch eine weſentliche Aenderung nicht ein, da die 
kirchlichen Verrichtungen nach wie vor in beiden Kirchen in 
gewohnter Weiſe ſtattfanden; nur mußten die Katholiken der 
Filiale Lütgendortmund, wenn nicht ein beſonderer Dispens 
ertheilt wurde, ihre Oſtern in der Pfarrkirche zu Kirchlinde 
halten. Aber auch in den Beziehungen der Pfarrkirche zu Kirch— 
linde zum Katharinenkloſter zu Dortmund reſp. dem Abt zu 
Knechtſtetten iſt durch dieſe Neuorganiſation nichts geändert 
worden. Das Kirchlinder Kirchlein mit ſeinem Zubehör blieb 
Eigenthum des Kloſters, dem die alleinige Unterhaltung der 
ſämmtlichen Kirchenlaſten, ſowie auch die Unterhaltung des 
Paſtors und des Küſters oblag. Nach wie vor wurden die 
Paſtores aus den Ordensgeiſtlichen des Kloſters ernannt, ebenſo 
auch der Küſter von dieſen angeſtellt; nur hatte ſich die Kirchen— 
gemeinde hierbei vorbehalten, daß dieſer zu gleicher Zeit die 
Schuljugend mit zu unterrichten habe. Bei Anſtellung der 
Paſtores wurde dieſen vom Abt von Knechtſtetten ein beſonderes 
Collationspatent ertheilt, welches gemäß landesherrlichen Edictes 
dem Herzoge von Cleve-Berg vorgelegt wurde, wodurch die 
Legitimation des Paſtors geführt werden mußte. Aus dieſen 
Patenten zeigt ſich ſo recht, wie feſt die Prämonſtratenſer an 
der uralten Beſtimmung des Biſchofs Conrad's J. von 1253, 
die Kirche zu Kirchlinde durch einen tüchtigen Ordensgeiſtlichen 
verwalten zu laſſen, feſthielten; erklärt doch nach 500 Jahren 
der Abt Eſchenbruch bei Beſtellung des Paſtors Schiffers zu 
Kirchlinde (1700) mit Bezugnahme auf jene Beſtimmung, daß 
fein Amt und feine Befugniß ihn dazu verpflichteten, ſich nad) 
einem neuen und tüchtigen Rector umzujehen. 

Da die Kirche zu Kirchlinde ſehr arm, die Subfiftenzmittel 
des Paſtors überaus gering waren, da Alles vom Katharinen- 
Elofter zu beftveiten war und die Pfarrgemeinde Dazu feinerlei- 


na we — 


Verpflichtungen hatte, jo ift es erflärlich, daß der Paſtor anno 
1732—1764 gar nicht in Kirchlinde jondern im Katharinen- 
Elofter zu Dortmund wohnte, und nur an Sonn- und Feier- 
tagen zur Abhaltung des öffentlichen Gottesdienftes nad) Kirch— 
linde fam. Wefentlih mochte auch dazu der Zuſtand des jehr 
baufälligen Paſtorats beitragen, welches nach den davor ein- 
gehauenen Buchltaben anno 1577 von dem PBaltor Niermann 
erbaut worden war. — 

Dieje DVerhältniffe und der Wunſch, den Baltor wieder 
unter fich zu haben, boten die Veranlaſſung, ein neues Baftorat 
zu bauen, welches denn auch dem Abt von Knechtitetten mit 
Hülfe freiwilliger Beifteuer und Unterftügungen gelang. 

Derjelbe ſchloß anno 1764 mit den Eingefeffenen von 
Kirchlinde und der Frau von Drofte zu Dellwig jowie dem 
Katharinenklofter einen Vertrag, wonach die Eingefeffenen von 
Kirhlinde fi zur Leiftung von Hand» und Spanndienften, die 
Frau von Drofte zur Hergabe eines Capitals von 2000 Thalern, 
welches diejelbe nie bezahlt hat, und der Abt und das Klofter 
fih zu den übrigen Leitungen verpflichteten; namentlich gab 
leßtere8 auc den jogenannten Wehnersfotten zur Subſiſtenz 
des Pfarrers her. Durch Collecten und freiwillige Gaben ift 
dann noch Vieles, namentlich an Bauholz, zufammengebracht 
worden. 

Sm Sahre 1765 war der Bau vollendet, ſodaß der da— 
malige Paſtor Aloys Beder darin feinen Einzug halten konnte. 
Sn den Pfarraften und Lagerbüchern ift diefe Bauangelegenheit 
eingehend verzeichnet. Intereſſant iſt dabei eine Notiz über die 
Koften zur Abfuhr eines Eichbaumes aus dem nahe gelegenen 
Sundern: „jo nit zu verwundern,” fchreibt der Paſtor, „da 
dazu 12 Pferde und 18 Berfonen erforderlich geweſen find“. 
Was müflen das für Wege gemwefen fein! — 1762 hat die 
Kirche zu Kirhlinde einen neuen Flurbelag und 1765 einen 
neuen Hochaltar, den heute noch vorhandenen St. Sojeph3-Altar, 
erhalten. Der heilige Joſeph ift nämlich der Schußpatron der 
Kirche. 1769 ift der jegige Baltoratgarten, welcher früher ein 
Teih war, durch Zufüllung des leßteren angelegt worden. — 

3* 


—— 


Die Todten wurden früher auf dem Begräbnißplatze, der ſich 
rings um die Kirche befand, begraben, jedoch ſteht nirgends 
verzeichnet, ſeit wann dieſes geſchehen; vielfach ſind die Todten 
auch zu Lütgendortmund, ſogar noch, nachdem dort die Kirche 
proteſtantiſch geworden war, begraben. — Der neue, jetzt be— 
ſtehende Todtenhof, der Zeche „Zollern“ gegenüber, iſt erſt vor 
wenigen Decennien angelegt worden, jedoch haben ſich die Pfarr— 
eingeſeſſenen, ſoweit ſolche ſich zur Filiale Lütgendortmund 
hielten, auch zu Lütgendortmund auf einem eigens dazu her— 
gerichteten Todtenhof begraben laſſen. Mit der Erhebung der 
Kirche zu Kirchlinde zur Pfarre ſind in den Lagerbüchern des 
Pfarrarchivs die ſämmtlichen Paſtoren unter Angabe der Jahres— 
zahl verzeichnet. Dieſelben beginnen: 
anno 1685 Martinus Lorinus, anno 1722 Hironimus Schmitz, 
„1688 Wilhelmus Eſſers, „ 1730 Jacob Meul, 
„1693 Franciscus Brüch-„1748 Carolus Caspers 


ten, 
1698 Nicolaus Kamp, 


Heeck, 
1754 Petrus Brüggen, 


„1702 Leonardus Schif-„1758 Henricus Antonius 
fers, Becker, 

„1703 Simon Brülls, „1768 Joh. Sof. Aloys 

„ 1710 Simon Balthafar Beder, 


Nuhr, „. 1780 Cornelius Fixhorn, 
„ 1720 Sriedericus Hülle: | „1788 Cornelius Elfers, 
brind, | „1797 Henricus Bielefen. 


Nah der Säcularifation des Katharinenklofters bis auf 
die heutige Zeit fungirten in Kirchlinde. folgende Paſtoren: 
anno 1821 Baftor Pötter, anno 1855 Paſtor Peters, der 


„ade rahn Begründer des 
„1846 „ Franz Had- Kranfenhaufes, 
mann, „1886 Baftor Müller. 


Da das Katharinenklofter nicht allein Batron jondern auch 
Eigenthümerin der Kirche in Kirchlinde war, jo jtand demjelben 
nicht allein das Beſetzungsrecht der Pfarritelle zu, jondern es 
hatte daſelbſt auch beitimmte Ehrenrechte, welche von dem Prior 


Bet 


des Kloſters ausgeübt wurden. Die Pfarrakten berichten 
darüber, daß diefer zu hohen, Firchlichen Feierlichkeiten ein- 
geladen wurde; er hielt, „wenn es ihm beliebte”, das Hochamt 
und trug bei der Proceffion das Allerheiligfte; er jtimmte das 
feierliche Tedeum nach der Bruderjchaftsandadht an. Zur 
Srohnleichnahmsproceffion wurde er befonders eingeladen, wobei 
er wieder beftimmte, wie die Stationen gehalten werden follten. 
Sonftige Berechtigungen Dritter an die Kirche zu Kirchlinde 
beitehen nicht mit Ausnahme eines Sitzes im Chor, welcher 
dem Rittergut Dellwig zufteht; ebenjo gehört die erite Bank an 
der linfen Seite des Kirchenſchiffes demfelben, wird aber in 
jüngfter Zeit ausſchließlich von den Schweitern des durch den 
jüngft verftorbenen Paſtor Peters gegründeten Kranfenhaufes 
benugt. Auch in der alten Klofterfapelle zu Lütgendortmund 
gehört der linke Chorftuhl dem Nittergute. 

Sm Anfange diefes Jahrhundert führten die politifchen 
Zuftände dazu, daß die herrjchenden Gewalten zur Dedung 
ihrer finanziellen Bedürfnifje die Hand nach den Kirchen- und 
Kloftergütern ausftredten. Im Jahre 1803 wurden die Klöfter 
der freien Dispofition der betreffenden Landesfüriten überlaſſen. 

Der befannte Neichstagsdeputationshauptichluß zu Regens— 
burg im Sahre 1803 ermächtigte die neu eritehenden Territorial- 
gewalten, die Kirhengüter und Klöfter zu jäcularifiren. Bon 
diefer Gewaltmaßregel über die älteiten, mehr al3 1000 jährigen 
Befigrechte wurden alle Klöfter, Abteien und Stifter, aljo 
auch das Katharinenklofter zu Dortmund, betroffen, dieſe 
Säcularifation mußte in Folge deſſen auch eine empfindliche 
Rückwirkung auf die Kirche zu Kirhlinde ausüben. Bis zum 
Sahre 1803 war Dortmund freie Neichsftadt, Fam dann 
an das Haus Naffau-Dranien, Fulda wurde die Regierung: 
hauptitadt des neuen Staates. Die Regierung in Fulda hob 
das Katharinenklofter fofort auf, nahm demfelben alle Güter, 
verpachtete die Ländereien, verfaufte die Acergeräthe und das 
Vieh und zerftörte jo den ganzen Haushalt des Kloiters. 1804 
im Sanuar ſchon legten die Nonnen weltliche Kleidung an und 
machten in der Stadt Beſuche. Man jagt, daß jede Nonne 


N 


eine jährlide Benfion von 200 Thalern erhalten habe. Im 
Detober 1806 ward Dortmund von franzöfifhen Truppen be= 
jegt, am 1. März 1808 von Napoleon nebft anderen Landes- 
theilen mit dem neugebildeten Großherzogthbum Berg vereinigt 
und an Joachim Murat abgetreten. Diejer gab, als er das 
Königreich Neapel übernahm, die Regierung wieder an Napoleon 
zurüd. Ihm folgte 1809 unter faiferlihder Vormundichaft 
Ludwig, der ältefte Sohn des Königs von Holland. Bald nad 
der Schlacht von Leipzig löſte fich das Großherzogthum Berg 
auf und fiel durch den Pariſer Frieden vom 31. Mai 1814 
und die Wiener Congreßacte an die Krone Preußen. So ge- 
langte denn der preußifhe Staat in die Erbſchaft des auf- 
gehobenen Katharinenflofters. Das Klofter jelbft war von der 
Großherzoglich bergifhen Regierung am 18. Dctober 1809 
bereits mit allem umliegenden Areal für 11030 Franc an 
Hermann Meininghaus verkauft. Diejer trat die Hälfte der 
Beſitzung an den damaligen Gymnafialdirector Kuitthan ab, 
deſſen Wittwe diefelbe im Sahre 1824 an den Rentner Ottilius 
Wuppermann veräußerte. Zu diefem Theile gehörten das eigent- 
liche Klofter jowie die Prioratsgebäude, welche inzwijchen zwar 
vielfah im Innern umgebaut, in ihrer äußeren Geftalt aber 
nicht wefentlich verändert find und nunmehr als Wohnhaus 
den Erben des jüngft verftorbenenen Dttilius Wuppermann 
dienen. Der im Befi des Hermann Meininghaus verbliebene 
Theil des Klofters ift jpäter in die Befigungen der Gebrüder 
Ewald und Auguft Meininghaus getheilt, welche darauf eine 
großartige Brauerei, die fogen. Klofterbrauerei, anlegten. Diefe 
Brauerei zählt zur Zeit mit zu den größten Etabliffements 
Dortmunds. Das in Stein ausgeführte Klofterwappen, welches 
fih noch wohl erhalten an dem alten Kloftergebäude befindet, 
wird zur Zeit auf den Gejchäftsfacturen der Klofterbrauerei 
geführt. So kocht und- prafjelt, gährt und ziſcht es denn heute 
aus taufend Bottichen, Pfannen und Fäſſern, um durftige Kehlen 
zu ftillen, da, wo vor einem Sahrhundert Fromme Sungfrauen 
ihr ftilles, abgejchloffenes Leben führten. Sie transit gloria 
mundi! 


In den Akten des Veftes Redlinghaufen, Nr. 82 des Staats— 
archivs von Münfter, befinden ſich die Verhandlungen über die 
erfolgte Aufhebung des Katharinenklofterd. Daß dieſe nicht 
ohne Rückwirkung auf die Pfarrfiche zu Kirchlinde bleiben 
fonnte, ift nur zu begreiflih, um fo mehr, da auch die Abtei 
Knechtftetten fäcularifirt und ſomit der ganze kirchliche Konner 
zwifchen diefen Klöftern und Kirchlinde mit einem Schlage zer: 
ftört wurde. Die Folgen zeigten ſich denn auch nur zu bald. 
Während bis dahin das Katharinenklofter alle kirchlichen Be— 
dürfniffe beftritten hatte, ſuchten nunmehr die Pfarreingefefjenen 
Hülfe bei denen, welche die Kloftergüter an ſich geriffen hatten. 
Allein die fremdländiſche Regierung hörte nicht auf Dieje 
Bitten, wies diefelben ab und verlangte Beweife für dag Ge— 
forderte. Woher follten nun die Kirdhlinder ihre Beweije 
nehmen? Die fehügende Mutter ihrer verbrieften Rechte, das 
Ratharinenklofter, war zeritört, die Abtei Knechtitetten auf- 
gehoben, und ihre Mönche und Nonnen irrten im Lande umber. 
Das Archiv der Abtei ift bis heute nicht wieder aufgefunden, 
dasjenige des SKatharinenklofters hielt man ebenfalls für 
verloren, während e3 ſich exit jeßt berausgeftellt hat, daß das— 
jelbe von dem Präfecten des Auhrdepartement3, Freiherrn 
v. Romberg zu Brünninghaufen, übernommen und dann fpäter 
in das Staatsarchiv zu Münfter gewandert iſt. 

Alle Betheuerungen des Paſtors Zielefen von Kirchlinde, 
alle Eingaben der Pfarreingejefjenen, daß das Katharinenkloiter 
ſowohl die Kirche als den Paſtor zu unterhalten gehabt habe, 
wurden ftet3 mit dem Verlangen weiterer Beweise zurüdigewiejen. 
Nur gewährte die Großherzoglich bergifche Regierung dem Paſtor 
aus den Einkünften des Rittergutes Huckarde eine jährliche 
Subvention von 200 Francs und eine Entſchädigung für be— 
zogenes Bier, Holz und Multer aus dem Katharinenkloſter. 
Dieſe Zahlungen ſind ſpäter unter preußiſcher Regierung auf 
256 Thaler 3 Groſchen 4 Pfennige feſtgeſetzt, auf den Staats— 
haushalt übernommen und werden bis auf den heutigen Tag 
gezahlt. 

Mit der Königlich preußischen Regierung wurden Jahre lange 


— 40 — 


Verhandlungen wegen der alleinigen Unterhaltungspfliht des 
Kirchlinder Kirchenwefens gepflogen. Zunächſt ſuchte ſich die- 
ſelbe dieſen Verpflichtungen durch den Plan zu entziehen, die 
Kirchlinder Kirche wieder mit der Lütgendortmunder Kapelle ſo 
zu vereinigen, daß der Sitz der Pfarrgemeinde wieder dorthin 
verlegt würde. Das Patronat über die Kirchlinder Kirche be— 
jtritt die Königliche Negierung indeß nicht, jondern übte das— 
jelbe überall, wo fich Gelegenheit fand, aus. Sp wurden auf 
Präjentation derfelben die Paftoren Pötter, Krahn und Had- 
mann in Kirchlinde angeftellt, nachdem die Verlegung der Pfarre 
nach Lütgendortmund längst aufgegeben war. Auch die aus 
dem Vatronatsverhältnig entfpringenden Beiträge wurden un- 
beanftandet für die Kirchenbedürfniffe gezahlt, jedoch weigerte 
fih die Königliche Regierung Mangels genügenden Nachweiſes, 
anzuerkennen, daß ſie als Rechtsnachfolgerin des Katharinen— 
kloſters Alles allein zu tragen habe. Dieſes führte zu dem 
1839 geſchaffenen Rechtszuſtande, daß ſich die Pfarrgemeinde 
vorläufig mit dem Patronatsverhältniß zufrieden erklärte, ſich 
jedoch ausdrücklich vorbehielt, daß, wenn ſie ſpäter in der Lage 
ſei, ihre Anſprüche weiter nachweiſen zu können, der Fiscus 
alsdann ſowohl zur Erſtattung des von der Gemeinde bereits 
Aufgewendeten als auch zur Zahlung künftiger Anforderungen 
verpflichtet ſei. Seit dieſer Zeit hat der Fiscus ſeine Patronats⸗ 
beiträge pünktlich und prompt bezahlt, ſich indeß ſeines Rechtes 
zur Beſetzung der Stelle durch ein Abkommen mit dem biſchöf— 
lichen Stuhle zu Paderborn (1852) dauernd begeben, ohne 
dieſerhalb ſeiner Verpflichtungen entbunden worden zu ſein. 
Als in den 1860er Jahren der Neubau eines Paſtorats 
zur Nothwendigteit geworden war, bot die Königliche Regierung 
der Pfarrgemeinde die Ablöfung ihrer Verpflichtungen an und 
offerirte dafür eine einmalige Entfhädigung von 12000 Thalern, 
während die Pfarrgemeinde 50000 Thaler forderte. Zum 
erſten Mal feit Aufhebung des Katharinenklofters erflärte der 
Königliche Kommiffar 1868, daß die Vorausfegungen der König: 
lihen Regierung bezüglich der Patronatsverpflichtungen nicht 
zuträfen und fich letztere dieferhalb im Irrthum befunden habe. 


SEA] 


Troß dieſer gewiß befremdlichen Erklärung iſt jedoch die Kirchen- 
gemeinde von ihrer Forderung nicht abgegangen, was dann 
allerdings die gänzliche Zurüdweifung aller vermeintlichen An- 
jprüche zur Folge hatte. Ein unglüdlich inftruirter Proceß der 
Pfarre Kirchlinde gegen den Königlich preußifchen Staatsfiscus 
wegen Anerkennung jeiner ‘PBatronatsverpflichtungen ging für 
erſtere verloren. Im Bemwußtjein ihres guten Rechtes aber 
ftrengte die Pfarrgemeinde einen zweiten Proceß gegen ven: 
jelben an, und zwar auf den Nechtötitel der erfolgten In— 
corporation der Kirche zu Kirchlinde in das Katharinenklofter 
zu Dortmund. Diefer Proceß ift 1898 zu Gunften der Klägerin 
entfehteden worden. Durch den enormen Aufſchwung der 
Bergwerks- und anderer Induftrien in und um Kirchlinde hat 
natürlich die Bevölkerung fo enorm zugenommen, daß die alte, 
baufällige Kirche nicht allein zu Flein geworden und die Ver— 
handlungen wegen Neubaues derjelben aufgenommen werden 
mußten, fondern es ift in dem benachbarten Dorfe Marten 
1895 eine Miffionsgemeinde eingerichtet worden, nachdem vor 
einigen Sahren die Filiale Lütgendortmund abgetrennt umd 
dDiefe zu einer eigenen Pfarre unter ihrem früheren Vicar, dem 
jegigen Paſtor Hadenade, erhoben worden iſt. Zur Gefchichte 
diefer jungen, neuen Pfarre fei hier noch angeführt, daß, nach- 
dem diefelbe ebenfalls mit dem Fiscus wegen jeiner Batronat3- 
verpflichtungen einen mehr als zehnjährigen Proceß geführt, 
diefer zu Gunften der Klägerin entjchieden worden, woraufhin 
zu Lütgendortmund der Bau einer großen, neuen, katholiſchen 
Kirche und eines Paſtorats ftattgefunden, wozu der Fiscus zwei 
Drittel der Koften hat beitragen müfjen. Die Einweihung der 
neuen Kirche hat am 10. Detober 1892 durch den hochwohl— 
löblichen Weihbifchof Godel zu Paderborn in jehr feierlicher 
Meife ftattgefunden. Das kleine, alte Klofterfapellhen aber 
ift vor zwei Jahren abgebrochen worden. Inzwiſchen hat durch 
die enorme Zunahme der Bevölkerung wieder ein Theil der 
Pfarre Lütgendortmund abgezweigt werden müſſen, und zwar 
find von der politifchen Gemeinde Werne am 5. April 1895 
die Zehen „Vollmond“, „Funke“, „Borbeck“, „Sohannesberg“, 


— 


„Rivenburg“ und „Stüringſtraße“ der neuen Pfarre Langen— 
dreer zugelegt. > 

Erwähnt fei noch, daß die Mark und mit ihr die Kirche 
zu Kirchlinde früher zum Erzbisthum Köln gehörten, daß aber, 
als diejes fäcularifirt wurde, die Pfarreien des rechten Rhein— 
ufer3 den Generalvicaren von Deuß und Arnsberg unterftellt 
wurden. Im Sahre 1821 bei der Neuorganifation der Erz 
diöcefe Köln aber ward Paderborn als Suffraganbisthum durch 
die Bulle de salute animarum circumferibirt, und fiel durch 
diefe Transaction die Graffhaft Mark und Dortmund an das 
Bisthum Paderborn. Die Pfarrgemeinde Kirchlinde, welche 
mit der Filiale Lütgendortmund im Anfange diejes Sahrhunderts 
faum 500 Seelen zählte, hat heute an 11000, wovon auf die 
leßtgenannte Filiale allein 7000 und auf Kirchlinde 4000 
entfallen. 

Die alte Fatholiihe Pfarrficche zu Lütgendortmund aus 
der Zeit der Neformation bat inzwischen einer fehönen, neuen, 
evangelifchen Kirche weichen müfjen. Die Zunahme der pro- 
teftantifchen Bevölkerung hat aber auch die Errichtung einer 
zweiten Kirche im Dorfe Marten nothwendig gemacht, deren 
Dotirung durch die Freigabe einer Lütgendortmunder PVicarie, 
über welche das Nittergut Dellwig das Batronat befaß, er- 
möglicht worden ift. 

Das alte Klofter Marienborn zu Lütgendortmund dient 
heute zu Schulzweden für die proteſtantiſche Schulgemeinde. 


II. 
Amtliche Nachricht 


über den 
Iuftand der Graffchaft Mark 1770/71. 


Von K. Rübel. 


In den Akten des Dortmunder Archivs: Auswärtiges 
Pr. 14, befindet ſich ein geſchriebenes Quartheft, das erſt neuer— 
dings bei Durchſicht der reponirten Regiſtratur der Armen— 
verwaltung aufgefunden worden iſt. Es trägt den Titel: 


Vollſtändige Nachweiſe 
von dem 
Buftand der Grafſchaft Mark, 
wie folder um 
Seinitatis 1770/1771 
beichaffen gemwejen. 


Es ift offenbar die Abjchrift einer amtlichen Feititellung, 
die die Verwaltung von Dortmund für ihre Zwede erbeten hat. 

Soweit e3 ſich hat feftftellen laſſen, ift der Etat nirgends 
veröffentlicht. Ein nad) obigem Schema gearbeiteter Etat hat 
jedoch dem P. F. Weddigen vorgelegen, als er 1790 in ber 
Zeitſchrift „Neues Weſtfäliſches Magazin zur Geographie 
und Statiftif II” Heft 5 die „Materialien zur Gefchichte der 
Grafſchaft Mark” herausgab. Zur DVergleihung folgen Die 
Tabellen, welche Weddigen für 1787/1788 herausgab. Die- 


De 


felben zeigen die Bevölferungszunahme überhaupt, namentlich 
aber in den induftriellen Bezirken, die durch die Schiffbar- 
madhung der Ruhr 1776—1780 an dem Kohlenerporte be- 
theiligt waren. Verwerthet find diefe Zahlen in meiner 
„Geſchichte der Frei» und Reichsſtadt Dortmund“, ©. 62/63, 
und haben mit die Grundlage für einen Vortrag abgegeben, 
den ich Pfingften 1901 in der Jahresverfammlung des Hanfifchen 
Gejchichtsvereins in Dortmund gehalten habe. Sn demfelben 
war als leitender Gedanfe das Geſetz der „Benölferungs- 
capacität” von Fr. Lift behandelt worden. Die Umgegend Dort- 
munds und die Graffchaft Mark boten hier vielfach Material. 


Volſtändige Nachweiſe 
von dem 
Zuſtand der Grafſchaft Marck, 
wie ſolche um 


Trinitatis 1770/71 beſchaffen geweſen. 


— Die Ausſaat in denen Creiſen iſt, auf dem 
1) platten Lande und in den Städte-Feldmarken 
DNA. Greif Sanyar 
. folde Weiten Roggen Gerſte 
ſtehen 
— Wifp. @ifp.|c ©. Im. Rifp.| S.|m. 


5 — | 
RS 

5.Mener . O4 117] . [1121] 5|.| 882] 8] .| a56| 7|. 
6. Kannegißer 


1 sun von Katzler 


1. Bielefeld . 
2.Schulg... 
| SRDDEeR EN 
8. Elbers .. 

1. Bielefeld . 

2. Grollmann 

3. Marder. . 

4. Rindelaub 

u 5. ipp . . 


2 Hoerdiſcher 


Creis 54 /10|.| 808 7| .ı 283110! .. | 583l14| . 


— 


6. Homborg . 
7. Then Berg 
8. Rautert. 
9. Broding . 


; 1. Ringmacher | 
3 aan von be 2. Heilenbed 3\.!.Iı94l ıl.I 37lır) .\ serlisl. 


3. Hildebrand 


2 el) 


4 Altenaifher | von Holk- 
2.Figge . . 


Creis brinck 
Stadt Soeſt u.| Magiftrat 


184. |.| 19/20]. 11721112]. 


aber Se | Weberting. . 2011. 1.1402. \.| 4021 .|.| soil. 
11 Er — — 
Summa der Grafſchaft Mare incl. Soeſt 418 8 . eroglıal . ltı25| 7| —[ 3]. 
Limburg .. 
Besen-Quartizen Lippftadt . . 
Merden ... 


Summa Generalis 


B I 


1) Die obere Ede ift abgerifjen. 


Anzahl 
derer 
itter- Pferde 


erden nicht ges 
alten, jondern 
ı Geld bezahlt 


— — 
HEN. | 
682 | 16 


666 | 8 


1603| 8 


48 
12 ig 


1664 | 8 


Auf dem Etat tft die 
jährlide Einnahme 


an Gontribution 


pro 1770/71 


rthl. | er.| a 


53 976 14 


36 01218 


29 990|21 


34123) 2 6 


an [Ir va ses] ana] soo| e BT 200 13 22 
. lies soslo1 | s; 


3056 . 
1800 . 
Bee. - 


— 159 21 iscals .Imansolaıls: 


Di 


© 8 8 5 * Anzahl 
2|82|821|8|5 & | der Feuer-Stätten 
- Q 8 = = 3:3 
elenie., = 
Cavallerie RSIE$ Pr 3 
Geld pro auf dem platten Lande RENTE 5 
1770/71 — | = |sW 7,879 
fteden unter 
der Con⸗ 
tribution 
und werden 
{| niötbefon-| 5/ 105 1212| 804| 781|1459]1937| 3580| 5517 
ders auf- 
gebracht. 
Diefelbe er⸗ 
tragen, 
35312 rthl. 
93/5 „A, und 
1000 rthl. 
aus Limburg 
Summa ; 
36312 rihl. 7128| 991|1892|1383|1299|1371 4422 , 5798 
93/5 A. 
| 
5) 58| 792) 877| 41|1752]1878 3073 | 4951 
6| 68| 82011051) 525|1791|1744 2979 | 4723 


72| 568 4838| 300| 836|1292| 1229 2521 
24 | 426 |4383| 510730397137 Im aT.hessuenjs:] — 23505 


| 


48 


Nahmen derer Städte Greifer Be ee — — 
37 Dane 510 1886 
2 RSÜUNEH 277 1063 
3 2 DODun are 340 | 1440 
4.:Coltrop 109 468 
5. Wattenfheid. . . . . — — 170 603 
0 Weltbpfen ee ee ——— —— 569 
J 288 1082 
8Serddee 107 744 
BUN RI ER 499 1870 
10,28. amen? SEE ) J 330 1313 

Stabt3- 
SCH DA U — En 1991 3987 

Raht Adami Domainen= 
12." Spferlohn a. mia ı. N J 3704 
I Gran Bere: 1 1455 
14. Blandenftein. . . . . 82 388 
IS Nattıngenı ei. es 313 1698 
I: Shwelkpe ae 230 1703 
17. ‚Bredlerfelde 2, Rriegedunh | 200 664 
182 2iipenihein 2 — J 231 1292 
19:7 Blettenberg ar wufng 187 1001 
202 Deuenvanern Pr 228 1296 
212 N ltena OR ee 598 3133 
22.0 better. 1, Mb 100 433 
23. Meinerthagen . . . . 108 648 
24, Derdide.o a ne \ 177 930 
ven 7420 33 370 


1. Smmediat-Städte 


Departe- 


Märdkifde 


a TG ae a a re 


2. Mediat-Städte 


te= 
ke Nenſchen 
Räh e in aö 1771 


Commis- 


) 4 Häujer 
sarios loci 


Nahmen derer Stüdte in aö 1771 


Creijer Obrigteit 


In der Grafſchaft Mard 
ſind Feine fogenannte 
Amtsſäſſige Städte 
vorhanden, jondern 
ftehen alleunmittelbar 


unter dem Gammer- 
 Collegio. 


Beiträge zur Geſchichte Dortmunds. XI. 4 


Hembra Collegii und deren Gehalt 


Der Krieged- und Domainen-GSammer:Praefident von 
Oſtau, jo die Cleviſche Sammer mit respiciret, hat 
aus der Slevichen Landreniey . .i „ne 1602 rthl. 
und aus der Märdifchen Zandrentey. . „TE er 
nebjt freyer Wohnung im Gollegien-Haufe. 


Der Cammer-Director. Kefel . 2. 2. 2. 0.2 le re 
nodh aus den Städte-Steuren . . . .... 200 rthl. 
und erhält nad) Abgang der auf Benfion ftehenden 

Sommer Bedienteni a 100 rthl. 


Der Krieged- und Domainen-Raht von Schwedler, Hat 
zu Soeſt als Stants-Praefident.. ; . . Pe 600 rthl. 


Der Krieges: und Domainen-Raht Baerenfprung - - » ».. . 
noch. aus den Stäbte-Steuren ı „7. — 200 rthl. 


Der Landes-Director von Grüter, al3 Landraht, Gehalt 400 rthl. 


Der Krieged- und Domainen-Raht Wülffingh, respi- 
ciret die Steuer-Rähtliche vices, Südmerts der Ruhr . . . . . 


Der Krieged- und Domainen-Raht Maehler, hat aus 
der 'Berg-Cafle an Gehalt . . . Kr 500 rthl. 


Der Krieges- und Domainen-Raht PBeltel. -. .». -». 2 2.2 2... 
noch aus denen Städte-Steuren; 2 Seren 200 rthl. 


Der Krieges- und Domainen-Raht Liebredt, hat als 
Ober-Inſpector vom Ausgangs-Impoft . .. . . 400 rthl. 


Der Krieged- und Domainen-Raht Adami -. ». » 2 2.2... 


Der Krieges- und Domainen-Raht von Kropff - » -»- ».... 
noch aus der Berg-Cafle. . .. ı . A zz 100 rthl. 


Der Krieges und Domainen-Raht Hinde. ». » 2... 00. 
Der Krieged- und Domainen-Raht von Arnim . » 2. 2 2... 
Der Krieges- und Domainen-Raht Rademader . » » 2. 2... 


Auf den 


Land-Renthey⸗Etat 


rthl. | gr. | A 


400 


850 


400 


500 


300 


| 


——— 


Subaltern-Bediente und deren Gehalt bey der Märckiſchen Cammer-Deputation 


haben jährlich an Gehalt 


— Summa 
Nahmen derer Subaltern-Bediente —— a generalis 
U I ethl: | Be lo [% 
1.| Sammer-Secretarien: 
Commiffiong-Raht Bernhardi. . .» .. - » 250 641 3191| 314| 319 
Gammer-Secretariug Ridter . » » ... - 250 64| 3191 314| 319 
” „ Wilder, fo die Journale führet | 200 64| 3/9 | 2654| 3| 9 
r Ä DOMDORG 0. ns 64| 319] 64| 319 
Stemmann. ie... ER F ß 
2. Rechen— Meifter: 
ll ne en A 210 85113|. 1 295/13 
J ige en ne el BE pe 210 85113! . | 295| 13 
3.| Regiſtratores: 
6 
4.| Sanzeliiten: 
ao. 140 64| 4 204 | 4 
a a 120 64| 4 184 | 4 
nie ea A 120 64| 4 184 | 4 
Beder aus der Canzelei-Nohtdurft 60 rthl. » 321 2 92.2 
a ei a Er m —9 
5.| Bedell: 
ee ee RE 109 77 1| 186 1 


Canzeley-Bothen Stockhauſen und 
Heiden, jeber J 46 rthl. 
6.| Landrenthey: 
Sanbrentmeitier, Hofraht Rühlenthal RE N) 
Controlleur und Caffier Wehling . - - - - 180 
7.| Ober-Steuer-Caſſe: 
Ober-Empfänger Hofraht Hennid 400 rthl. 50 
Gontrolleur und Caſſier Cramer 180 rthl. 
Calculator u.Cafjen- Schreiber Gröning 120 rth. 
8| Bau-Bediente: 
Sand-Baumeifter Riße. - -» - : - .. 2801|. 
MWald-Förfter und Baufchreiber Pieper. - . -| 2801|. 
9.| Steuer-Rähte: 
Krieges-u. Domainen-Raht Wülffing, 
ad 6 auf voriger Seite mit . 500 rthl. 


ne 


Schniewind, jeder. . - . - 150.600 rthl. 
Summa | 3891| . | 


ee ES 250 = ir 18| 6 | 292 | 13 

Regiſtratur-Aſſiſtent Raſch - » - . . - » 50 — 

Saltz-Regiſtrator und Canzliſt Puſch LU le LO. IE: 
| 


Krieges und Steuer-RahtBernuth . - - - - 450 |. 450 
Calculatores Martini u.Wucke jever 96 rthl. 192 192 
10.1 Land-Rähte: 

J 2... 2.2... 400 rthl. 
Landes-Director von Grüter, add 

auf voriger Seite. - » » -» . 400 rthl. 
ERS Er 400 rthl. 
von Holzbrind . » » 0... 400 rthl. 

Kreisfchreiber Kaempff, Banje, Butter 
| 


779,1 as1].T-Irrelı Trlessl 117 u 


92 


Jand-Renthey-Etat de 1771/72. 
rthl. ar. A 
Einnahme. 
1. | An beſtändigen Gefällen: 
Zinfen von Erbftands-Gapitalien . 418 rthl. B ge. 7% 
Werdenſche Vogtey-Gelder . . . . - 800 — u u. 
Statt der Detroy des Seiffen-Siedend 15 „ — un — nun 
Bon unbegleiteten Juden . . . . . 23°... oe 
Canon von der Enneper Brüde . . 80 „ — u u 1607 2 
2. | An unbeftändigen Gefällen: 
Terminal und Urtel3-Gebühren 360 rihl. — gr. — 8 
Heer-Geweide und Lehn:Gelder. . . 150 „ — „— ,„ 
Streben. a ae 39. aD 545 10 
3 | Aus denen Rentheien: 
An Zeit-Bacht von Altenau.Neuenrade 9499 rthl. 2 gr. I % 
AR “ ». Dlandenitein 2. 4261 Da 
" " „ Bochum 6427 °,2.15,, 0200 
. H sen ne 991 na a 
N B „Donna 15 212 77 Ho Fe 
: N vODELDELIRSE Re 1863 „ Ir 
& = „Iſerlohh 0 
„Plettenberg. 12l. ya al 
k R Metter a ne 10 743 19.70 oa 
ls an Zeit-Pacht 70 465 FETTE lgr. 10% 
An Erbpacht von Soeft . ... . 1275 3... 100976 BEE an 
4. | An Forit und Majt-Gefällen: 
Forſt-Gefälle Majt-Gefälle 
Nordwerts der Ruhr 337rthl.5gr. 7A 85 rthl. 12 gr. — 8 
Südwerts der Ruhr 907 3 2 " " J 
Summa 124 :thl.8gr.9 8 123 rthl. 14 gr. — A 67 122 
5. | An Bergmwerf3- und Ausgangd-Revenuen: 
Berg-Zehenden von Stein-Kohlen . 10677 rthl. 17 gr. = A 
Ausgangs-Revenuen von Kohlen-:Ho 13631 „ 12 „ 5 
Summa zur Haupt-Berg-Caſſe, bleibt 
anteeHneamu- 24309 th. 5 gr. I A 
6. | Behuef der Befoldungen: 
Aus andern Baflen. .. : a wine nn 7 7 704 
Summa der Einnahme 82 965 6 


A er 


Sand-Menthey:&taf de 177172. 


rthl. gr. 4 
Ausgabe. 
An Gehälter, bey der Krieges- und Domainen-Cammer— 
SET a FR RE Er 17941 
An Gehälter der Amptshauptleuten und Droften: 
a) > o vacant und zur General-Krieged- 
nl han 1207 xthl. 8 gr. 4 A 
b) jo denfelben bezahlet werden . . . 1766 „ 5 „5. 2973 |13| 9 
An Sontribution von denen Domainen-Höfen und Städten 6001 ,13| 6 
Un Bau-undReparations-Koften, Behuef der Domainen=- 
Bea 2200 
An extraordinairen Nachlaß, wegen Waſſer-Schadens— 
Miswahs und Hagel-Shlag - » -» - - rennen. 1357 |19| 10 
Zu allerhand behuef, als Canzeley-Rohtdurft, Diaeten und 
ann lee Er 546 |14 
Summa aller Ausgaben 21020 13 1 


Balance. 


Die Einnahme ift excl. der Berg:Gefällen 82 965 vos 6gr. 2% 
Die me: a a 21 020 EA 


Bleibt Ueberſchuß 61944 FETTE 17gr. 1% 


welche in denen Duartalen, al? 


pro Crucis . . . 3000 rthl. — — — Zi 
„Luciae... 20000, 4 ” 
A Reminiscere 2000 „ — ı — „ 
„ Trmitatis. . 83944 „ 17. 1. 


Zur General-Domainen-Gaffe abgeführet ad 61 94Arthl. 17 gr. 1. 


Tit. 


N 


Märdifcher Ober-Steuer-Caſſen-Etat. 


Einnahme, 
An Steuren aus denen Städten und Aemtern baar ad Cassam 


Aus der Stadt Soeft und Boerde incl. 3284 rthl. Agr. 92 % 
SavallerieeBelder - . 2 0. 2022 0 000 


Aus der Stadt Lippftabt ..,...7. r 


ne & Grafſchaft Limburg, worunter 1000 rthl. Gavallerie- 
elder s AN. 2 TE ee — 


Un erxrtraordinairen Gefällen. 
Bon Lippftadtiihen Fürften Groſchen- oder Paflage-Geld . . . 


Bormalige Richter- und Gericht - Schreiber - Emolumenten und 
Dienft-Gelder, jo zu den landrähtlichden Gehältern gewidmet 


Summa der Einnahme 


Ausgabe. 
Ad Cassam Generalem. 


1. Pro Regia Majestate in 180/m.rthl. 
NEUE ee 72000 rthl. — gr. — 
2. Zu Berlinifchen Gehältern, Inter— 
eſſen von Am. rthl. Capital, fo 
denn für die Bediente, des In— 
genieurs-Corps und Köllnifchen 
Refidenten-Gehalt, für die Grafjchaft 
Mar 2 Te 269. 11,002 
. Noch zu ſolchen Gehbältern. .. . 682 „ — „ —, 
. Contribution aus Soeft und Lipp- 
ftadt, auch 600 rthl. Baffage-Geld 9816 „ S,„4, 
An Gavallerie: Gelder incl. von 
Soeft und Limburg. 2. Keen 36312 — „98, 
. Aus denen Neben-Quartiren, Lim— 


re Be 


burg nd Werben I Er 4056 „ — u — u 


Summa, zur General-Krieges-Cajje 


Latus 


154103 | 8| 6 


600 


1767 10 6 


174 527| 8] 2 


125557 20 44 


125 557 20 4: 


BEE ee 


Dit. Ferner Ausgabe. Transport | 125 557 
II. Ad Salaria: 
1. für den Ober-Steuer-Caſſen-Ren— 
danten und Gaffter . - » . . . - 580 rthl. — gr. — 
2. denen 4 Landrähten incl. 15 rthl. 
Schreib-Materialien. . . » . - - TOO a 
3. denen 4 Greiß-Schreibern, jedem 
m a6 a a Re 600 „ — „ u 
4. denen 4 Creis-Ausreutern, jedem 
une 0 480 » —ı u 
5. den Eriminal-Gericht8sBedienten EL DDR FE FAT) San: 3870 
III. An Binjen: 
1. von alten Gapitalien ad 76/m. rthl. 
RE BE 1666 rthl. — gr. — % 
2. von neuen Gapitalien ad 302884 rthl. 
Bene... 4s51ar 8 4.,88,71,.66:517,00 88 
IV.| Einquartirungs-Koften und Servis-Öelder: 
1. für die Wejelihe Garnifon 2 A . 8858 rthl. 12 gr. 92% 
2. für das Wolffersdorffſche Regiment 3372 _„ 2, 4 » 12225 15 22 
v.| Zum Wafferbau am Rhein, für die Zeitung MWefel ? .| 4882/16 4 
V1.| An Creis-Commiſſions-Koſten und Gammerzielern. 434 19 22 
VII. | An Stände-Dispofitions-Gelder u. Landtags-Zehrung 8.000 
VIL| An Schreib-Materialien für die Landes-Regierung und 
Sammer-Deputation. - - - - * 746 | 4 9% 
IX.| An Brediger Beyfteuer und ad pios usus . .. * 780 
X.| Zu Wegebejjerungen: 
1. für die Graffhaft Mark . . . . 760 rthl. — gr. — A 
23. für Eleve wegen des Reeſiſchen Poſt⸗ 
FRI 1007| 9| 74 
XL} An Agio und Mebermahungs3-Koften. . > 628| - 
XIL.| Zu Borfpann und Mundirungs:-Fradten . * 1660| . 
XIH.| Zu allerhand Ausgaben: 


1. für die Domainen wegen der Krieges⸗ 

DT a 339 rthl. 14 gr. — 8 
2. zu Tilgung der Krieges:Schulden. 400 „ — un —n 
3. Atzungs-Koſten, Anfaufdes Cammer⸗ 


95 „ — — „ 3734 14 
XIV.Remiſſion für die Evangeliſche Gemeinden im Cleveſchen .. 184 


XV. 
XVI. 


Zur Märckiſchen Land-Renthey, Behuef der Gehälter. . BT2aN = 
Zur Cleveſchen Ober-Steuer-Caſſe, Behuef der Gehälter 577\ . 1108 
Summa der Ausgaben |174527| 8| 23 


8 Ausſaat 
35 
3 
Nahmen der En Pacht⸗ An 
RD 
_ 8 = 
Aemter BES Duantum ua |5| 8 & E 
= 8 > 
oder Renthey 52 al & ® 5 
nz 
* 


es. |gr. ¶Morg. non el Im. | S. W. 6. W. | e. 


1. Altena u. Neuen- 
trade. 

— im — as 
chen Creis und ift an x j 
den Greis-Schreiber —— 2606 16 5] 514 5989). . 5 5 220633 
Schniewind von Tri- | Höfe und 
nitatis 1771/77 ver- Kahten 
pachtet. 
Nach dem Etat iſt das 
Renthey : Duantum 
an Amts - Gefällen 
9499 rthl. 2 gr. 9 A. 
Die Forften find 
separiret.Beamter 
batanGehalt aus dem 
Amts-Etat 100 rthl. 


Forſt-Etat 20 „ Mt 


— 120 ıthl. 


2.13 landenftein. 
— — — Sat 26 
reis und ift an den * 
Rentmeiſter Wies- | is, und 1188 | 6.110 Tara age 
mann von Trinitatis | Kahten. 
1766/72 verpachtet. 
Nach dem Etatift das 
Renthey - Duantum 
4261 rthl. 2gr. 1%. 
Beamter hat an Ge- 
halt aus dem Amts— 
Etat 119 rthl. 8 gr. 
5 A. 


9/19] 717) 10 11 


Latus 4389 23 3] 702 | 376 1013| 73 |14 


| | 


or 
<I 


2» mähig 


Garten= 


8 
= Land 
& 
v 
— 


M. ss. M. Ins. M. Inh. 


3,1250| 42] 245 [14 1586| 35 22| 55 


3 | 250110] 356 | 19 | 404 | 175 | 360 | 227 


68 111] 4 


418 


Viehzucht 


Kühe 
Schaafe 


140 | 338 


Güſt⸗Vieh 


172 


Von vorbenannten Vorwerken 
find mit ausländiſchen Fami— 


lien beſetzt in aö 1770 


Rahmen 
der 


Dörfer 


Die 
Märdiichen 
Kentheyen 
bejtehen nur 
aus 
eingelnen 
Höfen und 
Pacht⸗ 
Stücken und 
haben keine 
gantzen 
Dörfer unter 
ſich 


Darin ſind 


Unterthanen 


ſo erbliche 
Höfe haben 


* 
— 
= 
> 
8 
—2 


EEE ERBEN — — — 


Summa 


o feine 
erbliche Höfe 


Coſſäten 
Bauren 
Coſſäten 


haben 


Büdner 


Bauren 
Eofjäten 


2 * . 
ee ne A Er Rn al a ee EEE ER ER ar BE EEE BEER BE EEREE EEE EEE 
. . 
= 
. . . 
. s R 
— — —— — — — —— nu — 


Ob die 
Unterthanen 
in natura 
dienen, 
oder 
Dienit-Geld 
entrichten 


Rentheyen 
in Anſchlag 
gebracht und 
werden von 
denen Unter= 
thanen dahin 

in Gelde 

entrichtet 


Nahmen der 
Aemter 


oder Renthey 


Transport 


3.Bochum. 


Liegt im Hoerdiſchen 
Creiſe und iſt an den 
Amts-Raht Hom— 
borg bis Trinitatis 
1765/71 verpachtet. 
Nach den Etat zur 
Renthey an Amts— 
Gefällen 6427 rthl. 
15 gr. 2 A. 
Gehalt desBeamten 
aus den Amts-Etat 
111 rthl. I gr. 5 A, 
aus den Forft- Etat 


15 a — 126 ıthl. 
Ugr. 5%. 
Eſſen. 

Liegt im Stift Eſſen 
und iſt an den 
Ober-Bürgermeiſter 
Schaumburg pro 


1765/71 verpachtet. 

Nach den Etat zur 
Renthey an Amts— 
Gefälen 921 rthl. 
22 gr. 3 A. 

Gehalt des Beam- 
ten aus den Amts— 
Etat 62 rthl. 12 gr. 


Latus 


Nahmen der Vorwerker 
und PBadht-Stüden 


Beſtehet 
aus 18 
Höfen 
Kahten 


Darinnen 
ſind keine 


ſondern es 
beſtehet 
der Ems 
pfang 
aus be= 

ftändigen 
Gefällen 


nn, nn? 


Pacht An 


Quantum Acker 


Weitzen 


— — — — — 


Ausſaat 
5 aluls 2 8 
ER hend =) 


rihl. | gr. | 9 Morg. Inu./m.\s.I. | 6. ea w. | 


438912313 | 702 3761|. 


jaıso 20/13 | 268 1129]115 


.|15 


1013| 73 | 14 


19/16) 6120| 5 |21 


6549 | 1916 | 970 1505115134 | 16117 


| 


9] 79 |11 


99 


uajprıyus 4799 
luoa a19g0 ’uauaıq eınyeu ul 
uaupdrrajun 9194 IQ 


———— ——— — — — — — — — — — — — — — 


RUHR 


usnllod 
vuumg 


udanvg 


uoqvq uopod 
o408 apııqaa 
| aur2F ol 


usanı 


Darin jind 
Unterthanen 


usgo4 ala uaypllos Te a ER >: : Er 
ePugm ol u⸗danvg 


aolage 19a wauguIg 


OLLT ge ur 3&olag ua 
nuvg wophqunjsno rm quil 
UIFIIMIOK u⸗aꝛuuvuoqaoa UoR 


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Banu=z 3 | 
sl —2 N - 


= 
2 Audjaat 
28 
Nahmen der 53 Pacht⸗ An — 
en 
Yemter 2 * Quantum Acker — & E 
oder Renthey 57 Bus 8 
55 
D 
rthl. ar. | Morg. Ch, Ie.lsı m. | &.| m. | e.| m. | e. 
| 
Transport 6549119 | 6 | 97015051, 5) 34 16117 | 9| 79) 11 
5.1H9amm. 
Liegt im Hammſchen |Parin I | 
EN NA. — 14. | sas|s28|.| .| 52 . 26 6| sılıa 
Bergh von Trinitatis| Kabten 


1771/77 verpachtet. 
Gibt nach den Etat 

zur Renthey an Amts⸗ 

— 15212 rthl. 


——— Beamten 
aus dem Amts-Etat 
320 rthl., aus dem 
Forſt-Etat 67 rthl. 
12 gr., = 337 rthl. 
12 gr. 


6.1Hoerde. 


Liegt imHoerdiſchen Pe 


Creis und iſt auf ein a 
Sahr pro 177172 — 9997| 9 511194 30612 23 57) 925 6 3713 


an den RentmeiſterHöfe und 
Bielefeld verpachtet.| Kahten | 
Gibt nad) den Etat | 
zur Renthey an Amts: | 
| 
| 


— 18633 rthl. 


3 A- 

Gehalt des Beamten 
aus den Amts-Etat 
406 rthl. 13 gr. 6 A. 


Latus . 23211|18| 912995 | 134 |4 | 4144 4168 21) 148 | 13 


61 


uarprırua 07939) 
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=. [er fer) 
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Spur — = = So 
f 92 8 
21 aa 


320| 490 | 297 | 243 1108 | 21] 594 1088 829 


8 Ausſaat 
28 
Nahmen der +: Pacht⸗ An | | 
R 8 » * 
Aemter FE Duantum Ader & & * = 
oder Renthey > 8S| 8 8 
55 
ee 
- | gr. | 9 [Morg. Rith. ſ W. S. W. S. W. S. W. | ©. 
Transport 2321118 912995 13914 | 4144| 4168 21 148 13 


7. IIſerlohn. 


Liegt im Wetter-] Enthält | 
ſchen Greife und wird| 007 
von Trinitatis 1770| Höfe und | 
durh den DBürger-| Kabten. 
meijter Maerder ad- 
ministriret. 

Gibt nad) den Etat 
zur Renthey an Amt$: 
Gefällen 4044 rthl. 
64.5 A. 

Gehaltdes Beamten 
aus dem Amts-Etat 
74 rthl. 12 gr. 


1445| 8| 8| 5501321]. |.| . 1221. | 8| 74/13 


8.1 Plettenberg. | 


Liegt im Altenai-| Hat teine 
— — lee 
5i8 77 an den Greiße[mweinigel? 154| 815] 86[562|.|.|.|.|.|.| 610 
fchreiber Schniewind| „it 
verpachtet. zu 

Gibt nad) den Etat 
zur Renthey an Amts— 

Gefällen 721 rthl. 
17 gr. A: 

Gehaltdes Beamten 

aus den Amts-Etat 


60 rthl. Mal 
Latus Y 24811| 6| 218582 42214 4145 2 |69| 5/2291 12 


| uarpraru2 9199 
luar & 19g0 uauaiq wınyeu um 
| uauvgrrajun IQ 90 


| AaUanR 


ua}yllo9 


u⸗anvg 


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usgug Inamlog 
alak apyıgıa 
| aura7 ol 


u⸗anvg 


Darin ſind 
Unterthanen 


uagvg algð Iuaynloo 
apa ol | wanog 
— — — — — — 
aoalag aoq uauq vꝛ 
Te ꝰ ꝰ ꝰõꝰäꝰäõäꝰä ä ä ä ä — — — — — — 
OLLT ge ur aqoloq ua 
108 waphgupisno nu qul 


n uoagaaataog; uaJuuvuagaoa UoR 
————— — —— —— — — — ——— — — — — — — — — — — t — 
® horg⸗ Und 8 = en 
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— 
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— 
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TE ER PS ECHTES 


Nachweiſung der Aemter 


und in welden Creiſern folde belegen 


Amt oder Rentey Altena und Neuenrade im Altenaifchen Creife. 


Rentey Blandenftein im Hoerdiichen Creife. 


" 


" 


Bodum im Hoerdiſchen Greife. 

Eſſen im Stift Eſſen. 

Hamm im Hammfchen Creis. 

Hoerde im Hamm- und Hoerdifchen Creis. 
Sferlohn im Wetterfchen Greis. 
Plettenberg im Altenaifchen Ereife. 

Soeft zur Stadt Soeft. 

Wetter im Wetterfchen Creife. 


Designatio 
von Denen 


Befoldungen und Emolumenten derer Forfi-Bediente 


in der Grafſchaft Mark. 


Beiträge zur Beihihte Dortmunds. XI. 5 


Nahmen 
Nahmen Namen 
des Orts 
derer derer 
ihres 
Aemter Forſt-⸗Bedienten 
Aufenthalts 


J. Bl Hofjäger von | Kuhmeide 
Si 
der Ruhr Schönholz 


1. Amt Wetter Unter-Förſter 
Blume 


Hagen 


2. „ Schwelm| ift vacant 
3. „ Blanden-| Unter-Förfter| Hattingen 


ftein. Porbeck 
„Altena .| Unter-Förfter| Altena 
I Schmidt 
5. „ „sterlohn|Unter:Förfter| bey Iſer— 
Hohagen lohn 
6. „ Pletten- | Holz-Knedht | Altena 
berg. . .| Berafeld 
7. „ Neuen- |Holz-Auffeher| Altena 
trade. . .| Schönemeis 
— Wald-Förfter| Hamm 
der Ruhr — 
1. Amt Hamm] Unter-Förfter| Hamm 
Krippendorff 
2. Gebürge Unter: Förfter] Ende bey 
Artey.. .| Schraberg | Herdide 


3. Amt Hoerde] Unter-Förfter] Sombrud 
Kloth 


k. „Unna . .|Unter-Förfter]| Bradel 
Zetſch 
5. „ Bohum.|Unter-Föriter| Bodel— 
Merttens ſchwing 
6. „Lünen. .[Unter-Förfter]| Lünen 
Groning 


. Summa 


66 


Haben an Braune und Deputat aus den 


Amt3-Gefällen 
an Deputat 
an Thut | Summo 
N baarem 5 © 8 an 
3 3 8 | gen 
Amte Gelde 8 elde 
rihl. ar. 18 m.|e Im. W.S Im @.|o.Im.Itt./pr1) etöt. ac 
| 
Wetter 108 .|.ı. [> 1 Per 
Sler- 
fohn | 6|.|.|. BB :2 GE 
Altena! 10,8|.|. ./21.|.241.1. 


«el oe jio|e.| . 


. 1161.12 18] .153|. 1.117718 


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417115]4 


5* 


UBER 


Summarifcher Extract 


von den Forft- und Maft-Gefällen in der Graffhaft Mark, 
nad) dem Etat von Trinitatis 1771/72. 


Ueberſchus 
zur Renthey 


Einnahme Ausgabe 


Nahmen der Ober⸗Forſt-Meiſter und Aemter 


rthl. A 


gr. 


rthl. | gr. | AI xtbl. | gr. | A 


Der Forftmeifter Lehmann, wohnet 

zu Cleve und hat mit denen Cleve- 

fhen, auch die Märdifchen Forften 
zur Aufficht. 

1. Forit-Amt Nordwert3 der Ruhr . 

2. Forſt-Amt Südwerts der Ruhr 


An Ueberfhus zur Haupt-Forft-Gaffe 


1417 | 18 | 1 
2001 | 18 | 4 
150 |... 2) Mrz 


Summa an Forſt- und Maft-Gefällen | 3569 | 12 | 8 | 2201 | 13 | 8] 1367 | 22|9 


Nemlich: 


An Forſt-Gefällen 
Nordwerts der 
Ruhr . . . 1322 rthl. 6gr. 1% 
An Forit-Gefällen 
Südmwert3 Der 
Rules’ 21963.2.:,162 2477 


Deberihuß „. . . 0, —- ,„—, 
Summa 3445 rthl. 22 gr.5 


An Maft= Gefälle 
Nordwerts . . 85 rthl. 12 gr. — A 


An Maft- Gefälle 
Südwert3 As 38 ” 2 » 


Summa 123 rthl. 14 gr. — % 


Summg obige Dan. Er 8569 | 12 |5 


—— ——— — — ———————— — 


Nachweiſung 
aus den Märckiſchen ——— Etats, wie viel die Einnahme excl. derer Forſt- und Maſt— 
Gefällen jährlich beträget, und wie viel nad) Abzug der Ausgabe baar zur Nenthey flieBet- 


Einnahme Ausgabe 


Renthey-Duantum 
Nahmen ver Aemter , 9 it 


gr. | Rn gr. | 4 


1. Amt oder Renthey Altena und | 


Neuenrade. . 9955 | 9| 51 456 | 6| 81 9499 | 2| 9 
— — „Blanckenſtein. 4621 |12| 2] 360 10 11 4261 2| 1 
nn z „ Bdm. - - 6821 19 1141 39 | 4 9] 6427 15 2 
— onen..." 123020.21 0.12 — 921 22 8 
Bi, 8 „ Samm .. . 1 16317 |15| . | 1104 |23| . | 15212 | 16 
Par — „ Soerde . . . 1 20079 | 5| . | 1446 | 4| 9] 18633 3 
Be. — „ Iſerlohn . . 4246 10 81 202 | 4! 3] 4044 | 6| 5 
Bear, R „ Plettenberg - 789 | 2|. 67|8|11 amauann 
9. Mitten... 11288 |ı5| 9| 495 |. | a] 10788 151 5 
——— Br in Beit-Bacht ftehenden 
EA 758319 17 111 4854 |16| 1] 70465 | 1| 10 
An Erbpadt. 
10. Renthey Soeft, jo der lie 
Magiftrat in Erbpacht Katar 1412 13 1] 186 |20| 7] 1275 |16| 6 


— — 


Summa aus denen Rentheyen . . | 76732 | 7| . | 4991 |12| 81 71740 |18| 4 


Bon denen Märckiſchen Städten und vom platten Lande, 
fließen järlich zur General-Krieges-Caſſe 
rthl. ler. | A 


I. Aus dem Landes-Steuer-Etat: 


1. Pro Regia Majestate .... . - 72.000 rthl. — gr. — A 
2. An Berlinifchen Gehältern . . . . 383893 „ 1, 2, 
3. An Cavallerie- 
Gelder . . 32027 rthl.20 gr. — 
aus Seit. . 324 „ 4, 10, 
aus Limburg 1000 „ — „ —u 
36312 „ — „1, 
4. An Contribution aus 
Soeft . . . 741l6rthl. 8gr. 5% 
Lippftadt . 100 „ — „—, 
Limburg : 2056 „ — u —u 
Werden - » 200 „ — „ — u 


5. Lippftaͤdtiſchen Fürften-Grofgen . . 600 2. —ı —. | 195557 120 5 


I. An Städte-Steuren-Ueberihuß. . - » .» » - Ber. 0. 10490 |14| $ 
I. An Lehn- Pferde-Gelder . - . .. .ı. 2 1 1664 | 8 
IV. An vacanten Gehältern der Amt3-Hauptleuten und Droften . . 1207 | 81 4 
V. An Gehälter zur — er 283 


VI. An Berlinihen Directorial: und Regiftratur-Gelder . . .. . 29 


Summa zur General-Krieges-Caffe 139232 | 316 


— 


er re 


Die Amts-Hauptmannfdhaften in der Graffhaft Mard, 


I pe chen 1 421 rthl. 5 gr. — A 
3. Bon Unna und Samen... 0... - — 2200, A 
3. Bon Blandenftein . - -» » 0. IST ED 2 
4. Bon Schwerte. . » - - re. 0 » — — , 
b) Gehälter, 
fo an die Befiter bezahlet werden. 

5. Von Lünen und Hoerde, der Major von 

Zaſtrow, Saldernſchen Regiments . . 189 rthl. I1gr. 6% 
6. Bon Hamm, der General-Major von 

Syn oe 500 3 VE 
7. Bon Altena und Iſerlohn der Obriſt⸗ 

Sieutenant von Wylick zu Dieröforth. 500 „ REN 
8. Bon Reuenradeder Lieutenantvon Forcade, 

unter dem Rentelfhen Regiment . . 26 „ 6, — ,„ 
9. Bon Plettenberg ift vacant . .. 495 10, 
10. Bon Wetter, der General-Major von Bülow > „6. —u 


und die Befiter derfelben, nebft ihrem Gehalte. 


.a) Gehälter, 
derer Amts-Hauptleuten und Droften, welche vacant find, 
und zur General-Krieges-Cafje abgeführet werben. 


I 


Nahmeilung von denen Städten in der Grafſchaft Markt, 
nad denen Greyjen. 


1. Smmediat-Städte 2. Mediat-Städte 
Nahmen derer Städte Nahmen derer Städte 


a) Creis Nordwerts der Ruhe: 
1. Stadt Hamm. 


2. „ Lünen. 
3: „ Bochum. 
4. „ Caſtrop. 
I. „Wattenſcheid 
6. „ Wefthoven. 
y T. u Schwerte. 
8. „Hoerde. 
97°, *lune. 


10. „  &amen. 


b) Creis Südwerts der Ruhr: 

1. Stadt. Iſerlohn. * e —— 
Hagen. befinden ſich in der Grafſchaft Marck nicht. 
3: „ Blrlanckenſtein. 
4., Hattingen. 
5., Schwelm. 

6. „ Breckerfelde. 
7 
8 
9 


> 
z 


„Lüdenſcheid. 
„Plettenberg. 
. Meuenrade. 
10.8 Altena. 
11. Freyheit Wetter. 
12. Stadt Meinertzhagen. 
„Herdicke. 


c) Soeſt und Hoerde: 
Stadt Soeſt. 


Nahmen derer Steuer-Rähte, 
und unter derfelben Inſpection ftehbenden Städte. 


1. Krieges- und Steuer-Raht Bernuth. 


2. Krieges- und Domainen-Raht Wulfingh. 


3. Stadt3 : Braefident von Schwedler. 


. Stadt Hamm. 


1 
Bes" „., ASÜNER,. 
3 u. Bodum. 
4. , Caſtrop. 
5. „ Wattenfcheid. 
6. , Wefthofen. 
DB öhmerie 
8. „Hoerde. 
9. „UUnna. 
10. Camen. 


.Stadt Iſerlohn. 
„Hagen. 

„ Blanckenſtein. 
„Hattingen. 
Schwelm. 

„  DBrederfelbe. 
„Lüdenſcheid. 
„ Plettenberg. 
„  Neuenrade. 
10. „Alltena. 

11. Freyheit Wetter. 
12. Stadt Meinertzhagen. 
13. „ Hercnrdicke. 


oeonapuppm 


Stadt Soeit. 


EL 


1. 


Ill. 


1: 


. a) Aus denen Märdifchen Städten, Aemtern und Gerichte, excl. 


Salt: 


von der Grafſchaft Marck 


Einnahme, 
Ft und Boerde von 418 Laften 49 Schl., jede zu 72 rthl. 


b) Bon denen adelichen Frey:Gerihten, Stiftern, Clöftern und 
Rentheyen von 31 Laften 11 Schl., jede zu 64 rthl. 6 gr. . 


Summa des einländifchen Debitd 450 Laften — 


Bom ausländifchen Debit von 630 Laften, jede 


zu 38 zihl..12 ar. en 24 255 rthl. 
Die Siede-Koften zu 16 rthl. per Laft. . . . 10080 „ 

bleiben 14 175 rthl., 

wovon 23 für Seine Königlihe Majeftät -. - ».. 2... 
für. die Entrepreneur !/a n . . .. 2 ren 4725 rthl. 

Zehend von Brivat-Cocturen 2. 27. 2 2 F 

Extraordinaria . - 2000000 00 u Co 


Summa der Einnahme 


Etat 
von Trinitatis 1771/72 


Ausgabe. 


I. An Sieve-Roften, von 1080 Laften à Laft 16 rthl. 17280 rthl. 
davon für 630 Laften zum fremden Debit . . 10 080 „ 


fo in Einnahme abgezogen, bleiben. - » -» * 


IL, Se und Onera, denen Rentheyen, und für angefaufte Grund- 
En rn RE a ar Br a DR Sr Sr Be Be Ze 


III. Befoldungen, denen FZactoreysBedienten. » » ** 
IV. Zu Agio, Schreib-Materialien, Reiſe-Koſten und Boten-Lohn 


V. Ad Extraordinaria, wegen im Kriege verlohrnen eifernen Salz- 


tea on A Ve ER 

Summa der Ausgabe 
Balance. | 

ken BD es 41 783 | 20 | 10 

Ueberſchus zur Ober-SalzeCaffe - » nennen 30208 | 20 | 4 
wird pro Quartali Crucis . . . 1900 rthl. — gr. — Ah 
5 . Pasiaarı. 25100, „a, mn 
si Reminiscere . 10820 „ — u» — 
— 6 Trinitatis . . 2383 „ 20. 4, 
abgeführt ad 30203 rthl. 20 gr. 4A 


—— 


— — —ñ—— 


Designatio, 
was von Trinitatis 1733 bis Trinitatis 1771 aus der Märdifchen Land-Renthey zu 
Königlichen General-Domainen-Caffe gezahlet und was an Ueberſchus-Gelder zu Seine 
Königlihen Majeftät Dispofition abgeliefert worden. 


Zur Königlichen An Weberfhus-Gelder 
& Senera aus denen aus denen 
——— Caſſe Forft-Gefälen |Domainen-Gefäler 
rthl. ttbl. | gr. A rthl. er. | A 
Von Trinitatis 1733 bis 1767 find 
die beide Provintzien Cleve und 
Marck combiniret gewefen, mithin 
alle Gefälle zu denen Clevefchen 
Haupt-⸗Caſſen gefloffen, und dabey 
indistinete berechnet. 
Pro Zrinitatis 1767/68 aber find 
jeparat abgeführet . .... . 84798 | 11/161 17 1183| 11 
Pro Trinitatis 1768/69. . . . . 85820 | 1616| 158 | 8| . 1100 | 8 
Pro Trinitatis 1769/70... .. 86221 3/2| 701 8| . 1131| ı 1% 
Pro Zrinitatis 1770/71... .. 86221237 2118| 8| . Jı8| 2 9: 


U — 
Summa | 3480455 | 2 1a [51 18 lıı !s9 211 11 


— — — — — — 


BER Ed) MER 


An verfhiedenen Gefällen, 
fo teil8 in der Grafſchaft Mare nicht vorkommen. 


1% Betreffend der Unterthanen Bau— a) Behuef der neu Anbauenden in den 


Freyheiten. 


Städten, ſind järlich aus den Städte— 
Steuer-Fond, an Bau-Freyheits-Gelder 
ausgeſetzt 2294 rthl. 48 ftbr. und werden 
20 pro Cent, über 1000 rthl. Bau- 
Koften aber nur 200 rthl. gereichet. 


b) Für die Domainene und Mühlen- 
Gebäude ausdenen Domainen-Revenuen 
järlih 2200 rthl. 
c) Die übrige Eingejeßene des piatten 
Landes genießen für neue Bauten eines 
Jahres Schatungs-Freyheit, und wird 
von den übrigen übertragen. 
I. Nachricht von denen Ührbeeden. 
II. E08. 
IV. Bon der Zieſe. 
V. Bom Scheffel-Groſchen. 
VI. Die Tafel-Biefe. 
VII. Bon fremden Bier das Einlage-Geld. Som hier micht vor 


III. Bon der Krieges-Metze. 


IX. Die Einlage wird aud) auf dem 
Lande der Krieges-Mete surrogiret. 


X. Bom Brandtewein Schroott. 


XI. Der Licent ein Krieges-Waſſer-Zoll. 


Nadhweifung 


von dem Forſt-Ueberſchus in der Grafſchaft Mard, jo bey der Domainen-Renthey in 
denen Jahren von Trinitatis 1742, His dahin 1771 berechnet worden 


Zu Sr. König= 

Einnahme Davon ift lien Maj. Dis— 
an laut Königlicher | pofition an die 
Forſt-Ueberſchus | Ordre bezahlt General-Forft= 
Ueberſchus-Caſſe 


rthl. ar. 1 rtbl. | gr. | a1 rtul. gr. | A 


Bis Trinitatis 1767 find die gefamte 
Domainen und Forft-Gefälle noch zur 
Eleveihen Landrenthey geflofen, und 
dabey für beide Provinken Eleve und 
Mark nicht feparat nachgewiesen. 


Von Trinitatis 1767 His 1768 bergegen 231 |». 108 TOT 
Bon Trinitatis 1768 bis 1769. . . .. 158 187. 158 | 8 
Bon Trinitatis 1769 bis 1770. .... 70 8 70 1.8 
Bon Trinitatis 1770 bis 1771..... 158 | 8 158 8 
Summa | 618. 1103 514 1719717 


——— — — —— — —— — — —— — — — 


Bepartition 


wie hinführo die Gehälter denen Städtifhen Forft-Meiftern mit 550 vihl. und denen 
Forft-Schreibern mit 210 rthl. järlich bezahlet werden jollen. 


für den Forftmeifter für den a 50 Te Schreiber 


Nahmen der Stäbte 


baben | tragen haben | tragen 
bisher | Zulage | Summa | bisher Zulage | Summa 
bezahlt | bey bezahlt | bey 


Bey denen Märdifchen Städten find theils 
gar Feine Forften, und theil die Hol- 
zungen nicht von der Importance, daß 
darüber befondere Forſtmeiſter und 
Forſt⸗Schreiber angeordnet worden. 


— — — —— —— —— — — — — —————— — — —— — — — ——— 


Nahmen und Gefälle derer Schleuſen. 


In der Grafſchaft Marck ſind keine Schiffbare Flüſſe, worauf 
Schleuſen liegen, und wovon Schleuſe— ae zu entrichten, 
vorhanden. 


Desig- 
derer unter der Märdifhen Cammer- 


—i'fG — — — — — — — — — — — ——— — — — 


Ir. | 


Nahmen der Caſſen | Nahmen der Gafjen-Bediente 


—— —— — —— — —t — — — — — — — —— —— — 


Hofraht und Landrentmeiſter Kühlenthal. 


Ben ee und Controlleur Wehling. 


Dahin gehören: 
a) 10 Special-Caffen, als: 
Bon der Renthey Altena und Neuen- 
räͤde Rentmeiſter Schniewind. 
Von der Renthey Blandenftein . | Rentmeifter Wiesmann. 
y R » Bodum. . .» . | Amts-Raht Homborg. 


’ R „aachen. Ober-Bürgermeifter Schaumburg. 
— x „ Hamm . . . . | Amt3-Raht Then Bergh. 
k — „Hoerde . . . . | Richter Bielefeld. 
3 = „ Iſerlohn . . . | Vürgermeifter Maerder, fo diefelbe adminiftriret. 
“ A »„ Plettenberg . . | Rentmeifter Schniewind. 
v „ „1. Se in re Magiftrat alda, jo diejelbe in Erbpacht hat. 
" " „ Wetter . . . . | Oberbürgermeifter Lecke. 
b) Forſt-Caſſen. 
Nordmwerts der Ruhr... . . . Wald-Förfter Pieper. 
Südwerts der Ruhr ...... Hofjäger von Schönholz. 


ec) Berg-Caſſen. 
Bon Ausgangs -Revenuen, auf 


Kohlen, Holz ze. 2... .... Krieges- und Dom-Raht Silent 
Liebrecht. jetzt unter der Haupt⸗ 
Bon Berg-Zehend.. ... Berg-Affeffor Cappel Berg-Caſſe in Berlin. 


d) Cammer-Brüdten-Caffe 
e) Collecten-Gelder-Caffe. 


f) Domainen-Bau=Caffe. . | Landbaufchreiber Pieper. 
Ir und Ober-Empfänger Hennid. 


|Saty-Regiftzatun Puſch. 


Caſſier und Controlleur Cramer. 
Caſſen⸗Schreiber Gröning. 


Ober⸗SteuerCaſſe 


Dazu gehören 
a) 24 Steuer-Receptur-Gaffen, 


als 
Bom Amte Klamm. . ..... Steuer-Einnehmer Bielefeld. 
" „ Una Sr — Schultz. 


„ Lünen und Camen . - Cappel. 


natio 


Deputation ftehenden Gaffen. 


Nr. Nahmen der Caſſen 


Noch Steuer-Receptur- 
Gajfen. 


21.| Bom Amte Schwerte... . . . 
22.| Jurisdiction Haaren 


er ee | 


Gericht Heeren. .. 
24. EN : 
25. anadenpira . .. . ... . 
om Amte Doere. .. ... .» 
2. E Sun nr... 
28, F »  DBlandenjtein und Ge: 
Sedrudn.. 0. 

29.| von Gerichten Laugendreer und 
mes... 

ur, — Eickel, Strünckede 


und Neu-Caſtrop 


| „ Alt-Cajtrop. . . 
22 „ — Mengede . . . . 
Ei _ — Stiepel und Her— 

Bene... 
34.| „ — D 
3.| „ n Hagen, Amt Iſer— 


lohn und Kirch— 

piel Ende . . . 

36.| Hofgeriht Schwelm und Gericht 
Bomann. 2... 
erh Hemer... 0... .. 
38.| Von den Kirchfpielen Lüdenfcheid, 
Meinertzhagen, Valbert, Rönfahl, 
Hericheid und Kierfpe. . . . . 

39. | Bon den Kirchfpielen Wihlingwerth, 
Kelleramt, Brerferfelde, Halver, 
Hülſcheid, Neuenrade, Blettenberg 

40.| Bom Amt Altena 
Al.| Receptur-Cafje, vom Neben-Duars 
LI TB (2 

Beiträge zur Gejchichte Dortmunds. XI. 


m MOHN I er Tr SE 


Nahmen der Safjen-Bediente 


Steuer-Einnehmer König. 
Receptor Wewer. 
3 Kannengießer. 


x Köpe. 
. Elbers. 
Steuer-Einnehmer Bielefeld. 
* Grollmann. 
Maercker. 


Receptor Rindelaub. 
Kipp. 
Homborg. 
Then Bergh. 
Rautert. 
Bröcking. 
Greis-Einnehmer Ringmacher. 
Heilenbeck. 
Receptor Hildebrand. 
Creis-Einnehmer Schniewind. 
Figge. 
Creisſchreiber Schniewind 


von der Hoven. 


Continuatio 


derer unter der Märckiſchen Cammer— 


Nr. Nahmen der Caſſen Nahmen der Caſſen-Bedienten 


—, — — — — — — — — — — — — — — — — D — — — — 


I. Städte-Steuer- I. Cämmerey— 


b) 24 Städte-Steuer-Cafjen Caſſen-Ren— Caſſen-Ren— 
derer Städte. danten. danten. 

49.1: Hamm. ar. 2 DS Rademacher Brodmann. 
AB. BÜHNE. 0 2 et Schultz Derfelbe. 
44.1 Dohum- 20 2 se Schroeder Weſthoff. 
56Cſroooo as a Sr Homborg Schee. 
46.1 Mattenidein nr. Kr en Reuter | Moenting. 
41.1 Mefihoten. tan na ns NR Uffelmann Derjelbe. 
48.1 Schwerte Hm ae Witthaus Schmidt. 
9:1 Hoerdee Kulemann Wormſtall. 
RIUnnnnn von Rüts Wiethaus. 
J Reinhard Kuhfus. 
J 2. | Butte Mitsdörffer. 
han 1 EVerlohn Irene ae Halffmann Roskampff. 
Schroeder Derſelbe. 
99:1, Olandentitein. ae a Braefefe Gilhaufen. 
36,1 ‚Hattingen. sure MWiederholt Busbaum. 
91.1 Sıhwelnt.. SEN ee Hasley Grundſchöttel. 
58. 1. Brederfelben, vu ee Böhme Goldenberg. 
59.1.2übenichetbiin:n „re ee Du Buy Schniemwind. 
60 Mfettenberg cccce Baumeiſter Derſelbe. 
62] Mettenrapes NR Ernft Buſche. 
GALT EN Ten Se TIERE Maerder Figge. 
63 Reli er rare Magiftrat daſelbſt 
64.1 Meinerghagen za 0 2 a Weiland Derjelbe. 


69. 1° 9erbides 1. ae ee Burrmann Wiendahl. 


ER 


——— — —— — — — — —— — ——— —— 


er Designation 


Deputation ftehenden Gajjen. 


Nr. 


Nahmen der Caſſen Nahmen der Caſſen-Bedienten 


———— — — — — — — — — — — — — — — — 


c) 2 Servis-Caſſen. 


a Hobreder. 

« Ben... .. Giefede. 
Märckiſche Salz-Caſſe zu 

ne ee Salz-Factor Calvi. 
Haupt-Tobad3-Fabrications- 

Beytrag3-Gelder-Caffe. . | Hofraht Hennik. 
Brovincial-Stempel-Gaffe . | Recdhenmeifter Pfeiffer. 
Cämmerey-Caſſen . . . . 24 | Bon diefen 24 Caſſen find die Gaffen-Bediente 


auf vorhergehende Seite benennet. 
Hiezu die übrige hievor jpeci- 
Reste Collien. . 2 2. . 70 


Summa der unter der Märdi- 
fhen Gammer - Deputation 
ftehenden Salien. . . . . . 94 


84 


un 22: nn en ee ee Br ee 8 
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Rabellen, 


entnommen au3 


P. F. Weddigen, Neues Weſtphäliſches Magazin, 1790. 


(Vergl. Seite 30—43.) 


58 


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Tabelle III, 


92 


US bis. 17 DB 


Kreife, Aemter, Herrlichkeiten 


dbarinnen find vorhanden 


Namen der Städte, 


und Kirchſpiele 


Kirchdörfer 


Bauer— 
ſchaften 


Adelige 
Häuſer 


Wirthe 


Kinder 


Feuerftellen 
Männer 
Frauen 


über | unter 


Söhne Töchter 


über | unter 
19 Jahren 


10 Sahren 


20T 


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‚a) in den Städten 


Hamm 


Dohuneeer.e 
Doerben re 
+1) 


Schwerte 
Weſthofen 
Caſtrop 

Wattenſcheid . . 


b) auf dem platten 
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Amt Hamm f 
ER RÜTTE RR 
ni 
„Camen 
„Schwerte 
Herrlichkeit Haaren. 
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„ DBuadenhorg 
2. Hoerdilcher Kreis 
Amt Hoerde . . 
DODUME EN 
„ DBlandenftein . 
Herrlichkeit Eidel. . 
„  2angendreer | 
„ Stründeder 
„ Alt-Caftrop. 
»„ Reu:Caftrop 
„Bodelſchwingh— 27 
Mengede . . 
„ Elmenhörfter . 
" Horſt a le 
„eStiepelen 
„urmerbenee 
ruch 
„Witten. 


3. Soeſter Boerde . 


Pe ee a. Sr! 


sin. 00, Des 


11 


82 


115 


12 


67 


62) 4913 


13 


4.072 


4318, 3992| 4545 


5012| 5428 


1499| 1233| 1571 


3683| 458111149 


1349 


2342 1329 


955 3332 1064 3235 


3630| 1132| 3 770 


5927| 1187| 614, 1229 


Summa Nordmw. d. R. | 63] 269 | 142 


14.802 | 13.920 | 16 125 | 3990| 10. 491| 4 139 


10 676 


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1504 | 193 | 1738 [20 618 3 RR A rn FB N SUSE. 
7938| 340 | 1364 |22 818 a a a 
6481 248 | 725] 7982| . |. JJ 2, 


3596 | 910 |5158|69 005] 42 |392 | 3861 | 160 |458] 16 | 10 | 9 | 35 |114| 52 | 6 


Tabelle III (Fortfegung). 


TON 5137 1738 

dbarinnen find vorhanden 

| Wirthe Kinder 
Söhne Töchter 


= 

= | — — — — 
5 über | unter | über | unter 

je) 10 Sahren 10 Sahren 


Namen der Städte, 
Kreife, Aemter, Herrlichfeiten 
und Kirchſpiele 


Kirchdörfer 
Bauer⸗ 
ſchaften 
Adelige 
Häuſer 

Feuerſtellen 


Männer 


a) in den Städten 


Asterlobiveae or 
DNB 
Blonfenftein 
Hattingen 
Shmeln 2 Auen 
Brederfelde.. 
Lüdenscheid . 


| 3604| 4288| 4603 1709 3012/1391) 2933 
Plettenberg . . 
Neuenrade . . 
Milena nr 
Metlsr se ran 
Meinertzhagen. 
| 


Herdigen. — 


b) aufdem —— 
Lande 
1. Altenaiſcher Kreis 
Kirchſp. Lüdenſcheid. 
uſche 
„Herſcheid. 


A 
Gierſp 
Breckefelden 10 69 20| 3032 3215| 3338 1125 2838 853 3001 


„  Dalbert 
> a LO 
„ Noenfal . . 
— Mihlingwerde . 
Kelleramt. 
Anit Neuenrade . . 
„ Plettenberg . . 


2. Wetterfcher Kreis 
Freyd. Bolmarftein . 
Hochger. Schwelm 
Gericht Volmarftein. 

DagenE 
Amt Sferlofn . . . 
Gericht Ende 


„Amen 
eu, 


Summa Südwerts d.R.| 211 111) 47/10299 | 11393 | 12046 | 3743| 9566| 3008| 9 570 
Hiezu Nordwerts d. R.| 63| 269 | 142 | 14 802 | 13 920 | 16 125 | 3990| 10491) 4 139/10 676 


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Summa d. Grafſch. Mark 84 380 | 189 | 25 101 | 25 313 | 28 171 | 7 733] 20.057] 7 147]20 246 


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11| 42| 27| 3663) 3890| 4105| 909) 3716| 754| 3636 


Geſinde 
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IV. 


Die Anfänge der Ingespreffe in Dortmund. 


Bon Dr. Hermann Beder (verjtorb. Oberbürgermeifter von Köln). 


Borbemerfung. Der nachfolgende Aufſatz ift von dem als „rother 
Beer” befannten, ehemaligen Oberbürgermeifter von Dortmund und Köln 
in dem „Dortmunder Anzeiger” 1869 vom 29. Juli bis 31. Auguft er- 
fchienen. Der biftorifhe Berein zu Dortmund hat fih auf die Ver— 
anlaffung Hermann Beder’3 hin bei der Einführung dejjelben am 2. Juli 
1871 am Fredenbaum gebildet. Den folgenden Aufſatz hat Hermann Beder 
als für die „Beiträge“ beftimmt wiederholt bezeichnet. Doc trug Becker, 
folange er lebte, Bedenken, daS „Imprimatur“ zum unveränderten Ab- 
drucke zu ertheilen, weil er an dem Aufſatze noch ändern wollte. Einzelne 
fleinere Detaild waren ihm bedenklich geworden; auch wollte er an dem 
Ausdrucke noch feilen, jo daß der Bielbefchäftigte die Wiederherausgabe 
nicht mehr übernommen bat. Der Aufjat ift nun fo ſehr in unverdiente 
Bergeffenheit gerathen, daß der Herausgeber der Biographie des „rothen 
Berker”, Hakenberg, den Auffa gar nicht erwähnt. Er ift nunmehr hier 
der ursprünglichen Abficht des Herausgeber gemäß ganz zum Wieder: 
abdru gebracht. Allerdings finden fich Fleine Ungenauigteiten — jo iſt 
bereits 1767 eine periodifche Zeitung in Dortmund erfchienen, die „Dort- 
mundifhe Zeitung“, welche fpäterhin wieder eingegangen ift —, aber den 
Auffak zu ändern oder durch Anmerfungen auf Fleine Ungenauigkeiten 
hinzuweifen erſchien unftatthaft. Die frifch gejchriebene und mit vielen 
interefjanten Details verfehene Abhandlung würde jehr darunter leiden. 
Auch Haben Berker Notizen und Materialien vielfach zur Verfügung ge- 
ftanden, die heute nicht mehr vorhanden find. Hier aljo ift eine etwaige 
nachträgliche Brüfung, wie fie Berker beabfichtigte, unmöglich. Der Auffag 
folgt deßhalb in unveränderter Form. Kübel. 

Beiträge zur Gefchiehte Dortmunds. XI. 7 


ERROR 


Als ver zweite. preußifche König im Jahre 1722 das 
Militärwaifenhaus in Potsdam ftiftete, wies er der Anſtalt 
außer Grundbefig und anderen Vermögensſtücken auch ſolche 
Einkünfte zu, die zum Theil erit ganz neu auf Koften der 
Gewerbefreiheit gejhaffen wurden; aljo Steuern, deren Ertrag 
gewöhnlich ganz unerheblich ift im Vergleich mit dem Schaden, 
den fie dem Gewerbefleiße und dem Verfehre zufügen. Ins— 
befondere wurde zu Gunften der neuen Gtiftung eine Art 
Zeitungsmonopol gefchaffen, welches darin beftand, daß für ihre 
Rechnung in den einzelnen Theilen des Staates jogenannie 
Antelligenzblätter herausgegeben wurden, die von gewiſſen Klafjen 
der Bevölkerung gegen einen verhältnißmäßig hohen Abonnements⸗ 
betrag gehalten und in welche gewiſſe Bekanntmachungen und 
Anzeigen ausſchließlich und auch meiſt gegen hohe Einrückungs— 
gebühren eingerückt werden mußten. Dieſes Privilegium hat, 
wenn auch nicht in voller Strenge, bis Ende des Jahres 1849 
beſtanden und hat zuletzt insbeſondere noch ſchwer auf Dort- 
mund, wo es erft 1816 eingeführt wurde, gelaftet. 

In dem Stadt und Graffhaft Dortmund auf fait allen 
Seiten umgebenden preußifchen Gebiete wurde der Sintelligenz: 
blattszwang während des vorigen Jahrhunderts in folgender 
Meile gehandhabt. 

Für das Herzogthum Cleve, das Fürſtenthum Mörs und 
die Grafſchaft Mark erfchien feit dem Jahre 1727 das Intelligenz⸗ 
blatt zu Duisburg. Alle Verwaltungs- und Gerichtsbehörden 
waren verpflichtet, für dieſes Blatt dem Poſtamte zu Duisburg 
wöchentlich ein genaues Verzeichniß der Geburten, Heirathen 
und Sterbefälle einzuſenden und zu dieſen wöchentlichen Nach⸗ 
richten alle Anzeigen von gerichtlichen und außergerichtlichen 
Verkäufen und Verpachtungen, von geſtohlenen oder verlorenen 
Gegenſtänden, von verarbeiteten Waaren und von ſonſtigen 
merkwürdigen Vorfällen zu liefern. Der Abonnementspreis 
betrug 1 Thlr. und für arme Zwangsabonnenten bie Hälfte. 
Die Kirchen waren für arme Zwangsabonnenten erflärt. Außer 
den Kirchen waren zum Abonnement verpflichtet die Kapitel, 


Stifter und Klöfter (mit Ausnahme der Medicantenklöfter), die 
Gymnaſien und Schulcollegien; alle Behörden und alle Beamten, 
die eine jelbftftändige Amtsverrichtung hatten, die adligen Be- 
fißer, deren Verwalter und Pächter, die Nerzte, Wundärzte und 
Apotheker, fämmtliche Innungen und Zünfte und die Juden. 
In Kleinen Städten war e3 geitattet, daß der Wundarzt und 
der Apotheker fih zu einem Abonnement vereinigten. Die 
Zünfte und Innungen mußten je nach der Zahl ihrer Mitglieder 
ein bis fünf, auch) wohl noch mehr Exemplare nehmen, und Die 
Suden mußten mindeftens zu je drei Familien ein Exemplar 
halten. _ 

Mer 14 Tage mit Zahlung des Abonnementsgeldes im 
Rückſtande blieb, wurde durch den Erecutor zur Entrichtung des 
doppelten Betrages angehalten. 

Den Behörden war aufgegeben, feine örtliche Publication 
von gerichtlichen oder außergerichtlichen Verkäufen, Ber: 
pachtungen u. ſ. w. zu geitatten, bevor nicht dieſelbe Anzeige 
an das Duisburger Sntelligenzblatt mit der Einrüdungsgebühr 
von 5 Stüber für jeden Artikel franco eingejendet war. Unter 
dem 4. November 1727 wurde fogar den Berlegern der Zeitungen 
bei Verluſt ihres Privilegiums verboten, Einjendungen auf: 
zunehmen, die fi für das Söntelligenzblatt eigneten. Unter 
dem 24. September 1728 erging eine Verordnung, wonach Fein 
Actus über gerichtliche und private Distractionen, Subhaftationen, 
Bermiethungen und Verpachtungen von Mobilten und Immobilien, 
welche von den Kanzeln oder mittelſt Ausrufs befannt gemacht 
worden, desgleichen über Notificationen bei Concurſen, Citationen 
der Greditoren, Ausleihung von Depofitengeldern u. ſ. w. gültig 
fein follten, wenn fie nicht durch da3 Duisburger Intelligenz 
blatt befannt gemacht worden jeien. Die Behörden mußten 
die Bekanntmachungen in vollitändiger Ausfertigung einſchicken; 
geſchah die Einfendung nicht vorſchriftsmäßig, jo drohte eine 
Buße von 1 Goldgulden. Auch für Stedbriefe und andere 
Bekanntmachungen der Sieherheitspolizei mußten die Einrüdungs- 
gebühren bezahlt werden; als Ausnahme war nur zugelafien, 
daß für die Befanntinadhungen ausländischer Gerichte erit dann 

7* 


— 10 — 


liquidirt werden dürfe, wenn der verfolgte Miffethäter in Haft 
gebracht worden ei. 

Die Einrüdungsgebühren für die Edictaleitationen und 
Stedbriefe wegen der aus den Gefängniffen oder auf dem 
Transport entiprungenen Gefangenen wurden von „Demjenigen, 
der es an der nöthigen Wachtfamfeit hatte fehlen laſſen“, und. 
die Koften für die Bekanntmachung von Diebftählen von dem 
Bejtohlenen eingezogen. 

sm März 1779 wurde die Gebührentare für die Ein- 
rüdungen dahin geändert, daß für eine bis drei gedrudte Zeilen 
2 Ggr., für vier bis ſechs 4 Gyr. u. |. w. von drei zu drei 
geilen 2 Ggr. mehr berechnet wurden. Vom April 1792 an 
wurden die Inſertionsgebühren zeilenweife, die Zeile von 25 
Silben, mit 1 Ggr. berechnet und die unentgeltliche Einrückung 
von Bekanntmachungen in Criminalfadhen, vorausgefegt, daß 
der Inquiſit nicht zur Erſtattung herangezogen werden Fonnte, 
angeordnet. 

Dom 1. Auguft 1791 erſchien das Sntelligenzblatt zwei 
Mal wöchentlich, Dienftags und Freitags. 

sm Jahre 1803 iſt der Sntelligenzblattzwang auf die 
annectirten Gebiete Efjen und Werden ausgedehnt und 1806 
das „sntelligenzblatt von Duisburg nad) Hamm verlegt worden. 

Wer nicht auf Veröffentlihung durch die Tagespreffe ver: 
zichten wollte oder Fonnte, entging dem Inſeratenmonopole des 
sntelligenzblattes gewiß nicht. Denn deffen Verwaltung, das 
jogen. Adreßcomptoir, gab genau Acht, ob aus feinem Gebiete 
irgendwo anders Anzeigen erjchienen, die ihm tributpflichtig 
waren. Ohne die dringendfte Veranlafjung mied man deßhalb 
das theure Snferiren und gab lieber dem Paſtor einige Stüber, 
der dafür Sonntagd nach der Predigt von der Kanzel herab 
der Gemeinde gejchäftliche Bekanntmachungen mittheilte. Diefe 
Beeinträchtigung des Militärfiscus wurde zwar wiederholt ver- 
boten, fie ift aber erit in unferem Sahrhundert ganz außer 
Anwendung gefommen. | 

Während im übrigen Deutfchland das Zeitungsweſen fi 
merklich entwidelte, ging e3 an den meiften preußifchen Orten 


— 191 — 


zurück. Die hoch privilegirten Spntelligenzblätter ließen den 
wenigen älteren Blättern kaum das nothdürftige Beftehen und 
neue nicht auffommen. Allenfalls in einer jehr großen Handel3- 
jtadt Fonnte noch die Gründung einer Zeitung verfucht werben. 
Sole Städte gab es im preußischen Weftfalen nicht). Sn 
den. geiftlichen Gebieten, von Weitfalen waren die Verhältniffe 
zur Gründung einer politiichen Zeitung auch nicht mehr an- 
gethan; insbeſondere war. Münfter, wo die erfte weitfälifche 
Buchdruderprefje gejtanden hat?), feit Bernhard von Galen die 
Bürgerſchaft unterjocht hatte, und ehe ein Freiherr von Fürften- 
berg=- Herdringen Minijter wurde, nicht der Plat dazu; noch 
weniger aber das ſchon zu Anfang des 17. Sahrhunderts ge- 
demüthigte Paderborn ?). 

Wer eine einheimische Zeitung leſen wollte und nicht genug 
Franzöſiſch lefen Fonnte, um den ungefähr im Sahre 1776 ge 
gründeten Courier du Bas-Rhin aus Eleve zu verftehen, 
war auf die Lippſtädtiſche Zeitung angewiefen. Jene 
wurde, weil fie in franzöficher Sprache, dieſe, weil Preußen 
in Lippftadt die Finanzhoheit nicht allein üben und deßhalb 
den Sgntelligenzblattzwang nicht einführen fonnte, von dem all- 
gemeinen Drucke weniger betroffen. Darum bürgerten ſich in 
Weſtfalen immer mehr Zeitungen aus Köln, Frankfurt, Hamburg, 
jelbit Nürnberg ein, obgleich. in diefen Städten die Zeitungs— 
Ichreiber manchmal weit mehr Rüdjichten zu nehmen und be- 


1) Cleve war lange Zeit die größte Stadt. Nach dem Siebenjährigen 
Kriege war die Einwohnerzahl von Cleve 5000, Wefel 4439, Sferlohn und 
Minden unter 4000, Soeſt 3963, Emmerich 3500, Bielefeld 3130, Altena 
2783, Duisburg 2645, Herford 2635. 

2) Hier drudte Johann Limburg 1486 die lateinischen Gedichte des 
berühmten Domherrn Rudolf Lang. 

. 3) Zu der erften Buchdruderei im Hochſtift, für welche Math. Pon— 
tanus (Brücner) in Paderborn im Jahre 1608, alfo vor Gründung der 
Univerfität, ein Brivilegium erhielt, war 1659 eine zweite zu Neuhaus ge- 
fommen, aber als fürftbifchöfliche Privatdruderei und zunächſt nur zur 
Führung des Federfrieges gegen die Landftände. Zu Neuhaus ließ Fer⸗ 
dinand von Fürftenberg feine trefflihen Monumenta Paderbornensia 
- zum erften Male druden (1669). 


— 12 — 


fonders auch mit der Cenfur zu kämpfen hatten als in Preußen, 
wenigftens unter Friedrich dem Großen und noch bis zur fran= 
zöſiſchen Nevolution. 

Nicht beffer wie den Zeitungen ging es den Unterhaltung3- 
blättern. Sm den Sahren 1755 und 56 erſchien zu Cleve, ge- 
druckt und verlegt bei der Wittwe des Königl. Preuß. Hof— 
buchdruckers 3. R. Sigmann fel., der „Weftfälifche Beobachter”, 
eine Wochenſchrift. v. Derſchau, Rath bei der Kriegs- und 
Domänenkammer, jpäter Minifter, und Goede, Referendar, 
ipäter Landrichter in Altena, waren die Herausgeber. Vielleicht 
hat der damals ausbrechende Siebenjährige Krieg das Blatt ver- 
nichtet; aber nach den Kriege ijt es nicht wieder aufgenommen 
worden. Derartige, feit der Mitte des SahrhundertS in ganz 
Deutſchland beliebte Zeitſchriften für eine mehr wifjenihaftliche 
Unterhaltung litten in Preußen fogar ganz beſonders unter der 
Konkurrenz der bevorzugten Intelligenzblätter, Die — oft in be 
bejonderen Beilagen — ihren Leſern allerlei Unterhaltendes 
boten. Das war ihnen fo vorgejchrieben; 3. B. ſchärfte Die 
Regierung zu Cleve unter dem 26. Mai 1766 es dem Duis- 
burger Adreßcomptoir ein, daß das Duisburgijche Intelligenz: 
blatt nüßlihe, in das Finanz-, Defonomie- und Polizeifac) 
einschlagende Abhandlungen bringen müffe. In- und ausländijche 
Gelehrte wurden aufgefordert, ſolche Arbeiten an das Adreß— 
comptoir einzufenden. Der Erfolg für das Duisburger Blatt 
ut mir nicht bekannt; die Beilagen zum Mindener Sntelligenz- 
blatt find ihres Inhaltes wegen zuweilen in anderen Beitjchriften 
genannt worden. 

Mit dem erweiterten Zeitungsmwejen nahm dag Buchdruder- 
gewerbe und der früher damit weit inniger verbundene Berlags- 
buchhandel in den meijten deutjchen Ländern einen bedeutenden 
Aufſchwung, während in den preußiſchen PBrovinzialftädten die 
meiſten Buchdrudereien ein kümmerliches, auf Monopole ge— 
jtüßtes Dafein frifteten und der Buchhandel ein Nebengeſchäft 
der Buchbinder blieb. Weber den erbärmlichen Zuftand, in 
welchem der weltfäliiche Buchhandel bis in das 19. Sahrhundert 


— 18 — 


verharrte, hat Friedrich Perthes im Jahre 1816 Merkwürdiges 
aufgezeichnet (Perthes’ Leben, 2. Band). 


Ehe Zuftus Möfer, der durch feine Osnabrück'ſche Geſchichte 
ih einen Namen erworben, die „Dsnabrüd’fchen Intelligenz- 
blätter” herausgab (von October 1766 bis in die Mitte des 
Sahres 1782), wußte man im übrigen Deutjchland von einem 
geiltigen Leben in Weitfalen gar nichts, und noch falt 20 Jahre 
fpäter ließ man außer Osnabrück höchftens Lemgo, wo die 
Meyer'ſche Buchdruderei beftand und der gelehrte Poſtmeiſter 
Benzler das Lippe- Detmold’sche Sntelligenzblatt jchrieb, als 
Dafen an der Grenze gelten. 


Münfter, wo ein Wochenblatt fih Möſer's Schriften zum 
Mufter zu nehmen fuchte, wurde noch wenig genannt. So oft 
Meufel eine Umarbeitung oder Fortfegung des Hamberger’ichen 
Werkes „Das gelehrte Deutfchland” unternahm, klagte er, daß 
es fo gut wie unmöglich jei, Nachrichten über weſtfäliſche 
Gelehrte zu erhalten, und das „Gelehrte Deutſchland“ erjchien 
doch in Lemgo. | 

Es war das eben die Folge davon, daß es in Weitfalen 
feine Preſſe und feinen buchhändlerifchen Verkehr gab. Daß der 
große Staatsrechtslehrer Pütter zu Göttingen aus Iſerlohn 
ftamme, wurde in der außerweitfälifchen Preffe zu Ende der 
achtziger Jahre als eine überrafchende Entdedung beſprochen. 
Bald darauf wurde mehrfach bemerkt, daß einzelne Weftfalen 
auf den verjchiedenften Gebieten geiftiger Thätigfeit fich hervor— 
thäten, und dann wurde fogar mit einer gewiſſen Liebhaberei 
den Weftfalen, die außerhalb der Heimath Boden gefaßt, nach— 
geipürt, entdedte man fie zu Berlin und Wien in allen Zweigen 
dev Staatsverwaltung, und Michaelis in Göttingen ging 1783 
fo weit, in Schlözer’3 Staatsanzeigen zu behaupten, jeit hundert 
Sahren ſäßen in der kaiſerlichen Kanzlei zu Wien lauter Weit- 
falen. Ueber diefe und ähnliche. weitfälifche Angelegenheiten 
findet fich ein intereffanter Auffaß in der Berlinijchen Monats— 
ſchrift (Sahrg. 1784, Stück 5) aus der Feder des Predigers 
J. M. Schwager. 


— 14 — 


Ohne diefen Umſchwung in der öffentlichen Meinung hätte 
Peter Florenz Weddigen, Gymnafiallehrer in Bielefeld, es wohl 
nit unternommen, im Jahre 1784 ein „Weftfälifches Magazin 
zur Geographie, Hiftorie und Statiftif“ herauszugeben. Wed— 
digen bereifte den größten Theil Weftfalens, um auch außer- 
halb der Grafſchaft Navensberg Mitarbeiter zu gewinnen, und 
fand überall die beite Aufnahme. Er empfing jofort die Zu- 
ficherung der Mitarbeiterfchaft von 70—80 Perſonen, und ver- 
Ichiedene Archive wurden ihm zugänglich gemacht. Beſonders 
fam ihm die Empfehlung Möfer’3 zu Statten. Che das vierte 
Heft erfchien, waren über 900 Abnehmer gemeldet, aus Münfter 
allein 78, darunter Minifter von Fürftenberg. 

Che es ficher war, daß das Magazin ſolchen Anklang finde, 
lag feine geringe Schwierigkeit in dem Mangel eines Verleger2. 
Nachdem die Buchdruderei zu Herford, wo im Sahre 1630, 
vielleicht auch ſchon früher, eine Zeitung „gedrudt zu Herford 
bey Morig Vogt“ erſchien, eingegangen war, gab es in der 
ganzen Grafihaft Navensberg vom Jahre 1685 bis in unfer 
Jahrhundert nur eine einzige Buchdruderei, die von Zuft 
Zränfener gegründet und nach deffen Tode an Diedr. Bädeker, 
der die Wittwe Tränfener geheirathet hatte, übergegangen mar. 
Dieje ſcheint nicht im Stande gewefen zu fein, die pünftliche 
Lieferung von zwölf Bogen Kleinquart für jedes Vierteljahr zu 
übernehmen. | 

Meddingen übernahm jelbft den Verlag des Magazins und 
ließ die erften Hefte bei Johann Auguftin Enar in Minden 
druden; den buchhändlerifchen Vertrieb beforgte Anfangs die 
im Sahre 1781 zu Defjau entjtandene „Buchhandlung der Ge- 
lehrten” und vom jechiten Hefte an die Meyer'ſche Buchhand- 
lung in Lemgo. Der Drud wurde dann vom Hofbuchbruder 
Joh. Friedr. Althans in Bückeburg beforgt. 

Als der Wunsch rege wurde, das Magazin möge monatlich 
ericheinen, lehnte Weddingen es feiner übrigen Gefchäfte wegen 
ab, erklärte aber, er wolle mit feinem „auswärtigen Buchdruder 
die Verfügung treffen, daß jährlich fünf Hefte ausgegeben werden 
fönnen“. Das geſchah, und jo befam der zweite Jahrgang fünf 


— 15 — 


Hefte; dadurch ftieg der Abonnementspreis auf 12/s Thlr. und 
bei der Poſt auf 22 Thlr. 

MWeddingen’3 Hauptabfiht war, durch das Magazin die 
Materialien zu einer topographiich-hiftorifch-ftatiftifchen Be— 
ſchreibung des niederrheinisch-weitfälifchen Kreifes zu ſammeln 
und allgemein zugänglich zu machen. Sein Magazin hat aber 
noch mehr geleijtet; es bat, indem e3 eine große Menge ges 
bildeter, patriotiſcher Männer in demfelben Streben verband, 
dieje mit einander in Berührung und Verkehr gebracht; es hat 
Bekanntſchaften vermittelt und zu Vereinigungen angeregt, die 
noch lange nachher dem Lande zum Segen gereicht haben. 
Außerdem hat eg, nachdem Möfer ſich von der Nedaktion des 
Dsnabrüder Blattes zurüdgezogen, die Aufmerffamfeit des 
übrigen Deutichlands für Weftfalen wach erhalten. 

Seit Beginn der Revolution in Frankreich ftieg die Nach- 
frage nad Blättern, welche die Tagesereigniffe befpraden !), 
und felbft die Eleineren Zeitungen, welche in der Nachbarſchaft 
der preußischen Brovinzen erfchienen, gewannen an VBerbreitung- 
Eine der bedeutendften unter diefen war die feit 1790 von 
Mannes in Elberfeld herausgegebene „Elberfelder Zeitung und 
Adrekcomptoir- Nachrichten”, die den zahlreichen Handels: 
verbindungen ihres Platzes mancherlei Driginalberichte verdanfte. 
Die „Eſſendiſchen Nachrichten“, die ſchon ſehr lange beitanden, 
hatten auch einen guten Ruf; jogar der damals jehr unbedeutende 
Marktflecken Mülheim a. d. Nuhr hatte in den 90er Jahren 
feine Zeitung. Vielleicht um den fremden Zeitungen und auch 
der Lippftädtifchen Zeitung, die über ftrenger werdende Cenfur 
zu lagen hatte, entgegenzumwirfen, entſchloß ſich die preußijche 
Regierung 1794, dem Buchhändler Röder in Weſel, der big 
1792 ohne großen Erfolg ein Wochenblatt „Niederrheinifche 
Unterhaltungen” herausgegeben hatte, das Privilegium zu einer 
halb officiöfen Zeitung zu ertheilen. Dieje hieß „Cleve-, Meurs— 


1) Die Auflage des „Hamburger unparteiifchen Gorrejpondenten”, die 
ſchon feit 30 Jahren ungefähr 20000 betragen hatte, ftieg Damals auf 
30 000; das hatte bis dahin noch Feine einzige Zeitung auf der Erde erreicht. 


— 16 — 


und Märkiſche deutſche Provinzialzeitung“. Unter dem 
17. Sanuar 1794 wies die Regierung zu Cleve alle Juſtiz— 
behörden in Eleve, Mörs und Mark an, ihre Bekanntmachungen, 
„vorzugsweife vor der Lippftädtiichen Zeitung“, in die Röder: 
iche Zeitung einrücfen zu laffen. Die Infertionggebühren wurden 
dafür, wie beim Duisburger Intelligenblatt, auf einen guten 
Groſchen für jede Zeile von 25 Silben feſtgeſetzt. 

Sm Februar 1795 erließ aber die Regierung zu Hamm 
eine Declaration, wonach „Sntelligenz-Artifel” nur dann in das 
Röder'ſche Blatt eingerüdt werden durften, „wenn der Ein- 
ſender verfelben gleichzeitig anzeige, daß ſolche auch zur Auf: 
nahme in das Sintelligenzblatt zu Duisburg eingefandt worden 
find, wofür er verbindlich bleibet“. 

Zeitungen im urfprünglichen Sinne (Theidung — Verhand- 
(ung, Begebenheit, Bericht), d. h. Erzählungen von ungewöhn- 
lichen Greigniffen auf einem fliegenden Blatte, find ehedem ge— 
wiß auch in Dortmund ab und zu gedrudt worden. Für bie 
Gefchichte der Buchdruderei in Dortmund wäre es wünjchens- 
werth, daß fich deren erhalten hätten. Aus folden find in 
anderen Drten freilih die in regelmäßigen Zeitabjchnitten 
(periodisch) ericheinenden Preßerzeugnifje, die Zeitungen in der 
heutigen Bedeutung, ift die fogen. Tagesprefje hervor- 
gegangen, aber nicht in Dortmund. Nur eine ganz entartete 
Nachkommenſchaft, die Schauergefchichten, die auf Jahrmärkten 
ausgeboten werden, erinnerten noch an jene alten Zeitungen 
oder Relationes, als die Tagespreffe ihren eriten Verſuch in 
Dortmund machte. Das geſchah in den SOer Jahren des 
vorigen Sahrhunderts. Den Beginn und dag Aufhören Der 
ersten Dortmunder Zeitung im heutigen Sinne näher zu er: 
mitteln, ift mir bisher nicht gelungen. Der Sahrgang 1782, 
früher im Befige Kuithans, befindet ſich jeit 1850 in der 
Bibliothek des Gymnafiums; feinem Inhalte nah Tann er 
der erfte gewefen fein, und aus der Abonnementseinladung am 
Ende ift zu Schließen, daß er nicht der legte hat fein jollen. 

Diefe „Dortmundifche vermiſchte Zeitung. Yon 
Kriegs- und Staatsſachen'“, mit dem Faijerlichen Reichs— 


— 107 — 


adler und dem Dortmunder Adler geihmüdt, erſchien Mitt: 
wochs und Sonnabend3 einen Duartbogen ftarf im Verlage des 
Waiſenhauſes und koſtete jährlih einen Gonventionsthaler 
(1 Thle. 12 Sgr.). An Neichhaltigkeit des Inhaltes konnte fie 
e3 mit der „Kaiserlichen Reichs-Ober-Poſt-Amts-Zeitung zu Köln“ 
wohl aufnehmen; auch ift fie beſſer gejchrieben als jene, die 
wöchentlid aber vier Mal in einem halben Bogen von etwas 
größerem Format erihien. Am Schluffe hatte fie vermijchte 
Nachrichten und Anzeigen, denen zuweilen noch neueſte Nach— 
richten folgten. In den Berliner Neuigkeiten ift die Berüd- 
fihtigung der weitfälifchen Provinzen unverkennbar. Aus jedem 
Blatte redet der Geift der jofephinifchen Zeit, der offenbar auch 
den Rath von Dortmund erjt ermuthigt hatte, im Berlage 
feines Waifenhaufes eine Zeitung erjcheinen zu laſſen. Die 
Redaction Spricht zuweilen ihre eigene Auffaffung in Anerfen- 
nungen zu den Nachrichten aus. Einem Pfarrer, der auf der 
Kanzel behauptet hatte, fie ſchmiere ihre Mittheilungen über 
die Reformen in Defterreich „aus dem Stegreif”, antwortet fie: 
„Wir haben Alles, was bisher davon gemeldet, theils aus dem 
Miener Diario felbit, al3 auch aus anderen Kaijerl. und 
Königl. privilegirten Blättern getreulih, ohne die geringiten 
Zuſätze, welche allemal für uns gefährlich fein würden, entlehnt. 
Wir bitten alfo inftändig, ung künftig mit dergleichen Parallelen 
zu verfchonen; indem wir widrigenfal3 uns ein andermal 
perfoneller ausdrüden müſſen.“ 
Die Einladung der Erpedition auf der legten Seite lautet: 
„Wir ftatten mit dem Schluffe diefes Jahres den ver: 
bindlichiten Dank an unſere geehrten Lejer ab für die Zu— 
neigung, die Sie bisher unjern Blättern gewürdigt haben; 
und bitten zugleih, daß ein jeder mit dem Anfange des 
Neuenjahres die Gebühren an hiefigem Wayjenhaufe beliebig 
einjenden und die Auf- und Ankündigung zugleich befannt 
machen möchten; indem nach 14 Tagen dergleichen nicht be- 
quem mehr gejhehen kann.“ 
Wahrſcheinlich ift die Zeitung mit dem Jahresſchluß oder 
bald darauf eingegangen; und den Reiz, einen neuen Verſuch 


— 108 — 


zu machen, mochte dann nicht leicht und nicht bald Semand 
empfinden. 

Sn einem Staate von 5300 Einwohnern wie Dortmund 
fonnte aber auch an das Beltehen einer Zeitung nur dann ge- 
dacht werden, wenn auf zahlreiche Lejer außerhalb der Stadt 
und Grafſchaft zu rechnen war. Dazu waren die Verhältniſſe 
aber wenig und am allerwenigiten nach Ausbruch der franzöft- 
ſchen Revolution angethan. Abgefehen von dem jeit dem An— 
fang des vorigen Jahrhunderts bald mehr, bald weniger ge: 
ſpannten Berhältniffe zwiſchen der reich3unmittelbaren Stadt 
und Preußen überwachte nunmehr jede Landesherrfchaft außer 
den inländifchen auch vie im Gebiete des Nachbar, vollends 
eines Fleinen Nachbars, erjcheinenden Blätter um fo ftrenger, 
als fie der Verbreitung und der Verwirklichung neuer Ideen 
entgegentreten zu müfjen glaubte. In diefer Richtung galt 
fein Vorbeugungsmittel für zu ftrenge, und Beitungsverbote 
und willfürlide Maßregeln gegen Zeitungsherausgeber waren 
an der Tagesordnung. Das Verfahren der jchwedischen Re— 
gierung, welche den einheimifchen Zeitungen überhaupt verbot, 
über Franfreih irgend Mittheilungen zu machen, war eine 
bloße Gonfequenz des Syſtems, durch welches die meilten 
europäijchen Regierungen dem Gelüfte nach Neuerungen einen 
Danım entgegenzufegen meinten. Sm Serzogthbum Berg 
wurden unter dem 3. Suli 1792 alle Lejegejellfchaften verboten, 
jo daß fait auch die im Jahre 1775 gegründete Lefegejellfchaft 
in Elberfeld, deren ſehr ernfte, wiſſenſchaftliche Beftrebungen 
allgemein gewürdigt wurden, unterdrüdt worden wäre. Sn 
einzelnen bergiſchen Orten jeßte man e3 den Lehrern an höheren 
Schulen in die Beſtallung, daß fie Feiner Leſegeſellſchaft an- 
gehören dürften. 

Im Kurfürſtenthum Hannover wurden (19. December 1793) 
alle Leſevereine wenigftens unter Polizeiauffiht geftellt, jo daß 
jedes Buch, welches in Umlauf gefeßt wurde, der Drt3polizei 
gemeldet werden mußte, 

In Dortmund fam zu den übrigen Schwierigkeiten Flein- 
ftaatliher Verhältniffe noch der Mangel an einer ausreichenden 


— 109 — 


Rojtverbindung. Seit den Tagen de Großen Kurfüriten war 
die Hauptpoftlinie in Weftfalen auf der Straße zwischen Eleve 
und Minden. Sie ging von Eleve über Wefel, Lünen, Hamm, 
Lippftadt u. ſ. w. Nach dreißigjährigen Verhandlungen kam 
1784 eine zweite Hauptlinie zu Stande, die von Hamm über 
Iſerlohn und Hagen nach Schwelm ging und von da auf Köln 
und Düffeldorf zweigte. Wer vordem mit der Volt von Hamm 
nach Düfjeldorf fuhr, mußte den Ummeg über Wefel machen. 
Der viel beiprochene Plan, eine Chauffe über die alte Völker— 
ftraße des Hellmeges, aljo auch dur Dortmunder Gebiet, zu 
bauen, kam hauptjächlich deßhalb nicht zur Ausführung, weil 
Preußen das Postamt für Dortmund nah Wambeln legen 
wollte, während Dortmund es in der Stadt zu haben verlangt. 

Es gab zwar eine Pojtftelle in Dortmund, aber nur als 
Nebenerpedition des Poftamtes zu Lünen. Um in den allge 
meinen Boftverfehr zu fommen, mußten alle Briefe u. j. w. zu— 
nächſt nach Lünen befördert werden oder aber, wenn die preu— 
ßiſche Poſt vermieden werden follte, erſt nach Werl gejchict 
werden; dort war das näcdhitgelegene Reichspojtamt unter Thurn— 
und Tharis’scher Verwaltung. Der bei den jchlehten Wegen 
in jener Zeit nicht feltenen Verzögerung war man deßhalb in 
Dortmund wie im Verfand fo auch im Empfang von Nachrichten 
in noch höherem Maaße ausgefegt als in den meiften größeren 
Nachbarſtädten. 

Gleichwohl wurde in Dortmund in der Mitte der 0er 
Sahre wiederum die Herausgabe einer Zeitjchrift unternommen, 
aber einer Zeitfchrift Iediglich für Dortmund und ohne jeden 
Vertrieb von Tagesneuigteiten. Die Anregung dazu ent- 
jprang natürlih nur örtlichen VBerhältniffen und Stimmungen. 
Die Stadt hatte fich zwar feit dem Siebenjährigen Kriege etwas 
erholt, im großen Ganzen aber befand fie fich jeit dem Dreißig- 
jährigen Kriege im Nüdgange. Die Bevölkerung, die im 
Sabre 1683 noch ungefähr 5500 Einwohner betrug, war im 
Sabre 1783 auf 4000 gefunfen. Die Bewohner der Grafſchaft, 
die eigentlichen Unterthanen, faum 1300 Seelen, klagten über 
hohe und ungerecht vertheilte Steuern. Drei Siebentel der 


— 110 — 


Staatseinnahmen rührten von ihnen her. Das böſe Regiment 
des Bürgermeiſters Küpfer war zwar vorüber; der Bürgermeiſter 
Zach. von Beurhaus hatte Ordnung in die Finanzen gebracht, 
auch 30000 Thlr. Schulden, zum Theil freilich durch Verkauf 
ftädtifcher Grundftüde, getilgt, aber 80000 The. Schulden 
waren noch zu tilgen, und wenn man nad) einem Urtheile in 
Schlözer's Neuen Staatsanzeigen (12. Band 1788) jchließen 
darf, fo genoß auch die jpätere Verwaltung bei vielen Bürgern 
jo wenig Vertrauen wie Beifall. Die Urſache lag theil® in 
mancherlei veralteten Einrichtungen, zum großen Theile aber 
auch darin, daß Manche mit der Verfafjung und dem Ergeb- 
niffe der Verwaltung nicht genau genug befannt waren. 

Um zunächft diefer Urſache der Mißhelligkeit ein Ende zu 
machen, traf eines der jüngsten Mitglieder des Nathes in Ueber— 
einftimmung mit dem beten Theile der Bürgerfhaft dag rich- 
tige Mittel, die Veröffentlihung der ſtädtiſchen Angelegenheiten. 
Es war Arnold Mallindrodt, der mit 20 Sahren Doktor 
der Rechte geworden, damals erſt 26 Sahre alt, ein höchſt be- 
gabter und Fenntnißvoller Mann, der in anderer Umgebung ein 
Staatsmann erften Ranges geworden wäre). 

Zunähft ſchrieb er eine Darftellung der Verfaſſung und 
Verwaltung und legte damit zugleich den Grund zu der Zeit 
Schrift für Dortmunder Angelegenheiten. Jene jollte die Ein- 
leitung, der Schlüffel zu den Auffägen über die Verwaltung, 
insbefondere über die Finanzverwaltung, in der Zeitfchrift jein. 

Sp entftand das zum Verftändniffe der früheren Berhält- 
niſſe unentbehrlide Buch: | 

„Verfuh über die VBerfafjung der Kaijer- 
liden und de3 heil. röm. Reichs freyen Stadt 
Dortmund Von Arn. Mallindrodt. Erftes Bände 
chen und zweites Bändchen. Dortmund im Verlage des 


1) Als die franzöfifche Gefetgebung bei uns dem Feudalismus ein 
Ende madte, das alte Beamtentbum aber für die entgegengefesten Be— 
ftrebungen der Gutsherren Partei nahm, nahm er fich mit dem glüdlichiten 
Erfolge bei Napoleon der Bauern an. Das hat ihm freilich, nachdem die 
Fremdherrſchaft vorüber war, ſchlechten Dank eingebradt. 


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Buchhändlers Joh. Heinr. Blothe und gedrudt bei F. ©. 
9. Bädeler. 1792.” 

Diefe beiden Bändchen enthalten das Staatsreht und 
das Finanz und Juſtizweſen ver Freiftadt Dortmund. Ein 
drittes Bändchen jollte die PVolizeiverfaffung, insbefondere das 
Schul: und Armenweſen, die Religiond- und Kirhenverfafjung, 
fowie die Verfaffung und Rechte der Gilden, das Berhältniß 
der Grafjhaft Dortmund zur Stadt, die Verhältniffe zum 
Reiche und zu Auswärtigen, insbefondere der von Preußen 
erhobenen Anſprüche auf Dortmund, darftellen. Dafjelbe it 
leider nicht erſchienen. 

In der Einleitung erörtert Mallindrodt die Srage, warum 
die Reihsftädte nicht jo glücklich feien, wie es jo kleine Re— 
publifen nach dem wahren Geifte ihrer Verfaffung wohl fein 
fönnten, und findet eine Haupturſache in dem „Mangel an 
richtiger Bublicität, diefer Pflegerin des republikaniſchen Geiſtes“. 

Er bemerkte dazu: „Alles, was das Gemeinwefen angebe, 
müffe zu jedes Bürgers Wiffenfchaft leicht gelangen können; es 
follte insbefondere jährlich der Zuſtand der Finanzen, die Ein- 
nahmen und Ausgaben jedes Jahres mit der detaillirten An— 
zeige des Ertrages eines jeden Fonds, der Betrag der öffent- 
lichen Schulden nebft der Anzeige, welche abgelegt worden, 
ferner follten die Gründe der obrigfeitlichen Verordnungen, 
alle öffentlichen Verträge und die wichtigeren Stadtangelegen- 
heiten befannt gemacht werden, und dazu Fönne ein Bürger- 
blatt dienen.“ Weiterhin führt er aus, was alles in einem 
ſolchen Blatte ftehen fönne, und fommt endlich zu der Er- 
Elärung: „Der BVerfaffer diefes Verſuches kann ſchon jebt 
feinen Mitbürgern die angenehme BVerficherung geben, daß 
mehrere wacere Männer unferer Stadt ſich mit ihm verbunden 
haben umd noch weiter verbinden werden, um mit dem Anfange 
des fünftigen Jahres ein ſolches Blatt für Dortmund heraus- 
zugeben.“ 

In der Vorrede zum zweiten Bändchen, die im December 
1795, al3 im Uebrigen der Drud vollendet war, gejchrieben ift, 
deutete Mallindrodt an, daß die Vorarbeiten zum dritten Bänd- 


chen noch nicht weit genug gefördert feien, um dafjelbe der 
Ankündigung gemäß Schon im Laufe des Jahres 1796 erjcheinen 
lafjen zu können; deßhalb follte alsbald das „Magazin für 
Dortmund“ in’3 Leben treten, damit in demfelben einige aus— 
führlichere Materialien zum dritten Bändchen vorläufig veröffent- 
licht werden könnten. 

Sm Frühjahr 1796 erjchten nun das „Magazin von und 
für Dortmund“ im Commiffionsverlage von Joh. Heinr. Blothe. 
(Vom zweiten Hefte an nannten fich al3 Verleger Heinr. Blothe 
und Compagnie) Es war eine Virteljahrsfehrift, jedes Heft 
ſechs Bogen Kleinoctav ſtark. Der Jahrgang Ffoftete im Sub- 
jeriptionspreife einen preußifhen Thaler, im Ladenpreiſe 
15 Stüber mehr. Dem erften Hefte ift die Bemerfung vorauf- 
geſchickt: 

„Wegen der etwas ſpäteren Erſcheinung dieſes erſten 
Heftes bitten die Herausgeber um Verzeihung. Ueberhäufte 
dringende Arbeiten der Druckerei waren die Haupturſache der 
Verzögerung. Es ſoll aber für die künftige promptere Er— 
ſcheinung Sorge getragen werden.“ 

Der erſte Aufſatz: „Von dem Zwecke und den Gegenſtänden 
des Magazins“ iſt von dem Advocaten und erſten Convocans 
(d. h. Vorfigenden des Erbjaffenftandes) Wilh. Schmemann ge 
ſchrieben, eine vortreffliche, heute noch leſenswerthe Arbeit, 
welche von Wiffenfchaftlichfeit und Freifinnigfeit der Redaction 
zeugt. „Dortmund,“ beißt es in diefem einleitenden Aufſatze, 
„erhält alfo nunmehr ein ähnliches literarisches Inſtitut, wie 
e8 bereit3 in mehreren deutfchen Provinzen und Dertern mit 
dem beiten Erfolge für das gemeine Wohl derjelben befteht.” 
Schmemann nannte als Mufter die „Schleswig - Holfteinifchen 
Provinzialberichte”, die „Schlefifhen Provinzialblätter”, die 
„Lauſitziſche Monatsſchrift“, die „Monatsſchrift von und für 
Mecklenburg“, „deren Hauptgegenftände provinzielle oder drt- 
lihe Geſchichte, Verfaſſung, Verhältniffe, natürliche Lage und 
Beichaffenheit, Einrichtungen, Verbefferungen u. f. w. find, kurz, ' 
Aufklärung über allerhand gemeinnüßige Gegenftände und Be- 
förderung de3 gemeinen Wohles zum Zwede haben“. 


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Unter den Mitarbeitern war F. Bädeker, Prediger zu Dahl, 
ein vieljeitig gebildeter und vielfeitig wirfender Mann. Er 
machte im „Magazin“ den Borjehlag, in Dortmund ein Schul- 
lehrerjeminar zu errichten und entwidelte dabei diejelben An— 
fihten, von denen Diefterweg und feine Freunde ein viertel 
Sahrhundert jpäter fich leiten ließen !). 

Außer gemeinnügigen Vorſchlägen enthält das „Magazin“ 
vorzugsweije Auszüge aus Chroniken und Urkunden, aber aud) 
jelbitftändige gefchichtliche Unterfuchungen und, im Anſchluß an 
die im Verſuch mitgetheilten früheren Stadtrechnungen, den 
Auszug aus den jüngiten Rechnungen für das VBerwaltungsjahr 
1794—95 (von Eraudi bis Eraudi). Eine ſchöne Arbeit ift 
auch der Aufſatz über die befjere Benußung der gemeinen Weiden, 
den der Bürgermeifter Schäffer bereits im Jahre 1788 den Bor- 
jtehern der Wefterbauerfhaft vorgelegt hatte und der nun im 
zweiten Hefte des „Magazins“ Jedem zugänglich wurde. 

Nachdem der erite Sahrgang vollendet und vom zweiten 
Sahrgange das erite Heft?) bereitS unter dem alten Titel 
„Magazin von umd für Dortmund” gedruckt war, bejchlofjen 
im April 1797 vie Herausgeber, „durch den Wunjch Bieler 
veranlaßt”, den anfangs gewählten Titel „Dortmundijches 
Magazin“ in den allerdings zwedmäßigeren „Magazin für 
Weſtfalen“ umzuändern. 

Der wirkliche Beweggrund war aber wohl, daß Weddingen, 
der inzwischen Brediger zu Kleinbremen im Mindifchen geworden 
war, jein „Weitfäliihes Magazin” nicht mehr fortzujegen 
Ihien. Dasjelbe war nur in den erften fünf Jahren einiger- 


1) Für Dortmund und Umgegend waren bis zu jener Zeit Die 
Glementarlehrer meift aus dem Sängerchor der armen Gymnaftaften, der 
bis in unfere Tage vor den Bürgerhäufern gefungen hat, hervorgegangen. 
Ueber den damaligen Stand des Schulmefens in der Mark und Berg fiehe 
MWilberg, Erinnerungen u. ſ. w. Eſſen 1836. 

2) A. Mallinerodt fchrieb, um „das Wort Heft nad) feiner befannten 
verschiedenen Bedeutung auch in verſchiedenem Geſchlechte zu gebrauden”, 
der Heft, alfo: Erfter Heft; während der Verleger die Hefte auf dem Um— 
ſchlag mit „Stüd“ bezeichnete. 

Beiträge zur Gefhihte Dortmunds. XI. 8 


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mafßen regelmäßig, im Ganzen in 16 Heften, alſo nicht, wie 
e3 verſprochen, jährlich in fünf Heften, herausgefommen. Von 
1789 waren unter dem Titel „Neues Weltfälifhes Magazin“ 
bi8 1794 noch zwölf Hefte erjchienen; aber im Jahre 1795 
feins mehr. Das „Dortmunder Magazin“ hatte ſchon außer: 
halb Dortmund Lefer gefunden‘). Der Gedanke, diefen Lejer- 
freis zu erweitern und Weddigen’S alte Mitarbeiter dafür zu 
gewinnen, lag nahe genug. So wurde der bisherige Plan 
raſch geändert und den Empfängern des erften Heftes des 
zweiten Sahrganges erſt auf dem Umſchlage gejagt, daß ſie 
darunter das erfte Heft des „Magazins für Weſtfalen“ 
zu verſtehen hätten. 

Auf dem Umfschlage, der überhaupt zu Anzeigen, beſonders 
zu Buchhändleranzeigen, aber auch zu anderen gejchäftlichen 
Bekanntmachungen benugt wurde?), zeigten die Verleger auch 
an, daß fie eine neue Buchdruderei angelegt, welche lauter ge— 
ichmadvolle Typen aus den berühmten Breitfopf’ichen und 
Ungerifchen Schriftgießereien enthalte Dem Betriebe Diejer 
Druderei ftand aber das Privilegium entgegen, welches vom 
Dortmunder Nathe (1737) dem Gottſchalk Diedrich Bädeker 
aus Bielefeld, als „verordnetem“ Stadtbuchdruder, ertheilt und 
nad deſſen Tode (1778) auf den Sohn Friedrich Gottſchalk 
Heinrich Bädeker übergegangen war. Man half ſich, indem 
man die neue Druderei in das nahe gelegene Gebiet des Stiftes 
Eſſen, auf Wulfs Hof nad) Dorftfeld, brachte und dort arbeiten 
ließ. Aber noch in demfelben Sahre ftarb Friedrich Gottihalf 
Heinrich Bädeker?). Blothe & Comp. Fauften deſſen Druderei 


1) Paſtor Möller, der in der Mark unvergeßliche „Pfarrer von Eljey“, 
war unter den Abonnenten. 

2) Die erfte Anzeige im erjten Hefte meldete, daß Herr Stadtphyitfus 
Dr. Schöffer fi der Mühe unterziehen wolle, den Perſonen, welche Lujt 
dazu bezeigen, in der Behandlung, Wartung und Pflege der Kranken den 
nöthigen Unterricht zu ertheilen. In dem zweiten Hefte machte Dr. Wald: 
ſchmidt befannt, daß er ſich hier häuslich niedergelafjen, um als ausüben- 
der Arzt denen, welche e3 verlangen, nützlich zu werden. 

3) Gottſchalk Diedrich Bädeker war der Sohn des auf ©. 104 er⸗ 


— 15 — 


von der Wittwe und fonnten nun ihre eigene Druderei in die 
Stadt bringen. 

Die erweiterte Zeitjchrift jollte zum Preife von 1"/e Thlr. 
jährlich in ſechs Heften erſcheinen, jedes wenigstens von ſechs 
Bogen. Die Erwartung, daß die Mitarbeiter aus ganz Weſt— 
falen ji einfinden würden, ging in Erfüllung. Man findet 
im Mallindrodt’fhen Magazin Beiträge von Dr. Bährens in 
Schwerte, Paſtor Fortlage in Dsnabrüd, Conrector Holthaug, 
dem Statijtifer in Schwelm, Nicolaus (Benantius) Kindlinger, 
dem um die weitfäliiche Gejchichte hoch verdienten Minoriten- 
mönd, damals Arhivar in Eſſen, Paſtor Müller, einem Ge- 
lehrten erjten Ranges in Schwelm, Bajtor Senger zu Ned, 
Rector Seivenftüder in Lippftadt, Profeſſor Schlüter in Müniter 
u. A. Auch der Verfaſſer der Jobſiade, der früher Mitarbeiter 
an den von Röder in Weſel herausgegebenen „Niederrheinifchen 
Unterhaltungen“ gewejen war, Dr. Kortum in Bodum, ein 
tüchtiger Gefchichtsfenner, fand fich ein. An Dichtern in hoch- 
deutfcher und plattdeuticher Mundart fehlte es auch nicht. 
Gleichwohl gerietb das Magazin in’3 Stoden. Weberhäufte 
dringende Drudgefchäfte wurden als Urjadhe der Verſpätung 
angegeben; zugleich wurde verſprochen, daß die beiden noch 
fehlenden Stüde diejes Jahrganges, jowie das erite des Jahr— 


mwähnten Diedrih Bädeker zu Bielefeld, der 1680 in Bremen geboren, ſich 
1711 in Bielefeld niedergelafjen hatte. Nach feiner Niederlaffung in Dort- 
mund verjuchte er fich in größeren Verlagsunternehmungen: 3. B. mit 
von Steinen’3 „Weſtf. Geſchichte“; er Jah fich aber hinterher genöthigt, die 
Fortführung derjelben zum großen Theile der Meyer’fchen Buchhandlung 
in Lemgo zu überlafjen. Ein zweiter Sohn des Dortmunder Stadtbuch— 
druders Gottſchalk Diedrich B. war Zacharias Bädeker, der 1775 die 
Wittwe des Buhdruders Wohlleben in Eſſen heirathete. Sein einziger 
Sohn, der noch zu erwähnen fein wird, befam des Großvaters Vornamen 
Gottſchalk Diedrich und gründete die in Eſſen blühende Firma ©. D. Bädeker. 
Zwiſchen diefer und der ehemaligen Firma ©. D. Bädeker in Dortmund 
it alfo wohl zu unterfcheiden. Jene alte Dortmunder Druderei von 
G. D. Bädeker tft, nachdem fie zunädhit an Blothe & Comp. übergegangen 
war, nad Düffeldorf verfauft worden, wo ſie als Dänzer'ſche Buch- 
druderei wieder in Betrieb gefommen ift. 
8 * 


— 116 — 


ganges 1798 jest unmittelbar folgen würden. Aber erſt gegen 
Februar 1798 wurde das legte Heft für 1797 ausgegeben, und 
es verging wieder geraume Zeit, ehe etwas vom Jahrgange 1798 
erichien, nämlich bi Ende Mai. Das zweite und dritte famen 
zufammen im September, das vierte und fünfte Ende Januar 
und das fechfte Ende März des folgenden Jahres heraus. Die 
überhäuften dringenden Druckgeſchäfte waren wohl nicht der 
wirflihe Grund, fondern die Geldverlegenheit Blothe's. 
Mallinkrodt, der als ftiller Theilhaber Geld in Blothe's 
Druderei- und Verlagsgefhäft eingefchoffen hatte, verlor die 
Luft, mit Blothe weiter zufammen zu gehen. 

Daß im Sahre 1796 die Abonnements die Kojten des 
Magazins noch nicht dedten, ift gewiß, und obgleich Mallind- 
rodt e3 für das Sahr 1797 dem Publikum gegenüber behauptet 
hat, fo ift doch wahricheinlier, daß das Magazin auch) dann 
noch nicht, überhaupt niemals, feine Koften aufgebracht hat. 

Das „Magazin“ hatte, als es bloß „von und für Dortmund“ 
war, ungefähr 160 Abnehmer, darunter ungefähr 120 in Dort- 
mund, für die Kleine, kaum 4000 Seelen zählende Stadt ein 
recht anfehnlicher Stamm. 

Die Erweiterung des Planes war nur bei einer geminder- 
ten Berücfichtigung der Dortmunder Angelegenheiten durch- 
führbar. Die nächfte Folge davon war aber, daß die Zahl der 
Dortmunder Abonnenten abnahm. Sie ſank im Sahre 1797 
auf 91 herab. Dagegen ftieg gleichzeitig die der Auswärtigen 
auf 157. Aber eine weitere Zunahme ftand kaum noch zu er- 
warten, als im Frühjahr 1798 Weddingen wieder fein „Magazin“ 
(bei Röder in Weſel) erſcheinen ließ. Darauf hatte Mallindrodt 
am allerwenigftend gerechnet. Jetzt jah er das „Magazin für 
Weftfalen” doppelt gefährdet, jowohl durch den drohenden Zus 
ſammenbruch des Blothe'ſchen Gejchäftes als durch die Fort— 
ſetzung jenes älteren Magazins. Deßhalb mußten bei ihm die 
zwei gleich dringlichen Wünſche entſtehen, in und für Dortmund 
eine Zeitſchrift zu behalten und ſich mit Blothe auseinander 
zu ſetzen. 

Zur Erreichung des erſten Zieles beſchloß er im Februar 


Eye 


1798 neben jeiner Vierteljahrssehrift ein Blatt zu gründen, 
welche3 einerjeitS den Zweck, für den das urjprüngliche Dort- 
mundiſche Magazin in's Leben gerufen war, erfüllen konnte, 
andererjeits in feinem Inhalte von der Concurrenz des Wedding’- 
fchen Unternehmens nicht betroffen wurde. So entitand der 
„Weſtfäliſche Anzeiger”, und befam Dortmund die zweite 
politifche Zeitung und die erfte, die es zu größerer Verbreitung 
und weiter reichendem Einfluffe gebracht hat. Die Einrichtung 
war der des in Gotha feit 1791 erfcheinenden und in Wejtfalen 
ziemlich verbreiteten deutſchen „Reichsanzeiger“ nachgebildet '). 

Der „Weftfälifche Anzeiger” follte nad) der Ankündigung 
enthalten: 

„I. eine jedesmalige gedrängte Ueberfiht der wichtigeren 
politifchen Nachrichten, wobey die beiten, in Weitfalen 
wenig befannten in- und ausländischen Zeitungen und 
directe Correfpondenzen benußt werden jollen; 

II. Nachrichten von und für Weitfalen, in Beziehung auf 
allgemeinere und locale Moralität, Erziehung, VBorurtheile, 
nützliche Volksbücher, Gejundheitsfunde, Oekonomie, 
Handlung und Fabriken, nützliche Erfindungen, nützliche 
Anſtalten, Vaterlandsliebe, geographiſche und ſtatiſtiſche 
Veränderungen Weſtfalens, Juſtizpflege, Polizey, 
Camerale; 

III. Privatnachrichten, als Heyrathen, Geburten, Sterbefälle, 
Orts- und Amtsveränderungen, Dienſtgeſuche, geſuchte 
oder ausgebotene Darlehne, Verkäufe, Anfragen über 
Nachrichten, welche man zu haben wünſcht, Edictal— 
ladungen, Steckbriefe, neue Etabliſſements und dergleichen.“ 


1) „Der Reichsanzeiger“ wurde herausgegeben von Rud. Zach. Becker, 
den der franzöfiihe Marfhall Davouft 1811 verhaftete und als einen 
gefährlihden Menſchen ohne Urtheil und Recht 1’/e Jahre in Magdeburg 
gefangen hielt. Der Anzeiger, der nad) Auflöfung des Reiches „Allgemeiner 
Anzeiger der Deutfchen“ betitelt wurde, jtand in hiefiger Gegend in fo 
gutem Andenken, daß, als 1840 der Dortmunder Gewerbeverein entitand, 
diejer ihn jofort anfchaffte; ebenfo den aus dem „Weſtfäliſchen Anzeiger“ 
hervorgegangenen „Sprecher“. 


Am 29. Juni 1798 wurde eine Probenummer ausgegeben, 
und vom 1. Juli an erſchien das Blatt, zum Preiſe von 
1!/2 Thlr. für das halbe Jahr, zweimal wöchentlich, Dienstags 
und Freitags, in einem Bogen. Bon da an entwidelte fich jehr 
allmählich dag Anzeigenwefen; anfangs gab e3 fait nur Buch— 
händleranzeigen, für welche dann bejondere Beilagen gemacht 
wurden. In das Hauptblatt famen Gejchäftsanzeigen nur, 
wenn ganz wenige vorhanden waren. Die Einrüdungsgebühr 
betrug 1'/a Stüber oder Ye Ggr.; aber alle Anzeigen unter 
zwölf Zeilen fojteten 18 Stüber (7! Sgr.). Nach wenigen 
Sahren, al3 die Auflage ftieg, wurde die Gebühr auf 2 Stüber 
erhöht; von da an koſteten Anzeigen unter neun Zeilen 
18 Stüber. Wer nicht ſechs Wochen vor Ablauf des Halb- 
jahres fündigte, mußte das Blatt weiter halten. 

Die Auseinanderfegung mit Blothe leitete Mallindrodt 
damit ein, daß er mit feinen Brüdern einen felbititändigen 
Bücherverlag anfing unter der Firma „Buchhandlung der Ge- 
brüder Mallindrodt” ?). 

Vom vierten Hefte des „Magazins“, Jahrgang 1798, an, 
fteht auf deſſen Umfchlage „Gedrucdt und verlegt bey den Ge- 
brüdern Mallindrodt”. Unter dem 23. Februar 1799 zeigten 
Arn. Malindrodt und Hein. Blothe an, daß ihre bisherige 
Geſellſchaft unter der Firma Heinr. Blothe & Comp. freund- 
Ihaftlich aufgehoben, daß unter der Firma Gebrüder Mallind- 
rodt dieſe die Verlagshandlung, den bisherigen Verlag, das 
Sortimentslager und die ausftehenden Forderungen nebjt den 
Paſſivis bis Ende des Jahres 1798, ſowie die Buchdruderei 


1) Das Gefchäft feheint mit der zweiten Auflage der Jobſiade er- 
öffnet zu fein, deren Erfcheinen von der neuen Buchhandlung am 11. Des 
cember 1798 zur nächſten Dftermefje angefündigt wurde. Sie fam aber 
erst im Juli 1799. Die erfte Auflage der Sobfiade, die nur aus dem 
eriten Theile des Heldengedicht3 beſtand, war 1784 gedruckt worden. Die 
zweite Auflage enthielt auch den zweiten Theil. Gleichzeitig ‚meldete die 
Berlagshandlung, daß der „Berfaffer Hoffnung gegeben, noch einen dritten 
Theil nachfolgen zu laſſen, wenn Recenfenten und andere Umftände es er— 
laubten“. Der dritte Theil folgte ſchon Ende Auguft. 


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mit deren fämmtlichen Effeften, Activis wie Paſſivis, über- 
nehmen, endlich Blothe unter der bisherigen Firma den Detail: 
handel fortfege, und zwar vom 1. Januar 1799 an gerechnet ; 
derfelbe werde von feiner neuen Gejellihaft weitere Anzeige 
machen. 

Einige Tage jpäter (6. März) zeigte Blothe an, er habe 
fi mit dem Advocaten 3. G. Nedelmann und dem Fürftlich 
Eſſendiſchen Buchdrucker G. D. Bädeker nicht bloß zur Fort— 
ſetzung der Sortimentsbuchhandlung, ſondern auch zur Gründung 
eines neuen Verlagsgeſchäftes und einer neuen Buchdruckerei in 
Dortmund vereinigt '). 

Mallinckrodt hatte inzwiſchen aber auch noch ein Drittes 
fertig gebracht, nämlich die Goncurrenz Des MWeddingen’schen 
Magazins befeitigt. Gleichzeitig mit der Trennung von Blothe, 
aber unter dem Datum des 25. März 1799, wurde ſeine Ver— 
einigung mit Weddingen zur gemeinſchaft lichen Herausgabe 
des „Magazins“ von ihm bekannt gemacht. 

Es wurde jedoch November, ehe das „Magazin für Weſt— 
falen“, jetzt mit dem Zuſatze „der Geographie, Geſchichte, 
Statiſtik und allem nützlichen Wiſſen gewidmet. Herausgegeben 
von M. Weddingen und Dr. A. Mallinckrodt“ ſeinen vierten 
Band oder Jahrgang 1799 begann. Dabei wurde nun an— 
gezeigt, jährlich würden zwei Bändchen erſcheinen. Obgleich der 
Inhalt eines Bändchens dem von drei früheren Heften reichlich 
gleichſtand und obgleich der Preis für den Jahrgang der alte 


1) Dieſe neue Geſellſchaft hat nicht lange beſtanden. Bädeker, der im 
vorhergehenden Jahre das Geſchäft ſeines Vaters (Zacharias B.) in Eſſen 
übernommen hatte, trennte ſich ſchon am 27. Oktober 1799 wieder von ihr; 
er führte ſeitdem lediglich das Eſſener (feit 1803 auch Duisburger) Ge- 
ſchäft. Bald löſte fih aud das Verhältnig zwiſchen Nedelmann und 
Blothe. Lebterer zog nad) Dsnabrüd. Nedelmann, ein mwunderlich ge= 
lehrter, aber für das Gejchäftsleben wenig geeigneter Mann, übernahm 
das Gefchäft und gerieth in Concurs. Für Rechnung jeiner Kinder, die 
eigenes Vermögen hatten, wurden Yuchdruderei und Buchhandlung fort 
geführt; von „Nedelmann’3 Kindern“ übernahm im Jahre 1828 Chr. 2. 
Krüger aus Arolfen diefelben, und dieſer übertrug fie im Sahre 1868 
feinem Sohne Gujtav Krüger. 


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blieb, jo jcheint diefe Neuerung nach jo langer Unterbredhung 
der Lieferungen im Publcium übel aufgenommen zu fein. Am 
Schluſſe des zweiten Bändchens Elagt die Verlagshandlung, daß 
von „Einigen, welde auf diefe Zeitfehrift von Anfang fub- 
jeribirt und nicht nach den befannten Bedingungen aufgefündigt 
hatten, das erſte Bändchen unfranfirt, wohl gar auch zum 
Theil offengefchnitten und verfhmugt, zurüdgefandt wurde, 
weil fie es nicht länger zu halten Luft hätten“. Auch erfehen 
wir aus derfelben Veröffentlichung, daß von den Abonnement3- 
geldern „jogar von 1797 und 1798 noch vieles zurückſtehet“. 

Das „Weitfäliihe Magazin“ ift nicht weiter erfchienen. Es 
ift das um jo bedauerlicher, als Mallindrodt verfprochen hatte, 
fünftig in jedem Bändchen „fortgefeßt eine Topographie und 
Geſchichte unferer Vaterftadt zu liefern“. „Sch werde,” leſen 
wir, „hier genaue Nachrichten mitzutheilen mich bemühen über 
die Gränzen unferes Gebiets, über die Volfsmenge in Stadt 
und Grafſchaft, über Häuferzahl, öffentliche Gebäude, über 
Kirchen, Klöfter, Armenftiftungen, über öffentliche Anftalten, 
über unferen Boden, deffen Ergiebigkeit, über Aderbau, Vieh- 
zucht, Holzungen, Gemeinheiten, über Handlungen, Fabriken, 
über den Unterricht und dergleichen mehr. Dann wird eine 
zuſammenhängende Geſchichte der erheblichen Vorfälle und Ver: 
änderungen folgen, jo weit fich darüber Nachrichten auffinden 
lafjen.“ 

Mallindrodt’3 Arbeitskraft war feit der Uebernahme der 
Druderei und Buchhandlung vollauf für das äußere Gefchäft 
in Anjpruch genommen. Dftern 1799 befand er fich wochen- 
lang auf der Buchhändlermeffe zu Leipzig. Von feinen in 
Ausfiht gejtellten wifjenfchaftlichen Arbeiten hören wir deshalb 
nicht3 mehr. Weddigen aber hat für diefes Magazin wohl nie 
etwas gearbeitet. Er beſchäftigte fich vielmehr mit der Heraus- 
gabe der Gefchichte von Paderborn (als Ergänzung zu v. Steinen’3 
Weſtfäl. Geſch.), des Weſtfäliſchen National-Kalenders und be- 
ſonders mit einer Bejchreibung des Weſtfäliſchen Kreijes '). 


1) Erich (Handb. der deutſchen Lit.) giebt 1800 als fein Todesjahr 
an; er hat aber jedenfalls noch im Jahre 1803 gelebt. 


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W. Ajchenberg, Prediger zu Kronenberg, war zu Anfang 
des 19. Sahrhunderts ein beliebter Schriftfteller. Sein Bergisches 
Taſchenbuch, welches jeit 1798 erſchien, hatte durch ganz neue 
Mittheilungen aus der Bergiſchen Geſchichte Auffehen gemacht. 
Daß diefe Mittheilungen lediglich Aſchenberg's eigene, dreifte 
Erfindungen waren!), ahnte man noch nicht. Mallindrodt 
übertrug ihm die Nedaction einer neuen. VBierteljahrsfchrift 
„Niederrheiniſche Blätter für Belehrung und Unterhaltung”. 
Bom zweiten Hefte an führte die Zeitfchrift den Doppeltitel 
„Kiederrheiniihe Blätter” und „Niederrheiniih-Weftfälifche 
Blätter”, und zwar den urſprünglichen Titel im Terte und 
auf dem Titel der Bände, den erweiterten auf dem Titel der 
Hefte, deren zwei einen Band bildeten. 

Das „Magazin“, welches ftetS einen überwiegend wiljen- 
fchaftlihen Charakter gehabt hatte, fortzujegen, waren fie nicht 
beftimmt; vielmehr jollten die „Niederrheinifchen Blätter” und 
der „Weftfälifche Anzeiger” einander in der Weije ergänzen, daß 
dieſer mehr die Tagesereignifje berücjichtigen und kürzere Auf- 
füge bringen, jene aber mit befonderer Rückſicht auf ein ge- 
miſchtes Bublicum größere Arbeiten oder foldhe Aufſätze 
aufnehmen jollten, die nicht in den Plan des Anzeigers paßten. 
Mallinckrodt ſagte (Weftfäl. Anz. 1801. ©. 1532), die „Nieder- 
theinifchen Blätter“ feien vorzugsweife „dem Schönen” vorbe- 
halten; und in einer Ankündigung vom 13. April 1801, die den 
allerreichiten Inhalt mit der beftändigen Loſung „Edel, freimüthig 
und wahr” versprach, fagte Aichenberg: zu feinem Blatte trügen 
Viele der beften Köpfe von Mainz an bis zur Nordfee, von 
der Weſer bis zur Maas bei. „Die Blätter für Belehrung 
und Unterhaltung follen auch für unfere überrheinifchen Brüder 
Intereſſe haben. Der fiegreiche Franke zerrik zwar die poli- 
tiichen Bande, aber die zarteren und die feiteren, die uns als 
Deutſche aneinander fnüpften, vermag er nicht zu trennen . . .” 
„Das große Format und der öfonomifche Drucd werden e3 
erlauben, jedem Stüde eine reihe Austattung zu geben. 


1) Zeitſchrift des Berg. Geſchichtsvereins. 1863. 1. B. ©. 268. 


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Notenblätter und Kupfer werden eine angenehme und nicht 
feltene Zugabe jein.” Der Subjeriptionspreis für den Jahr: 
gang war zwei Thle.; das erite Heft, 17 Bogen ftarf, ift 
anfang3 December 1801 verjandt worden. Es war von 
zwölferlei Inhalt; darunter Muftfnoten und der Feſtungsplan 
von Düffeldorf, Auffäge über bildende Kunft und Arditeftur, 
ein Nitterroman, die Epiftel E. M. Arndt’3!) an Ernft Ludwig 
von Gagern aus dem Sabre 1799 u. ſ. w. u. ſ. w. 

Die übrigen Hefte waren nicht anders zujammengefeßt. 
Manches Gute ift darin enthalten, inSbefondere auch zur Ge- 
ſchichte der Grafſchaften Mark und Limburg und des Bergischen 
Landes. Weber Dortmunder Angelegenheiten findet man aber 
Nichts darin, etwa mit Ausnahme einer Stelle in Schrader’3 
Biographie, die auf den Zultand des Gymnafiums um’3 Fahr 
1758 ein Streifliht wirft. Die beiten Arbeiten hatten meiftens 
den Fehler, daß Ste nur ein beſchränktes, örtliches oder fach- 
wiſſenſchaftliches Intereſſe befriedigten, alfo nicht, wie verheißen 
war, für das große Bublicum waren ?). 

Einem rein wiſſenſchaftlichen Lejerkreije zu genügen, war 
aber der überwiegende, übrige Inhalt zu wenig geeignet. Eine 
Zeitfhrift von jo buntem Inhalte kann eben nur gedeihen, 
wenn fie durchweg vorzüglich iſt oder aber in ganz kurzen 
Friſten erfcheint; denn dann bringt fie wenigftens noch Allen 


2) Arndt war längſt Mitarbeiter an Aſchenberg's Taſchenbuch. 
Damals ging er damit um, „um durch Feine ängſtliche Cenſur genirt zu 
werden,” eine Sammlung feiner Gedichte in Köln, aljo damals in Frank— 
reich, erjcheinen zu lafjen. Der mit dem dortigen Buchhändler Hans ab- 
gejchlofjene DBerlagsvertrag Fam nicht zur Ausführung, ein anderer 
paſſender Berleger war nicht zu finden, und jo ließ Arndt die erſte Aus— 
gabe feiner Gedichte auf eigene Koften in Greifswald drucken, 1503. 

2) Eine interefjante Aufklärung giebt uns ein Aufſatz im achten Hefte 
über die Entftehung der 1775 in Solingen erfchienenen Schritt: „Weſt— 
fäliſche Alterthümer oder Beweis,” daß diejenigen, jo Jeſum Chriftum 
gefreuziget und Johannem den Täufer enthauptet, Wejtfälinger gewesen.“ 
Eine franzöfifche Ueberfegung der deutichen Handſchrift war ſchon 1734 
in Amjterdam erjchienen. Entworfen war die Schrift 1731 durd den 
Kammerpräfidenten Lenz, damals Feltungsgefangener in Küftrin. 


— 133 — 


Etwas. Eine Vierteljahrssfchrift aber, die nicht mit jedem Hefte 
ihre Lefer neu fefjelt, befriedigt Niemanden, und vollends nicht, 
wenn fie unregelmäßig fommt. In Dortmund hatten die „Nieder- 
theiniich-Weftfälifchen Blätter”, al3 der erfte Jahrgang vollendet 
wurde, erit ſechs Abnehmer; an anderen Orten, namentlich im 
Bergifhen, freilih ungleich mehr. Im zweiten Hefte erklärte 
Ajchenberg ſich bereit, jährlich fechs Hefte zu liefern, wenn 
die Leſer es wünschten. Aber er hatte Mühe, die verjprochenen 
vier Lieferungen im Sahre zu Schaffen. Die Sahrgänge 1802 
und 1803 find, wenn auch zum Theil verjpätet, fertig ge— 
worden; im Sahre 1804 iſt nicht einmal ein Heft, im Sommer 
1805 aber auf einmal wieder ein Band, d. h. ein Doppelbeft, 
erfchienen. In der Vorrede zu dieſem legten Bande jagt 
Aſchenberg: „Mündlih und ſchriftlich bin ich oft gefragt 
worden, ob dieje Zeitjchrift mit dem fünften Bande eingehe? 
Als Unterhaltungsblatt — ja! Als Beitrag zur Belehrung — 
nein! Der Zwed, welchen der Herausgeber bei Anlegung de 
erften Planes im Auge hatte, wurde nicht erreicht. Die 
Stimmung eines großen Theiles der Leferwelt ließ dies jchon 
lange vermuthen. Aber ſchade wäre es, wenn die Freunde der 
Gefchichte, der Erdbefchreibung, der Statiftif u. |. w. am Nieder: 
thein feinen folchen Vereinigungspunft mehr hätten u. ſ. w.“ 
Dieje fo in Ausficht geſtellte Fortfeßung iſt ausgeblieben. 

Der Vollſtändigkeit wegen jei auch erwähnt, daß Aichen- 
berg, nachdem er nach Hagen berufen war, fein Tajchenbuch 
für 1803 unter dem veränderten Titel: „Taſchenbuch für 
bildende, dichtende und hiftorifche Kunft“ in Dortmund, Verlag 
der Erpedition des „Weftfälifchen Anzeigers“, erjcheinen ließ. 
Dasjelbe hat mit dem Jahrgang 1806 aufgehört. 

Der „Weftfälifche Anzeiger” hatte fich indeſſen mit jedem 
Halbjahre in weiteren Kreifen eingebürgert. Daß er fich mit der 
großen Politik je länger je weniger befabte, lag in verjchiedenen 
Verhältniſſen, die theilweiſe wenigftens erwähnt werden jollen. 
Natürlih machte ſich dabei die mangelhafte Poftverbindung 
Dortmunds, von der wir früher gejprodhen, geltend. Das 
Blatt von Dienstag, den 15. Januar 1799, fängt folgender- 


— 124 — 


maßen an: „Da die Poſt beim Abdrucken dieſes Artikels 
(„venfwürdige Begebenheiten“ überſchrieben) noch nicht 
angekommen war, und einige Nachrichten vorher ſchon aus— 
geblieben waren, fo fünnen wir heute dem Leſer wenig Neues 
bieten.” In diefem Artikel reichten die Nachrichten aus Wien 
bi3 zum 26. December, die aus Turin bis zum 10. December. 
Daß der Wechſelkurs aus Elberfeld und der Getreidemarkftpreig, 
anfangs aus Langſchede, feit 1799 aus Herdede, älter als eine 
Woche war, kam jehr oft vor. Das Bedürfniß, die Tages- 
ereigniffe jobald als möglih zu erfahren und darum Die 
Zeitungen fo früh als möglich zu empfangen, war bei der Maſſe 
des Volkes aber auch noch wenig verbreitet. Der „Weitfälifche 
Anzeiger“ wurde deshalb, wie das auch jonjt noch vielfach mit 
Zeitungen geſchah, von Manchen in monatlichen Heften bezogen. 

Den „Weftfälifchen Anzeiger” haben ſchon in den eriten 
Sahren feines Beftehens die beften Kräfte Weftfalens, in dem 
weiteren Sinne, alſo des „Weftfäliichen Kreijes”, dur ihre 
Mitarbeiterichaft geehrt. Wir nennen außer denen, die ſchon 
bei dem „Weftfälifhen Magazin” erwähnt find: Geh. Rath 
Arndts in Arnsberg, Paſtor Benzenberg in Schöller, Prof. 
Benzenberg in Düfjeldorf, Paſtor Beurhaus in Dortmund, 
Paſtor Brölemann in Brechten, Criminalrichter Gaftringius 
in Altena, Dr. Gaftringius in Schwelm, Dr. Consbruch in 
Bielefeld, Dr. Cordes in Münfter, Bürgermeijter Curtius in 
Lippftadt, Baftor Dahlenfamp in Hagen, Paſtor Degen in 
Lingen, Wundarzt Diemel in Elberfeld, Frhr. 9. Donop in 
Detmold, Dr. Ebermaier in Redha, Paſtor Ehrenberg in 
Iſerlohn (fpäter Oberhofprediger in Berlin), Kriegsrath Evers— 
mann in Wehringhaufen, Paſtor Eylert in Hamm (jpäter 
Biſchof), Dr. Fauft in DBüdeburg, die Kaufleute Friedr. 
Feldhoff und W. Feldhoff in Elberfeld, Minijter v. Fürften- 
berg in Münfter, Paſtor Fuhrmann in Hamm, oh. Casp. 
und Joh. Vet. Harkort zu Harkorten, Stadtphyfifus Dr. Hartog 
in Herford, Baftor Hovius in Camen, Paftor Hülsmann in 
Lüdenscheid, Geh. Nath Jacobi in Pempelfort, Prof. Jung 
in Marburg, Brof. Kiftemafer in Münfter, Paſtor Klemp in 


— 125 — 


Eihhlinghofen, Paſtor Krupp in Unna, Paſtor Krupp jun. 
in Dellwig, Prof. Kuithan in Düſſeldorf und Dortmund, 
Kammerrath Lenzen in Düfjeldorf, Lehrer Lieth in Wetter, 
Nector Lütgert in Hattingen, Paſtor Marehaur in Weſel 
(ipäter Profeſſor in München), Prof. Mellmann in Dort- 
mund, Dr. Nägele in Barmen, Brof. Nolda in Burgjteinfurt, 
Dr. Nonne in Duisburg, Dr. Dfthoff in Vlotho, Kaufmann 
J. Platzhof in Elberfeld, Kaufmann Joh. Kappe jun. in 
Dortmund, Friedr. Raſſmann in Münfter, Paſtor Rauſchenbuſch 
zu Kronenberg, Paſtor v. Reckinghauſen zu Langenberg, Lector 
Köder in Dortmund, Baurath Rollmann in Königsborn, Baltor 
Sauer in Arnsberg, Apotheker Schemann in Dortmund, Bro. 
Schramm in Düffeldorf, Lehrer Schürmann in Remſcheid, 
Kaufmann Gerh. Siebel zu Elberfeld, Frhr. v. Spiegel zu 
Deferberg, Frhr. v. Syberg zu Buſch, Baumeilter Tappe zu 
Lüdenſcheid, Dr. Varnhagen in Dortmund, Präfident v. Binde 
in Münfter, Wegebaumeifter Wejermann in Hörde, Mettmann 
und Düffeldorf, Geh. Rath Wiarda zu Aurich, Lehrer Wilberg 
zu Dverdyd und Elberfeld, Prof. Wurzer in Marburg. 

Die Mitarbeiter auf dem linken, damals franzöſiſchen 
Rheinufer wurden in der Negel nicht befannt. DBejonders 


reichhaltig find die Mittheilungen aus Dftfriesland, jo Fehr, | 
daß der „MWeftfälifche Anzeiger” für die innere Geſchichte diefes 


Landes in jener Zeit mit zu den Quellen gezählt werden fann. 


Es giebt faum einen Gegenjtand, der nicht zeitweilig feine 
Beiprehung im „Weftfäliichen Anzeiger” gefunden hat; vorzugs— 
weife waren es Gemeindeangelegenheiten, Schulweſen, Gejund- 
heitspflege, Landwirthichaft, gewerbliche Erfindungen und ganz 
bejonders örtliche Mißftände. Daß der Anzeiger für ſolche Dinge 
ein Sprechſaal war, gab ihm einen außerordentlichen Vorzug 
vor den Zeitungen, die in Preußen erfchienen. Dieje hüteten 
fih ganz beſonders, aus näherer Umgebung eine Nadhriht auf- 
zunehmen, die irgend Anftoß erregen fönnte ?). 


1) Drei Jahrgänge der „Königl. preuß. privilegirten Weſtfäl. Ztg.“ 
zu Wefel, aus den Jahren 1802—1804, die in der Königl. Bibliothek zu 


- — — 


— 126 — 


Aus den vielen intereffanten Materialien zur Gejchichte 
der Tehnif möge ein Stüdchen hier Platz finden. In einem 
Aufſatze über neue Erfindungen, zu welchem die NRedaction 
bemerkte, daß fie nicht wiffe, ob er „Ernſt oder Phantaſie“ jei, 
gejchrieben zu Arnheim den 26. Juli 1803 von Anton Schellen- 
berg, beißt e8 wörtlih: „Der Nutzen des Telegraphs ift zu 
beſchränkt. Es giebt aber eine Weife, das Bublicum davon 
Bortheile genießen zu lafjen, wie es welche von der Poſt hat. 
Sn Zufunft wird man in Straßburg und Deutichland am 
Abend die Parifer Neuigkeiten vom Morgen eines und de3- 
jelben Tages haben. Ohne bejondere Mittheilung erfährt Keiner 
die Nachrichten des Anderen.“ 

Dem Anzeiger fehlte es aber auch nicht an Gegnern. 
Gegen Öffentliche Bejprehung war man im Allgemeinen fehr 
empfindlich; und weil die tadelnde Kritif fich oft verblümt 
ausdrüdte, jo juchte und fand man andererfeit3 oft auch Anz 
züglichfeiten, wo feine beabfichtigt waren. Beſonders verdarb 
Mallindrodt es mit Friedr. Arn. Brodhaus, geb. 1772, damals 
Kaufmann in Dortmund, Später Gründer der befannten 
Leipziger Buchhandlung. Bor dem PRublicum fam der Zmilt 
zum Ausbruch in Folge einer Neußerung des Anzeigers über 
die Navensbergifche Leinenappretur. Brodhaus ließ im Sommer 
1801 ein Flugblatt gegen den Anzeiger druden, in welchem er 
demfelben u. A. vorwarf, er enthalte zuviel „von dem neu 
entdeckten Schnabelthiere, von Diebs- und Mordthaten und 
Komplimente, die ſich die Herren Schulmeifter und einige andere 
Koryphäen mit dem Nedacteur machen“ ?). 

Richtig ift, daß die Beiträge nicht immer ſorgſam ge— 
fihtet wurden, und aljo viel mittelmäßiges Zeug mit unter- 
lief. Andererſeits ift nicht zu überfehen, daß die Mitarbeiter 


Berlin find, gewähren für die Specialgefhichte Weftfalens in jener Zeit 
deshalb fajt gar feine Ausbeute; wohl aber Correfpondenzen aus Berlin 
über Fragen wie, 3. B.: Db der Hering fich in füßem Waffer züchten laſſe. 

1) Mord- und Diebesgefhichten famen damals fchredlich viel vor. 
Ihre Beröffentlihung war aber eins der wenigen Mittel zur Befämpfung 
der NRäuberbanden, die in Weltfalen und am Rhein hauften. 


— 17 — 


dritten und vierten Ranges fich der Verbreitung des Anzeiger 
am meilten annahmen. Auf diefe aber hatte Mallindrodt um 
jo mehr Rüdfiht zu nehmen, als auch der Anzeiger in den 
eriten Sahren faum die Koften aufbradte. Sämmtlihe Auf— 
füge, die zur Aufnahme einliefen, genau zu mujtern, war 
außerdem ein fchweres Stüd. Im Sabre 1802 find 1024 
längere und fürzere Arbeiten der Nedaction überreicht worden; 
im folgenden Sahre ſchon in den erjten beiden Monaten 186. 
Mallindrodt entſchloß fih nun, befondere, vierteljährlide Er- 
gänzungshefte oder, wie er fie nannte, „Anhangshefte zum 
Weſtfäliſchen Anzeiger”, ungefähr acht Bogen ſtark, zum Jahres- 
preife von 1 Thlr. drucken zu lafjen; um darin joldhe Arbeiten 
aufzunehmen, bei denen es auf rajche Veröffentlihung nicht 
jehr anfäme. Die Anhangshefte, eigentlich eine bejondere 
Bierteljahrsschrift, find während des Jahres 1803 in der an- 
gegebenen Weife erſchienen. Am Jahresſchluß zeigte M. an, 
er müſſe fie „wegen bejchränfter Zeit” einftellen, jo jehr er 
auch wünſchte, „mittelft derjelben alle eingefommenen befjeren 
Auffäge mittheilen zu können. Eine deſto jtrengere Auswahl 
wird aber für die laufenden Blätter ftattfinden.“ 

Der politiihe Theil war in dem erjten Jahre mit Sorg- 
falt gearbeitet und ganz objektiv gehalten; Mallindrodt duldete 
feinen Verſtoß gegen die Verordnung des Dortmunder Rathes 
vom 24. Suli 1772, daß „das KRaifonniren über gefrönte 
Häupter” nicht geftattet ſei. Die „Politiſchen Begebenheiten” 
bildeten anfangs den erjten Artifel jeder Nummer; von 1799 
an wurden fie als „Merkfwürdige Begebenheiten“ bezeichnet. 
Um bei verfpäteten Eintreffen der Poft im Drud nicht zu 
jehr aufgehalten zu werden, verwies die Nedaction fie vom 
1. Suli 1799 an das Ende des Blattes. Dort aber wurden 
der „Merkwürdigen Begebenheiten” immer weniger, und al3 die 
KReichsdeputation zu Regensburg zufammentrat, d. h. als nicht 
mehr die Frage, ob die Kleineren Reichsſtädte ihre Selbit- 
ftändigfeit verlieren jollten, verhandelt wurde, jondern nur noch 
die Frage, an welche Herren ſie vertheilt werden ſollten, wurde 
der Anzeiger über Tagespolitik immer ſchweigſamer und endlich 


— 283 — 


jo gut wie jtumm. Welchen Einfluß hierbei die „Genfur- 
commijfion“ des Nathes, und weldhen Einfluß auf den Rath 
der mit dem Füftlierbataillon von Bila in Dortmund ftehende 
preußiſche Major v. Kaiferling hatte, wird fich genauer kaum 
noch ermitteln lafjen. Es waren eben die Tage, in welchen 
„Ruhe die erfte Bürgerpflicht“ genannt wurde. 
Dortmund wurde dem von den Niederländern vertriebenen 
Prinzen von Dranien, Wilhelm V., in der Reihe der Erb- 
fatthalter, unterthan gemacht. Diejenigen deutfchen Fürften, 
welche durch Preisgebung des linken Aheinufers Befigungen 
oder Einkünfte verloren hatten, jollten auf Koften der geiftlichen 
Reichsſtände und der Reichsftädte entſchädigt werden; zur Strafe 
dafür, daß die öfterreichifehe und preußische Armee den Fran- 
zojen nicht Meifter geworden waren. Sener Wilhelm V. hatte 
durch die batavische Nepublif allerdings feine Würde als Erb- 
ftatthalter und die damit verbundenen Einnahmen und außer- 
den Domänen verloren; aber diefe Verlufte hatten nicht auf 
deutſchem Reichsboden ftattgefunden; außerdem hatte er fi 
bereitS allerlei Entſchädigungen verjchafft. Durch franzöfifche 
QVermittelung hatte er von der batavifchen Republik zwei 
Millionen Gulden empfangen. England zahlte ihm, weil er 
in jeinem unglüdlihen Kriege gegen Frankreich Englands 
Intereſſe vertreten hatte, nachträglih 60000 Pfd. St. und 
jeßte ihm eine jährliche Nente von 18000 Pfd. St. auf 
Lebenszeit aus. In Paris erreichte er aber hinterher, daß 
ihm zum weiteren Troft von der franzöfifhen Republik ein 
jouveränes Fürſtenthum in Deutfchland verjprochen wurde. 
Durch franzöſiſche, ruffiiche und preußifche Vermittelung wurden 
dazu die Gebiete der Bisthümer Fulda und Corvey, Stadt 
und Graffhaft Dortmund, die Abtei Weingarten in Schwaben 
und die Einkünfte aus anderen bisher geiftlihen Befigungen 
zum jährlichen Betrage von 50000 Gulden beftimmt. Die 
legteren befam er u. N. als Erſatz für Kappenberg, welches 
ihm urjprünglih auch zugedacht geweſen, dann aber ſammt 
dem umliegenden Münfterlande von Preußen in Anſpruch ge- 
nommen war. Daß Preußen auf Dortmund, deffen Ein- 


— 129 — 


verleibung es jeit einem Jahrhundert erjtrebte, jetzt verzichtete, 
ift ebenjo wenig aufgeklärt wie, warum der Brinz von Oranien 
gerade auf Dortmund und Kappenberg verfallen mochte. Bei 
jeiner Geldgier ift am wahrſcheinlichſten, daß er jehr über- 
triebene Borftellungen von diefen beiden Stückchen deutjcher 
Erde hatte. Selbit in Regensburg ftritt man darüber, ob die 
Einkünfte von Dortmund 18000 oder 60000 Gulden betrügen. 
Der Prinz jcheint auf 30000 Gulden gerechnet zu haben. Der 
legte Reichs- und Staatsfalender giebt an, Dortmund habe 
ein Gebiet von 2Y/e DM. mit 6000 Einwohnern, beftehe aus 
einer Stadt und 13 Dörfern und umfafje drei Klöfter, und die 
Einkünfte betrügen 20000 Gulden. Selbft diefe Angaben 
über die Ausdehnung des Gebietes und die Einfünfte waren 
noch übertrieben, auch wenn man die Einkünfte der zur Ein- 
ziehung beſtimmten Klöfter dem Staatseinfommen der Reichs- 
jtadt zurechnete. Höchſtens fam fo viel heraus, wenn man die 
Nutzung vom Bürgervermögen der drei ftädtifhen Burgfchaften 
(genannt Burjchaften und Bauerfchaften) dazu fchätte. 

Das deutſche Neich ſetzte alſo in jeiner Todesftunde noch 
ein neues Fürſtenthum an. Der neue Reichsfürſt benannte 
jeinen Staat Fürſtenthum „Naſſau-Oranien-Fulda“ und trat 
ihn dann, aber noch bevor Kaifer und Reich die Unterdrüdung 
der geiltlichen Landesherrichaften und der meiften Reichsſtädte 
(aller bis auf ſechs nad) förmlich ausgeſprochen, feinem 
20 jährigen Erbprinzen Wilhelm ab, dem fpäteren Könige der 
Niederlande. 

Stadt und Grafſchaft Dortmund wurden nun amtlich 
zujammen „Grafſchaft Dortmund“ genannt. Diefe befam ein 
bejonderes Regierungscollegium von drei befoldeten Beamten. 
Direftor wurde der bisherige Bürgermeifter Schäffer, Negierungs- 
räthe Syndicus Hiltrop und Rathsverwandter Dr. Mallindrodt, 
aljo drei Dortmunder. Gleichwohl ift die oranifche Zeit, ab- 
gejehen von SKriegscalamitäten, die trübfeligfte gewejen, die 
Dortmund erlebt hat. Die einzige Aufgabe der Regierung 
jhien zu jein, für die Kaffe des neuen Landesheren Geld, 
abermals Geld und nochmals Geld zu jchaffen. Alles ENDE 


Beiträge zur Geihichte Dortmunds. XI. 


— 10 — 


Eigenthum, welches unter irgend einem Vorwande für Staats— 
vermögen erklärt werden konnte, wurde in Beichlag genommen, 
und, wenn e8 irgend ging, verfilbert. Näher hierauf einzugehen, 
liegt außer dem Plan diejer Skizze. Jene Zeit wird mohl 
noch einmal ihre befondere Darftellung finden. 

Mallinkrodt trat mehr und mehr von der Redaction zurüd. 
Dom 1. Januar 1803 an lag diefe hauptſächlich in der Hand 
des Gymnafialdireftors Gierig, bis diefer im folgenden Jahre 
nad Fulda berufen wurde. Abgefehen von dem „veränderten 
Geſchäftskreiſe und einem bisher damit verknüpften Uebermaße 
von Arbeiten“ geſtattete die Geſundheit es Mallinckrodt nicht, 
ſich mit den laufenden Redactionsarbeiten zu befaſſen. Aber 
auch die übrigen Dortmunder, die einſt geholfen, das „Magazin“ 
in's Leben zu rufen, leiſteten für den Anzeiger nicht viel mehr. 
Mit Manchen war Mallinckrodt in Folge ſeiner neuen Stellung 
unter einer unwillkommenen Regierung zerfallen, und den älteren 
Männern von dem Schlage eines Schäffer, Beurhaus, Schme— 
mann ſcheint das Schickſal der Vaterſtadt den Sinn für 
Publicität benommen zu haben; von einem jüngeren Nach— 
wuchſe, der ſich um das Gemeinweſen gekümmert, läßt ſich 
kaum eine Spur nachweiſen. In der Pflege der Muſik, die 
nach dem Siebenjährigen Kriege in Aufnahme gekommen war, 
und in der Belletriſtik ſcheint das jüngere Geſchlecht ſeine Be— 
friedigung gefunden zu haben. Neben der fürſtlich-oraniſchen 
Begehrlichkeit, die allerdings ein böſes Vorbild gab, kam eine 
Nutzbarmachungsſucht zur Herrſchaft, welche Alles zum Unter— 
gange verdammte, was ſein Daſein nicht durch greifbaren 
Ertrag zu rechtfertigen vermochte. Nicht genug, daß die Biblio— 
theken der aufgehobenen Klöſter verſchleudert worden ſind, hat 
man ſogar die Bücherſammlung der Reinoldikirche verſilbert. 
Ihr Beſtand war wohl nicht ſehr bedeutend, vielleicht auch für 
die Prediger und vollends für die Gemeinde als ſolche ent— 
behrlich, aber für die ſtädtiſche Geſchichte und jedenfalls als 
Zeuge der Geiſtesentwicklung gewiß nicht werthlos. In 
anderen Städten, wo die Verhältniſſe ähnlich waren, ſind ſolche 
Kirchenbibliotheken die Anfänge einer Stadtbibliothek geworden. 


— 1531 — 


Sie zu vernichten, war in Dortmund um fo weniger geredht- 
fertigt, al3 von einer Rathsbibliothef Feine Spur vorhanden 
war, und auch nicht einmal das Gymnafium etwas bejaß, was 
irgend die Bezeichnung Bibliothek verdiente!). Die bejtehende 
Bücherfammlung des Gymnafiums ift eine Schöpfung des 
Direktor Kuithan und des Lectors Röder. 

Troß der Mißgunft, der Mallindrodt bei einem großen 
Theil feiner nächſten Umgebung verfiel, ficherte die, von Afchen- 
berg vergeblich gejuchte Mitarbeiterfchaft „ver beiten Köpfe des 
Landes“ dem „Weftfälifchen Anzeiger” einen Einfluß, der bis 
dahin in Weitfalen fait unbekannt gewejen. Er konnte ſich 
das Drgan der Öffentlichen Meinung nennen. Was Schlözer's 
Staat3anzeigen im Großen geweſen, das wurde Mallindrodt’3 
Blatt im Kleinen. Wie die Zauberformel, mit welcher manch— 
mal ein Minifter feinen allergnädigiten Tyrannen von zu argen 
Dingen zurüchielt, gelautet hatte: „Serenijfimus, es kommt 
in den Schlözer!” fo hat die Drohung: „Ihr fommt in den 
Anzeiger!” in Weftfalen oft genügt, um Uebermuth und 
Ausgelafjenheit zu bändigen. 


1) Einen tragifomifhen Eindruf macht ed, wenn man lieft, wie Pro— 
feffor Schmidt in Duisburg öffentlich aufforderte, Acht zu geben, ob die 
verlorenen 20 Bücher des älteren Plinius nicht etwa bei dem allgemeinen 
Aufräumen in Dortmund zum Vorſchein kämen. Seit anderthalb Jahr— 
hunderten ging nämlich in der gelehrten Welt das Gerücht, in Dortmund 
habe ein Patricier Caspar Schwartz dieſes Werk beſeſſen. Selbit Ferdinand 
von Fürftenberg (mon. Paderb. ed. IV p. 76) erwähnt desfelben. Die 
Batriciergefchledhter, au8 denen die höheren Stadtämter bejeßt wurden, 
hatten eigene Bibliothefen, die für den dringendften Bedarf an gejchicht- 
lichen und rechtswiſſenſchaftlichen Büchern ausreichten. Wenige waren 
auch reichhaltiger. Mit dem Untergang der ftädtifchen Verfaflung verloren 
fie an Wichtigkeit. Die bei weitem größte und für Dortmunder Geſchichts— 
ſchreibung unerfegliche war die Berswordt'ſche. Diele ift durch Theilung 
unter fünf Erben untergegangen. Das Meiſte aus ihr, was auf Dort- 
mund Bezug hatte, ſcheint zunächſt auf den jpäteren Geh. Rath Bölling 
übergegangen, dann aber weiter veriplittert worden zu fein. Die Bibliothek 
des Bürgermeifters Küpfer, die lange Zeit für deſſen Sohn, der als 
Geh. Legationsrath in Berlin geftorben ift, aufbewahrt wurde, ift erſt in 
den zwanziger Jahren öffentlich verfauft worden. 

9* 


— 12 — 


Schon im Frühjahr 1801 bezeugte Richter Hardung zu 
Hardenberg öffentlich („Weltfälifcher Anzeiger” Nr. 20), das 
Blatt „mache ih um die öffentliche Sache verdient”, wenn e3 
Pflichtwidrigfeiten der Beamten aufdede. J. Fr. Benzenbergs 
iprihwörtlich gewordene Lofung: „Alles muß öffentlid 
fein,” wollte freilich Vielen noch nicht einleuchten. Ein höchſt 
interefjanter Briefwechfel zwischen der baierifchen Landes- 
regierung in Düffeldorf und der Nedaction des „Anzeigers“ 
aus dem Sahre 1804 betraf einen Vorfall in Gerresheim. 
Dort war ein Proteftant, weil er an einem katholiſchen Feier: 
tage öffentlich gearbeitet, gebrüchtet worden. Die bergijchen 
Behörden beftritten die Nichtigkeit der Darftellung, Die der 
„Weftfälifche Anzeiger” darüber gebracht und verlangten von 
der oraniſchen Negierung, daß fie die Redaction zur Nennung 
de3 Correfpondenten anhalte. Die Nedaction weigerte ſich defjen, 
lieferte aber den Beweis der Wahrheit, und die Sache ſchloß 
damit ab, daß die baieriſche Landesregierung die Verpflichtung 
der Proteftanten, an den fatholifhen Feiertagen die Arbeit 
ruhen zu laffen, wo folche im Bergifchen noch beftand, aufhob. 

Den Höhepunkt feines Anfehens erreichte der Anzeiger, 
als König Friedrich Wilhelm IH. für ihn ‚eintrat. Die 
Bureaufratie im benachbarten Preußen war ſchon längit auf 
das Blatt nicht gut zu jprechen, als ein Aufſatz über den 
ichlechten Zuftand der Ruhrbrüde zu Schwerte fie noch beſonders 
verdroß!). Mallindrodt fühlte, daß man es ihm und fein 


1) Der Auffat lautet: Polizei. Graffehaft Mark. Bei Schwerte find 
die beiden Ruhrbrücken, welche ſchon im vorigen Winter beim Eisgange 
zerbrochen wurden, noch nicht wieder fertig gemacht. Man muß über die 
Nachläffigkeit dortiger Polizei erftaunen. Die große Ruhrbrüde nämlich, 
welche in der Mitte des Stromes eine Länge von zwey Bogen verlohren 
hat, ift bloß mit losliegenden Brettern ergänzet, ohne daß die Bruftwehren 
hergeftellt find. Und an der kleinen Brüde, welche über die an dieſer 
Stelle fehr tiefe alte Ruhr führt und damahls eine Spite verlohren hat, 
liegt eine Leiter, die ihrer ſchrägen Lage wegen fehr beſchwerlich ab- und 
anzufteigen ift. Mit Pferden und Gefähr muß man nun herumziehen, 
welches, wenn das Waffer nicht über gewöhnlich groß ift, zwar gut an— 
geht; allein Fommen einige, die diefes nicht wiffen, oder daran nicht denten, 


Blatt wolle entgelten laſſen, und wandte fich unmittelbar unter 
Darlegung des Falles an den König von Preußen. Diefer 
antwortete unter dem 20. Februar 1804: 

— — Auf Shre Eingabe vom 28. vor. M. habe ich 
den abfcheiftfich anliegenden Befehl an den Staat3minifter 
von Angern erlaffen, wodurch Sch hoffe, daß Sie als Redac— 
teur des „Weitfäliihen Anzeigers“ bei einer befcheidenen 
Publicität gegen jede Anmaßung für die Zukunft werden 
ficher geftellt jein. Sch verbleibe Ihr gnädiger 

Friedrich Wilhelm. 


Abſchrift. 
Mein lieber Staatsminiſter von Angern. 

— — Es kann nicht jedem zugemuthet werden, in 
ſolchen Fällen, die eine Rüge verdienen, ſich der Unannehm— 
lichkeiten, womit offizielle Denunciationen verbunden ſind, 
auszuſetzen. Sollte nun auch eine anſtändige Publicität 
darüber unterdrückt werden: ſo würde ja gar kein Mittel 
übrig bleiben, hinter die Pflichtwidrigkeiten der untergeord— 
neten Behörden zu kommen, die dadurch eine ſehr bedenkliche 
Eigenmacht erhalten würden. In dieſer Rückſicht iſt eine 
anſtändige Publicität der Regierung und den Unterthanen 
die ſicherſte Bürgſchaft gegen die Nachläſſigkeit und den böſen 
Willen der untergeordneten Officianten, und verdient auf 
alle Weife befördert und gefhügt zu werden. — — Uebrigens 
wil Ich nicht hoffen, daß über diefen Dispüt die Sache 
ſelbſt wird vergeſſen fein. 

Berlin, den 20. Februar 1804. 

9%. Friedrich Wilhelm. 
An den Staatsminijter von Angern.“ 


im Dunkeln auf diefe Brüde: fo müfjen fie von einer Höhe von 10 Fuß 
hinabftürzen. Cinfender hätte dieſes Unglüd bald nebit feinem Pferde 
gehabt; auch find, wie er gehört hat, Schon Leute hier herabgefallen. 

Soll denn die Herftellung erſt auf Unglüdsfäle warten! Und haben 
die, welche noch fortwährend die Brückengelder ziehen, nicht für Die ordent- 
liche Herftelung zu jorgen? Ein Reifender. 


— 134 — 


Die berühmtefte Nummer des Anzeiger ift aber die 58. 
de3 Sahrganges 1806 vom 22. Juli, in welcher die Petition 
der Deputirten des märkiſchen Sauerlandes vom 10. März 1806 
und die Antwort des Königs ftand. In diefer von Möller in 
Elſey verfaßten Schrift baten die in Hagen verjammelten 
Vertrauensmänner, daß der König die Mark nicht abtreten wolle. 
Der König antwortete unter dem 1. Juli, indem er der Bitte 
gemäß das Verjprechen des Großen Kurfüriten, daß „vie Be: 
wohner der Grafſchaft Mark nun und zu ewigen Zeiten weder 
abgetreten noch verwechfelt werden follen“, erneuerte. Der un: 
glückliche Krieg von 1806—1807 und der Friedensvertrag von 
Tilſit entſchied anders. 

Das naſſauiſch-oraniſch-fuldaiſche Reich, deſſen Fürſt am 
Tage nach der Schlacht bei Jena ſich in der Feſtung Erfurt 
— der erſten, die 1806 ſchimpflich übergeben wurde — ge— 
fangen nehmen ließ, verſchwand wieder von der Landkarte. 
Napoleon ſchuf das Großherzogthum Berg, indem er das von 
Baiern ihm abgetretene Herzogthum Berg, die Grafſchaften 
Mark, Limburg, Dortmund, die oſtrheiniſchen Theile von Cleve, 
den ſüdlichſten Theil des Fürſtenthums Münſter, Rheda und 
Lippſtadt zu einem neuen Staate vereinigte. Anfangs war 
Joachim Murat Großherzog. Noch ehe dieſer die Verwaltung 
auf franzöſiſchen Fuß hatte bringen können, verfügte Napoleon 
wieder anders. Er verfebte den Großherzog Joachim auf den 
Thron von Neapel und ſchenkte das Land dem Prinzen Ludwig, 
einem Kinde des damaligen Königs von Holland, dem älteren 
Bruder des jeßigen Kaiſers der Franzoſen. 

Die Regierung des Landes gejchah feitdem im Namen des 
Kaifers. Das Großherzogtbum wurde in vier Departements 
getheilt, die nach den vier Hauptflüffen Departement3 des 
Rheins, der Sieg, der Ruhr und der Ems hießen. Dortmund 
wurde Hauptftadt des Ruhrdepartements, welches aus den Graf— 
ſchaften Mark, Limburg und Dortmund, der Stadt Lippitadt, 
der Herrſchaft Rheda und dem erwähnten Stüde vom Münfter- 
(ande beftand. An der Spite der Departementsverwaltung, 
die im April in’3 Leben trat, ſtand ein Präfect (Gisbert von 


— 19 — 


Romberg zu Brünninghaufen), ein Generalſekretär (Müller) 
und drei Präfecturräthe (Hiltrop, Mallindrodt und Jacobi). 
Die eigentliche Arbeitslaft lag auf dem Generaljecretär, der 
ein altgejehulter preußifcher Beamter war. 

In der Verwaltungstunft, bejonders durch das raſche, 
gleihmäßige und ſichere Jneinandergreifen der Verwaltungs- 
maschine von der leitenden oberften Spite bis in die unterjten 
Kreife der Ortsbehörden waren die Franzojen allen Webrigen 
vorauf. Daß für den ganzen Staat ein amtliches Blatt zur 
Verkündigung der Gefege und für jeden größeren Verwaltungs— 
bezirk ein Blatt zur Verkündigung der Verordnungen nöthig 
ſei, lernte auch die preußifhe Negierung erſt von der fran— 
zöſiſchen !). 

Indem nun die franzöfiiche Verwaltung eingeführt wurde, 
wurde auch für das Großherzogthum Berg die Herausgabe einer 
Geſetzſammlung (Gejegbulletin) und für jedes Departement die 
Herausgabe eines Amtsblattes, unter dem Titel „Verhandlungen 
der Präfectur”, angeordnet. Auch wurde beitimmt, daß die 
Bekanntmachungen von der Kanzel nun aufhören jollten. Das 
Bulletin erſchien in Düffeldorf jeit dem 3. November 1809, 
gedruckt in der Großherzoglich bergifchen Regierungsbuchdruderei 
(d. h. bei X. Levrault). Die vom 15. Juli 1808 an und bis 
zum Erſcheinen des Bulletins erlafjenen Geſetze und Decrete 
find nachträglich gedrudt und dem Bulletin als erite Abteilung 
beigefügt worden. Das Bulletin foftete jährlich zwölf Francs; 
die Beamten mußten e3 halten. 

Das Amtsblatt unter dem Titel „Sammlung der Präfectur— 
Verhandlungen des Nuhr-Departements“ erichien jeit dem 
1. Januar 1810, gedrudt bei 3. ©. Nedelmann in Dortmund, 
zum Sahrespreis von neun Francs. In dieſen Betrag waren 
auch die Koften für die Sammlung der nachträglich gedrudten 
Verordnungen einbegriffen, welche jeit Errichtung der Präfectur 


1) Die Geſetzſammlung für die preußiſchen Staaten beſteht erſt ſeit 
dem 27. October 1810, und die Amtsblätter für die Regierungsbezirke 
ſind erſt am 28. März 1811 angeordnet worden. 


— Ro 


bis zum Schlufje des Jahres 1809 ergangen waren. Sie bildet 
ein befonderes Heft von 47 Seiten unter der Auffchrift „Prä— 
fectur-Verhandlungen, Jahr 1809“ und ift im April 1810 er- 
ſchienen ). Das Regifter zum Sahrgange 1810 erftreckt fich auch 
über diejes Heft. Nachdem der erite Jahrgang mit SO Nummern 
von zujammen 348 Seiten abgefchloffen, wurde der Abonnement3- 
preis für 1811 auf ſechs Francs herabgejegt. 

Sobald das „Bulletin“ und die „Bräfecturaften“ — jo 
wurden die Amtsblätter gewöhnlich genannt — in Gang ge- 
bracht waren, verfügte das Bergifche Minifterium, die bisherige 
Verbindlichkeit, das Sntelligenzblatt von Hamm, beziehungs- 
weile von Münfter, zu halten, höre auf; was das Befannt- 
machen anlange, jo fönne jeder Maire die ihm dazu zwed- 
mäßigjte Art beftimmen, fei es Ausruf unter Trommelfchlag, 
Anheften oder in Eleinen Gemeinden durch VBerfammlung der 
Einwohner, oder auf jede andere übliche und ſchickliche Weife ; 
die Hauptjache, die bis dahin häufig vermißt worden, fei, daß 
für jchleunigite Bekanntmachung geſorgt werde. Zum Schluß: 
heißt es: 

„Uebrigens ſtehet es jedem Beamten ſowohl als Privat- 
perſon frei, ſich auch der öffentlichen Blätter zu öffentlichen 
Anzeigen zu bedienen.“ 

In Folge deſſen hörte das Intelligenzblatt zu Hamm mit 
Ende März 1810 auf, aber nicht die Bekanntmachung von der 
Kanzel. Unter dem 8. December 1810 ſprach der Präfect 
des Ruhrdepartements, Herr von Romberg, ſein Bedauern aus, 
daß, ungeachtet die öffentlichen Blätter, die Anſchläge und 


1) Diefes Heft erwähnt u. A. folgende Verfügungen an den Dort— 
munder Magiftrat: 1. vom 27. April 1809 wegen Herjtellung der Straßen, 
deren Reinigung und andere Bolizeimängel; 2. das Berbot vom 9. Mai 
1809, den Viehmarkt auf dem Marftplate zu halten; 3. die Aufforderung, 
die Kirchhöfe aus der Stadt zu verlegen, vom 17. Juni 1809; 4. das 
DBerbot, die Ofenröhren durch die Hauswände oder Fenfter auf die Straßen 
hinauszuleiten, vom 27. Juni 1809; 5. die Anmweifung an den Bürger- 
meifter, darauf zu adten, daß, wo neue Schornfteine nöthig, ſolche mit 
Borficht angelegt würden, vom 27. September 1809. 


er 


Ausrufer zureichende Gelegenheit gäben, Alles auf die aus— 
gebreitetfte Weije zur öffentlichen Kunde zu bringen, das 
Befanntmachen durch die Geiftlichen auf der Kanzel fortdauere, 
und bat die Pfarrer, e3 zu unterlafjen. Eine andere wichtige 
Neuerung betraf die Berjendungsgebühr für Zeitungen bei der 
Bol. In Preußen gehörte die Zeitungsprovifion damals noch 
zu den Nebeneinnahmen der Boftmeifter, was zu Willfürlich- 
teiten führte. Die Bergifche Poſtordnung vom 25. Februar 1809 
beftimmte, daß der Verleger die Zeitungen der Poft francirt 
aufzuliefern habe und feste zugleich das Porto für Zeitungen 
auf den jehr geringen Sat von "/s Stüber oder 1 Gentime 
für einen ganzen Bogen und Yıo Stüber für einen halben 
Bogen. Im benachbarten Königreich Weftfalen aber ging man 
zuerjt dazu über, die Poſtproviſion nad) dem Einfaufspreife zu 
berechnen. 

Während auf der einen Seite die Bergifhe Regierung 
eine Menge dem Lande nütlicher Neformen durhführte, griff 
anvdererjeit3 der napoleoniſche Militärjtaat zu allen den Maß— 
regeln, welche der Despotismus für feinen Beltand nöthig 
hält. Dazu gehört vor Allem die Nieverhaltung der Tages- 
preſſe. Napoleon’3 Grundfag war, in feinem Departement 
mehr als eine politifhe Zeitung zu dulden, und diefe Eine 
unter jtrengfter Cenfur zu halten oder, noch ficherer, durch 
einen Beamten redigiren zu laſſen. So befam Dortmund nun 
auch eine officiöje Zeitung unter dem Titel „Nachrichten des 
Kuhrdepartements". Sie erſchien vom 1. April 1810 an 
wöchentlich zweimal, Montags und Freitags, und koſtete jähr- 
lich 5 Franc. In den erjten Jahren wurde fie bei J. G. Nedel- 
mann, vom 1. April 1813 an in der Mallindrodt’ichen Officin 
gedrudt. Die politifhen Nachrichten find außerordentlich mager 
und natürlich fo gefärbt, wie amtliche Zeitungsfchreiber fie zu 
färben haben. Gewöhnlich bejtand die Nummer aus 1/2 Bogen 
Kleinquart; waren viele Anzeigen da, jo gab es !/a Bogen mehr. 

Unter dem 9. Suni 1810 verordnete der Minifter des 
Innern duch ein an die großherzogliche Regierung in Münfter 
erlaffenes Schreiben, daß alle gerichtlihen Bekanntmachungen, 


— 108 — 


Vorladungen u. dgl., welche ſonſt in die Intelligenzblätter ein— 
gerückt werden mußten, nunmehr in die zu Dortmund er- 
icheinenden „Nahrichten des Ruhrdepartements“ mit 
der nämlichen Wirkung eingerüdt werden jollten. 

Wie es dem Weftfälifchen Anzeiger in jener Zeit mit ihren 
ichweren Kriegslaſten und einer vollftändigen Umgeftaltung aller 
Verhältniſſe erging, bedarf feiner Schilderung. Seit 1805 
hatte das Blatt auf die Beiprehung aller Angelegenheiten, 
welche die eigentlich brennenden waren, verzichten, und darüber 
viele Leſer einbüßen müffen. Die Abonnementszahl, die im 
Sahre 1805 am höchſten geftanden (1188), ſank bis zum 
Sahre 1807 auf 700 und nahm dann noch weiter ab. Mallindrodt, 
der in feiner Stellung über die Ausfichten, welche die Tages- 
preffe behielt, am wenigften im Unflaren war, entſchloß fich 
im Herbft 1809, fein Blatt eingehen zu laffen. Es hatte 
11Y2 Sahr beftanden; jeine lette Nummer erſchien am 
30. December 18091). Bon da ab gab es in Dortmund, jo 
lange die großherzoglich Bergiſche Regierung dauerte, nur noch 
eine amtlihe Tagespreffe. Mallindrodt aber wurde nun Mit- 
arbeiter der Zeitungen, welche Beder in Gotha herausgab, bis 
die Franzoſen diejelben unterdrüdten. (Siehe S. 117 Anm. 1.) 

Die Schlacht von Leipzig entfchied zunächſt über das 
Schickſal der Napoleonifhen Schöpfungen auf dem rechten 
Rheinufer. Am 3. November räumten die legten Franzojen 
Hamm und zogen eiligft nad Düffeldorf. Am 8. November, 


1) Ft. Schmölder, Prediger zu Iſſelburg bei Rees, verſuchte es, den 
„Weftfälifehen Anzeiger“ als Unterhaltungsblatt fortzufegen. Unter dem— 
felben Titel ließ er das Blatt bei Schuerhorft in Dorften druden. Vom 
1. Juli 1811 an übertrug er den Verlag defjelben der Firma Bädecker 
und Kürzel in Effen und Duisburg, die es „Weftfälifches Archiv, Fort- 
ſetzung des Weftfälifchen Anzeigers,“ benannten, während die Firma 
Schuerholz u. Comp. in Dorften ebenfalls den „Weftfälifchen Anzeiger" 
fortzufegen juchte. Am 1. Juli 1812 ging der Verlag von Bädecker und 
Kürzel an X. Levrault und H. Gordon in Düffeldorf über, und jeitdem 
lautete der Titel: „Weftfälifches Archiv des Wahren, Nüslihen und 
Schönen, mit befonderer Rüdficht auf die Bedürfniſſe der Zeit und der 
Bewohner von Weſtfalen“. 


— 139 — 


nah „Tagen der ängftlichiten Spannung“), rüdte die Vorhut 
des Borftel’fchen Corps in Uentrop, am folgenden Tage in 
Hamm ein; am 11. November erreichte das Gtreifcorps 
Colomb's Düfjeldorf. Mit dem GroßherzogthHum Berg war es 
aus; aljo auch mit den Amtsblättern und officiöſen Zeitungen 
der geftürzten Regierung. Einen Monat lang blieb Dortmund 
ohne Tageöprejfe. 

So meit wir e3 bi3 jeßt ermitteln fonnten, ijt die legte 
Nummer der Präfecturverhandlungen des Ruhrdepartements 
Kr. 312 vom 27. Detober 1813 und die legte Nummer von 
den Nachrichten des Nuhrdepartements Nr. 377 vom 29. Oc— 
tober 1813. 

Bis dahin hatte das Blatt die Schlacht von Leipzig noch 
nicht erwähnt, wenn nicht etwa folgende Zeilen darauf bezogen 
werden jollen: 

„Der Graf Bertrand jchreibt aus Weißenfels vom 
19. October: daß an diefem Tage die Feinde auf allen 
Punkten geſchlagen worden jeien, und der Kaijer fich wohl 
befinde.“ 

Die erwähnte Nummer vom 29. Detober meldet: 

„Der Moniteur enthält täglich Adreſſen der Hauptitädte 
Frankreichs, worin fie dem Kaifer alle Opfer anbieten, um 
Frankreich zu jehügen und feine Befigungen, jeinen Ruhm 
zu erhalten. Die Adreſſe der Stadt Wejel, indem fie der 
Wohlthaten des Kaiſers gedenkt, jchließt mit Folgenden: 
Sire, unjere Herzen, unfere Arme, unjer Gut und unjer 
Leben, Alles ift Eurer Majeſtät.“ 

Der ehemalige Bräfident von Binde wurde Eivilgouverneur 
über die früher preußifch gewejenen Theile von Weftfalen und 
über diejenigen Gebiete, die von ihnen mehr oder. weniger ein- 
gefchloffen waren, nämlich Dortmund, Limburg, Nietberg, 
MWiedenbrüd, Rheda und Corvey. Die zum NRuhrdepartement 
vereinigten Zandestheile blieben vorläufig unter der Verwaltung 


1) 9. Bodelſchwingh, Leben des Oberpräfidenten Frhrn. v. Binde. 
©. 502. 


— 10° — 


des bisherigen Präfecten!). Mit ihnen wurde nod der Efjener 
Kreis vereinigt. Unter dem Titel Landesdirector hatte v. Rom— 
berg die Verrichtungen ſowohl eines franzöſiſchen Präfeeten 
wie die eines preußifchen Landraths. Die Landespdirection be- 
durfte natürlich wieder eines Verfündigungsblattes. Sie ver- 
anlaßte deshalb den Buchhändler Karl Friedrich Köppen?), für 
feine Rechnung vom 1. December 1813 an „Weftfälifche Tages- 
blätter“ herauszugeben. 

Die „Weftfälifchen Tagesblätter” waren als amtliches Blatt 
die Fortſetzung ſowohl der Präfecturverhandlungen, wie ber 
Nachrichten des Auhrdepartements. Die Redaction begann die 
erfte Nummer mit folgender Vorerinnerung: „Unter dem obigen 
Titel erfcheint von heute an, unter öffentlicher Autorität, ein 
Tagesblatt, welches jo, wie die bisherigen Nachrichten des 
Ruhrdepartements, alle öffentlichen Anzeigen, gegen Die ge- 
wöhnlichen Gebühren, zugleich mit den für das Vaterland 
wichtigften politiſchen Ereigniffen auf die möglichſt geſchwinde 
Art befannt machen wird.“ 

Sm Monat December famen in ungleichen Zwijchenräumen 
neun Nummern heraus, dreimal einen ganzen und ſechsmal einen 
halben Bogen ftarf. Mit dem 1. Januar 1814 änderte der 
Berleger den Titel in „Weſtfäliſche Blätter” und erweiterte 


1) Neber v. Romberg jagt Fr. Harkort (die Zeiten des erſten weft» 
fälifchen [16.] Landwehr-Regiments. Efjen 1841): „Durch unerfhrodenen 
Freimuth dem Kaifer gegenüber und Scharfblid und Gerechtigkeit in der 
Adminiftration, ift feine Verwaltung für die Marf von ausgezeichneten 
Erfolge geweſen.“ | 

2) 8. 3. Köppen aus Prenzlau hatte fi im Jahre 1785 in Dort- 
mund als Buhbinder und Schreibmaterialienhändler niedergelafjen; er 
unterhielt einen LZefezirfel und, wie es üblich war, etwas Buchhandel; 
außerdem leitete er die gegen Ende des vorigen und zu Anfang des gegen- 
märtigen Jahrhunderts hier nicht feltenen Bücherverfteigerungen. In der 
Zeit des GroßherzogtHums Berg war ihm der Vertrieb des franzöftihen 
Gefegbuhes innerhalb des RuhrdepartementsS übertragen. Sein Sohn 
Heinrich Köppen, der in Leipzig feine Ausbildung genofjen hatte, gejtaltete 
im Sahre 1818 das väterlihe Geſchäft in eine wirklihe Buchhandlung um, 
die er 50 Jahre fpäter dem fpäteren Inhaber, Dtto Uhlig aus Halle, 
übertrug. 


— 1441 — 


den Plan, „um neben den Mittheilungen der öffentlichen Be- 
hörden und den Inſeraten aller Art Raum zu gewinnen für 
die vielen waderen Männer in der hiefigen Gegend, ‚welche 
unter den jegigen, Herz und Sinn erleichternden Zeitumftänden 
ihre Stimmen an das Publicum, bejonders der Grafſchaft 
Mark und der damit verbundenen Länder richten möchten.“ 
Der Verleger verſprach Beiträge, die nach dem Urtheile der 
für das fünftige Jahr zu wählenden Redaction fich zur Auf- 
nahme eigneten und fein bloßes Privatinterefje hätten, auf 
Verlangen willig zu bonoriren. Ferner verficherte er, „dab 
man fi vor dem Abwege hüten wird, aufzunehmende Beläge 
nah Willkür abzuändern oder zu verftümmeln; jo wie man 
auch dafür Sorge tragen wird, daß dieje Zeitjchrift vor lauter 
Gemeinnützigkeit nicht endlich jo gemein werde, daß der Ge- 
bildete vor der lofen Speije efle.“ 

Die „Weftfäliihen Blätter“ erichienen von nun an 
regelmäßig Dienstags und Freitags und koſteten halbjährig 
1Y2 Thlr. gemein Geld und berechneten Inſerate die Zeile 
mit 2 Stüber; jede Anzeige unter 12 Zeilen koſtete nicht über 
24 Stüber. Für auswärts wurden fie Mittwoch und Sonn: 
abends Vormittag zwifhen 11 und 12 Uhr nad Lünen und 
nad) Hörde und nad) Schwerte befördert '). 

Durch eine Verfügung v. Vinde’3 vom 9. December 1814 
war Köppen’s Blatt zum amtlichen Organ für Belannt- 
machungen erklärt, und die Landesdirection zu Dortmund hatte 
die Beamten ihres Bezirks verpflichtet, dasſelbe anzujchaffen. 


1) Am 1. Januar 1814 hatte Dortmund folgende Poftverbindungen: 
1. für Berfonen ging der Poftwagen: a) Sonntags und Mittwochs nad) 
Hagen’und Düffeldorf, mit Anſchluß an die Hauptpoftlinie von Köln nad) 
Berlin; Donnerftag nad) Bochum, Eſſen und Duisburg; c) Freitags nad) 
Unna. 2. für Briefe und Zeitungen ging die Reitpoft Sonntags nad) Unna 
mit Anfhluß nad) Münfter und Berlin; Montags nad) Hagen und Düfjel- 
dorf, mit Anſchluß nah Süddeutſchland; Dienftags und Freitags nad) 
Recklinghauſen und Dorften mit Anſchluß nah Holland, und ebenjo 
Briefpoft nach Bochum, Effen und Duisburg; Botenpoft nad Lünen 
Montags, Mittwochs und Samstags, und endlid; Botenpoft nad Hörde 
und Schwerte Mittwochs und Samſtags. 


Das hatte zunächſt zur Folge, daß die Redaction fich verpflichten 
mußte, politifhe Nachrichten nicht anders aufzunehmen, als 
wenn fie ihr amtlich zugeftellt würden !). 

Den Raum, den die Bekanntmachungen und Brivatanzeigen 
neben den meift jehr knapp gehaltenen politifchen Berichten frei 
ließen, füllten patriotifhe Gedichte und „Mannichfaltigkeiten“. 

Die weitere Folge der nahen Beziehung zum Gouvernement 
war, daß dem Herausgeber jehr bald das Verlagsrecht aus der 
Hand gefpielt wurde. Der erfte Schritt dazu gefhah, indem 
Köppen veranlaßt wurde, feinem Blatte die Heberfchrift „Wejt- 
fälifches Amtsblatt” zu geben. Das gefhah am 1. Suli 1814. 
Die erjte Nummer des Sahrgangs 1815 erſchien mit dem 
preußifchen Adler, objchon der Wiener Gongreß über Dortmund 
noch nicht endgültig entſchieden hatte. Felt ftand wohl nur erft, 
daß das oraniſche FürftenthHum des Jahres 1802 nicht wieder 
berzuftellen und der zum Könige von Holland erhobene Fürjt für 
feine Anſprüche auf deutsches Land mit Luremburger Gebiet 
abzufinden fei. Dortmund war aber doch ſchon als thatjächlich 
und auf die Dauer dem preußifchen Staate einverleibt an- 
zuſehen feit dem 1. Januar 1815, weil eine Cabinetsordre 
vom 20. November 1814 beftimmt hatte, daß die preußijche 
Gerihtsverfaffung und Gefeggebung von Neujahr an auch in 
Dortmund gelten folle. Seitdem unterzeichneten, was bis dahin 
nur ausnahmsweise geſchehen war, die Gericht: und Ber- 
waltung3behörden in Dortmund als „königliche“ oder „königl. 
preußijche.“ 

Mallinkrodt hatte, auch nachdem die „Nationalzeitung“ 
und der „deutſche Anzeiger” in Gotha unterdrüdt worden, 
feine publiciftifche Feder nie ganz ruhen lafjen. Für Die 
Sahre 1811—1813 hatte er einen „Bauern=Kalender“ 
herausgegeben, um die Sache der Bauern gegen die Anjprüche 
der früheren Feudalherren zu verfehten. Dadurch und ins— 


1) Die Einnahme von Paris (31. März) wurde in Münfter gemeldet 
am 6. April; von dort empfing die Redaction die Nachricht am 7. April, 
und Eonnte fie, obgleich man in Dortmund ſchon davon gewußt hatte, Ka 
am 8. April veröffentlichen. 


— 13 — 


befondere, weil er einen Abgeordneten der märkiſchen Bauern, 
den Soh. Giesbert Alef zu Wefterfilde, der am 9. Juli 1811 
in St. Cloud bei Napoleon Gehör fand, mit der zu feinem 
Auftrage nöthigen Anleitung verjehen, hatte er ſtch nicht blos 
vermehrte Gegnerſchaft, ſondern auch erbitterte perjönliche 
Feindſchaft zugezogen. Auf die Streitfragen, die in Betracht 
famen, näher einzugeben, ift hier nicht der Ort. Mallindrodt 
hat jelbft fein Hehl daraus gewacht, daß feine wifjenjchaftliche 
Meberzeugung über einzelne Nechtsverhältniffe, und beſonders 
über die Natur gewiſſer Laſten und Nußungen, nicht immer 
diefelbe gewejen. Das ijt vielfach mißdeutet worden. Weiter 
ift zuzugeben, daß es nicht ohne fein eigenes Verſchulden ge- 
Ihah, wenn auch außerhalb des Kreifes der Gutsherrn und 
der alten Bureaufratie fein Gejammtverhalten vielfach falſch, 
mindeftens aber ſehr ftrenge beurtheilt wurde. Aber ebenjo 
ift auch andererfeitS gewiß, daß — wie das jelten anders zu 
gehen pflegt — die, welche ihre Intereſſen durch ihn gefährdet 
glaubten, ihn, ftatt mit Gründen zu widerlegen, durch maßlofe 
Schimpfereien und bodenloſe Verdächtigungen herabzujegen 
ſuchten. Er jah fi genöthigt, feine Stelle als Präfecturrath 
niederzulegen, und war eben in offener Fehde mit dem Dort- 
munder Tribunal über die Auslegung der neuen Agrargejege, 
als ein preußifches Generalgouvernement die Bergifche Regierung 
ablöfte. Mallindrodt nahm dieſen Augenblid wahr, um einen 
Rechenſchaftsbericht über fich zu veröffentlihen. Schon am 
23. December gab er die Flugſchrift: „Was thun bei Deutfch- 
land’3, bei. Europa's Wiedergeburt?” zum Drud. Dieje war 
der Vorläufer eines größeren Buches von 538 Seiten unter 
demfelben Titel. Die erſte Hälfte desfelben erfchien im Januar, 
und nachdem Mallindrodt mehrere Monate auf einer Reife 
durch Franfreih und England verbracht, die andere Hälfte im 
September 1814. In der Hauptſache ift dieſes Buch Der 
Wiederabdruck älterer Auffäge, die mit der Abfiht ausgewählt 
waren, zu zeigen, wie er denfe und gedacht habe. In Zeiten, 
in denen die Meinungen bei der Mafje mit dem Waffenglüce 
umfchlagen, finden derartige Darlegungen nur bei Wenigen 


— 14 — 


unbefangene Würdigung. Indeſſen ergab fi) doch, daß außer- 
halb Dortmunds noch Viele waren, die an Mallindrodt nicht 
irre geworden, und das ermuthigte ihn, den „Weſtfäliſchen 
Anzeiger” wieder aufzunehmen. Um ſich aber lediglih und 
ganz unabhängig mit der Redaction zu befafjen, übertrug er 
vorher, in Uebereinftimmung mit feinem Bruder und Geſchäfts— 
theilhaber Chriftoph, die Buchhandlung und Buchdruderei an 
jeinen Sohn Wilhelm. Nach jechsjähriger Unterbredung er: 
ichien dann am 4. Januar 1815 wieder der „Weitfälifche An- 
zeiger” jeßt mit der Loofung: „Wahrheit — Gerechtigkeit — 
Gemeinwohl.“ Der legte Band aus dem Jahre 1809 war der 
23. des „Weſtfäliſchen Anzeigers“ gemwejen; indem die Fort— 
ſetzung als 24. Band bezeichnet wurde, erklärte Mallindrodt, 
daß das von Schmölder im Fahre 1810 unter demjelben Titel 
herausgegebene Blatt nicht als eine Fortjeßung feines Anzeigers 
anzuſehen jet. 

Mer ohne VBorurtheil den wieder erftandenen „Weitfälifchen 
Anzeiger” las, konnte mit demjelben wohl zufrieden fein; er 
ſprach aus, was die Mehrheit der Bevölkerung von Weit- 
falen — und nur für Weftfalen wurde er gejchrieben — dachte. 
Mallindrodt jelbft hatte, Jobald die Selbitändigfeit der Reichs— 
ftädte unrettbar erſchien (1802), fih für den Anſchluß Dort- 
mund’3 an Preußen ausgejprodhen. Er vertrat jeßt die Hoff- 
nung, daß alle Gebiete, die man vordem zu Wejtfalen ge= 
rechnet, zu einer preußifchen Provinz vereinigt und im Geifte 
Stein’3 ihre gemeinfchaftlihe Reform empfangen würden. In 
diefelben Sinne wurde gleichzeitig der „Hermann“ ge— 
ichrieben, der im December 1813, während die Freiwilligen 
des 2. Bataillons des 1. Weftfälifchen Landwehr-Negiments 
fih in den Waffen übten, in Hagen gegründet war und dort 
jeit dem 1. Sanuar 1814 unter Aſchenberg's Redaction er- 
ichien. Diefer Concurrent, der einen Vorjprung von einem 
vollen Sahre hatte, erjchwerte dem „Anzeiger“ das Aufkommen 
nicht wenig!). Gleihmwohl war das Beftehen des „Anzeigers“ 


1) Bom 1. Sanuar 1815 an erjchien der „Hermann” unter Der 


— 15 — 


jehr bald wieder gefichert. In den eriten drei Monaten liefen 
ſchon wieder an 400 Aufſätze bei der Redaction ein, und am 
Jahresſchluß bezeugte Mallindrodt den Empfang von 1347 
größeren und fleineren Arbeiten. Darunter war gewiß viel 
Unbrauchbares; aber diefe Menge beweift mindeftens, wie ſehr 
das Intereſſe an öffentlichen Angelegenheiten rege geworden 
und wie großes Gewicht man auf deren Vertretung in der 
Tagespreſſe legte. 

Zwiſchen dem „Weſtfäliſchen Anzeiger“ und dem „Her— 
mann“ trat, nachdem der zweite Pariſer Frieden der neuen 
Ordnung der Dinge einen feſten Abſchluß gegeben hatte, ein 
ſchärferer Gegenſatz hervor. Der „Hermann“ war und blieb 
länger als der „Weſtfäliſche Anzeiger“ von der Begeiſterung, 
mit welcher die Freiwilligen ausgezogen, und von der Feſt— 
ſtimmung erfüllt, welche die Siege hervorgerufen hatten; um 
die Zukunft machte er ſich noch keine ernſten Sorgen. Der 
„Weſtfäliſche Anzeiger“ dagegen fragte ſchon bald, ob und wie 
die Hoffnungen und Verheißungen des Jahres 1813 ſich er— 
füllen würden. Was die Fremdherrfchaft Gutes gejchaffen, 
u. U. das franzöfiiche bürgerliche Geſetzbuch, und vollends das 
freie Eigenthum des Bauern, wollte Malindrodt um der 
fremden Herkunft willen nicht aufgehoben wifjen; was aber im 
alten Preußen befjer war, 3. B. die Städteordnung, bat er, 
ungejäumt einzuführen. Die Erörterung, wie die landftändifche 
Vertretung der Provinz Weftfalen einzurichten fein möchte, be- 
Ihäftigte den „Weitfälifchen Anzeiger“ früher als die übrigen 
Blätter. Ueber die Zeitereignifje berichtete Schmölder in 
monatlichen Ueberfichten, die in gemäßigftem Tone oft ein 
feines Verſtändniß für die heranziehende Reaction erfennen 
laſſen. 

Daß Köppen ſeinen „Weſtfäliſchen Blättern“ den Titel 


Redaction des Directors Stork, der ihm den Doppeltitel gab: „Hermann, 
Zeitſchrift von und für Weſtfalen“. Den Verlag hatten Bädecker und 
Kürzel in Eſſen und Duisburg übernommen; gedruckt wurde das Blatt 
in Hagen, zuerſt bei H. Gerlach, vom 1. Juli 1815 bei Leiſcher. 

Beiträge zur Geſchichte Dortmunds. XI. 10 


— 1465 — 


„Amtsblatt“ ohne Zuftimmung des Generalgouverneurs ge— 
geben, ift ganz undenfbar. Man unteritellte, daß Dortmund, 
welches im Jahre 1802, ehe e3 dem Prinzen von Dranien 
überlaffen, von Preußen zur Aufnahme der damals in Emmerich 
untergebrachten cleviſch-märkiſchen Negierung (d. h. Ober⸗ 
gerichts) beſtimmt geweſen, jetzt Sitz der Verwaltung und des 
Obergerichts, mindeſtens aber eines dieſer Collegien, für die 
Grafſchaft Mark werde. Nachdem der Wiener Congreß ſeine 
Arbeiten vollendet hatte, erging für Preußen unter dem 
30. April 1815 die Verordnung über die Organiſation der 
Provinzialbehörden in den neuen Landestheilen. Durch dieſe 
wurde die Einſetzung einer Regierung für die Grafſchaft Mark 
in ihren alten Grenzen, nebſt Dortmund und Limburg und für 
das Herzogthum Weſtfalen in Hamm ſtatt in Dortmund an— 
geordnet. Das Beſitzergreifungspatent für die wieder vereinigten 
weftfälifhen Länder mit Einfluß der dazwiſchen gelegenen 
fleineren Gebiete ift vom 21. Juni 1815. Sn Dortmund 
wurde dasſelbe erft am 3. October verfündigt, und am 
18. October huldigte Stadt und Graffchaft dem neuen Landes— 
berrn. 

In demfelben Herbite 1815 wurde Köppen angewiejen, 
den Titel „Amtsblatt“ auf feinem Blatte nicht weiter zu 
führen, weil diefe Bezeihnung nur den von der Regierung 
herausgegebenen Verordnungsblättern zuitehe. Alfo gab er 
feinem Blatte am 1. Sanuar 1816 die Weberjhrift „Märkiſches 
Intelligenzblatt“. Köppen hatte dabei aber an Eins nicht 
gedacht, vielleicht auch, da die ältere preußiſche Geſetzgebung 
in Dortmund nieht gegolten hatte, nicht wohl daran denken 
fönnen, daß es in Preußen noch ein SntelligenzblattSprivilegium 
gebe. Selbft v. Vinde jcheint im Jahre 1814 noch gemeint 
zu haben, e3 fei genug, wenn man den Zu Minden und 
Münfter wieder hergeftellten Sntelligenzblättern den Inſeraten— 
zwang auf die neuen Landestheile ausdehne. In einer Ver— 
fügung vom 29. December 1814 jagte er: 

‚Die Fortdauer der in den einzelnen Provinzen des 
Gouvernements, namentlich zu Dortmund u. ſ. w. erſcheinenden 


— 11 — 


MWocenblätter ift durch das Sntelligenzblatt (in Münfter) nicht 
behindert; jedoh müfjen alle Bekanntmachungen, welde ein 
nicht bloß locales Intereſſe haben, fondern bei welchen e3 zu- 
gleich auf Verbreitung außerhalb des ftädtifchen Bezirkes an- 
fommt, gleichzeitig den Intelligenzblatte injerirt werden, zu 
deſſen Controlle die Nedactionen regelmäßig ein Cremplar 
ihrer Wochenblätter an das ntelligenzcomptoir einjenden 
müſſen.“ 

Am 20. Januar 1816 ließ v. Vincke das erſte wirkliche 
Amtsblatt, und zwar einſtweilen für die ganze Provinz Weſt— 
falen und die noch zu feinem Gouvernement gehörigen Gebiete 
Eſſen, Werden und den oftrheinifhen Theil von Cleve er- 
fcheinen. Daß die Regierung, jobald fie jelbft zur Herausgabe 
eines Amtsblattes überging, dem Köppen’fchen Blatte Die 
Amtlichkeit entzog, war ganz in der Ordnung. Ungleich ſchwerer 
zu rechtfertigen ift es, daß der Fiscus deſſen neuen Titel für 
einen binreichenden Grund nahm, um fi) das ganze Blatt 
anzueignen, und das Köppen’sche Verlagsrecht dem Militär- 
waifenhaus in Potsdam zu übertragen. Gleichzeitig mit dem 
Erſcheinen des Provinzialamtsblattes erging an Köppen Die 
Aufforderung, den Verlag feines Blattes, da ſolches vom 
1. Februar an „für Königl. Rechnung verwaltet werde”, an 
dag Dortmunder Poſtamt abzutreten. Auf eine Gegen- 
vorftellung gab das Generalpoftamt nach, daß er die Ver⸗ 
waltung für ſeine Rechnung bis zum Ablauf des Vierteljahres 
behalten könne. Von einer Entſchädigung für den Verluſt 
ſeines Verlagsrechtes war nicht die Rede. Köppen nahm am 
29. März 1816 (Nr. 24 des Intelligenzblattes) von ſeinem 
Leſerkreiſe mit folgender Erklärung Abjchied: 

„Nach einer höheren Weifung hört das von mir heraus— 
gegebene Blatt mit Nr. 24 auf und wird fünftig für könig⸗ 
liche Rechnung verwaltet werden. Da dieſes Blatt in einem 
kritiſchen Zeitpunkte für unſere Gegend entſtand und die 
thätige Theilnahme vieler biederer Männer eines jeden 

Standes mich unterſtützte, ſodaß ich durch die Herausgabe 

dieſes damals einzigen Blattes zur Belebung Bean 


— 18 — 


Volksſtimmung ein Scherflein mit beitragen fonnte; jo er- 
fenne ich diefes mit dem aufrihtigften Dank.” 

Mit dem 1. Auguft 1816 trat die neue Verwaltung der 
Provinz Weitfalen vollitändig in Wirkſamkeit, und dadurd) 
gingen auch die Gejchäfte der bisherigen Landesdirection zu 
Dortmund auf die neue Regierung über, die in Arnsberg ftatt 
in Hamm errichtet war‘). Weil die Regierung nach Arnsberg 
fam, wurde Hamm eine Anwartjchaft auf das Dberlandes- 
- gericht, welches damals feinen vorläufigen Sitz in Cleve hatte, 
gegeben. | 

Die einzige Provinzialbehörde, die Dortmund zufiel, war 
die für das Bergbau: und Hüttenwefen. Die Dberbergamts- 
Commiffion?), welche am 21. März 1815 bier in’3 Leben ge- 
treten war, wurde unter dem 17. Sanuar 1816 zu einem 
Dberbergamte erhoben. 

Bom 1. Sanuar 1817 an führte das „Sntelligenzblatt“ 
den Titel: „Königlich Weſtfäliſch-Märkiſches Intelligenzblatt“, 
und nun erit wurde es an Stelle des „Münſter'ſchen Intelligenz— 
blattes“ amtliches Verfündigungsblatt für gerichtliche Bekannt— 
mahungen im Bezirke des Dberlandesgerichts zu Cleve (jeit 
dem 1. Juli 1820 in Hamm). Dafjelbe wurde es für den 
Bezirk des Hofgerichts (Oberlandesgerichts) zu Arnsberg 1827. 

Der „Weftfälifche Anzeiger” befam am 1. Sanuar 1817 
den Titel „Rheinland-Weftfaler Anzeiger”. Da das Blatt am 
Rhein viel gelefen wurde, jo war das jachlich gerechtfertigt; 
aber die jeltfame Wortbildung fand jo allgemeinen Widerſpruch, 
daß fie nach Ablauf des eriten PVierteljahres dem gemeinen 
Sprachgebrauche weichen mußte. Der „Anzeiger” wurde aljo 
am 1. April 1817 der „Rheiniſch-Weſtfäliſche Anzeiger”. Troß 


1) Seit demjelben Tage erſcheint das Amtsblatt der Regierung in 
Arnsberg. Das ſeit dem Jahre 1772 dort erfchienene „Sntelligenzblatt für 
das Herzogthum Weſtfalen“ mußte den „Deffentlihen Anzeiger” Platz 
machen. | 

2) Sie beitand aus dem bisherigen Tribunalspräfidenten Bölling, 
mit dem Titel eines Oberbergrichter, dem Oberbergmeijter Crone und 
dem Bergafleffor v. Klöber. 


— 149 — 


fortgejegter Anfeindungen brachte er es ſchon bald wieder auf 
790 Abonnenten. Im Grunde beftanden die Schwierigkeiten, 
mit welchen er zu Fämpfen hatte, in den gegen feinen Heraus» 
geber etwas jtrenger angewendeten Maßregeln, denen die ge- 
jammte politiſche Preſſe jener Zeit unterlag. Die Cenſur 
wurde jchärfer, ganze Zeitungsfpalten zeigte nichts als weiße 
Genfurlüden, die Preßprocefje begannen; der erfte, weil der 
„Anzeiger“ über Militärercefje berichtet hatte. 

Mallindrodt arbeitete lange, freilich mit wachjender Ver— 
jiimmung über den Rüdgang in der preußifchen Gefeßgebung 
und Verwaltung, aber noch mit ungejchwächter Unternehmungs- 
luft weiter. Im Sanuar 1816 gründete er, indem er die 
politiihen Tagesnachrichten aus dem „Anzeiger“ ausſchied, 
noch eine neue politiiche Monatsſchrift: „Monatliche Ueber- 
fiht der merfwürdigften Begebenheiten der Zeit- 
geſchichte, gejchrieben von Herrn Paſtor Schmölder.” Der 
Sahrgang ſollte 1 Thlr. often. Gleichzeitig nahm er den 
Plan, der zwanzig Jahre vorher dem „Magazin von und für 
Weſtfalen“ zu Grunde gelegen hatte, wieder auf und ließ im 
Frühjahr 1816 das erite Vierteljahrsheft eines „Magazins, 
der Geographie, Geſchichte, Statiftik, überhaupt der genaueren 
Kunde Weſtfalens gewidmet“ erjcheinen. E3 pflegt al3 „Neueftes 
Magazin” angeführt zu werden. 

Sp famen nun aljo in Dortmund 4 Zeitjchriften heraus, 
2 wöchentlich zweimal, 1 monatlich und 1 vierteljährlich; aber 
nur kurze Zeit. Die „monatlichen Weberfichten“ hörten aus 
Mangel an Abnehmern als befondere Zeitichrift Schon mit dem 
5. Hefte auf und wurden dem „Weftfälifchen Anzeiger” wieder 
einverleibt. Zahlung wurde für die 5 gelieferten Hefte nicht 
beanjprudt. Das „Magazin“, obgleich es höchft ſchätzenswerthe 
Beiträge zur älteren Gefchichte Weſtfalens, befonder8 von 
Pfarrer Niefert in Velen enthielt, fand auch wenig Eingang. 
Zum 4. Hefte, durch welches der erjte (und einzige) Band 
fertig wurde, jchrieb Mallindrodt das Schlußwort am 26. 
Sanuar 1818. Nachdem er erklärt, daß Niefert in Verbindung 
mit dem Kammerjecretär Grote das Magazin fortfegen werde, 


lb 


fagte er: „Um Eins aber glaube ich wiederholt daS Vaterland 
bitten zu dürfen und zu müffen, um thätigere Unterjtügung 
des Unternehmens zu feinem Beftehen.“ Der bald darauf er 
folgende Tod Grote's ließ die Fortfegung nicht zu Stande 
fommen!). Mallindrodt ſcheint die Meinung gehabt zu haben, 
wenn er perfönlich fich weniger mit der Nedaction des „An— 
zeigers“ bejchäftige, jo würde ein Anlaß, aus welchem das 
Blatt in faft unerträglicher Weife verfolgt werde, ſchwinden. 
Ende Januar 1817 ging er auf Reifen. Sein Sohn, der 
Buchhändler, mit reihem Vorrathe von Manufeript verjehen 
und von dem Gymnafiallehrer Vollmann unterftügt, jollte 
einmal felbft redigiren. Sechs bis fieben Wochen mochten jeit 
de3 Vaters Abreife verfloffen fein, als Wilhelm Mallindrodt 
plöglih ftarb. Der früh alternde Arn. Mallindrodt mußte 
alfo felbft wieder vortreten?). Hiltrop, der mit jeinem früheren 
Amtsgenoffen Mallindrodt verfeindet war, war Cenjor des 
„Anzeigers“ geworden. Dadurch befjerten fich die perjönlichen 
Beziehungen zwiſchen ihnen nicht. Im Herbite 1817 verlangte 
Hiltrop, daß die für den „Anzeiger“ beftimmten Aufjäge im 
Manufeript zur Cenſur vorgelegt würden. Als Mallindrodt 
fi dem nicht fügen wollte, wurde ihm mit Verfiegelung der 
Preſſen gedroht. Er beſchloß, von jeder öffentlichen Thätigkeit 


1) Karl Wilhelm Grote, geboren 1796 zu Dinslaken, fürftlid Salm- 
Horſtmarſcher Kammerfecretär in Koesfeld, hatte 1816-1817, anfangs in 
Berbindung mit dem Münfter’fhen Dichter 7. Raßmann, „Thusnelda, 
Unterhaltungsblatt für Deutſche“ erfcheinen lafjen, und dann die Heraus 
gabe eines „Hiſtoriſch-ſtatiſtiſch-literariſchen Jahrbuches für Weitfalen und 
den Niederrhein” (Koesfeld bei B. 9. Wittneven) unternommen; außerdem 
hat er eine Gedichtſammlung unter dem Titel „Zeitlofen”. Erfte8 Gewinde 
(Wefel 1817) und ein „Münfterländifches poetijches Taſchenbuch auf das 
Jahr 1818. Koesfeld." veröffentlicht. Diefer höchſt begabte Jüngling 
ftarb am 27. April 1818. Sein Sahrbuch ift, nachdem der Verleger den 
zweiten Jahrgang (1818) vollendet, nicht weiter erjchienen. 

2) Von den Verationen, denen er gerade in jener Zeit ausgeſetzt 
war, findet ſich eine ftarfe Probe in Mallinckrodt's Schrift: „Ein Angriff 
der preußifchen Staatözeitung und eine Vertheidigung in Aktenſtücken.“ 
Sena. Bran. 1819. 


— 151 — 


in Preußen ſich zurüczuziehen und ftellte Neujahr 1818, aljo 
noch ehe jenes Schlußwort zum erften Bande des „Neueften 
Magazins“ gefchrieben wurde, und für die Lefer ziemlich un— 
erwartet, die Herausgabe des „Anzeigers“ ein. 

Unter den wenigen kleinen Staaten in Deutjchland, wo 
noch Lehr- und Preßfreiheit geachtet wurden, jtand damals 
Sachfen-Weimar oben an. In Jena hoffte Mallindrodt den 
zu Koblenz unterdrücdten „Rheiniſchen Merkur“ fortjegen und 
eine Profeffur der Staatswiffenfchaften bekleiden zu können. 
Die bis dahin von Heinr. Vollmann, dem Bruder de3 Gymnafial- 
lehrers, verwaltete Buchhandlung ſammt Buchdruderei verkaufte 
er mit großer Einbuße an G. A. Wundermann aus Minden 
und 309 dann nad) Jena, wo auch wirklich unter feiner Re— 
daction der „Neue Rheinische Merkur” eine Zeit lang erichienen 
iſt. In Sena fand er feinen günftigen Boden, und nun wandte 
er ſich der Landwirthfchaft zu. Er ftarb (1826?) auf feinem 
Gute zu Schwefe bei Soelt. 

Wundermann ließ den „Anzeiger“ vom 1. Juli 1818 an 
unter der Redaction de3 in Hamm lebenden Privatgelehrten 
Dr. Heintih Schulz (der fih damals Schultz, und erit jeit 
dem März 1823 Schulz ſchrieb; geb. 1780 in Niedermaffen, 
geft. 1844) wieder erſcheinen. Schulz, ein Freund v. Vincke's 
und bei v. Stein auf Cappenberg gern gejehen, war durchaus 
nicht mit der Redactionsweiſe Mallinckrodt's einveritanden ; 
gleihwohl widmete er ihm einen hödhjit anerfennenden Nachruf, 
indem er ausführte, daß die „Verirrungen des Anzeigers“ 
nicht jowohl Folge feiner inneren Natur als des Charakters 
der Zeitbildung gewejen, die, da fie nirgend Das Leben in 
feiner großen Geftalt al3 ein die Maffe des Einzelnen in 
fi verbindendes große Ganze, nirgend es als Nationalleben 
darſtellt, die Lebensanſchauung des Volkes nothwendig in's 
Einzelne verſplittert und nicht ſowohl in's Kleine als in's 
Kleinliche führt! 

Am 10. October 1818 zeigte Wundermann an, daß er ſich 
mit Schulz affociirt habe, daß die Buchhandlung demnach 
unter der Firma „Schulz und Wundermann“ fortgeführt, aber 


— 152 — 


nach Hamm verlegt werde. In den Tagen vom 13. bis zum 
22. October wurden die Geräthe und Beſtände des Geſchäfts 
in 18 Wagenladungen von Dortmund nach Hamm übergeführt, 
und Sonntag, den 18. October, erſchien der „Rheiniſch-Weſt— 
fäliſche Anzeiger“ zum erſten Male in Hamm. Die letzte in 
Dortmund gedruckte Nummer iſt vom 10. Detober!). 


In Dortmund, wo nur das „Sntelligenzblatt” mit feinem 
Inſeratenzwange blieb, war die Tagespreffe auf den Stand 
zurüdgegangen, den fie in den älteren preußifchen Provinzen 
im vorigen Jahrhundert eingenommen und den wir deshalb zu 
Eingang diejer Darftellung bezeichnet haben. Nur der Abon- 
nentenzwang war mit der Wiederherftellung der „Sntelligenz- 
blätter" in Weitfalen nicht wieder in Wirkung getreten. Der 
unterhaltende, populär-wifjenfchaftlihe Theil, den die früheren 
Amtsblätter gehabt hatten, war aber auch weggefallen, So 
bot nun das biefige „Sntelligenzblatt” außer den amtlichen 
Befanntmahungen und ganz wenigen Gejchäftsanzeigen feinen 
Leſern gar nichts. Volle zehn Jahre vergingen, ehe der Bud)- 
händler Krüger, als Berwalter des Nedelmann’schen Gejchäfts, 


) Schulz trat 1825 wieder aus dem Geſchäfte aus, blieb aber Mit- 
arbeiter des Anzeigers, der inzwifchen auch den Titel „Sprecher" befommen 
hatte, bis 1841. Dann verkaufte Wundermann das Blatt an J. Bagel 
in Wefel. Nachdem es dort unter der Redaction von K. Grün noch ein- 
mal einen Aufihwung genommen hatte, ift es zu einem bloßen Lokalblatte 
verfümmert. Wundermann ließ feit Mai 1848 einen neuen „Hermann. 
Der deutſche Volkswächter in Rheinland - Weftfalen“ erfcheinen. Vom 
7. Dftober 1849 an erſetzte er den „Hermann“ dur „Die Union. Weit- 
fäliſches Volksorgan für volfsthümliche Zuftände und verfaffungsmäßige 
Rechte.” Diejes Blatt ging am 14. Februar 1850 ein, weil Wundermann 
dur Preßproceſſe in die Verbannung vertrieben wurde. Er war zu 
zweijähriger Freiheitäftrafe wegen eines Zeitungsartikels verurtheilt, wel- 
her der „Weitfälifchen Zeitung” entnommen war. Die in Paderborn 
angeflagte Redaction der „Weftfälifchen Zeitung“ war aber freigefprocdhen. 
Wundermann ift in Antwerpen geftorben. 

Der heutige „Weftfälifhe Anzeiger" in Hamm, Berlag der Grote'ſchen 
Buchdruderei (Griebſch & Müller) ift die Fortfegung des im Jahre 1819 
entftandenen „Wochenblattes für die Stadt und den Kreis Hamm“. 


den Verſuch machte, ein „Dortmunder Wochenblatt” heraus— 
zugeben. 

Das „Dortmunder Wochenblatt” erjchien zum erſten Male 
am 4. October 1828. (Bon 1840 an war der Titel „Mochen- 
blatt für die Stadt und den Kreis Dortmund“) Der jähr- 
lihe Preis von 1 Thlr. dedte faum die Herftellungskoften. 
Nach Einigen Jahren aber fand es doch jo viel Verbreitung, 
daß ſich feine Inſerate mehrten und das Sntelligenzblatt fich 
bewogen fand, feinerfeits die Einrüdungsgebühren auf 2 Sur. 
die Zeile zu erhöhen. Denn die Anzeigen des Mochenblatts 
wurden num für das Sntelligenzblatt eine Geldquelle, zu deren 
Speifung die mit dem Poſtamte verbundene Berwaltung nicht 
das Geringfte beizutragen brauchte. Für das Sntelligenzblatt 
war e3 auch ganz gleichgültig, daß es durch das Wochenblatt 
an Abonennten verlor. Denn während ihm die Anzeigen doch 
gefichert waren, hatte es nun um fo weniger für Papier und 
Drudkoften auszugeben. Als die Sinfertionsgebühren bei dem 
MWochenblatte allein 9 Pfg. betrugen, ftellten fie fich für den 
Snferirenden auf 2 Sgr. 9 Pfg., von denen das Wochenblatt 
2 Sgr. an das Öntelligenzblatt herauszahlen mußte; außerdem 
erhob das Sintelligenzblatt für Anzeigen von vier oder weniger 
Zeilen Ya Sgr. und für größere Anzeigen 1 Sgr. als og. 
Stenipelgebühr. Die Folge war, daß Dortmunder Gefchäfts: 
leute oft es vorzogen, ihre Anzeigen durch auswärtige Blätter 
zu veröffentlichen. 

Schon im Jahre 1828 hatte der Weſtfäliſche Brovinzial- 
landtag ſich mit Klagen über die Sntelligenzblätter bejchäftigt. 
Damals Hatte die Regierung erwidert, fie jei mit der Er- 
wägung, ob in dem Sntelligenzblattzinftitut eine Veränderung 
vorzunehmen ſei, beſchäftigt. Im Sabre 1837 Fam der 
Provinziallandtag auf diefe Angelegenheit zurüd und bat, das 
Inſtitut der Intelligenzblätter als Anftalt des Staates auf- 
zuheben. Im Landtagsabjichied hieß e8 hierauf: „Die Auf- 
hebung der beftehenden Einrichtung der Sntelligenzblätter ift 
neuerdings in Berathung genommen worden Da indeß hierbei 
befonders das Intereſſe des Potsdam'ſchen großen Militär- 


— 154 — 


Waiſenhauſes betheiligt ift, dem für die Aufhebung des dem— 
ielben ertheilten Sntelligenzblatt-Privilegiums eine genügende 
und entjprechende Schadloshaltung gewährt werden muß, jo 
erfordert die Regulirung diefer Angelegenheit bejondere Vor— 
fiht. Das Reſultat der desfalfigen Berathung ift binnen 
Kurzem zu erwarten.“ Dieſe Berathung hat dann nod) fernere 
12 Sahre gedauert. 

Als in der Aheinprovinz, welche mit dem Sntelligenzblatt3- 
Monopol ſtets verjchont blieb, insbejondere jeit Beginn der 
vierziger Jahre, die Tagesprefje ſich Fräftig entwidelte, empfand 
die mweitfälifche Preffe den bureaufratifchen Eigenfinn de3 alt= 
gewordenen v. PVindfe in hohem Maaße. Die wiederholten 
Bitten Krüger’3, fein Blatt wöchentlich zweimal erjcheinen 
laffen zu dürfen, lehnte v. Vinde jedesmal damit ab, die 
Conceſſion laute nur auf ein Wochenblatt; ein Blatt, welches 
öfter als einmal in der Woche erfcheine, jei fein Wochenblatt 
mehr. In die Sprache der jüngeren Bureaufratie überjeßt, 
würde es heißen, für Dortmund jei daS Bedürfniß eines 
wöchentlich zweimal erjcheinenden Blattes nicht nachgemiejen. 
Vom bevormundenden Standpunkte Vinde’s aus fonnte man 
in der That ein ſolches Bedürfniß in Zweifel ziehen. 

Nah dem großen Kriege war e3 in Dortmund wieder jo 
til geworden wie je zuvor. Auch die lange Friedenzzeit 
hatte der Stadt nicht einmal eine volle Berbindung mit den 
großen Verfehrsftraßen geſchaffen. Kein Wunder alfo, daß die 
geiftige Strömung, welche jeit dem Jahre 1840 mächtig und 
immer mächtiger durch Deutjchland ging, nur ſehr allmählich 
mit ihrem Wellenfhhlage den vereinfamten Ort erreichte. Die 
Bahn brach zunächſt Grothe, Director der Gewerbeſchule in 
Hagen, indem er auf Einladung des im Frühjahr 1840 ent- 
ftandenen Gemwerbevereins hier Vorträge über Agricultur-Chemie 
und die Verwerthung der Phyſik für das gemerbliche Leben 
hielt. Dieje regten die zahlreihe, aus der Stadt und vom 
Lande zufammenftrömende Zuhörerfhaft zum Vergleichen und 
Nachdenken auch auf anderen Gebieten an. Ihre erjte un» 
mittelbare Frucht war die Gründung der Fortbildungsjchule 


— 155 — 


für Handwerker. Hebung der Volksſchule wurde die Loſung 
Aller, welche fich zu Liberaleren Ideen bekannten. Darum ge- 
wann der Verein für die deutiche Volksſchule, der in Friedr. 
Harkort im Hombruch feinen eifrigften Vertreter fand, im Kreiſe 
Dortmund weit über 1000 Mitglieder. Im Frühjahre 1845 
konnte er ſchon in 14 Landgemeinden Volfsbibliothefen anlegen. 
Die deutjch-fatholifche Bewegung fand lauten Wiederhall und 
gab dem Vereinsweſen neuen Neiz. Das Intereffe am Ge— 
meindeleben äußerte fih im Verlangen nad) Deffentlichfeit des 
ftäbtifchen Haushalts und der Verhandlungen der Stadt: 
verordneten. Ende Sanuar 1845 erlebte Dortmund eine Bürger: 
verſammlung, die in einer Petition an den Provinziallandtag 
fih alle Wünſche aneignete, die in der Zeitftimmung lagen. 
Auch der abzufhaffenden Cenſur wurde darin gedacht und 
außerdem gebeten, Dortmund von dem „Intelligenzblatte“ zu 
befreien. Bon dem ummittelbarften und unwiderſtehlichſten 
Einfluffe auf die Gemüther waren aber die Hoffnungen, die 
fi an die Eifenbahnpläne fnüpften. Die für Dortmund über- 
aus glückliche Entfcheidung über die Richtung zweier Bahnen, 
dann der Bau felbft, durch welchen manche friſche, dem ber- 
kömmlichen Weſen vielfach widerftrebende Elemente in Die 
Einwohnerſchaft kamen, das Alles zujammen vermehrte die 
Empfänglichkeit für neue Ideen. Der Umfchwung, der ich jo 
in der Mitte der vierziger Jahre vollzog, jpiegelt fih natürlich 
auh im Wochenblatt. Die Debatten über örtlihe Fragen 
der verjchiedenften Art wurden fo lebhaft, daß die Nedaction 
faum den Raum zu jchaffen wußte, außerdem aber mit ver 
Genfur ihre liebe Noth befam. 

Die Schulfreunde hatten ſchon im Frühjahr 1843 um Die 
Grlaubniß zur Herausgabe eines eigenen Vereinzblattes nad)- 
geſucht. Die Entſcheidung wurde durch die Fleinlichiten Be— 
denklichkeiten bingehalten. Als der Wereinsvoritand alle 
wünfchenswerthe Auskunft über den Inhalt, dann über die 
Redaction des Fünftigen Organs gegeben zu haben meinte, 
warf die Regierung die Frage auf, welcher Beamte wohl die 
Genfur übernehmen möge. Aber, nachdem der Landrath Pilgrim 


fih dazu bereit erklärt, blieb die ganze Sache doch liegen, 
bis v. Vinde geftorben und v. Schaper deſſen Nachfolger im 
Dberpräftdium geworden. Nun fonnte von 1846 an die 
„Wochenſchrift des Vereins für deutfhe Volks— 
Thule”, gedrudt bei J. Bauer, erfcheinen. Ihr Redacteur 
war im erjten Jahre PBrofefjor Dr. Hildebrandt, der fpätere 
Direktor des Gymnaſiums. Bom folgenden Jahre an übernahm 
Baftor Kerlen die Redaction. 

Sm Frühjahr 1847 endlich, al3 der erſte Vereinigte Land- 
tag verjammelt war, gab v. Schaper auch die Erlaubniß, 
daß Krüger’s Blatt unter dem Titel „Dortmunder Anzeiger”, 
wöchentlich zweimal erfcheine. Unter ſolchem Titel erfchien e3 
zum erjten Male am 25. Mai 1847; das Format der Seiten 
war etwas größer als bei dem „Wochenblatte”. Aber während 
da Lebtere einen ganzen Bogen ftarf gewejen, beftand der 
„Anzeiger” anfangs gewöhnlich nur in Ya Bogen. In der 
Nummer für den 18. März begrüßte der „Anzeiger“, der von 
den Ereigniffen in Paris und Wien feinen Lefern noch niht3 
hatte verrathen dürfen, die „zugeficherte Aufhebung der Cenſur 
als einen Fortjchritt der Zeit“, von dem er zum Beſten des 
Baterlandes Gebrauh machen werde. Bei diejer Gelegenheit 
theilte, er mit, daß, als er im vorhergegangenen Sahre gemiffe 
Iofale Begebenheiten etwas ſtark gerügt, über feine „Freiheit“ 
bei der Oberbehörde Befchwerde geführt jei. Eine Beilage zur 
nächſten Nummer brachte das Patent wegen bejchleunigter Ein- 
berufung de3 Bereinigten Landtags. Der Berliner 18. März 
war gemwejen. Sebt platten auch in Dortmund die Geilter 
mächtig auf einander. Die alten Streitigkeiten waren plögli) 
von der Tagesordnung verſchwunden; und für die neuen reichte 
der Anzeiger mit "/e Bogen nicht mehr aus. Vom 3. Mai an 
erichien er in Kleinfolio, und am 1. Zuli befam er den Neben- 
titel „Kreisblatt für den Kreis Dortmund“. 

ALS mit dem Frühjahr 1848 alle bisherigen Schranfen 
der Preßfreiheit fielen, ging mit der gefammten Tagesprefje 
eine ſolche Veränderung vor, daß die Zeit ihrer Anfänge damit 
als vollkommen abgefchloffen ericheint. Für Weftfalen kam 


— 157 — 


hinzu, daß die jeit dem 15. October 1847 in ihrer ganzen 
Strede vollendete Köln-Mindener Eifenbahn die Theilnahme 
am politiichen 2eben und die Entwidlung der Tagespreffe in 
einer bis dahin ungeahnten Weife förderte. Freilich befeftigte 
fih mit diefen Veränderungen aber auch das Webergewicht der 
bereit3 herrjchenden Preſſe der Nachbarprovinz jo jehr, daß 
dieje noch heute bei uns das Webergewicht hat. 

Die „Wochenschrift des Vereins für die Volksſchule“, 
deren Themata gegen die heißen politifchen Tagesfragen zurüd- 
traten, ging mit Ablauf des Jahres 1848 ein. Gleichzeitig 
verjchwand das „Sntelligenzblatt“. Die Auflage desjelben war 
Ihon lange vor dem Fahre 1848 auf 90 Exemplare gefunfen. 
Bon Diejen wurden einige al3 Freieremplare vergeben; eine 
größere Anzahl wurde als Belag zu den Sinfertionsrechnungen 
verwendet. Bon „Abonennten” war alſo faum noch zu reden. 
Daß nun aber in einer Zeit, die von feinerlei Privilegien und 
Monopolien mehr hören wollte, der Snferatenzwang nicht mehr 
aufrecht zu erhalten jei, war klar. Die Regierung trat des- 
halb an verjchiedenen Drten mit den Zeitungsverlegern in 
Verhandlung, um fih für den zeitweiligen Verziht auf die 
Ausübung des Inferatenzwanges von Diefen eine Entfchädigung 
zahlen ‚zu laſſen. So fam auch Krüger in die Lage, für da3 
Sahr 1849 fich mit der Regierung abzufinden, alſo den „An- 
zeiger” von der jchweren Inſeratenſteuer zu befreien. Das 
„sntelligenzblatt“ ging jofort ein!). Am Schluffe des Jahres 
1849 machte die Gejeßgebung den „Intelligenzblatt-Privilegien“ 
ein gänzliches Ende. — 


ı) Der Buchdruder Joh. Bauer, bei welchem das „ntelligenzblatt” 
die letzte und zwar die längſte Zeit feines Beſtehens gedrudt war, gab 
Thon jeit dem Mai 1848 für eigene Rechnung den „Märkiſchen Boten für 
Wahrheit, Freiheit und Recht” heraus. Das erfte Blatt, welches unter 
der folgenden reaftionären Preßgeſetzgebung erſchien, war daS „Gewerbe: 
blatt” von J. MW. Fasbender. 


Ye 


Agrariſches vom Hellwege und aus der 
Graffchaft Mark. 
Bon Dr. Karl Rübel. 


1. Ein Weisthum über Majtberehtigungen der Grafen 
von der Mark, 


Das Düffeldorfer Stadtarchiv verwahrt ein Manufcript 
(Sleve, Mark, Abtheilung XIb, Nr. 35), welches der Weber- 
ichrift nach „von der Gerechtigfeit meines Herren in dem Lande 
von der Mark” handelt. Die Handſchrift weift etwa auf das 
Jahr 1400 als Abfaffungszeit. Der Inhalt macht ferner eine 
ziemlich genaue zeitliche Begrenzung für die Abfaſſungszeit 
möglich. Es iſt nämlich der Hof zu Hagen als märkiſch an— 
geführt, der am 1. Mai 1392 von dem Kölner Erzbiſchof Fried- 
ri III. an den Grafen Adolf von Eleve verpfändet wurde 
(Zacomblet, Urkundenbuch 3, 968 Anm. 1). Es kann aljo 
die Aufzeichnung nicht vor 1392 (Mai 1) verfaßt ſein. Anderer⸗ 
ſeits kann ſie aber auch nicht erheblich viel ſpäter fallen. Es 
laſſen ſich nämlich die märkiſchen Beamten, welche in dem 
Weisthum genannt werden, faſt ſämmtlich auch ſonſt urkund⸗ 
lich feſtſtellen. In den Anmerkungen zum Terte find die Zahlen 
darüber beigebracht. Darnad wird Arnd von den Schepen 
1382 — 1389, Hermann von Witten 1394 — 1400, Wenemar 


— 159 — 


Dufer 1377—1400, Heinrich von Lüdenſcheid 1393—1409, 
Lambert op dem Hove 1408—1409, Lambert Hafe von der 
Marke 1384— 1394, ein Berend Dvelader 1418, Goswin 
Abdinghof 1410, Dietrich Lenhof 1410, Johann Dvelader 
1390— 1395, Goswin Holtei 1387—1393 genannt. Demnad) 
iſt es wahrſcheinlich, daß die Abfaffung ſehr kurz nad) 1392, 
Mai 1, fällt. Einen weiteren Anhalt bieten andere Punkte 
des Weisthums. Dasfelbe ftellt ſich dar als eine durch eidliche 
Vernehmung vorzunehmende Fetftellung über die Maftgerechtig- 
feiten des Grafen von der Mark. Dabei ift jedoch auch eine 
Art Protokoll über die Bejchuldigungen aufgenommen, Die 
Hake über Lambert op dem Hove in Hamm vorgebracht hat, 
die dahin gehen, daß Lambert bei einem Bau am Haufe des 
Hafe die Roften für Zimmerleute, Schieferdeder, Schmiedearbeit 
und Material feinem Herrn zu hoch berechnet, Cigenleute des 
Grafen zu Unrecht vorgeladen und einen märkiſchen Schultenhof, 
„Schulte Böing“ bei Camen, mit Mühle zu niedrig verpachtet 
hätte. Lambert vertheidigt ſich durch eidliche Zeugenausfagen 
in Gegenwart de3 Hake erfolgreich gegen dieſe Anklagen. Lambert 
ift als Richter in Hamm noch 1409 nachzumeifen, Lambert 
Hafe als Burgmann in Samm 19384— 1394. 

, Die Art des Weisthums macht es nun wahrſcheinlich, daß 
dasselbe zur Snformirung für die clevifhen Beamten dienen 
follte, daß es alfo wohl in die Zeit fällt, wo Adolf von Eleve 
die Grafſchaft Mark übernommen hatte, nachdem fein Bruder 
Dietrih II. 1393, März 14, vor Elberfeld gefallen war. Als 
Neuaufnahme der Berechtigungen des neuen Herrſchers und 
zugleich als Gontrole der alten Beamten ftellt fi das Weis- 
thum demnach dar, das wir alfo in die Zeit von 1393— 1400 
mit ziemlicher Sicherheit verweilen können. 

Die Aufnahme der Zeugenausfagen erfolgte im Spät— 
herbfte, da aufgenommen wurde, ob in dem betreffenden Jahre 
Eicheln gewachſen find oder nicht. 

Für die Gefchichte der Entjtehung des Territoriums der 
Grafſchaft Mark ift das Weisthum von großem Intereſſe. In 
noch höherem Maaße aber nehmen die Aufzeichnungen übel 


— 160 — 


den „Reichshof Weſthofen“ die Beachtung in Anſpruch. Der 
Reichshof Weſthofen mit der Reichsmark iſt die Stelle, an der 
Karl der Große 775, zuerſt im ſüdlichen Weſtfalen nebſt 
der Eresburg (772), feſten Fuß gefaßt hat. Die Sachſen 
ſuchten 776 die Sigburg wieder zu nehmen, wurden aber ge— 
ſchlagen ). Seit dieſer Zeit iſt die Hohenſyburg mit Weſthofen 
Reichsgut geblieben. Die nähere Kenntniß dieſes Reichsgutes 
beginnt jedoch erſt mit der Zeit der Verpfändungen desſelben. 
Die Verpfändungen find näher behandelt in Beiträgen X, 
S. 119ff. Zuerft wird Brafel 1205, Januar 12, dur König 
Philipp an den Erzbifchof Adolf I. von Köln verpfändet?). 
Dann folgen 1248, December 23, die Verpfändungen von 
Dortmund und den anliegenden Höfen, bis jchlieglich nach 
vielfachen Verpfändungen und Streitigkeiten 1300, December 1, 
die Grafen von der Mark in den dauernden Befig der Reichs— 
höfe Wefthofen, Elmenhorft und Brakel, in den vorübergehenven 
des Reichshofes Dortinund traten?). 

Da Wefthofen alfo mit der Reichsmark bis 1300 von 
den Zeiten Karls an Reichsbefit geweſen ift, it es für Die 
Kenntniß des Marfenwefens und feiner Geftaltung in Sachſen 
von entſcheidender Bedeutung feitzuftellen, was an karolingiſchen 
Einrichtungen ſich erkennen läßt, was andererjeitS durch Velib- 
ergreifung der Grafen von. der Mark für Veränderungen Platz 
gegriffen haben. Hierzu gilt es aber zunächſt, das urkundlich 
geficherte Material zu bejchaffen. Die Verwerthung desjelben 
foll einer fpäteren Arbeit vorbehalten bleiben. Dann folgen 
hier noch die Weisthümer über Wefthofen, zum Theil aus 
gedrudten, aber felten gewordenen Werfen, zum Theil aud 
aus ungedrucktem Material. 


1) Das Nähere in Beiträgen X ©. 92. Rübel in der Feitichrift: 
„Das Kaifer Wilhelm-Dentmal auf Hohenfyburg.” 1901. ©. 75—102. 
Die Geſchichte der Hohenſyburg. 

2) Zacomblet, Urkundenbud, 2. 11. 

3) Das Nähere mit den Belegjtellen Beiträge X ©. 121. 


ge 


| Manufcript des Düfjeldorfer Staatsarhivs, Cleve-Mark, 
Abth. XIb Nr. 35, 4 Blätter Folio, in der Mitte gebrochen 
und geheftet. Schrift gegen 1400. 

Rüdauffhrift des 16. Jahrhunderts: „Eyn alt register- 
ken van gerechticheit mynes heren in dem lande van der 
Mark.“ 


Darunter: „Sunderlingh van den gewelden und buschen.“ 


Oben von einer Hand des 18. Jahrhunderts: „Marcksche 
Marchen gerechticheit,“ 


In dem ampte van Hatnegge, Werden und 
Boychem!). 

Primo in der Sprochoveler?) marke nicht ekerens. 

Item Winsermarke?°), dat is boyk, und dar vuys 
nyn eckeren, und wan dar boyk is, so is myns hern recht 
de derde del. 

Item so is dar ekholt um de hove, dar en hebt de 
‚herren hir vormals bynnen 1° jaren nu in gedreven, mer 
de naber und lude in den hoven hebt eynen vrede und 
marke dar um gemaket, dat er eyn den andern nicht 
schutten en derve. 

Item de alde Ysenbergh#) is boycholt, und is 
'myns herren, und dar en ys boyk nogh ekeren dit jar ind 
nyn dryfft. 

Item in myns herren Sunderen?’) to Baek dar 

1) Hattingen, Werden und Bochum. 

2) Sprofhövel, Kreis Hagen. 

8) Die Winfer Bauerfchaft — Dber- und Unter-Winz — gehörte zum 
Kirchfpiel Linden, Amt Hattingen (v. Steinen, Weftfäl. Gefchichte III 
©. 1156), jegt Kirchfpiel Hattingen, Amt Hattingen. 

9 Sfenberg, Amt Hattingen. 

8) Die Bauerfchaft „Baak“, nördlich von Hattingen, Amt Hattingen, 
auf dem reiten Ruhrufer, „Sundern“ im Amte Hattingen, nördlich von 
Hattingen, weftlih von Stipel, liegt in der Gemeinde Baal; ob es 
zum Haufe „in der Becke* im Kirchſpiel Stipel gehört hat, welches 
v. Steinen, Weſtfäl. Gef. III ©. 1089, als „alten Ritterfiß und Lehngut 
des Grafen von ter Mark” bezeichnet, ift nicht nachzumeifen. 

Beiträge zur Geſchichte Dortmunds. XI. 11 


— 162 — 


hevet myn herre en bisunder holt, ind dat enhadde dit 
jar nyn ekeren, ind de busch is myns herren allene. Ar 

Item in Holthuser market), de is myns heren 
de derde del und is boycholt, ind is boycholt, ind dar en 
ys dit jar nyn boyk ind nyn drifit. 

Item in. dem ampte van Werden enhevet myn 
herre nyn recht, swine int ekeren to driven. 

Item dat recht myn herre hevet toe Sarner ind 
Speldorper?) marke, dat is mit myns herren swinen 
bedreven, ind dar is mit namen LXIII swine, ind dar 
hevet toy dreven Strake 2, de Wingerder 1 ind Dider. 
Portener to Blankensten 2 swine. 

Item de Stipeler marke ind Elfferinchuser°) 
marke is myn herre en holtrichter ind enhevet dar nu 
drifft in gehat, des eymande denke. — 

Dusse vorserevenen punte hebt geseget bii eren eden 
und wilt dat ok wisen wii sey mit rechte solen Arnd van 
den Schepen, richter to Hattenegge*), Hense, vrone to 
Hatnegge ind Diderick op den Markte, richter to Werden. 
Dar over weren her Herman van der Reke 5), her Wene- 


1) Holthaufen, Amt Hattingen, öftlih von Hattingen, gehörte zum 
Kirchipiel Linden. v. Steinen 1. c. II ©. 1156. | 

2) Die Sarner und Speldorfer Mark ift ein Theil des großen 
Forftes zwifchen Rhein, Ruhr und Düffel, welchen Heinrich IV. 1065 an 
den Bifchof Adalbert von Bremen verſchenkte. Lacomblet, Urk.B. I 205. 
S. Beiträge zur Geld. Dortmunds X ©. 8. 

3) Stiepel, Amt Blanfenftein. Auf einer Karte der Grafſchaft Mark, 
Zeichnung von 1775 (Dortm. Arc). C? Al) ift die „Stuter oder Elffering- 
haufer Bauerſchaft“ zwiſchen Sprockhövel, Blankenſtein, Hattingen ein- 
gezeichnet. Heute ift Ober— und Nieder-Elfringhaufen, Amt Hattingen, 
von Ober: und Niederftuter getrennt. v. Steinen, Weftf. Gef. 3 ©. 1156, 
führt die Stuter oder Stoter Bauerſchaft beim Kirchipiel Linden auf. . 

4) Arnd van den Schepen, als Richter zu Bochum, 1382, 1386. 
Dortm. U.B. 2 Nr. 185, 173, 550, 708, 874. — 

5) Hermann von der Reke, Gaugraf zu Hamm, 1394, 1400. Dortm. 
11.-8. 2. 379, 1040; ebd. 3. 48. 8 


— 1037 — 


mar Duker, rittere!), Floriken toe Blankensten, Hinrich 
van Ludensched, rentemester?) ind Rotger Borbeke e. c. 


In dem ampte van dem Hamme. 


Tom eirsten braghte Lambert op dem Hove tom Hame®) 
dey tymmerlude, dey to Haken huse getymmert hebt, und 
dey beheilden dar lifflichen over den hilgen mit opgerichte- 
den vingeren ind mit gestafden eden, dat sey to samen 
getymmert hadden tom huse IcXXXI dage, gelich dat 
Lambert myme herren gerekent hadde, also dat Lambert 
dar bescheidelichen van gerekent hadde; hir sat Hake over 
und an ind hoirde dit. 

Item so Hake gesaght hadde, dat dey tymmerlude 

tom Hamme em gesaght hedden, dat Lambert dem smede 
nicht dan IX sol. gegeven hedde vor IX® negele tom huse, 
so beheilt de smet over den hilgen, dat em Lambert ge- 
geven hedde vor smedewerk tom huse XVI sol. ind IX 
den., gelich dat Lambert gerekent hadde; hir sat ok Hake 
over und an und horde dat. 
Ä Item, des gelix beheilden over den hilgen liflich de 
lemendeckere, dat en Lambert gegeven hedde, gelich 
Lambert gerekent hedde, dat sey ok vordeint hedden; dar 
Hake ok over was ind sagh ind horde dat. 

Item, so Hake gesaght hadde over Arnde den richter 
tom Hamme, dat hey gerichte gedan hedde den borgeren 
van dem Hamme over myns herre egene lude, soe wart 
des Arnd unschuldich mit opgerichteden vingeren ind ge- 
stafden eden over den hilgen, dat hey nyn gerichte over 
sey gedan enhedde, mer um des besten willen vorbodede 


1) MWenemar Dufer, märfifcher Ritter, 1377, 1586, 1388, 1389, 18591, 
1393, 1400. Dortm. U.-8. 2. 81, 217, 225, 262, 263b, 316, 548, 550. 
Wenemar in Stipel begütert 1386—1389. Dortm. U.-8. 2. 169, 550. 

2) Heinrich von Lüdenfcheid, NRentmeifter, ca. 1393, 1409. Dortm. 
U.⸗B. 2. 781; ebd. 3. 99, 414. 

3) Lambert op dem Hove, Richter zu Hamm, 1408, 1409. Da 
U.-8. 3. 383, 399. 

113 


— 164 — 


hey sey vor gerichte um vorgetught willen, dat men en 
mer tey, dan sey schuldich weren, und dat sey dat gelt 
inne beheilden, dar hey en toy halp, ind hebt dat nogh 
inne; und hir sat Hake ok over. 

Item de richtere van Camen borde to sunte Walburge 
dage viff mark van attinge toy hern Hermans behoiff van 
Witten!), want hey do tor tiit borde noghtant alle rente 
ind gulde in sinen ampten, ind dey nicht vorboden enweren, 
ind nu myn herre dey hebn wil, und her Herman dey nicht 
rekenen ensal, so wil hey myme herren dey gerne richten. 


Itemvan ekeren indemampte vandemHamme. 


Primo hevet myn herre dar en holt, geheiten des 
Wrigensundern to Heringe?), dar enwas so vele 
ekerens nicht, dat myns herren swine de in dem ampte 
vamme Hamme vallet, genoigh hedden. Des kofite Lambert 
aff den herren van Dutse den Pelkemer Sundern?) 
vor 4 swar gulden, mer sey beschedden dar mede in, dat 
sey dar inne behalden wolden 20 swine ekerens, dar hebt 
sey dar in gedreven. Vart so hevet myn herre in ge- 
dreven IcXX swine, und nicht mer swine enhadde myn 
herre in dem ampte van dem Hamme. Vart so hevet 
darin vordain de vorscerevene Lambert, dat men de heirde 
mede londe, in de IIII guldene dar ane nam, dey hey 
gaff den herren van Dutse XX swine, want dar so vele 


1) Hermann von Witten, märkiſcher Amtmann und Öaugraf zu Unna, 
1389, 1394, 1400. Dortm. U.-8. 2. 217, 379, 650, 820, 827, 1044, 1046. 

2) Herringen, KreiS Hamm, Amt Pelkum. 

3) Pelkum, Kreis Hamm. Die Abtei Deus hatte 1032 Auguft 18 
von dem Erzbifchof Pilgrim von Köln die Kirchen in Herringen und Unna 
erhalten. Lacomblet, U.-B. 1©.167. Der Erzbiſchof Heribert von Köln 
hatte derfelben Abtei 1003 Febr. 16 den mitteljt Prefarie ſeines Gutes 
zu Pelkum erworbenen Hof Rhade gefhentt. Lacomblet, ebd. 1 ©. 14l. 
Woher der „Wrigenfundern“ und „Pelfumerfundern” rühren, ift urfund- 
lich nicht nachzumeifen, doch grenzt Herringen an den Reichshof Stockum. 
©. Beiträge X ©. 57 ff. 


— 15 — 


ekerens wol was. Vart hevet de schulte van Heringen 
dar in gedreven II van sins hoves wegene, ind de heirde, 
de de hot, vor lon III swine; item de holtvorste, als 
wontlich is alle wege, II swine, so dat dar to samen inne 
gat Ic ind LXVIII swine, ind nicht mer, ind dey dar wol 
vet inne werden solen. 


In dem ampte von Camen. 


Primo in dem Bodinchsundern!), dar hevet myn 
herre inne XVII swine ind enen beer. Item de schulte 
van Bodinch!) vor sin recht X swine, und sin recht 
was mer. Item Vyfunden, de wont op myns herren hove 
to Camen, 3 swine, ind nicht mer swine enhadde myn 
here dar, de men dar in dryven moghte, also dat de 
richtere van Camen um des besten willen vordan hevet 
um gelt toy myns herren behoiff XVII swine, vor itlich 
swin 3 sol., dit hevet de richter van Camen liflich over 
den hilgen behalden mit opgerichteden vingeren ind ge- 
stafden eden, dar Hake over was. 

Item in der Berkamener?) und Lerker?°) marke, 
dar hevet myn here dat recht toy XLIIII swinen, ind dey 
sint.dar in gedreven. 

Item over alle dussen vorscrevenen punten van dem 
Hamme ind Camen hevet over ind an gewesen her 
Hermann van der Reke‘*), her Hermann van Witten?), 
rittere, Johan Stecke®), Lubbert van dem Narthove, 


ı) Bodinchſundern, das Sundern des Schulte Böing. Schulte Böing 
fiegt 3 km öftlih von Kamen an der Sefefe im Amte Belfum, eine 
Waldung im Djten davon „im Toſchlage“ gehört zum Hofe; fie wird mit 
dem „Sundern“ identifch fein. 

2) Bergfamen, Amt Pelkum, nördlich von Kamen. 

2) Lerche, Amt Pelkum, zwilchen Kamen und Pelkum. 

4) Siehe S. 162 Anm. 5. 

5) Siehe S. 164 Anm. 1. 

6) Johann Stede, Schwager des Johann Sobbe, genannt 1395, 1400. 
Dortm. U.-8. 2. 940, 1042. Droft zu Wetter 1409, Dortm. U.-3. 3. 
402, 414. 


— 166 — 


Hinrik van Ludenschede, rentemester !), Rotger Bortbeke, 
Hake van der Marke), Johans Pilhake, richter tot Unna, 
Diderich Volenspet, ind vart de dit behalt gedan hebt 
ind vele mer anderer guder lude, de dat segen ind horden. 

Item so Hake gesaght hadde, dat her Herman van 
Witten de molen to Bodinch uith gedan hedde vor vyfi 
mark, de wilne dede X mark, so plagh de hoff to Bodinch 
woyste to liggen und lagh lange woyste und do dede de 
mole X mark, und dar enbaer myn herre umme dat karen, 
dat de hoff dede, ind wol XVII voyder hoyes; nu is de 
hoff besat, also dat myme herren dar van wert bii X malter 
karens und by XVII voyder hoies ind vift mark; und hir 
vormals, do de hoff besat was, do endede de mole nicht 
dan IIIL®) mark, also dat de mole nu XVIII sol. verhoget 
is, de her Herman vorhoget hevet. 

Item in dem ampte van Lon%), in dem Kelner 
Ampte?) und in dem ampte van Ludenschede®) dar 
hevet myn here vele welde ind rechtes ”), mer dar en yS 
nyn ekeren, und dat hevet Bernt Ovelacker®) besein und 
wil dar vart gut vor wesen, dat Botger Bortbeke wol 
horde, dat dat also sii, uit geseget XII swine ekerens, 
de Bernt hevet uithgedan um gelt toy myns herren 


1) Siehe ©. 163 Anm. 1. 

2) Hafe von der Marke, genannt in einem Klagebriefe der Stadt 
Dortmund 1393/1394, Dortm. U.-8. 2. 822. Als Lambert Hafe wohl 
1391. Dortm. U.-8. 2. 262. 

3) — 31/2 Marl. 

9 Sferlohn. 

5) Das Kelleramt bei Altena beitand aus dem Kalthof und Höfen 
in den Kirchipielen Werdohl und Wiblingwerde. v. Steinen, Weſtf. Geld. 
3 ©. 1187. 

8) Lüdenscheid. 

7) v. Steinen, Wet. Geſch. 2 ©. 171 ff., bringt ein Verzeihniß von 
1437 Sept. 23, welches die Wildbahnen und Marfengerechtigfeiten der 
Grafen von der Mark in der Vefte Lüdenfcheid und in angrenzenden Bezirfen 
enthält; in demjelben find 23 Marken und Sundern aufgeführt. 

8) Bernd Dpvelader, Vater und Sohn, genannt 1425. Lacomblet, 
0.8. 4 ©. 171, 171 Anm. 1. 


— 167 — 


behoiff, want myn herre dar nyne swine enhadde in to 
drivene, ind in dem Suyderlande ind ampten vor- 
screven hevet myn herre XV marke, dar hey recht inne 
hevet, ind enen egenen Sunderen!) geheiten de Biller- 
walt, ind vart den Kalthoff!), und dit hevet Pater, 
myns herren holtvorste, liflich an den hilgen behalden. 


In dem ampte van Wettere?). 


Primo in der marke van Bodenberen?) dar en ys 
nyn dryfft ind nicht in geschart ind in gedreven, und wan 
dar ekeren is, so is myns herren recht dar in to dryvene 
XXX swine inde I beer, gelich de holtrichter und erfnoten 
hir na gescreven behalden hebt dar toy horende. 

‘Item in der Weniger*) marke, dar en ys nicht in 
geschart ind in gedreven, ind wan dar ekeren off boyk is, 
so is myns herren recht XXX swine ind I ber in to dri- 
vene, gelich de holtrichtere und erfnoten dat behalden 
hebt, hir na gescreven liflich over den hilgen, und ene bede. 

Item de Kalthoff5) is gans myns herren und dar 
en ys nyn ekeren, dar men dar in dryven moghte, gelich 
de richtere ind myns herren knechte, den dat bevolen is, 
liflich over den hilgen behalden hebt. 


2) Welches „Sunderen“ gemeint ift, ift nicht zu erfehen, vermuthlich 
das bei v. Steinen, Weftf. Geſch. 2 ©. 173, 1437 genannte „Sundern in 
dem Keripell von Deilinghofen is des Graven von der Marfe fin Erve”, 
da zur märfifhen Domäne „Kalthoff“, Amt Menden, nad) Wöfte: Iſerlohn 
und Umgegend 1871, ©. 91, die Inſaſſen von Hemer, Sundwig und 
Deilinghofen pflihtig waren. Ein „Sundern“ liegt hier ſüdlich von 
Menden. Den Namen „Billerwald” kann ich nicht nachweijen. 

2) Wetter an der Ruhr. 

4) Bodenberen -(Bodenborn)- Bommern, Kreis Hagen, Amt Bolmar- 
ftein. v. Steinen, Weſtf. Geſch. 2 S. 1521, erwähnt die Bommerner 
Markenkötter. 

4) Wengern, Kreis Hagen, Amt Volmarſtein. 

5) Gemeint iſt wohl der Raltenhof, Gemeinde Silſchede, Amt Volmar- 
ftein, bei dem das „Kalthöferholz“ liegt. 


— 168 — 


Item dey Halle!) und Volmesten?), dar hevet myn 
herre van dem hove to Hulsberge®) Ic und VI schare‘ 
dey drivet myn herre halff ind de schulte halff, wan dar 
ekeren is ‚ind der en ys nu nyn ekeren, ind en ys nicht 
in geschart ind ingedreven, gelich de marenoten dat över 
den hilgen behalden hebt, und myn herre hevet dar ene 
bede. 

Item in dem Hegerswalde*®) in dem Hoenwalde*) 
dar is myns herren recht van des hoves wegene to 
Hagen’) XII swine und 1 beer, ind dar en ysnyn boyk, 
ind is al boicholt, ind wan dar boyk is, so hevet myn 
here dar inne ene Dede off sin amptman van siner wegene, 
dar na dat dan dar boyk is und na dat van alders wonde 
is gewesen, gelich de marcnoten over den hilgen behalden 
hebt. 


REN de Sunderloe*) to Hagen, dey tom Hoenwalde 


Y Auf der Halle, Wald bei dem Gute „In der Halle“, bei Vorhalle, 
Amt Boele-Hagen. 

?) Volmarſtein, Kreis Hagen. 

?) Ober- und Nieder-Hülsberg, Gemeinde VBorhalle bei — der Halle. 

*) Die Lage dieſer zum Hofe Hagen gehörigen Waldungen ergiebt 
ih aus Folgendem: Das „Sunderloh", welches als zum „Hoenwalde“ ge- 
hörig bezeichnet wird, zu Küdelhaufen, zwifchen Hagen und Haspe gehörig 
(d. Steinen, Weitf. Geſch. 1 S. 1262), ift das Thal, das fih von der 
Waldluft zur Hefterhardt Hinaufzieht. Daher muß der „Hoenwald“ die 
Hefterhardt umfaffen, vielleicht erſtreckte er ſich bis Süden nach Börde bin, 
wo der Wald noch „auf der Höhewahl“ heißt; der „Hegerwald“ kann viel- 
leicht mit dem „Gehäge“ identiſch fein, welches nad) v. Steinen, Weftf. 
Geſch. 1 ©. 1224, viele Hirfche enthielt. Die Gemeinde „Waldbauer“ mit 
2222 ha wird wohl den größten Theil diefes Waldes ausmachen. Die 
„Waldbauerſchaft“ ift 1741 von der Gemeinde Hagen feparirt (v. Steinen, 
Weſtf. Geſch. 1 ©. 1398 ff.); in derſelben Liegt Hegde (= Gehegde). Im 
Süden liegt der Hof Schöplenberg, der bereit im 11. Jahrhundert zu 
Werden gehörte. Weber denjelben Schöpplenberg: Die Familie Schoepplen- 
berg 1870 (v. Steinen, Weftf. Geſch. 1 S. 1399); ſüdlich anne die 
„Königsheide”. 

5) Hagen war 1392 Mai 1 von dem Erzbifchof Friedrich III. von 
Köln an den Grafen Adolf von Cleve verpfändet worden. Zacomblet, 
U.-8. 3 Nr. 968 Anm. 1. 


— 


hort, wan in dem Hoenwalde nyn boik en ys, und in dem 
Sunderlo ekeren is, so dryvet myn herre de vorscrevenen 
XII swine ind 1 beer dar in, und hevet dar alsdan ok 
ene bede inne, na deme dar dan ekeren is, und dar en 
ys nicht in geschart ind in gedreven, want dar nyn ekeren 
nogh boyk en ys, gelich de marchnoten dat over den hil- 
gen behalden hebt. 

Item de Boylermarke!), dar hevet myn herre recht 
inne do dryvene XII swine ind I ber, ind de sint dar nu 
in gedreven. 

Item in der Berchemer mark?) hevet myn here 
recht in to dryven VI swine und 1 ber, und des bers en- 
kennet die marchnoten myme heren nicht, ind en wilt 
der dar nicht inne hebn; ind dat is bedreven mit den 
VI swinen. 

Item Eppenhuser marke?°), dar hevet myn here 
in to dryvene XII swine ind I ber van des hoves wegene 
to Hagen, in dar en ys nyn drifft ind nicht in geschart, 
und dar hevet myn here ok ene huldelike bede inne, 
als dar ekeren is, als de marchnoten over den hilgen be- 
halden hebt. 

Item dey Koyweide*), dar enhevet myn here nyn 
recht inne, dan enen richter dar in to settene, wan sey 
dar um biddet, und dat is al boicholt, ind wan dar boyk 


1) Boele, Amt Boele-Hagen, an der Straße Hagen-Wejthofen gelegen. 
Eine Karte der Graffchaft Marf von 1775 (Dortm. Ar. Nr. C? 42) ver- 
zeichnet an diefer Straße den Namen „Helweg“. Der „Kampmanshof“, 
auch genannt „uff dem Kampe“, gelegen im Kirchſpiel Boele „unter dem 
Hellwege“, welcher 1547, 1584, 1601, 1633 als Gemwinngut von den Herren 
von Siburg ausgethan wurde, hatte Maftgerechtigfeit in der „Boeler 
Mark" und in dem „Hoenwalde“ und zwar „60 schare in der Boler- 
marck, 120 schar im hewwald“, der auch „Hegerwald“ genannt wird. 
Sethe, Leibgewinnsgüter, Anhang S. 65— 75. 

2) Berhum, Kreis Sferlohn, am rechten Lenne-Ufer gelegen. 

3) Eppenhaufen, Amt Boele-Hagen, öftlich von Hagen, zwifchen Volme 
und Lenne gelegen. 

9 Wo die Kuhmeide zu juchen ift, ergiebt der Tert nicht. 


= U 


is, so hevet myn herre dar ene huldeliche bede gelich de 
erfnoten over den hilgen behalden hebt. 

Item de hoff to Geirdern?!), wan der eckeren is, 
so is de drifft myns heren halff ind der lude halff, tot 
den hoven horende, und dar hevet myn herre sin recht 
nu bedreven myt namen XV swine. 

Item dey Rikes hove to Westhoven?), dat be- 
dryvet myn herre halff, wan dar drifft is, ind wart dar 
vart to unrade op gheit, dat moyt myn here halff stan 
und de marchnoten halff, dat is nu bedreven und dar 
hevet myn herre inne XXVIII swine, ind enhadde dar 
nyn swine mer in to drivene, de sin weren, ind dat recht 
myn herre dar hadde boven de XXVIII swine, is vordan 
um gelt to myns herren behoiff, als mit namen XXXVI 
swine ekerens, ind in dem vorserevenen holte sint gedreven 
VIII stige swine, der drepet sich an mynem herren LXI 
swine, ind an de marchnoten LXII. 

Item VI gesworen scherren XII swine, als er recht 
is, und II swine van der scharbilen. Item van twen koven, 
dar de swine inne liggen, IIII swine, item II swene nach 
seven II swine. 

Item de riehter van Westhoven van gewonde ind nyn 
recht, ind op genade IIII swine; ind de vrone des gelix 
IIII swine. Item de schutter van den swinen II, gelich 
ok wonde is. Item de pastor II, der geit mynem herren 
I swin an, ind den marchnoten 1 an. Item hebt de 
marchnoten ind scherre dar op vortert, do sey de swine 
dar in schoyren, als wontlich is, VI swine ekerens, dat 
ee mynen herren halff an op genade, und dit hebt 


1) Gedern, Amt Wetter, Landkreis Hagen, auf dem rechten Ruhrufer 
gelegen. Die Gederner Mark bildet einen Theil des Waldkomplexes nörd⸗ 
lich von der Ruhr, aus dem die Reichsmark ausgeſchieden — S. Bei⸗ 
träge 10 S. 10, 80. 

2) Der Reichshof zu Weſthofen mit der dazu gehörigen Reichsmark 
war ſeit der Verpfändung von 1298 Febr. 4 im Beſitze der Grafen von 
der Marf. Beiträge X ©. 123. 


— 11 — 


de marchgenoten, richter und scherre over den hilgen be- 
halden lifflichen van Westhoven. 

Item de Grymmeldesbergh') in dem ampte van 
Swelme is de drifft myns herren halff, wan dar ekeren 
is, ind dar en ys nyn drifft und nicht in geschert. 

Item de Merenbergh?) is myns herren de derde 
del ind dar en ys nyn drifft nogh ok ekeren ind nicht in 
geschert. 

Item in der Barmen?) sind besunder bussche, de 
sint myns herren ind dar en ys nu nyn ekeren, und wan 
dar ekeren is, so moyten de lude dar ymlank myme herren 
dat aff kopen. 

Item im Linderhuser marke*) hevet myn herre 
recht in to dryvene ener hoyve recht, wan dar ekeren is, 
ind dar en ys nu nyn ekeren. 

Item den Sunderen tom Koten?), wan dar ekeren 
is, so is myns herrens de drifft halff ind dar en ys nu 
nyn ekeren. 

Ind alle dusse vorserevenen punte, so dey van dem 
ampte van Wettere gescreven stat, hebt dey richtere und 
marchnoten und holtvorsten liflichen over den hilgen be- 
halden; dar over und ane saten her Herman van der 
Reke), Johan Stecke”), Bernd Ovelacker?), Herman ind 


1) Grimmelsberg im Kirchfpiele Milspe bei Delfinghaufen, Kreis 
- Schwelm. 

2) Nicht nachzuweiſen. 

3) Barmen. 

4) Linderhaufen, Kreis Schwelm, Amt Haplinghaufen, die Mark 
Tchließt fih an Barmen an. 

5) In Haßlinghauſen, nördlich von Linderhaufen liegt ein „Sondern“ 
und ein „Sundern“, öftlich davon „Kottenhof”. 

6) Siehe S. 162 Anm. 5. 

7) Johann Stecke genannt (1395) Dortm. U.-®. 2. 940, 1400; 
ebd. 2. 1042. 


8) Bernd Dvelader 1418 genannt Lacomblet, 1.8.4. 171 Anm 1, 
Bernd, Vater und Sohn, 1425, ebd. 4. 171. 


u 


Wenemar van Witten!), Lambert Hake?), Gosswin van 
Aldinchoven®), Hinrich van Ludenschede, rentemester ®), 
ind Rotger Borbeke ind mer guder lude genoigh, e. c. 


Item in dem ampte van Hoirde. 


Primo de Oestmarke?°) hevet LXII loet, der sint 
myns herren XX loet®) van des hoves wegene to Brakel, 
ind de XX loet bedrivet myn herre halff, ind de schulte 
op dem hoive wont, halff, ind dar hevet myn herre dit 
jar op gedreven XXX swine, ind de schulte XXX swine, 
want men op itlich loet drivet III swine. 

Item de Buschey hevet LXXX loet, der hoiret VII 
loet tom hove to Brakel, ind de bedrivet de schulte van 
Brakel. 

Item de Westmarke hevet L loet, der horet VII 
loet to myme heren van des hoves wegene to Brakel, de 
bedrivet de schulte op dem hove. 

Item de Konyngesunderen is myns heren allene, 
ind dar en ys nyn drifft ind nyn ekeren, und dar is en 
ander holt bii, dar hebt de lude myme herren in gegheven 
IIII swine ekerens dar um, off er swine welich lope in 
den Sunderen, dat men der nicht enschuttede, want dar 
nyn ekeren is. Ind dit hebt de schulten ind marchnoten 
dar van lifflichen over den hilgen gesworen e. c. 

Item in der Andomer marke’), wan dar ekeren 


1) Hermann von Witten, vgl. S. 164 Anm. 1. 

2) Lambert Hafe, Burgmann van der Marfe, 1384, 1386, 1389, 1391, 
Dortm. U.-8. 2. 157, 167a, 225, 262. 

3) Goswin Aldinghof 1410. Dortm. U.B. 3. 457. 

4) Bol. ©. 163 Anm. 2. 

5) Das Dftholz bei Brakel. Die Lage des Dftholzes, Bufchei, Königs— 
fundern und Weftholz ergiebt die Kartenffizze2 in Beitr. 3. Geſch. Dortm. X. 

6) loet = Looſe, in den Brafeler Holzregiftern des 18. Jahrhunderts 
ift die Bezeichnung — Gabe. Daß diejelbe mit „loet“ identisch ijt, zeigt 
die Zahl des Hofes zu Brakel, der in dem Dftholz mit 20, dem Bufchei 
und dem Weftholze mit je 7 Gaben beredtigt ift. 

7) Die Mark von Annen im Kreife Hörde. 


is, so hevet myn herre dar inne XXX swine ind enen ber, 
und dar en ys nu tor tit, so to wis nyn ekeren, dogh so 
solen sey myme herren geven I swaren gulden vor sin 
recht, want er endels swine dar in lopet ind gedreven 
sint, ind de marchnoten hebt liflich over den hilgen be- 
halden, dat myns heren recht dit jar nicht beter enwere 
na erem besten synne sunder argelist, als mit namen 
Lenehoff!), de richtere, ind de marchnoten dar toy 
horende. 

Item in der Eykelinchover marke?), wan dar 
ekeren is, hevet myn here ok XXX swine ind I ber, dar 
hevet myn herre inne XI swine ind nicht mer enkunde 
dat gedregen, also dat de richter und marchnoten over 
den hilgen behalden hebt. 

Hir hevet over und ane gewesen an disen vorscrevenen 
punte her Herman van der Reke, ritter, Johan Stecke?), 
Bernd Ovelacker*), Hake°) ind Hinrich, rentemester ®), 
und Rotger Bortbeke ind mer lude genoigh, dat dise ede 
ind behalde op alle punte van dem ampte van Hoirde 
gedan worden, und ok over ind ane weren Johan Ovel- 
acker”), twe broyder van Witten®) ind Goswin Holtey’°). 


1) Wohl der 1410 genannte Hörder Richter Dietrich Lenhof. Dortm. 
N.-B. 3. 442. 

2) Eihlinghofen, Kreis Hörde, Amt Barop. 

3) Siehe ©. 162 Anm. 5 und ©. 165 Anm. 6. 

4) Siehe S. 166 Anm. 1. 

5) Siehe S. 166 Anm. 2. 

8) Heinrich von Lüdenſcheid ſ. ©. 163 Anm. 2. 

?) Ein Johann Dvelader genannt als märkifcher Ritter 1390, 1391, 
1395. Dortm. U.-8. 2. 237, 267, 755, 893, 922. 

8) Meber die Witten Perfonenverzeichniß im Dortm. U.B. 2. 812. 
Zwei Brüder, Rotger und Hermann, um 1400 genannt; Dortm. 1.8. 
2. 1027. 

9) Ein Goswin Holtei genannt 1387, als märfifcher Beamter 1391, 
1393, 1410. Dortm. U.-8. 2. 187, 262 (vgl. 295, ©. 328), 298; ebd. 
3. 442. 


— 174 — 


In dem ampte van Unna. 


Primo de hoff to Curler!), dar is myns herren de 
derde del ind des schulten de derdedel, als de schult dat 
wisen wil mit der alden kuntschop ind den amptluden, 
de em den gedan hebt, ind hevet dat ok liflich over den 
hilgen behalden, und wolde men em des nicht geloven, 
so wolde hey dat wisen mit der kuntschop ind amptluden, 
gelich vorsereven is, ind myn herre hevet dar in gedreven 
LVII swine, der is II storven, ind der schulte vor sin 
derdedel XXVII swine, item de richter van Unna II, item 
Detmar van Altena?) VI, de em vordan sint um gelt 
want myn herre, dar nyn Swine mer hadde in to dryvene, 
de richter van Camen®) II. Item IIII vronen IIII, de 
riehter van Lunen*) II, item Ribbert Hake°), de myns 
heren gulde bort in dem ampte van Unna II, de sint dar 
in georlovet van Haken ind des rentemesters wegene, item 
II heirde II swine, item I monik I swin op des schulten 
recht. Item op den dagh, do Hake de swine dor talde, 
do waren dem schulten entlopen sine vaselverkene, de hey 
op dem hove hadde uth sine kampe int ekeren, mit namen 
XXVII verkene, ind dey enwaren dar to voren nu inne 
ind enhebt dar nu ok inne gewesen sint ter tiit, ind dise 
vorserevenen punte hevet de schulte, de myme hern toy 
hort, liflich over den hilgen behalden mit opgerichteden 
vingeren und gestaveden eden over den hilgen behalden. 
Dar over weren Lambert Hake, Hinrich van Ludenschede, 
rentemester, her Godert de Monik ind Rotger Bortbeke. 


1) Courl, Kreis Dortmund, Amt Bradel; über Belehnung des Hauſes 
Courl durch Herzog Johann III von Cleve-Mark (1521—1539) an Diet- 
rich von der Mark bringt v. Steinen, Weftf. Geſch. 4 ©. 876, eine 
Nachricht. 

2) Detmar von Altena gegen 1400, Dortm. U.-B. 3. 69. 

3) Camen, Kreis Hamm. 

4) Lünen, Kreis Lüdinghaufen. 

5) Ribbert von Hafe, Richter zu Unna, 1400. Dortm. U.B. 2 
©. 1039. 


— 175 — 


2. Flächenmaße am Hellwege. 


In Dortmund, Brakel, Unna, Hörde und auch in weiterer 
Umgebung wird im Mittelalter und jpäterhin das Landmaaß 
oft al3 „Dortmunder mate“ angegeben. Die Fläde, auf 
der ein Maltere auszufäen war, heißt maltersat, maltere, 
jugerum, aud) jurnale. Diejer legte Name rührt von der 
Tagesarbeit eines Gefpannes her; jugerum, maltersat, Morgen 
find identifh. Der Malter hat 4 Scheffel, die Malterjaat 
4 Scheffelfaat, Schepeldefe, Scheppelde. In dieſen Maaßen 
find faft alle Angaben über Größe des Aderlandes gehalten, 
felten begegnet ein kleineres Maaß, muddesse — !/ı Scheffel, 
ein einziges Mal „7 bekerzede‘. Nur bei Wieſen iſt auch 
noch die Rede von roden — Ruthen?), ohne daß fich ein Anhalt 
für das BVerhältniß dieſer Nuthen zu Flächenmaaßen ergäbe. 

Sonft begnügen fich die Urkunden faft nur mit Angaben 
von Morgen, ganzer und halber Scheffelfaat. Da wir aus 
dem Sahre 1393 eine Fluraufnahme von Dortmund haben ?), 
von der die Aufnahme der Burgbauerjchaft ganz, die der 
beiden andern Bauerfchaften wenigſtens theilweife erhalten find, 
fo müßten in derjelben Fleinere Maaße als !/a Scheffeljaat des 
Defteren erfcheinen, wenn diefe Maaßbezeichnung üblich geweſen 
wäre, das Gegentheil iſt inveffen der Fall. 

Nun zeigt aber diefe Fluraufnahme mehrmals die Be- 
zeichnung einen „Eleinen Morgen”, deſſen Größe aljo von der 
eines gewöhnlihen Morgens abwich. 

Da derjelbe Morgen zweimal, nämlich in einer Verkaufs— 
urfunde von 1392 und in der Aufnahme von 1393*) als 
feiner oder luttik Morgen bezeichnet wird, alfo die Bezeichnung 
eine fetitehende ift, jcheint fich zu ergeben, daß fchon bei der 
Ausfeßung dieſer Art Morgen —— als „kleine“ gekenn— 


1) Rübel, Dortmunder Finanz⸗ und Steuerweſen, ©. 294. 

2) Ebd. ©. 263: „Vort an höewasse in dem Banemak 6 roden.“ 

8) Gedruckt, ws ©. 209—297. Dazu neu aufgeluupene ungedruckte 
Aufnahmen. 

9 Dortm. U. 8. 2. 830. ER und Steuerwefen, ©. 275 Anm. 1 


— 116 — 


zeichnet waren. Hinzu fommt die befondere Lage diejer „Eleinen 
Morgen“. Sie liegen nämlich jeder für fih, alfo im „Ge— 
menge“, ferner gehören drei dieſer Morgen zu Königshufen. 
Kun iſt die Zahl der Königshufen, deren Ländereien wir 
fennen, ſchon an und für ſich eine beſchränkte. Der Schluß 
läge alſo nahe, daß dieſe „Eleinen Morgen“ eben bei der Ab- 
meffung der Antheile der Königshufen in den einzelnen Ge- 
mwannen den Königshufen zugemefjen wurden, daß die Morgen- 
zahl der einzelnen Königshufen zwar gleich war, daß aber bei 
Abmeffung der einzelnen Gewanne die Zahl der zu berüd- 
fichtigenden Königshufen fih nicht genau mit dem Morgen- 
maaße dedte, daß jomit „Eleine Morgen” neben gewöhnlichen 
Morgen ausgejchieden wurden, wobei der Ausgleih in nicht 
befannter Weije bewirkt wurde. Eine ſolche ungleiche Ber- 
theilung in Bezug auf Größe der Morgen ift von Georg 
Hanjen auch anderweitig feitgeitelt und in jeinen Agrar— 
biftorifchen Unterfuhungen 2. ©. 264 in ausführlicher Weife 
gejchildert worden; auch iſt die Entjtehung diejer jogenannten 
Lagemorgen von ihm motivirt worden‘). Nun fannten die 


!) Hanjen, Agrarhiftorifche Unterfuhungen I ©. 267, fnüpft feine 
Unterfuchungen mwejentlih an die Aufnahmen von Willich in der Umgegend 
von Göttingen an. Ich will Schon in diefem Zufammenhange wenigftens 
darauf hinweiſen, daß fih auch für Göttingen und Umgegend ein Ein- 
greifen der Farolingifchen Berwaltung mindeftens vermuthen läßt. Die 
föniglihe Pfalz Grone, zu der der „Königsſtieg“ bei Göttingen hinführte, 
mit dem Dorfe Burggrone, zeigt dies (vgl. Hanf. Geſchbl., Jahrg. 1878, 
©. 5). Hanfen jagt über die „Lagemorgen” 1 ©. 267: „Es muß in dem 
Griff des Lagemorgend auch eine Art von initinktiver Werthſchätzung unter 
Berüdfichtigung der verfchiedeniten, oft einander entgegengejetten und ung 
nicht mehr erkennbaren, auch wohl für unfere Kulturzuftände nicht mehr 
gültigen Momente gelegen haben. Dieſe Werthſchätzung wird ſchon früh 
von den Feldinterefjenten felbft vorgenommen fein” u. |. w. Die „Lage— 
morgen”, die Hanſen feitftellt, „find felten größer als der Calenberger 
Morgen, = 120 Ruthen, meiftens niedriger = 117, 105, 95 Ruthen und 
in einigen Lagen, ſoweit ich notirt habe, bis zu 57 Ruthen herab bemefjen": 
alfo eine Differenz in der Fläche wie 1:2” ergiebt fi) für Göttingen und 
Umgegend. Ob die von Hanfen gebrachte Erklärung, es babe eine „Werth- 
ſchätzung“ der Morgen vorgelegen, richtig ift, muß bezweifelt werden. 


u  - 


Urkunden nur an den oben genannten fünf Stellen folde 
„Keine Morgen“. Die Frage entfteht fomit, ob in allen 
andern Fällen das „Dortmunder Maaß” ein fo feftitehendes war, 
daß die „Lagemorgen“ eine nur vereinzelte, hauptfächlich auf 
die Königshufen beſchränkte Einrichtung war oder ob die ver- 
Ihiedene Größe von „Eleinen“ und gewöhnlichen Morgen eine 
allgemein verbreitete Erjcheinung war, die nur bei den Königs— 
bufen bejonders hervorgehoben wird. Hinzu kommt, daß auch 
die Bezeichnung, der „große Morgen“ im Reichshofe Brakel fi 
findet, neben dem Ausdrude der „Eurze Morgen“ (Beiträge 2/3. 
©. 130). Der letztere Ausdrud braucht nicht auf das Flächen- 
maaß, jondern nur auf die befondere Geftaltung der Fläche 
bezogen zu werden. Ein Ausdrud jedoch, „eyn morgen, 
gheyten dey grote morgen“ ijt gar nicht anders zu erklären, 
als daß von vornherein bei Ausſetzung diefer Art Morgen, die— 
jelben als „große Morgen“ bezeichnet waren. E3 gilt aljo 
die Durhichnittsgröße der Dortmunder Morgen feitzuftellen, 
wie ſie fih nach den mittelalterlichen Urkunden ergiebt. 

Daß der damalige Morgen von dem heutigen erheblich ver- 
jchieden war, ergiebt fi) aus der Thatfache, daß eine halbe 
Königshufe von 15 Morgen Aderland bereits eine Wirthichafts- 
einheit bildete. Zur Feititellung der Größe des Dortmunder 
Morgens waren allerdings umfangreiche Rechnungen nöthig. 
Da die Rejultate vielfach mit heutigen Auffaffungen nicht in 
Uebereinitimmung find, laffen wir die Rechenschaft über die 
Berechnungsweiſe bier folgen: 

Das von dem Dortmunder Priefter Hildebrand Kaifer 
1364 begründete Hofpital: „Das neue Gaſthaus“, ſowie die 
jonftigen jpäter zur Armenverwaltung vereinigten, wohlthätigen 
Anftalten, wie das Heilige Geilt-Hofpital, die Elende, das 


Nah Meisten, Agrarweſen und Siedelungen I ©. 102 find die Flur 
oder Lagemorgen ganz überwiegend verbreitet: „Sn den Aemtern Hameln, 
Weningſen, Hannover, in den fchwarzburgifchen Unterherrfchaften und in 
den Landitrichen zwifchen Eisleben und Nordhaufen, ebenfo im Göttingi— 
ſchen und in den meiften Gegenden Kurheſſens.“ 

Beiträge zur Gejhichte Dortmunds. XI. 12 


NE 


Kinderhaus, ferner die Kirehenverwaltungen haben Höfe und 
Grundſtücke verfchiedenfter Art erworben. Hierbei find ver- 
ichiedentlih Aufnahmen erfolgt, die und die Möglichkeit ge- 
währen, die Landmaaße verjchiedener Sahrhunderte mit einander 
zu vergleichen. Zu den Liegenschaften des Gafthaufes gehörte 
der „Heffelinfshof in Brakel, der Müntelingshof ebenvort, das 
Gut Dverthun bei Lünen, der Papenhof in Holthaufen, Frielinf- 
haus zu Brechten, Nierhof zu Lindenhorft, Köfter zu Barop 
und andere. Weber diefe und andere Güter beftehen einzelne 
Aufnahmen, die dem 14., 15., 16., 17., jowie dem 18. und 
19. Jahrhundert angehören. Eine Anzahl der diefen Höfen 
gehörigen Ackerſtücke läßt fich identificiren, daraus lafjen ſich 
weitere Schlüſſe über die Größe der Scheffelſaat und des 
Morgens, wie ſie im Mittelalter gelten, machen. Ein Theil 
dieſer Aufnahmen befindet ſich in einem Manufcripte 32c, das 
erſt neuerdings aufgefunden iſt: Dyth ys dey inkommende 
korn renthe, landt hove unde penninck renthe des 
Gasthuses binnen Dortmunde, 4°, begonnen jind die Auf- 
nahmen 1544, Juni 9, jpätere Eintragungen folgen. - Die 
ersten Aufnahmen find gleich nach der erſten Anlage erfolgt, 
fo ift aufgenommen ©. 31: Dyth ys dat lant dat ynt 
gasthues hort, gelegen by Lunem: Overthun in Luehnen. 
Hier folgen nun Angaben von 24 einzelnen Ländereien mit 
Angabe der vorgenoten — Furchengenofjen. Die Summa ift: 
„14!/s morgen und 1'/ schepelsen an 24 stucken* 1 Gabe 
Holz im Bodenberge, eyn gebrockede, dat wandages ys mit 
erlen gewassen, ys was des jars 3 foder hoes, 2 koe 
grasses“. Die 14°/s Morgen beziehen fich alfo nur auf das 
Ackerland, ohne Größenangaben ift die „hofstede und holtwas“. 
©. 53 defjelben Buches fteht: Overthuns länderei gemessen: 
Ein kurzes Protokoll ergiebt, daß im Jahre 1610, 21. bi3 
93. September derſelbe Hof durch „einen geschwornen lant- 
messer, nemlich Meister Dionysium Gossum von Overen 
Castrop“ vermefjen wurde: „Die messroide is 16 voiss lanck 
"gewesen, 300 roden gehn auff einen morgen.“ 


— 1779 — 


Der Landmeſſer war alſo offenbar ein kleviſcher Beamter 
aus Oberkaſtorp. | 

Die Aufnahme ift nun von großer Wichtigkeit. Es laſſen 
fh nämlid die Ländereien faft durchweg identificiren. Zu: 
dem bat der Geometer die neu gefundenen Maabe in faft 
allen Fällen in folgender Form angegeben. 

4. Das stukke, welches fur ein scheppelsaadt gehalten 
in den Geist, der schulte in dem Roenbeke zu beiden 
seiten, gegen des schulten stucke hatt gehabt — 70 roden. 

5. Ebenjo find neben den alten Maaßen die neuen genannt 
in folgenden Fällen: 


Alte Angabe Neue Angabe Mithin 


Nr. in Sceffelfaat: in Ruthen: die Scheffelfaat: 
4 1 70 70 
5 3 332 110 2/3 
6 2 314 ?la 107 3/8 
7 11a 178 118 2/3 
8 2 187 3/4 93 Tg 
9 3 343 !/a 114 Ya 
11 6 532 Ya 88 3/a 
13 1 !/a 133 88 2/3 
14 4 318 ?/a 79 11/16 
15 6 423 70 !a 
19 1 1/a 185 3/4 124 1/6 
20 2 189 94 !le 
21 1 64 !/a 64 !/a 
23 1/g 41 !/a 83 
24 1a 122 1/a 81 !/a 
25 2 183 91 !/a 
26 1a 146 97 a 
27 1 76 76 
28 1/g 62 134 
29 1!/a 136 90 2/s 


Dazu kommen in Nr. 1, 2, 10, 12, 16—18 Ländereien, 
deren alte Größe nicht angegeben if. Der mefjende Geometer 
bat fait durchweg angegeben: „Das Stüd, welches für eine 
Scheffelfaat liegt“. Die Differenzen von 64a bis 134 für 
die Scheffelfaat ergeben jomit, daß von einem Normalmaaße 

e 12 * 


— 180 — 


hier nicht die Rede ſein kann. Sehr zu bemerken ift aber, 
daß diefes Gut nad) der eriten Aufnahme „14 !/e morgen 
und 1%/s scheffelse an 24 stucken“ hält. Die Größe — 
14°/s Morgen ift alfo faft genau das Normalmaaß der halben 
Königshufe. Da nun ein Zufammenhang diefer halben Hufe 
mit den Reichsbeſitzungen zweifellos befteht'), würde eine be- 
iondere Abhandlung dieſer halben Hufe gelten können. 

Diefe Maahdifferenzen, verglichen mit den von Hanſen 
für Göttingen feftgeftellten, ftellen ſich als ähnlich bedeutend 
heraus ?). 

Troßdem nun bei dem Gute Overthun durch geometrijche 
Meffung 1610 jo bedeutende Differenzen des Morgenmaaßes 
feftgeftellt waren, hat gleichwohl die Verwaltung des Hojpitals 
fpäterhin immer wieder bis in das 18. Jahrhundert unter 
Angabe der alten Bezeichnungen als „Morgen“ und „Scheffel- 
ſaat“ das Gut in Gewinn gegeben. Die Pächter nahmen aljo 
an der unzutreffenden Maaßangabe feinen Anftoß. Daß Diffe- 
renzen im Maaße wohl eine ganz allgemein bekannte Er- 
ſcheinung waren, zeigen weiterhin die gedrudten Formulare des 
Safthaufes aus dem 18. und Anfange des 19. Jahrhunderts: 
„Wir Proviſoren des Gafthaufes befennen hiermit, daß wir 
einen Morgen (oder ähnlich), jo wie derjelbe groß oder 
flein an Maaße dafelbft Lieget, in Pacht gethan.“ Die 
Berwaltung lehnte alſo damit jede Garantie für Die genaue 
Größe der Grundftüde ab, bezeichnete diefelben vielmehr als 
Lagemorgen. 

Die Frage alfo, wie groß find die Ländereien einer halben 
Hufe à 15 Morgen läßt fih auf Grund obiger Feititellung 
zunächft nur beantworten, indem wir Die Größe der Gefammt- 
Yändereien feftitellen. Die Gefammtländereien von Overthuns 
Gute, einſchließlich des Holzwuchſes auf dem Spedenkampe, 
die Hofſtelle, 2 Kuhweiden und eine mit „Stille“ gemein— 


1) Das „Overthungut“ iſt nämlich identiſch mit dem in Beiträge X 
©. 57 genannten. 
2) Bal. S. 176 Anm. 1. 


— 181 — 


Ihaftliche Wieje betrug nach der geometrifchen Vermeſſung 9897 
Ruthen, 3/e Viertel, ausfchlieglich der obigen, nicht als Saat- 
land verwandten Stüde, dagegen nur 6752 Ruthen, 2!/2 Viertel, 
der Morgen zu 300 Ruthen gerechnet, wie der Geometer e8 thut: 
23% Morgen, 2 Ruthen, 2'/2 Viertel. Die alten Angaben 
ergaben das Saatland — 147/s Morgen, während für die nicht 
bejäten Kämpe und Wiefen Maabe nicht angegeben find. Die 
Maaßruthe war nad) des Geometers Angabe „16 Fuß lang“. 

Unbeftimmt bleibt aber zunächſt noch die Größe der von 
dem kleviſchen Geometer 1610 benutzten Ruthe. Auch ift die 
Zahl von 300 Ruthen auf den Morgen, wie die weiteren Aus- 
führungen ergeben werden, mindefteng feine allgemein gebräuchliche 
geweſen, vielleicht nur für die gerade vorliegende Meffung an- 
genommen, wie der Zujab zeigt: „Oben wird gemeldet, daß 
der Landmefjer berichtet habe, e3 gehen 300 Ruthen auf einen 
Morgen”. Die folgenden IUnterfuhungen werden jedoch zeigen, 
daß als Meßruthe wohl die kölniſche — 4,60 Meter an- 
gewandt it. 

Weitere Unterfuhungen find aljo nöthig, um über die 
Landmaaße in das Klare zu fommen. Außer der 1393 vor- 
genommenen Gelbitangabe der Dortmunder Grundbefiter haben 
wir nur noch im Dortmunder Archiv eine Aufnahme der 
Gejammtfelomarf des Stadtgebietes von 1713 erhalten (Nr. 88 
des Archivs), wobei theilweife ältere Aufnahınen von 1680 
vorlagen, jowie eine „Commiſſariſche Aufnahme der Ländereien 
der Grafſchaftseingeſeſſenen vom Jahre 1758", Akten Nr. 28? 
und eine Vermeffung der Stadtflur von 1769—1773. 

Bei feiner der erften beiden Aufnahmen tritt die Mit- 
wirkung eines Geometers hervor. DBielmehr erfcheinen in den 
Protofollen Säbe wie: „Wir haben ung in die Ofterbauerfchaft 
verfüget und, wie folget, die Ländereien, jo viel al3 erfahren 
können, aufgenommen“. Auch die Aufnahme von 1758 erfolgte 
nur unter Anhörung der DrtSeingefeflenen, ohne Geometer. 
Die Maaße werden felten Eleiner als !/a Scheffelfaat, nie 
kleiner al3 Yı Scheffelfaat angegeben, was auf nur ungefähre 
Abſchätzung ſchließen läßt. 


— 182 — 


An Folge eines Rathsbeſchluſſes vom 8. Auguft 1713 
begaben ſich die Commiſſare der Burgbauerſchaft mit Heinrich 
Schmalfotte auf den „Königshof“ in Dortmund!). Das Protokoll 
lautet: „Derſelbe hat ung untergemelte Länderei im Konings— 
hofe angewiejen, wie folgt“; folgen 12 PBarzellen a. 1 Morg. 
3 She, IM, IM. 2 &h., 3 M, 3 Sd., 3 ©, 
2 Sch, 1 M., 1M., 2 Sch., 2 Sch., 2 Sch., 2 Sch., zu- 
ſammen — 14 Morgen, 31/e Scheffeljaat. 

Diefer „Königshof“, auf dem noch Heute, wenigſtens 
theilweiſe der Namen Königshof haftet, lag genau an der 
Stelle, an der er der Urkunde, die die älteſte Nachricht von 
Dortmunds Ackervertheilung enthält, zu Folge gelegen haben 
muß. Nach dieſer Urkunde?) von 1193, März 23, ſchenkte 
Kaifer Heinrid VI terram curie nostre Tremonie ad- 
jacentem, que vulgariter Kuningescamp nuncupatur (das, 
Land, welches bei der euria, alfo dem „Königshofe“ lag, welches 
gewöhnlich „Königskamp“ genannt wird) zum Bau des 
Katharinenkloſters. König Friedrich II. beſtätigte die Schenkung 
1218, Februar 202), jedoch mit der Maaßgabe, daß der Königs- 
hof nicht feiner debita pensio beraubt würde, fügte auch 
„liena quatuor hubarum in regio nemore“, die Holzrechte 
von 4 Hufen im königlichen Forfte hinzu. Dieſer Holz- oder 
Gabenrechte werden wir jpäter zu gedenken haben. Der Kamp, 
welcher dem Katharinenklofter geſ chenkt wurde, liegt nordweitlich 
vom Königshofe” *). Hier genügt hervorzuheben, 1. daß der 
„Königshof“ nach 1714 aus 14 Morgen 3"la Scheffelfaat, alſo 
aus 15 Morgen beftand, welche letztere Zahl und immer wieder 
als das Maaß einer halben „Königshufe” entgegen tritt; 
2. daß nach 1714 die Fluraufnahmen nicht nach genauen, 
geometrifchen Mefjungen, jondern lediglich nach Angaben der 
Befiger gemacht wurde; 3. daß endlich Dieje Angaben und 


1) Manuffript des Dortm. Archivs, Nr. 88. Aufnahme der Gejammt- 
feldmarf der Stadt Dortmund. ©. 68. 

2) Gedrudt Wilmans Philippi, Weftf. Kaiferurfunden. Nr. 2 ©. 249. 

3) Dortm. U.B. 1 ©. 60. 

4) Rübel, Dortmunder Finanz- und Steuermwefen. ©. 91. 


— 18 — 


Maaße identifh find mit den im 13. Jahrhundert uns ent- 
gegentretenden. 

Erjt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts laſſen fich 
für Dortmund genauere geometrische Aufnahmen Eonftatiren. Die 
ältejte geometrifche Aufnahme der Dortmunder Landflur, die fich 
hat auffinden lafjen, ftammt aus den Sahren 1768—1775 her!). 
Es iſt erfichtlich auch die erite allgemeine Meffung. Vorgenommen 
it fie durch den Geometer Prelle. Karten find angefertigt, 
aber nicht erhalten. Prelle hat den Morgen zu 250 Ruthen 
oder zu 4 Scheffeljaat gerechnet; die Scheffelfaat aljo = 
62!/s Ruthen. Welche Ruthe er verwandt hat, ijt aus dem 
Protokolle nicht erfihtihd. Doch ift es wohl fider, daß 
die fölnifche Nuthe verwandt wurde. Die Angaben Brelles 
haben nämlich dem Nachfolger, vom Stein, vorgelegen, welcher 
die Summirung vollzogen bat, alſo ficher diefelben Maaße wie 
fein Vorgänger verwandt hat. Die Summe Steins ergiebt 
für die gefammten Ländereien der Stadt, die Gartenjtüde ein- 
begriffen, 3025 Morgen 1 Sch. 5° Ruthen. Die nädjften 
Aufrtahmen, die erhalten find, diesmal mit Zeichnungen, find 
eben die Aufnahmen des Geometer vom Stein. Die Wambel- 
Brafeler Heide wurde nämlich 1792 getheilt. Den Theilungs- 
plan bat „Sohann Wilhelm vom Stein, churkölniſch privi- 
legirter Jülich- und Bergifcher und nun Landmefjer in Dort- 
mund“ unter Einzeichnung des Maaßſtabes entworfen. Derfelbe 
hat den Morgen ebenfalls zu 4 Scheffelfaat mit 250 Ruthen 
angejett. Die Vergleihung des eingezeichneten Maaßſtabes 
mit neuerem ergiebt nur ein annäherndes Refultat?). Doc ift 
die Verwendung der kölniſchen Ruthe wohl ficher. 

Ganz gefiherte Maaßverhältniffe laſſen fich durch die An- 
gaben der preußifchen Katafterbehörden gewinnen. Bei Anlage 
der Katafler im dritten Sahrzehnte des 19. Sahrundert3 wurde 
eingetragen: „Ein preußifcher Morgen — 120 Ruthen 191 Fuß, 


1) Dortm. Archiv 22b. 
2) Herr Steuerinfpector Haller hat genaue Berechnungen über dieſen 
Maaßſtab angeftellt. Die Verwendung der Fölnifchen Ruthe ift wohl ficher. 


— 14 — 


des Lofalmorgens. Ein Lokalmorgen — 2 Morgen 12 Ruthen 
67 Fuß, preuß.“ 

Der Dortmunder Lofalmorgen aus 250 Ruthen oder 
4 Scheffelfaat à 62'/s Ruthen beitehend, wurde aljo — 
52,90 Ar angefegt, wie die Rechnung ergiebt. Die Rechnung - 
ergiebt, daß bei der Ausmefjung des Dortmunder Morgens die 
kölniſche Ruthe — rund 4.60 Meter zu Grunde gelegt jein 
muß. Hiermit haben wir für den Dortmunder Morgen gegen 
Ende des 18. Sahrhundert3 ein Maaß — 52.0 Ar. 

Die Verwendung der kölniſchen Ruthe — 4.60 Meter 
als Maaßruthe läßt fi aber auch bei einer weiteren Ver— 
meffung ficher beweifen. Dieſe Vermeffung fand 1701 in dem 
Eſſen'ſchen Gebiete Dorſtfeld-Huckarde ſtatt. 

1701 wurde in Dorſtfeld und Huckarde, wie das Protokoll— 
buch Nr. 87 des Dortmunder Archivs ergiebt, folgende Vermeſſung 
vorgenommen: „AR Anno 1701 auß Hochfürftlicher Eſſendiſcher 
Canzlei auf Anſuchen der Eingeſeſſenen der Herrlichkeit Huckarde 
und Dorſtfeld dahin reſcribirt worden, daß zu Verhütung 
allerhand Confuſion eine richtige Landmaaß angelegt werden 
ſolle, haben berührte Eingeſeſſenen mich Henrichen Lerke, be— 
eydeten Landtmeſſer Ihro K. M. in Preußen, den 12. Aprilis 
requirirt und erſuchet, welcher Requiſition zu Folge ich mich 
nach Dorſtfeld erhoben — und die Ländereien — den Morgen) 
zu 400 Ruthen gerechnet — gemejjen, inmaßen bierjelbit 
nach der Reihe verzeichnet.“ Quod attestor Henrich Lercke. 

Die Meffung ſämmtlicher Hudard’iher und Dorſtfelder 
Höfe von 1701 ift erhalten. Wir find durch diefe Aufzeichnung 
in der Lage | | 

1. die Maaße von 1701 mit den Maaßen de3 preußiſchen 
Kataſters zu vergleichen, | 

2. die 1701 gemeffenen Grundftüde mit älteren als 
Morgen und Scheffelfaant genannten, wenigjtens in einzelnen 
Fällen, zu identificiren. 


1) Morgen ift nachher durchftrichen, darüber iſt „Malterſche“ ge— 
fchrieben. 


— 185 — 


1. Das Dortmunder Archiv 134 * hat einen Auszug aus 
dem Grundfteuer-Katafter von 1851 über W.3 Kolonne zu 
Doritfeld. E3 folgen die Vergleiche zwischen der Aufnahme 
von 1701 und 1851. 

(Siehe Tabelle S. 186.) 


Suden wir das Berhältnig von 100 Duadrat-Ruthen, 
wie fie 1701 ausgemefjen waren, zu den preußischen Ruthen 
zu bejtimmen, fo ergiebt fich für das Koppenftüct 100 : 153, 
Auf dem Winkel 100:156, Auf der langen Fuhr 100: 148, 
Dben am Schlepmwege 100:150.6, Am rothen Haufe 100:159.5, 
Am Sürk 100:157, bei Fleineren Stüden, wie am Hartwege 
100 :145. Größere Maaße zeigt der Töttenfamp 100: 181, 
Der Garten 100:218. Hierbei find alfo wohl größere Flur- 
veränderungen vorgefommen. Im MUebrigen aber find die 
Differenzen nad 150 Jahren nicht jo groß, daß fie fich nicht 
durch Abpflügen oder Zupflügen erklären laffen. Es haben 
aljo 1701 100 Ruthen mindeftens 145, höchſtens 157 fpätere 
preußifche Nuthen betragen. Auf das Längenmaaß umgerechnet, 
ergiebt fi, daß der Geometer Lerche 1701 eine Meßruthe von 
mindejtens 4.55, höchſtens 4.69 Meter benugt haben muf. 
Die Kölner Ruthe ift 4.60, die Kalenbergen 4.07, die Trierer 
4.70. Die Benugung der Kölner Ruthe wird aljo auch bier 
mehr al3 wahrjcheinlid. 

Nachdem hierdurch für die Dorftfelder Aufnahme von 1701 
100 Ruthen — 156 Ruthen preußifch, feftgeftellt find, gilt es 
nun weiterhin rückwärts die Maaße zu verfolgen. Für den 
oben bejchriebenen Hof W. in Dorftfeld haben wir im 
Mir: 30c eine Aufnahme des 16. Jahrhunderts, wobei 
14 Morgen "2 Scheffelfaat an 9 Stüden eingetragen find. 
Dadurh, daß bier wie bei der Aufnahme von 1701 die 
„Furchengenoſſen“ — „Vorgenoten” genannt find, laſſen fich die 
Felder wieder identificiren: | | 


ca. 1550: 1701: Ruthen: 


Das Koppelſtück — 1 Morgen. Aufm Koppenſtücke 180 
Am Sürcke 5 Schepelſaat. Aufm Sürke 307 


186 


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— 187 — 


ca. 1550: 1701: Ruthen: 
3 Morgen vor dem Dorpe, op dey 
Weſterſiit und heyt „des Kaiſers 
Acker“. 
2 
Auf dem langen Hohlwege! / Morgen. Am langen Holdenwege Eee 
5 Morgen, dar geyt de Slepweg durch. Oben am Schlepmege 1213 
7 Schepelfede, heyt einen Hafen an der 
langen For. Auf der langen Fuhr 187 
1 Schepelfe, genannt „der Torm“. Aufm Turm 1551 = 105 
(preußiſche) 
11/2 Schepelſe im Baroper Felde. Am Hartwege? 90 
1 Morgen an der krummen Hegge. Aufm Winkel? 293 


Weiteren Anhalt bietet das „Lagerbuch des Heiligen Geiſt— 
hoſpitals (Nr. 306)”, begonnen 1566 mit gleichzeitigen Auf— 
nahmen. Sn demfelben ift ein Hof B. in Hudarde auf- 
genommen. Wie unficher die Größenverhältnifjfe für den Auf- 
nehmenden waren, ergiebt fich daraus, daß an mehreren Stellen 
jteht: „2 lappen“ am Rande „sint 2 schepel“, oder, daß bei 
„il schepel“ übergejchrieben ift: „le schepel“. Auch bier 
zeigen die Nebeneinanderitellungen das Maaßverhältniß von 
1566 und 1701. Die Gejammtländereien von 1566 ergaben: 
„9 Morgen 1 scheppel und nicht myn“ von 1701 an 


Ländereien 3607 Ruthen, an Wiejen 267. 


Aufnahme von 1566: Aufnahme von 1701: Ruthen: 

Up der Alftey 2 Lappen, find 2Scheppel. Auf der Alftede 118 
Am Safobsfreuze 1 Morgen. Am Jakobskreuz 239 
1/2 Morgen an der Ger. An der Ger 134 
11/2 Schepel an dem Bofelo. Am Bobolor 102 
1 (übergefchrieben 1/2) Schepel an der 

Martlafend Heghe. An der Martlafe 86 
3 Scepel over der Martlafen. Desgl. 196 
1!/a Schepelfer myt einem Hafen in 

den Holtfempen. Sn den Holzfämpen 121 
Noch 1 Schep. in den Holtfempen. Desgl. 67 
Noch 1 Lappen (a Scheppelie) in den 

Holtfempen. Desgl. 34 
1/g Morgen an dem breden Poithe. An den Flaßpoeten 121 
1/s Morgen beneden den Boden. Sn den. Borfen 187 


— 18 — 


Aufnahme von 1566: Aufnahme von 1701: Ruthen: 
5 Scepel in dem Bodenfelde. Mitten im Felde. 908 
1!/e Schepel in dem Bodenfelde, am 
Kolven. An den Kolveren. 105 


Dbige Beifpiele zeigen aljo ebenjo wie die Aufnahme von 
Overthuns Gute: 

Die Scheffelfaat ift feineswegs ein genaues Landmaaß, da 
daffelbe Stück erft auf 1 dann auf 1'/e Scheffelfant geſchätzt 
wird. Ebenfo wenig ift natürlich der Morgen ein feites Maaß. 
Die Scheffelſaat berechnet fih zu 45, 57/2, 57 Us oder 86, 
59, 598/a, 60, 603/20, 6042, 61215, 65 '/s, 67, 67, 67 "la, 
68, 68, 70, 721, 802, 9342, 100%, 112% Eölnifche 
Duadratruthen. Scheiden wir die äußerſten Grenzwerte aus, 
weil wohl Veränderungen vorliegen, jo gelangen wir zu einer 
Größe von 230—300 kölniſche Duadratruthen für den Morgen. 
Wenn die Dortmunder Geometer aljo gegen 1790 den Morgen 
zu 250 Ruthen kölniſch rechneten — 52.90 Ar, jo ift Diejes 
etwa das Durchſchnittsmaaß des Morgens? damals gemejen. 

Ein Grundftüd, welches 1701 als der „Poetmorgen“ be- 
zeichnet wird, mißt 270 kölniſche Ruthen. Von größtem Inter- 
effe wäre es nun, die Flur der „curtis Hucrithi“ feſtzuſtellen, 
welche von Ludwig dem Frommen an Efjen gejchenkt ijt Gei— 
träge X 117). Da diefelbe mindeſtens die Größe einer halben 
Königshufe = 15 Morgen, wahrjcheinli aber einer Voll— 
hufe — 30 Morgen oder mehr gehabt haben muß, jo Tommen 
nit viele Höfe in Betracht. Allerdings ift der Erpingshof, 
der im 16. Sahrhundert zum „adligen Haufe Hudarde“ wurde, 
bei der Aufnahme von 1701 nicht mit, verzeichnet. 

Im Uebrigen find nur 13 Höfe in Huckarde mit zufammen 
61 675 Duadratruthen, alfo mit 129.504 Hektar zu nennen, 
neben denen noch 9 Kleine Befiger mit zufammen 3661 Quadrat- 
ruthen Aderland eriftiren. Die Größe des Ackerlandes iſt 
S. 9850, R. 5807, V. 5124, ©. 4948, V. 4591,.D. 4374, 
R. 4325, P. 4260, ©. 4162, W. 3671, 2. 3644, B. 3607, 
M. 3317 Eölnifche Duadratruthen. | 

Sämmtliche Höfe haben zwar ihr Saatland im Gemenge 


— 189 — 


liegen, doch hat der größte S. den am meiſten arrondirten 
Beſitz mit Stücken von 2364, 1081, 1027, 922, 368 Ruthen, 
die Gejammtzahl der Parzellen diejes Hofes ift 26. 

Eine Flurkarte nach den Angaben der Fluraufnahmen von 
1701 mit Rekonſtruktion der Hufen zu bejchaffen, war nicht 
möglih, dagegen wird reichliches, urkundliches Material über 
Hudarde-Dorftfeld ſpäter veröffentlicht werden. 

Was nun die Größe der curtis Hucrithi betrifft, fo ift 
noch zu bemerken, daß unter den obigen 61675 Duadratruthen 
noch zwei Höfe in Vifhufen mit 7908 Authen einbezogen find. 
Sm Mittelalter aber galt Bifhufen, wie dag Dortmunder 
U.B. II 748 ergiebt, als bejonderes Dorf. Mithin bleiben 
für die Hudarder Aderflur nur 53767 Duadratruthen. 

Weitere zahlreiche Vergleiche bieten die Aufnahmen der 
Flur der Grafſchaft Dortmund von 1758 mit fpäteren, genauen 
Meſſungen der Katafterbehörden. Sie führen alle zu dem 
Kejultate, daß bis 1758 die Maaße für „Morgen und Scheffel- 
faat” niemal3 genau abgemejjen waren, daß der Morgen 
aber durchſchnittlich 10—40 Ruthen größer war als zwei Spätere 
preußiiche Morgen, daß die Feſtſetzung des preußiichen Katafters, 
wonach der Dortmunder Morgen zu 2 Morgen 12 Ruthen 
67 Fuß preußiih, welche Feſtſetzung alſo den Dortmunder 
Morgen mit 250 kölniſchen Duadratruthen bemaß, zwar an eine 
feit 1769 gebräuchliche Meſſung anfnüpfte, für Maaße aus älterer 
Zeit aber nur einen ungefähren Anhalt bietet. Sm Großen 
und Ganzen jcheinen die Maaße meift etwas über die obige 
Zahl hinausgereiht zu haben. 

Für Brafel können wir die Maaße ebenfalls weit zurüd- 
verfolgen. Die Flurgeltaltung des Reichshofes Brafel habe ich 
ſchon in den Beiträgen X ©. 13 als eine für eine große 
GStrede de3 Hellweges vorhandene gejchildert. Das Geſammt— 
Gemeindeeigenthum der am Hellwege liegenden Ortſchaften von 
Lütgendortmund an bi3 über Unna hinaus liegt nördlich vom 
Hellwege. Am Hellmege folgen ſich die Orte Marten, Dorit- 
feld (u Hudarde gehörig) Dortmund, Cörne, Wambel, Brakel, 
Aſſeln, Widede, Maſſen, Unna in Entfernungen von etwa je 


a ke UNE 


>_—3 Kilometer. Dabei find faft die gefammten Aderfluren, im 
Gemenge Tiegend, füdlich vom Hellwege, nirgends treten jüdlich 
vom Hellwege gemeinfame Weiden, Holzungen, Vöhden, Bruch⸗ 
land oder Aehnliches hervor. Die Ackerſtücke ſind ſehr ſchmale, 
oft über einen Kilometer lange Streifen, wobei die einzelnen 
Höfe an den einzelnen Gewannen mit 15—20 Parzellen betheiligt 
find, die Beitellung unter Flurzwang vom Hellwege aus erfolgen 
mußte. 

In Brafel erjtreden fid) die Gewanne vom Hellwege an- 
fangend nad) Süden bis zur Flur von Aplerbed, in Aſſeln bis 
Sölde in einer Länge von über 1 Kilometer. Die Flur Sölde 
grenzt ſüdlich an Afjeln, fie hat durch Meigen, Agrarweien 3. 
S. 257-261 Atlas Nr. 83 eine eingehende Erörterung er- 
fahren und bildet den Ausgangspunkt für Meitzen's Auffaffung 
von der Entftehung der Hellwegdörfer. Ein Hauptargument 
Meitzen's für feine ganze den Hellweg betreffende Theorie bietet 
die Entftehung des Schultenhofes in Sölde. Derjelbe erbringt 
nach Meigen in jeiner Gefchlofjenheit gegenüber der fonjtigen 
Gemengelage der Sölder Höfe den deutlichen Beweis, daß hier 
der ſächſiſche Schultheiß in die Gewanneintheilung hat einge: 
griffen, welche aus den alten Marjendörfern beritammte. Gegen 
diefe Annahme habe ich mich Beiträge X S. 33—36 gewandt. 

Hier folgt nun ein weiterer Beweis, daß Die „Schulten⸗ 
höfe“ nicht auf die Sachſen zurückzuführen ſind. 

Der Reichshof Brakel hat nämlich einen Reichsſchultenhof, 
deſſen Sohlſtätte zwar heute nicht mehr an der alten Stelle 
liegt, doch ſind noch heute im Beſitze des Herrn Eduard Lenning⸗ 
haus, genannt Schulte, die geſammten Pertinenzien des Reichs⸗ 
ſchultenhofes, wie ſie 1299 genannt werden. Sie ſtehen be— 
ſchrieben in der „Weſtfäliſchen Geſchichte“ v. Steinen, I ©.1820: 
„Item tom irsten hort in den vorgemelten hoff ein kamp, 
gelegen vor dem hove, die halt 8 morgen landes. Item 
die semptlichen beedde boven dem vorgemelten kampe 
gelegen gehort in den hoff und helt umbtrint 42 morgen.“ 
Der Kamp, am Dftausgange des Dorfes Brakel gelegen, noch 
heute Schulte Lenninghaus gehörig, hält 18 Morgen preußiſch, 


u a RL 1 


ihm gegenüber jüdlich vom Hellwege, genau fo, wie die Auf- 
nahme von 1299 angiebt, erftredt fich vom Hellwege big an 
die Grenze der Brafeler Gemarkung ein gefchloffenes, breites 
Aderbeet, „die Schultenbredde* genannt, zum genannten Hofe 
gehörig. Sie iſt 87 preußifche Morgen groß und rund 1300 m 
lang; es ift der einzige gejchlofjene Grundbefiß in Brakel. 

Hierbei ergiebt ſich zunächſt das Größenverhältniß im 
Kampe für den Morgen Dortmunder Maaß — 2!/ı, in den 
Aderbeeten 2/ıs oder 2 Morgen 13 Ruthen preußiſch; alfo auch 
bier läßt ſich die jchon feftgelegte Relation zwifchen altem Dort- 
munder und neuem preußifchem Maaße bis in das 13. Jahr— 
hundert zurüciverfolgen, und zwar bis in eine Zeit hinein, wo 
der Hof noch Reichsbeſitz war. Giebt man zu, daß der Reichs— 
beſitz Hukkarde, Dorftfeld, Dortmund, Brafel als ein einheit- 
licher aufzufafjen ift, jo muß man auch zugeben, da Hufrithi 
ſchon in Farolingifcher Zeit als Neichsbefig erſcheint, daß auch 
die Abmefjungen, die ſich für den Reichsbeſitz in Brafel ergeben, 
ih als Farolingifch ergeben. Wir werden alfo die Reichshöfe in 
Brakel unter obigem Gefichtspunfte des Weiteren zu betrachten 
haben. Ferner ergiebt fich aber au, daß die Ausſetzung des 
Hofes des Neihsihulzen, der die Flur des Neichsdorfes nach 
Oſten abſchließt, nicht dem Eingreifen der Sachſen zuzufchreiben 
it, ſondern denfelben Gemwalten, die bier in Brakel den 
„Vrenkinghof“, den „Hefjelinghof” als Reichshöfe ſowie das 
„Frankenrott“ jchufen, aljo den Farolingifchen Beamten. 

Als Landmaak für die Aderflur der halben Königshufe 
haben wir 15 Morgen, der ganzen Hufe 30 Morgen à 52,90 Ar 
feitgeftellt. 

Wir finden uns in Bezug auf die Größe der Königshufe 
— 30 Morgen ganz im Einklange mit den Angaben , die fich 
für da3 jüdlihe Weitfalen für die Königshufe — 30 Morgen 
finden. Wie Beiträge X ©. 72 hervorgehoben ift, hat König 
‚Arnulf 890 an den Grafen Choppo 30 hobas regias in Piun — 
Bühne verſchenkt. Die Hufen find an Corvey gekommen, welches 
im 12. Jahrhundert in Biun 7 mansi litonum zu 40, 10 mansi 
zu 30 jugera bejaß. 30 jugera zinften damals 30 Scheffel 


Hafer, 3 Scheffel Roggen, ein Schwein und ſechs Schafe zum 
Klofter. Die Maaße der jugera laffen fich nicht feititellen, 
aber das Maaß der hoba regia — 30 jugera durchſchnittlich 
ericheint hier ebenfo wie in Dortmund-Brafel. Ein gleiches 
Maaß hat fih für Befig, der vermuthlich königlich war, in 
den Höfen der Uentropper Mark feitftelen laſſen . Gänzlich 
andere Größenverhältniffe für den mansus regalis hat dagegen 
Meitzen herausgerechnet. 

Die Dortmunder Königshufen A 30 Morgen, die Brakeler 
A 30 Morgen find, wie auseinandergejegt iſt, aus dem Grunde 
nicht genau feftzuftellen, weil „große“ und „tleine” Morgen 
vorhanden waren. Es läßt ſich mit völliger Sicherheit Die 
Normalgröße eines ſolchen Morgens nicht erkennen. Das 
preußifche Katafter legte im 19. Jahrhundert dem Dortmunder 
Morgen a 250 Ruthen eine Ruthe & 4,60, die kölniſche Ruthe, 
zu Grunde. 

Der Geometer Prelle wandte dabei wohl die kölniſche 
Ruthe an, kam dabei zu dem Reſultate, daß im Allgemeinen 
der Dortmunder Morgen zu 250 Ruthen durchſchnittlich zu be— 
meſſen ſei, während ſeine Vorgänger 300, auch 400 Ruthen 
angenommen hatten. Gleichwohl muß bei der erſten Anſetzung 
der „großen“ und „kleinen“ Morgen und bei der Vertheilung 
der Grundſtücke in den Gewannen auf die Hufen der Reichs⸗ 
höfe irgend ein Normalmorgen und irgend eine Meßruthe zu 
Grunde gelegt ſein. Legen wir verſuchsweiſe die virga.regalis 
zu Grunde, jo würde etwa ein Morgen von 240 Ruthen & 4,70 
die Größe des Morgens Königshofland — 52,016 Ar ergeben, 
eine Größe, die zu der ermittelten Durchſchnittsgröße eines 
Dortmunder Morgens — 52,90 ziemlich genau ftimmt. Eine 
volle KRönigshufe würde alſo gleich 30 Morgen & 240 Königs⸗ 
zuthen, eine halbe Königshufe = 15 Morgen gewejen jein, 
wenn man die Rönigsruthe virga regalis — 4,70 zu Grunde 
legt. Die fo ermittelte Größe der Ländereien einer Königshufe 
— 30, 52,016 — 15,604, einer halben Königshufe — 7,85 


1) Bol. Beiträge X ©. 68. 


ug 


ſteht nicht im Widerfpruche zu den urfundlichen Veberlieferungen 
für Weitfalen, wonach die Königshufe 30 jugera terrae arabilis 
gehabt hat; fie fteht aber in ganz auffallendem Widerſpruche 
zu den Maaßen, die Meitzen für den mansus regalis hat er- 
mitteln wollen. 

Diejen Widerfpruh und den Zufammenhang der Flur- 
geitaltung mit älteren Verhältniffen aufzuflären fol ſpäteren 
Auseinanderſetzungen vorbehalten bleiben. 


3. Weisthümer des Reichshofes Weſthofen. 


v. Steinen ſchreibt in dem Buche: „Quellen der Weſt— 
fäliſchen Hiſtorie ac.“ 1741 ©. 20: 

„Sorgen Belthbauß, Faiferlicher gebohrner Hobsrat und 
Erbe des oberjten Wefthobes im Neichshobe Wefthofen, hat im 
jehzehnten Jahrhundert, im ein und fiebzigften Jahre feines 
Alters, al3 er jeines Dienftes, aus unbefannter und von ihm 
nirgend angezeigter Urſache entjeget worden, in feinem Elende 
eine Nachricht von bejagtem Reichshobe verfertiget, welche mir 
von Tit. Herrin Wever, evangelifch reformirtem Prediger zu 
Wefthofen, zugejtellet worden. Ob nun gleich der Verfaffer fein 
Gelehrter geweſen, jo hat er doch aus feinen alten Hobesbriefen 
ſolche Sachen zufammengetragen, die zur hiefigen Landeshiftorie 
ungemein dienlich. Sonderlich giebt er gute Nachricht von der 
alten Syburg, Hörde und angränzenden Orten.“ 

Die Nachrichten, die Belthaus über Wefthofen gebracht hat, 
find v. Steinen, Weftf. Geſch, Bd. 1, 1797, ©. 1550 ff. gedrudt. 
Die Zeit, in der Velthaus gelebt und gefchrieben hat, ift etwa 
die Zeit, in der eine größere Zahl von märkifchen Hofrichtern 
fich gegenüber der Landesverwaltung darauf beriefen, daß ihre 
Hofhörigen „freie Reichsleute“ jeien, jodaß fie mit Erbtheilung 
nicht bejchwert werden dürften. Die Berufungen auf Dort- 
mund aus den Jahren 1495—1549 find Beiträge X ©. 133 ff. 
mitgetheilt. Auch von den Hofesleuten des Hofes Herbede 
(S. 136) wurde vor 1568 die Behauptung aufgeftellt: „dat 
fie und dero Vorfarten nicht volſchuldig eigen, ſondern Reichs 

Beiträge zur Gefhichte Dortmunds. XI. 13 


— 14 — 


Hofeslüde fien, und deme na nit geerffveilet tho werden ge⸗ 
hören“). Nun ift jowohl in den Urkunden der Recklinghäuſer 
Reichshöfe wie in denen des Jürgen Velthaus ein Stück des 
kleinen Kaiſerrechtes erhalten geblieben, welches auf eine an— 
geblich von Kaiſer Albrecht 1322 (!) Oktober 31 zu Rottweil 
verfaßte Urkunde zurüdgeführt wird’). Einen großen Raum 
in den Ausführungen des Jürgen Velthauß nimmt aber ber 
Nachweis ein, daß das Hofesgericht ein „vrye Hovesgericht“ ilt, 
daß die Hofesleute „vrye Ryckskluten“ find, daß die Hofes- 
güter „vrye Güter” find; Die Erben werden „vrye Ryckserven“ 
genannt. Die Beitrebungen der Landesregierungen gingen da- 
mals in Witten, Elmenhorft, Caftorp, Hudarde, Abdinghof 
darauf, als Abgabe von den Hofesleuten das mortuarium, die 
„Erbtheilung“, durchzufegen. Demgegenüber betonen die Hofes— 
aufzeichnungen des Velthaus, daß Das Heergewedde der älteite 
Sohn, das Gerade die ältefte Tochter erhebt; nur wenn feine 
qualificirten Erben vorhanden find, fällt es an den oberjten 
Hofesherren. Es ift wohl fein Zweifel, daß die Aufzeihnungen 
thatſächlich dem damals in Wefthofen geltenden Rechte ent- 
ſprachen, aber bei dem Kampfe um Die „Grbtheilung“ drang 
die clevifche Landesregierung mit ihren Anjprüden auf diejelbe 
in Elmenhorft und Herbede ebenſo durch wie Die erzbiſchöflich 
kölniſche Verwaltung in Oer und Coren, obwohl der Rath von 
Dortmund allen dieſen Hofesleuten bezeugt hatte, daß ſie „freie 
Reichsleute“ ſeien, „ſo daß ſie nicht mit einiger Erbtheilung 
beſchwert werden dürften“. Da in dieſem Streite in Elmen⸗ 
horſt und Coren die gleichen Urkunden citirt werden, auch 
Velthaus (S. 1720 Nr. 4) ausdrücklich jagt, daß ftreitige 
Saden „an den negften Reichshof Brakel und Elmenhorſt“ zu 
weisen find, jo ift wohl ziemlich ficher, daß die Seele des 
MWiderftandes gegen die Erhebung des Mortuariums, der Erb- 
theilung, eben Jürgen Velthaus geweſen ift, daß ſomit jeine 


1) Hofesvertrag von 1568 in dem Jahrbude des Vereins für Orts⸗ 
und Heimathskunde der Grafſchaft Mark. 1901. S. 84. 
2) Beiträge X S. 54 Anm. 


— 19 — 


Aufzeichnungen in die Zeit dieſer Streitigkeiten, alſo in Die 
erite Hälfte des 16. Sahrhunderts fallen, daß er aber eben 
al3 Borfämpfer der angeblichen oder wirklihen Rechte der 
„Reichsleute“ der Landesregierung jehr unbequem wurde und 
deshalb „aus unbefannter Urfache entfeget wurde“. Als In— 
haber der „Belthaushufe”“ hatte er natürlich das lebhaftefte 
Intereſſe an dem Rechtsſtreite. 

Die Nachrichten, die wir über Bejegung der „Velthaus— 
hufe“ haben, zeigen zudem, daß diejelbe 1563 von Hermann 
Belthaus bejegt war!). Ferner erfahren wir, daß 1551 nicht 
Sürgen Belthaus, jondern ein Jürgen Molderpaß Richter zu 
Schwerte und Weithofen war”). Man wird alfo auch aus 
diefem Grunde die Aufzeichnungen des Jürgen Belthaus mit 
ziemlicher Sicherheit nicht in die zweite, jondern in Die erite 
Hälfte des 16. Sahrhundert3 verweifen können. 

Was die Stellung eines „Hofesrichters“ betrifft, jo erhellt 
diejelbe aus Folgendem. Bon der inneren Verwaltung des 
Reichshofes Weſthofen vor 1300 erfahren wir urkundlich nichts 
Sicheres. Nach Velthaus bringt v. Steinen I ©. 1581 eine 
Urkunde, wonad Graf Engelbert (IL.) von der Mark 1323 be— 
fundet, daß er „ve Richeslüde van Weſthofen in alle ven 
alden Nichesrechten wollen behalden, dat fie van Alders gehat 
hebben, und fie boven dat Recht met geenen Deelen tho ent: 
rechten, wie jey onje Vaeder und Altvaeder in dem recht be- 
halden hebt”. 

Es erfcheint weiterhin in Sachen der freiwilligen Gericht3- 
barkeit der Hofesrichter mit den Hofesleuten. 1357 Nov. 29 
befundet Dieterih von Wermynchufen, Amtmann über den 
Reichshof zu Wefthofen, daß Stine, die Tochter des Johannes 
Vorſthuſen, eine Koteſtede „Erlehof“, ehemaligen Beſitz des 
Sohannes Vorfthufen, gehörig in den Reichshof, den Reichs— 
leuten von — Gobele und Dietrich von Wandhofen, 


1) Sethe, Urkundliche Nachrichten der Natur der ——— 
güter ꝛc. Düſſeldorf 1810. Anhang ©. 140. 
2) Ehd. Anhang ©. 62. 
13* 


— ab. 


Sohann Meyerinc, Hermann von Witten, Hinje von der Ruhr, 
Hermann dem Vogt und anderen Reichsleuten an das Katharinen- 
Elofter in Dortmund aufgelafjen hat’). | 

1563 wird denn auch das Katharinenklofter in Dortmund 
als Befiterin von „drie ſchlechten Hoven“ genannt, „jo gebruickt 
werden to emer betymmerden Salſtat binnen Weſthoven gelegen“. 
1467 März 21 befundet „Evert in dem Spyker“, Richter zu 
Weſthofen, daß vor ihm Leynede Sadewudden, Wittwe Albert’s 
Sadewudden, mit genannten Kindern und Erben aufgelafjen 
hat: „eynes waren, fteden, vaften, ervfaupe, erfflih” ꝛc. an 
Heinrich Sadewudde, Frau und Erben, ihren Hoff zu Leninc- 
haufen mit allem Zubehör frei, ledig und unbeſchwert, aus— 
genommen 1 Sceffel 5 Beer Roggen, 5 Scheffel Gerite, 
6 Scheffel Hafer, 4 Schultverfen, 16 Pfennige, 19 Eier und 
ein... .2), die an den Herren „mynen gnedigen lieven herren 
famen“, und ein „Hundelegger“ im Jahre, ſowie Fleine Abgaben 
zur Kirche. Die Urkunde wird ausgeftellt von den Geriht3- 
leuten und Weinfaufsleuten „Evert Schrage, Gert Meygenberg, 
Dietrih Velthuiß, geſchwornen ſchernen des Rycks to Weit- 
hofen, Johann Groppenbroch, Borgermeifter to Swerte“, 7 andern 
genannten Zeugen und Hans de Helen, einem gehuldeten Frohnen 
zu Wefthofen®). Derfelbe Evert in dem Spieder, Richter zu 
MWefthofen, befundet 1471, daß ihm die geſchwornen Schernen 
des Neiches Wefthofen ein Weisthum über die Ruhrrechte ge- 
wieſen haben 9. 

Des Weiteren bekundet 1551 Sept. 3 Johann Molderpaß, 
Kichter zu Schwerte und Wefthofen, daß vor ihm im offen= 
baren Gerichte erſchien Cordula, Wittwe des Gerhard Niye- 
ſmidt, Bürgermeifters zu Werthe, und für fih und ihre Erben 
dem Dortmunder Bürger Friedrich Safje „eined guden, waren, 
fteden Erfkopes“, verkauft hat die Hälfte des Hofes und Gutes 


1) Dortm. U.-B. I Nr. 732. 

2) Lücke in der Handſchrift. 

3) Sethe, Leibgewinnsgüter 2. Anhang S. 50-53. 

4) Gedruckt v. Steinen, Weftfäl. Gef. I S. 1700—1701. 


® 


— 197 — 


zu Lenningjen mit allem Zubehör, nad) Ausweifung des Hofes- 
briefes, nachdem ihm die andere Hälfte des Gutes in der 
Theilung angefallen war. Standgenofjen, Gerichts- und 
Dedingsleute waren „der ehrenfefte Evert Spyfer, der erbare 
Sohann von Wejelen und Joſt Bädeker, Bürger zu Dortmund, 
Heinrich Nyejmid, Jürgen Werrdt und Johann Voelle, Bürger 
zu Werle, Albert Molderpaß zu Schwerte, Sohann Brunnen- 
berg, Dietrich Schulte to Syborgh, Hager Dothmers, gefchworne 
Scherne des Rykes Weſthofen“). 

Friedrich Saß zu Dortmund hat jedoch den Hof nicht ſelber 
bewirthſchaftet; wir finden vielmehr, daß 1563 ſein Schulte 
„Jakob Leninkhufen“ den Hof, deſſen bezimmerte Sohlftätte zu 
Holthufen (Holzen) liegt, bewirthichaftet. 

Aus obigen Berkäufen geht alfo hervor, daß noch im 15. 
und 16. Sahrhundert die Befigverhältniffe in dem „Reiche Weft- 
hofen“ ganz anders geartet find als in den jonftigen Oberhöfen. 
Eine Hofhörigfeit wie die, der die „vulschuldig eigenen“ 
unterworfen find, erijtirte ebenjo wenig, wie „Gewinnbriefe“ 
bei Wechjel des Befigers nöthig find. Wohl ift der „Gewinn- 
brief” nöthig bei unbeerbtem Heimfall eines Gutes; v. Steinen, 
©. 1727 Anm. 11: „Wan der Erv vom NRidsguet verftirbt 
und fein Erbblut hinterläßt, verfällt dat Erfguet dem Kayjer 
und dem Nyde wieder. Wer datfelvige alsdan wieder will be- 
fitten, moet dasjelbe vom Kayſer wieder winnen, die gereeden 
Güter biyven by den Hoff, damit dat nicht van dem Hove ge— 
daen werden kann.“ 

Die Befit- und Rechtäverhältniffe an den Neichshöfen in 
älterer Zeit werden noch des Weiteren erörtert und Elargeitellt 
werden fünnen. Hier mag nur darauf bingewiefen werden, 
daß ein rein hofrechtliches Verhältnig am Neihshofe Wefthofen 
felbjt im 15. und 16. Sahrhundert noch nicht beitand, viel- 
mehr immer auf daS alte Rechtsverhältniß zum „Reiche“ Hin- 
gewiejen wurde. 

| OL hat die Befigergreifung des Reichshofes Weit- 


1) Sethe, Yeibgewinnsgüter, Anhang, S. 62—65. 


— 4 1 Un 


hofen durch die Grafen von der Mark 1300 in einem Punkte 
eine tiefgreifende Veränderung der Befigverhältniffe hervor: 
gerufen. Sowohl das Seite 161— 174 abgedrudte Weisthum 
über die Markenberechtigungen der Grafen von der Mark wie 
die Ordnung über die Reichsmark zeigen, daß die Landesherren 
die Hälfte von der Schweinezucht und dem Holze beanjpruchten 
und diefe Rechte ausübten. 

„Dey rykeshove to Westhoven, dat bedryvet myn 
herre halff, wan dar drifft is,“ heißt es in dem Weisthum 
über Maftgerechtfame; in der Reichsmarks-⸗Ordnung von 1563 
heißt es: „Unser gnedige her hefft van der gantzen masten 
und aller anderer nutzbarlicher gerechtigkeit bemelter 
marcke den rechten halven deill und dartho notturft van 
holt tho der gemeinen nutz alss wegen, brüggen und sunst, 
ingliken noch ire besunder huven, wie nae folgt.“ 

Diefe halbe Gerechtigkeit an der Reichsmark iſt bis zur 
Theilung derjelben vom Staate beanſprucht; die halbe Reich3- 
mark ift im Laufe des 17. Jahrhunderts von dem Staate den 
vier adligen Häufern Ruhr, Hufen, Wandhofen und Stein- 
haufen in Erbpacht gegeben. Auch im Reichshofe Elmenhorit 
ift bei der Theilung der zu den Elmenhoriter Keichshöfen ge- 
hörigen „Königsheide“ die Hälfte als Staatseigenthum betrachtet 
und eingezogen. Wir dürfen auch hier mit Sicherheit an— 
nehmen, daß von den Zeiten der eriten Befißergreifung (1300) 
an die Grafen von der Marf das Recht auf die halbe Gerechtig- 
feit beansprucht haben. Liegt hier nun ein ſchon vorher zu 
Recht beitehendes Hoheitsrecht des „Reiches“ vor, oder ift durch 
die Befibergreifung ein neuer Rechtszuſtand geſchaffen worden? 
Das Letztere iſt der Fall, wie die Analogie von Brakel und 
Dortmund beweiſt. Nachdem der Reichshof Brakel in den 
Beſitz des Grafen von der Mark gekommen war, hat derſelbe 
niemals die „halbe Gerechtigkeit“ von der ganzen, ebenfalls 
„Reichsmark“ genannten Mark in Brakel erworben. Ueber die 
Rechtsverhältniſſe der Brakeler Mark haben wir drei Auf— 
zeichnungen, die, obwohl ſie den verſchiedenſten Jahrhunderten 
angehören, doch faſt die gleichen Rechtsverhältniſſe zeigen: 


— 19 — 


1. Eine!) von 1299 Dftober 5 berrührende Aufnahme?) der 
„Gerechtigkeit des Neichshofes Brakel”, 2. die Aufnahme über 
Maitgerechtigkeiten der Grafen von der Mark, ca. 1400 (©. 160 
bis 174), 3. die Aufnahme aus einem Holzprotofoll des Jahres 
1751°). Troß einzelner Abweichungen zeigt fih, daß die Zahl der 
„Gaben“ oder Looſe während dieſer Zeit faſt ganz conitant war. 
Dabei ergiebt fich aber, daß niemals für den Grafen von der 
Mark oder für den Schulten desfelben mehr beanfprucht ift als 
die Gerechtigkeit in dem „Königjundern”, ſowie von den 52 
reſp. 56 Gaben oder Looſen im Oſtholz 20, von den 80 reip. 
79 Gaben im Buſchei 7, von den 50 rejp. 57 Gaben im Weit: 
holz 7%). Die Zahl der von den Landesherren beanſpruchten 
„Gaben“ oder „Looſe“ ift jomit konſtant; nur wird 1400 an— 
gegeben, daß der Graf von der Mark feine 20 Looje in der 
Dftmarf halb jelbit betreibt, während der Schulte die andere 
Hälfte betreibt. Dagegen betreibt der Schulte 1400 fämmt- 
lihe 7 2ooje in dem Buſchei und 7 Gaben in der Weitmarf. 
1751 werden ſämmtliche obige 20 + 7 + 7 Gaben dagegen 
dem Schultenhofe allein zugerechnet. 

Sm Dortmunder Reich3walde, dem „Forjte”, werden von 
den 42 Gaben immer nur vier von dem Reiche beaniprudt. 
Diefelben find zwar jchon 1218 Juni 20 dem auf dem 
„Köningskampe“ neu erbauten Katharinenklojter von Friedrich LI. 
geſchenkt worden’), doch ijt diefe Schenkung niemals perfekt 
geworden; e3 find vielmehr diefe vier Gaben immer als Eigen- 
thum des Hofesherren des Reichshofes Dortmund betrachtet 


1) Gedrudt v. Steinen, Weſtf. Geſch. I ©. 1819—1832. Dal. weiter 
unten in Theil 4. 

2) Daß nicht die ganze Aufzeichnung von 1299 herrühren fann, ift 
ſchon von Frensdorff, Dortmunder Statuten XCII Anm. 3, bemerft. Das 
Nähere findet fich weiter unten. 

3) Handſchrift des Schultenhofes, saec. 18. 

4) Die erften Zahlen entftammen der Aufzeihnung von 1300, die 
zweite der von 1751. 

5) Dortm. U.-B. I ©. 59: Schenfung Friedrihs II. 1218 Juni 20: 
„igna etiam 4 hubarum in regio nemore — ipsis in perpetuum 
largiri precipimus.“ 


— 200 — 


worden. Der Graf Engelbert III. von der Mark verfaufte fie 
mit dem Königshofe 1376 Mai 231); die Stadt Dortmund 
hat diefelben fpäterhin als Beliterin des Königshofes bean- 
ſprucht?). 

Nicht anders ſteht es in Duisburg, wo für den „Reichs— 
hof“ 1525 ebenfalls nur vier Hufenrechte beanſprucht werden?). 
Es iſt aus alledem zu folgern, daß der Anſpruch auf die halbe 
Maſtgerechtigkeit und die Hälfte des Holzes in Weſthofen und 
Elmenhorſt eine durch die Grafen von der Mark ſeit der Beſitz— 
ergreifung 1300 durchgeführte Neuerung iſt. Ein Gleiches in 
Brakel und Dortmund etwa durchzuführen iſt nicht gelungen. 
Indeſſen zeigen die Urkunden, daß Seitens des Grafen von 
der Mark um 1340—1347 thatſächlich der Anſpruch erhoben 
wurde, daß der „Grund“, die VBiehmeide, die Pfändungsrechte 
und die Hude von der Weide zu Dortmund ihm und jeinen 
Leuten, den Neichsleuten, gehöre), Was unter Viehweide 
und Weide zu veritehen it, wird weiter unten erläutert 
werden. Der Graf Mdolf von der Marf behauptete demnach, 
daß der Grund und Boden „ihm und feinen Leuten — da 
meinte er die Neichsleute mit — gehöre”. Er murde ge- 
nöthigt, den Anſpruch fallen zu lafien. Wir jehen aber, 
welche neuen und für die Dortmunder Keichsfreiheit äußerſt 
gefährliden Anſprüche dur die Grafen von der Marf jeit 
der Befignahme von 1300 auftaudten. Wir haben aber aud) 
weiter zu folgern, daß die Anfprüche der Grafen von der Mark 


Dortm. U.-B. II S. 59: „so horet in den selven koyninges 
hoeff veyr gave holtes in dem varste.“ 
2) Beiträge X ©. 8. 


d) Eh. X ©. 8. 
4) Dortm. U.-B. I ©. 546, 1345: „Dee greve schuldigede dee 
stad umme zyven stucke — dat dee stad hedde bome ut getogen, 


dar se eme und synen luden, dar meynde hee dee rikeslude 
mide, unrecht hedde ane gedan.*“ Die Vertreter der Stadt nämlich 
„riden unde gengen endrechtlike in den vorst unde toghen dee pote 
ut, dee op ere ghemeynen weyde stonden unde dee dar tho unrechte 
ghesat weren“. Das Nähere weiter unten Theil 4. 


— 201 — 


an der „halben“ Reichsmark eine Neuerung bedeuten, die erſt 
ſeit 1300 Platz gegriffen hat. 

Dagegen wurde den Inſaſſen von Weſthofen 1323 von 
dem Grafen Engelbert II. von der Mark erflärt!): „Wy graf 
Engelbert von der Marcke doen kont allen denjenen, die 
desen Brieff sien und horen lesen, dat wy met willen und 
rode onser vrinden de richeslüde van Westhoven in alle 
den alden richesrechten wollen behalden, dat sie van 
alders gehat hebben, und sie boven dat recht mit geenen 
deelen to entrechten, wi sey onse vaeder und alt vaeder 
in dem recht behalden hebben. Dit is gedediget tom 
lenhave in der tyt, do Engelbert van Altena en droste 
was tot Wetter und was aeverherr Henrich van dem 
Vaerste een richter, her Engelbert tot Altena, richter tot 
Altena, Engelbert Sobbe, Fridach und Engelbert, gebrodere 
van Altena, des richters sone, Herman Zedinckhuess und 
andere vel guder lude.“ 

Die Rechtsverhältniffe der „Reichsleute“ in Wefthofen 
haben alſo zunächft eine durchgreifende Veränderung, abgejehen 
von der Betheiligung der Grafen von der Mark an der halben 
Reichsmark, nicht erfahren. 

Es jind daher die beiden Weisthümer,' deren erftes die 
Grenzen des „Reiches Weſthofen“ feftitellt, deren zweites die 
Hufenrechte an der „Reichsmark“ feftitellt, von der höchften 
Wichtigkeit ; fie laffen die älteften Rechtsverhältniffe hervortreten. 


A. Grenzbejhreibung der Mark Wefthofen 
durch Jürgen Velthauß. 
(Gedruckt v. Steinen, Weſtf. Geſch. I S. 1550 1552.) 


Onder dem verstoorden borghuise?) uyt der Ruer, de 
onderste Richsvrede genant, gaet de laecke?®) te 


1) v. Steinen, Weftf. Gefh. I ©. 1581. 

2) Damit ift die Hohenfyburg gemeint. | 

?) Die an die Örenzen gejegten mit einem Zeichen (hier einem Kreuz) 
verjehenen Bäume werden „Malbäume, Lach- oder Lakbäume“ genannt. 
©. Landau, Territorien, S. 152. 


— 202 — 


lande den Klusenberg') op, daer de alde gesleiffte stad ?) 
mit een einde een parte gehatt und darnach een eluse- 
naer in der parten gewont?), dat jetzo twee stenhopen 
sindt, und nu mit boemen undt buschen bewachsen, und 
onder ryckshaves marcke met vort begrepen, de met laeck- 
boomen, dar erutze in gehouwen syn, van anderen marcken 
des amts Wetter, amt Hoerde, amt Schwerte afigesondert 
sin mit en solck privilegie, dat der laeckboomen niemandt 
mach beschedigen by lyff straffe; wan die alters halven 
oder door windtstorm omvallen, so komen sy dem toe, 
waerhen sey vallen und moeten van dennen, so de gebrucken, 
andere wedder op de stedde gesettet werden ?). 

Van den laeck off krutzboomen aff van der Schwerter 
marck mit eener stareken landweer affgegraven na dem 
Bergerhoff5) und Schwerdter eluse, daer dese landweren 


1) Der Klufenberg, wejtlic von der Hohenjyburg. 

2) Unter der „alten gefchleiften Stadt” verfteht Velthauß die alte, 
ſächſiſche Volksburg, doch fest er irrthümlich die Ausdehnung derjelben 
bis zum Klufenderg an, während in Wirklichfeit die Burg nad Weiten 
über die Hochfläche des Syberges nicht hinausreichte. 

3) Bon einem folhen „Klausner“ ift nichts Näheres nachzuweiſen. 

4) Diefe mit Kreuzen verfehenen „Lakbäume“ an der Grenze der 
Aemter Wetter, Hörde und Schwerte find zwar nicht mehr zu finden, doch 
fallen die Grenzen hier wie auch weiterhin zweifellos mit den jpäteren 
Gemeindegrenzen zufammen. Es geht aljo die Grenze von der Ruhr öſtlich 
von der Funkenburg (1) zwiſchen dem Kluſenberge und Witbräucke auf Die 
Staatöftraße Herdede—Aplerbed zu, folgt derjelben längs des „Fürſten— 
berg-⸗Holzes“, welches aus einem Theile der alten Reichsmark hervorgegangen 
ift, geht dann nad; Norden bis zur „Viermärkereiche” (2), welche die 
Großenholthaufer, Bitter-, Herdeder und Reichs-Mark trennt. Bon hier 
läuft fie, immer mit der heutigen Gemeindegrenze zufammenfallend, längs 
der hier „Rombergsholz“ genannten, ehemaligen Ardeimarf, nad) Dften auf 
das Overweg'ſche Gut „Reichsmark“ (8) zu (hier ift ein etwa 1 m hoher 
Grenzwall, wohl neueren Datums, aufgemworfen), folgt dann 3000 m der 
Staatöftraße „auf dem Höchften” (4), verläßt diefelbe dann, indem fie auf 
der Gemeindegrenze, die Niederhofen, die Benninghofer Mark und die 
Berghofer Mark im Norden von dem Amte Wefthofen im Süden cheibet, 
weiterläuft. 

5) Wo die Gemeindegrenze Berghofer Mark, Schwerte, Wejthofen 


ee 


met ennem schlagboeme woert geslotten, und de slüttel 
daervan ahn dem Bergerhaffe ‚in vorwaeringe ist, und 
loopt die haerstrate doer desen schlachboem !). 

Van dem schlachboome met selver lantweer langst 
dem ampte Schwerte, na Lenningshaff in der Wandthafer 
becke?), vor den Westenpaerten der stadt Schwerten 
her?) tegen den Ergster kercktorn®) aver in de Ruer, 
de averste Richsvrede genant, und worden dese 
vrede paelen undt richsvrede so vry gehalden, dat oock 
de stadt Schwerten nicht mach uyt der paerten eenig 
beest, off eene kaar leemen arde aver dese becke lahten 
gaan off uyt hahlen. 

Met der Ruer teegen dem Ergster kercktorm aff nae 
dem Wyhagen (dat is neym ter Ruer?), van der Ruer 
langst de graffschaft Lymborch, vor Weischedts beyden 


zufammenftößt (5), biegt die Grenzlinie nah Süd-Süd-DOften um, bis zum 
„Bergerhof” (6) (an der Südoftede des Schwerter Waldes gelegen). Hier ift 
auf Meßtiſchblatt Nr. 2579 Hohenlimburg die Landwehr an der Südmeft- 
ecke des Schwerter Waldes deutlich verzeichnet. 

1) Dieje Heerftraße ift die Straße Schwerte, Berghofen, Hörde, die 
demnach im 16. Jahrhundert am Weftrande des Schwerter Waldes entlang 
führte, während die jegige Staatsftraße den Schwerter Wald durchfchneidet. 

2) Bon Bergerhof aus läuft die Grenze erit 350 m nad Nord-Nord- 
Dften (7), dann etwa in gleicher Länge nad Süden bis (8), dann 1100 m 
faft ganz in gerader Linie nad) Südmweften auf Lenningjen zu, „Drüfel® 
nördlich Liegen lafjend; eine Landwehr tft hier verzeichnet. 

3) Zwifchen „Drüfel“ und Lenningjen biegt die Gemeindegrenze bei (9) 
faft rechtwinklig um und führt jüd-jüd-öftli in faft gerader Linie auf 
die Ruhr zu; hier bildete aljo die Befe die alte Grenze, diefelbe ift durch 
eine Walzwerfanlage auf dem Mittellaufe regulirt, die alte Grenze in der 
„Beke“ fällt alfo mit der Gemeindegrenze nicht genau zufammen, dann 
etwa 1000 m die Ruhr ftromabmwärts. 

4) Der Errxter Kirhthum liegt von der Stelle, mo die Gemeindegrenze 
in die Ruhr verläuft, genau ſüdlich. 

5) Die Gemeindegrenze folgt der Ruhr bis ca. 500 m unterhalb des 
Haufes Ruhr (10); einen „Wyhagen“ weiß ich hier nicht nachzumweifen; wohl 
fommt bier von Süden aus dem „Wietloh" ein Bächlein; ob dasſelbe 
früher mit einer Hede (Hagen, Wiethagen) eingefaßt war, ift nicht befannt. 


— 204 — 


haeven, so Limborchs syn !), der landtweer nach (da in 
alden tyden der Ruer haren curs her gehat und noch 
den namen de „olde Ruer“ drecht), under Weischedes 
feldt in eenem sypen?), dar uyt der landweer nach, na 
dem Gardenfelder boome®), war dese landtweer tuschen 
der graffschaft Limborch und dem borghove Gardenfeldt 
were geslotten, unde de slottel op dem borghave tot 
Gardenfeldt ist in verwaringe. Van dem Gardenfelder 
boome der landweer nach in den Deithmans sypen, in dem 
sypen der beecke na*) under dem Garenfelder Kleff°) 
op de Lenne, om den Buscherkamp langst dat ampt 
Wetter®), boven der alden Lenne unde de mond van der 
Lenne in der Ruer”), de onderste richsvrede onder 
dem vorstoorden borchhuse na dem Klusenberg. 


t) Dber- (11) und Nieder: (12) Weifchede liegen an der Straße Ergjite- 
Garenfeld, auf der Limburger Seite. Zwei feuchte Wiejengründe (S Sypen) 
vereinigen fi) vor den beiden Höfen, gehen erſt jüdlih, dann auf der 
Gemeindegrenze weiter und fließen dann weſtlich unmittelbar unterhalb 
Wefthofen zur Ruhr. Die Behauptung des 3. Velthaus, daß diejer Waſſer— 
lauf, der mit der heutigen Ruhr das ganz gleiche Niveau hat, das alte 
Ruhrbett geweſen fei, hat nichts Unmwahrjcheinliches (13). 

2) Sn den ©. 203 Anm. 6 genannten Siepen mündet von Süden 
ber ein zweiter Siepen, an dem entlang die Grenze führt. 

3) Die Gemeindegrenze verläuft hier von der Ruhr aus faft gerad- 
linig nad) Süd-Süd-Dften auf die Straße zu, die von Limburg über 
Berhum parallel der Lenne, dann in einem ftumpfen Winfel umbiegend 
über Garenfeld nach Wefthofen führt. An der Ede des jtumpfen Winfels 
muß der Schlagbaum „Garenfelder Baum“ (14) geweſen fein. 

4) Diefe Wafferadern find verſchwunden. Die heutige Gemeinde: 
grenze biegt von der Stelle, wo der Garenfelder Baum gejtanden haben 
muß, im fpigen Winkel nach Nordweſt um auf die Lenne zu und läuft 
weftlih von Garenfeld die Lenne abwärts bis zu deren Mündung in Die 
Ruhr. 

5) „Am Clieve“ (15), 2a km weft-füdweftlich von Garenfeld, in der 
Nähe der Lenne, gleich daneben die „Buſchmühle“ (16). 

6) Der Buſcher Kamp —= gleich der zur Bufchmühle gehörige Kamp. 

?) Die Amtsgrenze läuft auch hier, wie oben bejchrieben tft, die Lenne 
bis zu ihrer Mündung abwärts, dann die Ruhr abwärts bis an den Fuß 
des Klujenberges. 


— 205 — 


Die Größe des „Reiches Weſthofen“ ergiebt ſich demnach 
auf rund 36 Quadratkilometer. Die Straße, die vom Lenne— 
und Volmethal her über die Ruhrbrücke führt, heißt der „Hell— 
weg“. Als königliche Heerſtraße iſt ſie Beiträge X S. 78 be— 
handelt worden. Daß die ganze Anlage eine karolingiſche iſt, 
kann nicht bezweifelt werden. 

Zunächſt iſt aus obiger Grenze die Größe und Lage des 
„Reiches Weſthofen“ feſtgeſtellt. Die militäriſche Bedeutung 
des Ganzen erhellt aus der Lage zur Ruhrbrücke und Lenne— 
brücke, ſowie aus der Lage zur Hohenſyburg. Die Begrenzung 
der Mark durch Laekbäume iſt ferner klargeſtellt. 

Eine Frage von entſcheidender Bedeutung für das Ein— 
greifen der karolingiſchen Verwaltung iſt aber nun die: Wie 
haben wir die Abgrenzung der Mark „Reichsmark“ 
aufzufaſſen? Iſt eine altſächſiſche Mark durch 
den Eroberer occupirt, oder iſt eine Neuabgrenzung 
durch karolingiſche Beamte erfolgt? Die Beant— 
wortung muß entſcheidend für die Auffaſſung der Marken in 
Weſtfalen überhaupt werden. Sie iſt von ſo entſcheidender 
Wichtigkeit, daß wir die Grenzregulirungen der Marken durch 
fränkiſche Beamte in einer beſonderen Abhandlung zum Aus— 
gangspunkte einer längeren Unterſuchung machen werden. 


B. Ordnung over rycksmark upgericht und 
van den gemeinen erven angenommen, 
22. October 1563. 


Verneuwert und corrigiert den 26. Februar 1566. 


Naedem up und in der rycks marcke, so under dem 
ambt Swerte gelegen und als ein fuernemste thogehoriger 
deill dess rycks hoffs to Westhoven, wylant des durch- 
leuchtigen hoichgebornen fuersten unsers gnedigen hern 
herthoge to Cleve Guilich und Berge etc. vurhern den 
graven van der Marcke, van den heiligen Romischen ryecks 
verpandet, nu eine geruyme tit her, villerhande hoich- 
schedliche mengell unrichticheiden und missbruiek , mit 
ungeburlichem holthouwen drifften und sunst, zu allerley 


— 206 — 


practisierte wegen sich ereuget, intgeritten und dermaiten 
oeverhandt genhommen, dat man dairher nichts anders, 
noch gewissers dan der Marcken entlicher verwuestung 
und verdervungh, nit allein hoichgemeltem unserm gn. 
hern und syner gn. erven und nakommen, alss den 
pantheren, sonder ouch den semptlichen gemeinen erven 
an irer hebbender nutzbarlicher gerechticheit und sunst 
tho beswerlichen schaden und naedeill, wan den nit nhae 
noitturfft begegnet wurde, gewertig gewest, derwegen 
hoichgemelter unser gn. her im jair der weniger tall 
viertigh, ein ordnung schrifftlich verfatten und denn 
erven furstellen iaiten, welche doch (wiewall sie an- 
genhamen.) folgentz tho geiner tit ire rechte wirckungh 
erreicht, sunder durch allerley vermerkte verhinderungh, 
biss daher nu in dat drie und twintigsten jair up- 
gehalten, inwendigh der tit, obgemelte mengell und 
missbruich sich jhe lenger jhe mehr gehoept, und also 
thogenommen, dat ire F. G. geinen richtigern wegh, 
wytherem schaden furthokommen, und sich derhalven 
mit den erven am redligsten einmaill tho verglycken, 
bedenken noch finden kunnen, dan dat bemelte Marck 
tuschen ire F. G. und den erven halff und halff, biss an 
die affloiss glyck gedeilt, und idere parthie ires deilss, 
insunderheit vur sich allein tho gebruicken gestadet wurde. 
Doch irer F. G. oick in dem andern deill, irer geboeren- 
der gerechticheit furbehalden, wie dan sulch irer 2.6. 
bedencken und furhebben up etlichen darumb gehaldenen 
bykompsten den erven hirbevor tho mehrmalen iss ver- 
meldet, und angegeven, und aver die sementliche ge- 
meine erven darfuer zu untertheinicheit gebeden, mit 
dem anhangh und erbieden, dair irer F. G. gefellich were 
bemelte ordnungh dermaiten, wie die innen anfangs 
fuerbracht, oder oick mit wyderen oever mehr anderen 
angegeven gebrechen, versehungen,, verandert, gebetert 
und vermeret, int werck tho stellen, dat sie sulche 
ordnungh unweigerlich annemen und folgen wollen: 


— 207 — 


So heft hochgemelter unser g. her noch tom lesten 
sich dahin gnediglich bewegen laiten, dat ire F. G. iren 
verordtneten rheden uperlacht und bevolen, mit den erven 
obgemelte ordnung weder an die handt tho nemen, die- 
selve tho erlutteren, oick over mehre anderen furmails 
angegeven mengell und missbruich, darvan in der ordnung 
nit vermeldt, wydere noitturfftige versehung tho doin, 
und die mit in der voriger ordnung tho brengen, allet 
up irer F. G. gnedigs gefallen und gnemehaldungh; der- 
wegen bemelte rhede und erven sich dan itzo thosamen 
gefuigt, und iss also durch die rhede mit tydygem raith 
und guiden willen der erven obgerurte ordnungh fur- 
genommen, erluttert, gebetert und erwytert, in maiten, 
alss folgt: 


l. holtrichters, holtknechten anstellung. 


Anfencklich iss geordnet, dat ein holtrichter van 
unserm gn. hern und den erven, inglicken vier holt- 
knecht, twe van syner F. G. und twe van bemelten erven 
to verwarunge der marck und hanthavungh disser ordnungh 
angenommen, und derhalven nae noitturfft unserm gn. hern 
und oick den erven tot oeren rechten gesworen und be- 
eidett werden sollen, und aver hoichgedachtem unserm 
gn. hern und den erven fry stain soll, nae irer F.G. und 
iren gefallen und guitachten dieselvige holtrichter und 
holtknechte, wan sie dairtho unbeqweme, oder in irem 
dienst seumlich befunden, to iderer tit aff, unnd andere 
an ire stat weder anthostellen. 


2. Belonung der holtrichters und holt- 
Knechten. 

Tho dem, dat der holtrichter fur syne belohnungh 
hebben soll jerlichs ein kleidungh van Engelschen doeck, 
uit den gemeinen holtbroecken, 

dartho thien foder brantholtz, und thien swyne mastes, 
vort ein jeder holtknecht twe swyn mastes und eine grauwe 


— 208 — 


kleidungh glyckffalss uth den gemeinen broecken, und 
darthoe für ider schuttungh oider pendungh van einem 
frembden 2 schilling. 


Bevell derselven. 


Dess sullen die holtrichter und holtknecht die marck 
fiytig bewaren und guide upsicht hebn, dat nymantz darin 
ungeburlich houwe, drywe oder sunst in einigen wege 
gegen dese ordnungh handle. 


3, Wo die overförer tho büten und straffen. 


Unnd wen sie befinden oder vernehmen, so dairtegen 
dede, denselven schutten, peinden und anhalden biss so 
langh, biss hy burg und gloeff gestalt an den hulting dar 
vor affdracht tho doin, oder so idt ime an den gloeven 
und buergen mangelte, oder hy die nit stellen wolde, oen 
alssdan in burgen stat annemen, und gehn Hoerde levern, 
oick alssbalde imantz broeckafftigh, gepandt oder geschutt 
wirdt, denselven anstundt by dem holtrichter angeve und 
schrifftlich upteickenen laeten. 

Da idt sich over thodroege, dat sie eines erven oder 
frembden have, oder beesten driemaill geschutt hedden, 
und denselven dan dairnae them vierden maill!) „in eyner 
„mast tyt betreten, dat alsden ein van den beesten up der 
„borch Hoerde gedreven und umbgeschlagen, oder daraff 
„der will gemacht werden sall, op gnaden, tot behuff syner 
„F. G. und der erven“. 


4. Gwaltstraff. 


Imfall oick imandtz, der were erve oder frembdt, sich 
um der oeverfarungh so hy in der marck begangen, nit 


1) In der erften Redaction de 1563 lautete die folgende Stelle jo: 
„weder straiffbar befunden, so suellen sie tho ider tyt, ein van syne 
„have, alss verwirkt an sich halden, und an unsers gn. hern borch 
„tho Hoerde tho behoiff syner F. Gn, und der erven brengen*®. 


— 209 — 


schutten oder peinden laiten wolde, sunder sich mit gewalt 
dairtegen sette oder die pendungh und schuettungh detlich 
verhinderte „derselviger soll für sueleher gewalt myt recht 
„(dair die begangen) besprocken, darover erkennt, und dat 
„wyssdumb exequiert und voletogen werden“ !). 


9. Angeving der overfoerungen. 


Und warby die holtknecht iren dienste desto flitiger 
uitwachten, sullen sie bey irem eide verplicht syn, ein 
dem andern so naletigh oder seumich in vertredungh 
synes dienstes befunden, oder sunst ymandtz oeversehen 
hedde, dem holtrichter anthogeven und tho melden. 


6. Umbtocht der Rycksmarck. 


Idt suellen oick die ambtman tho Swerte, rentmeister 
tho Hoerde, holtrichter und knechte jerlix up den vierden 
may die Rycksmarcke umbtrecken und derselven leeck 
und paale besichtigenn und die wae noedich vernyen, 
dartoe dan die erven etliche van den iren, off sy willen, 
in geringer antall by tho schicken hebben, oick woe van 
alderss herbracht, der anstoetenden marcken erven dairtoe 
to verwittigen weren, doch dat sulchs vierthienn dagen 
tho voren irst in der kerken tho Sybergh verkundiget 
werde. 

7. Hoeltyng. 


Soll durch den holtrichter alle jair eyn holting tit- 
lich genoich, doch thom wenigsten oick vierthien dage to 
voren in der kercken to Sybergh, woe gewointlich uit- 
geroipen, oick die bruckhafftige dairtho verwittiget, und 


!) In der erften Ausgabe de 1563 heißt eg: „Den sullen die holt- 
„knechte in gewarsam und verseckerungh annemen, und tho Hoerde 
„an der borch leveren, unsers gn. hern bevell darup tho erwarten, 
„adir so sie ihe syner dartae nit mechtigh weren, oen alssdann unsers 
„gn. herrn rentmeister tho Hoerde nahmhaft maicken, darmit der 
„bey dem ambtmann darunder der deder geseten, oen tho geburlicher 
„straiff fordern moige.“ 


Beiträge zur Geihichte Dortmunds. XI. 14 


— 20 — 


bemelte holtinge dess anderen dages nhae May dach alss 
einem dairtho geordneten stefflichen dagh in der Ricks- 
marcken up den Kreyenberg unseumlich gehalden, oick 
die broecken, so moiglich vort up denselven, oder ihe den 
folgenden dagh, ohne alle verstreckung gedingt und in- 
wendig viertien dagen tom lengsten dairnae an dem holt- 
richter betalt, oder imfall suelchs nit dar binnenn ge- 
schege, alssdan dubbelt verricht und durch unsers gn. 
hern froenen to Westhoven up gesinnen dess holtrichters 
durch pendung unvertoglich uitgemaent und an handen 
desselven gelevert werden. 

Wair aver bemelter frone sich darin naeletigh oder 
seumich vermerken liete, sall hy darfuer bey dem ambt- 
man ther gebuerlicher straiff angehalden werden, und 
hierentbaven nymant van wegen unsers gn. hern einigen 
broeckhafftigen ferner bestundung oder uitstellung tho 
geven, oick geinen, dat hy itwess tegen disser ordnungh 
fuerneme, to gestadenn oder tho verguennen, macht noch 
gewalt hebben. | 


8. Recehnnng van den broecken. 

Alle und jede gefallene und upgeboerte broecke sambt 
andern verfellen, so van gemeinen dycken und wyschen 
und sunst unserm gn. hern und den erven thokommen, 
sullen jerlichs fuer syner f. gn. ambtman tho Swerte, 
rentmeister tho Hoerde, und twe odir drie der erven ver- 
ordneten, durch den holtrichter in bysyn der holtknechten, 
woe sich geboert, bereekent, und wess nha verrichtungh 
obgesatter belohnungh und anderer bereckenter noitturf- 
tiger uitgave daran oeverschuett, halfi unserm gn. hern, 
und die ander helffte darvan den erven thogekert werden. 


Gwaltbroecken. 

Doch alle und jede gewalt, und ander broecken so an 
dem holtgerichte nit gehoerigh, hoichgedachtem unserm gn. 
hern, alss dem lantfuersten und gewaltheren oever disser 
marcke allein fuerbehalden. 


— 2ll — 


9. Ein jeder erven gerechticheit up deser 
marcken speeificiret. 

Und darmit kuenftiglich nymanden gestadet werde, 
enige gerechticheit wyderss, dan van alderss herbracht 
und sich geburt, in und to deser marcke intodringen da- 
her dan bemelter marcken ferner verwuestung tho besorgen, 
wirdt einess jeden hergebrachte gerechticheit hirnae 
benentlich angezeigt und vermeldet. 


10. Unser G. her der gwalt- und pandther. 
Nemlich, naedem hoich gemelter unsers gn. hern vur- 
hern nit allein die obern lantfuersten und gewalthern 
oever deser gantzer Rycksmarck altit gewest, sunder die- 
selve oick durch vil hoichgemelten vurhern van dem rycke 
verpandet, 


vrznierhelfte aller nutzbarkeit, 
so hefit hoichgedachter unser gn. her noch van der 
gantzer masten und aller anderer nutzbarlicher gerechticheit 
bemelter marcke den rechten halven deill, und dairtho 
noitturfft van holt tho den gemeinen nutz alss wegen, 
brueggen und sunst, inglicken noch ire besunder en, 
wie nae folget. 


12. Hilbeckerhove, Bruckshove, Ba Lad 
Ber neshowe, een 

Irstlich, die Hilbecker hove, dairvan die salstat binnen 
Westhoven gelegen, und bewoent wirdt, noch die Brucks 
hove, die Koninks hove und die Herberdess hove, dairvan 
die salstede wueste und unbetymmert liggen, und darneven 
die Schevenhove, so wilner Herman Nagell mit einer be- 
tymmerter saelstat verpandet is. 


13. Johans von Sybergs erven. 


Der anderer erven aver hoven und gerechticheiden 


sint benoemet als hiernaegeschreven, mit namen wilandt 
14* 


— 212  — 


Johans van Sybergh erffolgern hebben ein dobbelde hoven 
(welche twe schlechte hoven mackt), up der borgh Syberg, 
so to einer betymmerter salstat des Schulten hoff gnant, 
gebruickt wirdt, noch eine dobbelde hove, genoempt die 
Meyerinckshove, darvan die salstat betymmert binnen 
Westhoven gelegen, und van synen erven bewoent wird; 
noch die Huckerder hove, darvan die saelstat binnen 
Westhoven betymmert gelegen. Noch eine schlechte hove, 
die Joistis hove gnant, so Jaspar Smit to hebben plach, 
und tho Wanthoven betymmert ligt und durch Ailbert 
Cloidt bewoent wird; noch die Sybelen hove in den 
Rosen und die Tyhove tho Westhoven, welche unbetymmert 


und wueste liggen. 


14. Frydach van Layr. 

Frydach van Layr hefft drie doebbelde hoven to Sy- 
berg, gnant dat Kellerguit, die alde hoff und dat guit 
darup syn huiss, then Huysen gnant, stehet, thosamen 
gehoerende, to einer betymmerte saelstat, und dairtho 
noch ein schlechte hove, thom Dycke, darvan die sael- 
stat binnen Westhoven gelegen. 


15. Evert Spycker. 

Evert im Spyeker hoft die Meyerinckshove und 
ein dubbelde hove, gnannt die Vosses hove, noch ein 
duebbelde hove, geheiten die Sednickhove, und dairtho 
ein duebhelde hove, die Wyndtz, oder Wythanss hove ge- 
noempt, welche alle gebruickt werden to einer betymmer- 
ter saelstat binnen Westhoven. Noch ein schlechte hove 
tho Sybergh, in den Rosen gnant, darvan die saelstat 
betimmert iss, und durch den Schulten Johan in den 
Rosen bewoent wirdt. | 


16. Henrich van Huss. 
Henrich vam Huiss heft vierdehalff hove die gebruickt 
werden alle to einer betymmerder saelstat, gnant dat 
huiss to Wanthoven. 


— 213 — 


17. Berndt Nagel. 


Berndt Nagell heft ein duebbelde hove gnandt die 
Brunnenbergsche hove, darvan die saelstat betymmert 
ligt tho Holthuisen, die Brunnenbergsche hoff gnant, 
und durch synen Schulten Henrich in den Plass bewoent, 
noch eine slegte hove im Dycken, gnant die hove thoe 
Woge, gehoirt tho eine betymmerte saelstat to Holthuisen 
gelegen, dair syn Schulte Jurgen up dem Dyck woent, 
_ noch die Steinhuiser hove, darvan die saelstat im kerspell 
Sybergh betymmert licht, und van Berndt Nagell selffst 
bewoent wirdt. 


18. Herman van Nehem. 


Herman van Nehem, ambtmann tho Lymborch, heft 
ein dobbelde hove gehoirende to einer saelstat, gnant die 
Ruyrhoff, so in der buirschap Wanthoven betimmert 
lieht, und van ime selffst bewoent wirdt. Noch eine 
schlechte hove, gehoerich tho einer betimmerter saelstat, 
die Heyerhoff gnant, so tho Holthuisen gelegen und van 
Synem schulten Johan im Heyerhoff bewoent wirdt. Noch 
die Schillings hove, darvan die saelstat tho Wanthoven 
gelegen, betymmert und durch Berndt Swackenberg be- 
woent wirdt. 


19. Frederich van der Marek. 


Frederich van der Mark, ambtman tho Swerte, heft 
ein schlechte hove, gnant in den Rosen tho Gelinck- 
huisen, darvan die saelstat betimmert tho Holthuisen ge- 
legen, und durch synen schulten Evert in den Rosen 
bewoent. 


20. Herman Stippe. 

Hermann Styppe heft ein schlechte hove, die Kuekenss 
hove gnant und gehoerich tho einer betymmerter saelstat 
tho Syborch, gnant thom Kuckenhuiss, welche durch 
oem selffst bewoent wirdt. 


— 214 — 


21. Capelle tho Wetter. 


Der capellen to Wetter besitter hefit ein dobbelde 
hove, gehorendt to einer betymmerter saelstat to Holt- 
huisen gelegen und die Voerholterhoff gnant, dair syn 
Schult Jaspar vur dem Holt up woent. 


22. Rutger van Rhenen. 


Rutger van Rhenen heft eine schlechte hove, so ge- 
hoirt und gebruickt wirdt tho einer betymmerter saelstat 
to Holthuisen gelegen, die Oeverbecker hoff geheiten, 
dair Henrich tho Oeverbecke up woent, noch ein dobbelde 
hove, gehoirendt to einer betymmerter saelstat tho Holt- 
husen, gnant die hoff thom Sange. 


23. Jorien Fryss. 


Jorien Fryss, gnant Kyppe van Swerte, heft eine 
schlechte hove, die Katers Hove gnant, und gehoerich 
tho einer betymmerter saelstat to Holthuiseu, dair Jo- 
han in den Rosen up woent. 


24. Frederich Sass. 


Frederich Sass tho Dortmund heft drie schlechte hoven, 
so gebruickt werden to einer betymmerter saelstat tho 
Holthuisen gelegen, und die Hoff to Lenninckhuisen 
enant, dair syn Schulte Jacob tho Lenninckhuisen up 
woent. 

25. Albert Praill. 

Albert Praill heft ein schlechte hove, darvon die sael- 
stat betimmert to Wanthoven gelegen und die Naerdincks- 
hoff geheiten, darup Johan Naerdinck syn schulte woent. 


26. Gerwyn Oldendorp. 


Gerwyn Oldendorp heft ein schlechte hove, darvon 
die saelstat betymmert tho Wanthoven gelegen und die 
Dyckhaves lantloess gnant iss, durch synes Schulten 
Johan Olislegers widwe bewoent. 


27. Johan Budde. 


Johan Budde heft ein schlechte hove, dairvan die sal- 
stat betymmert tho Holthuisen gelegen und dat Kulyneks 
guit gnant, so durch im selffst itzobe woent. 


28. Herman Oldendorp. 


Herman Oldendorp, heft ein schlechte hove, darvan 
die saelstat betymmert tho Wanthoven gelegen und die 
Bischopshove gnant und durch die widwe Jorien Bischops 
bewoent wirdt. 


29. Herman Velthuiss. 

Herman Velthuiss heft ein duebbelde hove, so ge- 
bruiekt wirdt tho einer betymmerter saelstat tho Westhoven 
gelegen und der Velthuisischer hoff gnant, darup Johan 
Velthuiss woent. 


80. Reynolt Swarte. 


Reynolt Swarte eine schlechte hove, darvan die sael- 
stat betymmert, gelegen tho Westhoven, und der Kreck- 
mans hoff gnant, darup Ursula Vitten woent. 


31. St. Catharyn to Dortmund. 


Sanct Cathryn tho Dortmundt hefft drie schlechte 
hoven, so gebruickt werden to einer betymmerter saelstat 
binnen Westhoven gelegen und St. Cathrynen guit gnant, 
welchs Johan Selter bewoent. 


32. Gabelen Bruickers Son. 


(Gaebelen Bruickers son heft eine schlechte hove, dar- 
van die saelstat betimmert tho Wanthoven gelegen und 
der Bruickers hoff gnant, darup Johan Vehoff woent. 


39. Fleyen Erven. 


Fleyen Erven hebn eine schlechte hove tho Want- 
hoven, so sunder saelstat woeste ligt. 


— 216 — 


34. Herman Otten. 

Herman Otten tho Dortmundt heft eine schlechte hove, 
darvan die saelstat betymmert tho Wanthoven gelegen und 
die Kreyenbergsche Hoff gnant, darup Henrich Dyckhoet 
woent. 

35. Albert Praill. 

Albert Praill heft eine schlechte hove, darvan die 
saelstat betymmert to Wanthoven gelegen, und Wastmans 
guit gnant, darup Tylman Molner woent. Noch heft 
derselver Praill ein dubbelde hove, geheiten die Linninck- 
hove, so gebruickt wirdt tho einer betymmerter saelstat 
to Wanthofen gelegen und dat Vannen guit gnant, welche 
durch oeren pechter Johan Schevekoep bewoent. 


806. Frederich Lennepesels. 


Frederich Lennepesals widwe, heft ein duppelde hove, 
gnant die Dycke hove, welche gebruickt wirdt to einer 
betymmerter saelstat, binnen Westhoven gelegen und 
Lennepesels huiss gnant. 


37. Juergen Vogt. 


Jurgen Vogt heft eine schlechte hove gnant die Vogtes 
hove, darvan die saelstat betymmert tho Holthuisen ge- 
legen und durch ime selffst bewoent. 


383. Summa der hoven und salstede. 


Summa vyffthien dubbelde und viertigstehalff slechte 
hoven und seven uud dartigh betymmerder saelstede. 


39. Wuste solsteden. 


Ferner iss fuer eine hoge noitturfft disser marcken, 
derselven sunst unvermydtlichem verderven tho begegnen, 
gesat und verordnet: 


Betymmerde salsteden allein holt to wysen. 
Dat geine unbetymmerde saelstede darthoe vurgemelte 
hoven gehoerich, hinfuerder weder betymmert, noch mit 


— 217 — 


luiden besat, oick sunst gein ander nye bauwe, idt sy hoff 
oder kotte, ferner upgerichtet, vider, so dat geschege, die- 
selve alssbalde weder nedergeworpenn werden, und dat 
man den erven gein holt thom tymmer oder thom brande, 
dan allein tho upernanten betymmerten salsteden noit- 
turfitiglich wysen und folgen laiten soll. 


Schevenhove. 


Doch dwyll obgerurte Scheven hove van unserm gn. 
Hern den Nagelen in der verpandungh betymmert gelevert, 
der tymmer aver darup nu binnen wenigh jairen etwasi 
verfallen syn mach, dat, wan syne f. g. berurte hove weder 
aloesen, ihr denselven tymmer tho reparieren fry stain soll. 
„Dair ock mehr wueste saelsteden in der marcken be- 
„lunden, die inwendich genanten jaren bewislich betymmert 
„gewest weren oder sunst kuenfftiglich van mynem gnedigen 
„nern und den gemeinen erven ymanden verguent, be- 
„willigt und toegelaten wuerden, die moegen ock weder 

„upgetymert werden, und vermoeg deser ordnung der 
„markenrecht myt genieten!). 


40. Holt to der fuirboite etlicher benanter kotten. 


Dwyli oick etliche kotten wat holtes tho irer fuir- 
boiten uit deser marcken an affgefallen unfruchtbarn und 
unschedlichen holt durch verguenstigungh ein titlanck ge- 
naeten, nemlich Johan Syborchs erven up bergh Syborch 
negen kotten, die wedem daselffst eine kotten, Berndt 
Nagell twe kotten, dair Heyn und Herman Leuwe up 
wonen, derselver Nagell noch twe kotten tho Wanthoven, 
dair meister Joh. Middelman und J. Vehoff up wonen item 
Herman Nehem eine kotten tho Wanthoven by die Joistes 
hove, darup die Rynsche Peter woent, item die Styppe, 
ein kott tho Holthuissen, darup woent Johan Koste; noch 


1) Dies ift 1566 hinzugeſetzt. 


— 218 — 


ein kotte tho Wanthoven, darup woent Meister Johan 
Tymmerman, item der Vicarius tho Wetter eine kotte 
tho Holthuisen, darup woent Johan Schroer, Frederick 
Sasse ein kotte tho Holthuisene, darup woent Evert an 
der Aldergalgen, Herman Oldendorp ein kotte tho Want- 
hoven, darup Johan Speman woent, noch ein kotte dar- 
selffst, dair Johan Lynenwever up woent; Johan Budde 
ein kotte tho Wanthoven, darup woent Tylman up den 
Hohenest, Jorien Vagdess ein kotte tho Holthuisen, darup 
woent Jorien am Haelen Sype, die Kercke to Swerte ein 
kotte tho Wanthoven, darup Henrich Mueller woent,. 
summa vier und twintigh kotten, so suellen die noch ter 
tit dairby gelaiten und aver suelche fuyrboite idermalss 
an affgefallen unfruchtbaren und unschaedtlichen holt 
durch holtrichter und holtknecht gewesen worden, allet 
up peene, alss boven gemelt, und bis tho unsers gnedigen 
hern und der erven wyderen bescheit, alsdan oick dem 
pastoir to Syberch ein hoven recht ter masten und dair- 
toe noitturfftigh vuyrboit und tymmerholt, so langh dat 
unserm gnedigen hern und den erven gefelt, verguenstiget. 


41. Von deillung, versplitterung und alie- 
nation der huven. 

Nevenndem soll gein hove noch saelstadt in erv- 
deilung tueschen den kindern oder andern mit erven ge- 
splittert noch durch koipe, verkoipe, verpachtungh, 1yfi- 
tucht off in einigen andern wege wie die namen hebben 
mochten, verdeilt und so dass itwess geschiet, datselve 
affgestalt und ein yder hove und saelstat weder thosamen 
gebracht werden. 


42. Dat der gewohnheit allein by der salstatt 
tho gebrucken. 

Wan oick ein erve mehr als ein dubbelde oder 

schlechte hove hadde, tho welcken hoven allein eine be- 

tymmerte saelstede gebruickt und van denselven hoven 


— an — 


ein oder mehr so nit insunderheit bewoent oder betym- 
mert, in erfideilungh oevergeven, verkopen, verpanden, 
verpachten ther Iyfftucht maicken oder in andern wege 
veruytern moiste, soll alsdan, darmit geine gerechticheit 
der deglichen hoeden oder drifften noch dess holthouwens 
thom tymmer oder brant, sondern allein der grundt und 
hoven gerechticheit tho der masten oevergain und trans- 
feriert und sunst alle andere nutzbarheit by der prineipall 
betymmerte salstat gelaiten und bemelte nutzbarheit also 
durch suelchen angeregten wegen nit geduebbelt noch 
mannichfaldiget. 


Gene dubbelde hoven tho deilen. 


Doch dat geine duebbelde hoven dairdurch van ein- 
ander gesundert, sonder bey ein gehalden werden, und so 
dess ichtwess in einigen furgemelten wegen fuergenhamen 
were, datselve glichffalss affgedain und ohne uithfuyrungh 
disser ordnungh gehalden werden soll. 


43. Holthowe und wysung thom tymmer und 
nottorv. 


Wyderss soll nymandtz van den erven einich tymmer 
oder bouwholt houwenn noch uitfuyren, sonder wanner 
hy dess itwest tho noitbouwe an syne obgenante betym- 
merte saelstat bedurftigh iss und datselve by synen waeren 
worden dem holtrichter und holtknechten titlich angift, 
soll ime alsdann tho suelcken noitbouwe durch denn holt- 
riehter und holtknechten, die den irst tho besichtigen, nae 
antall syner gerechticheit, noitturfftig tymmerholt, doch 
tho ider tit up ein hove nicht mehr als ein baum, sunder 
allen gunsten und unparthielich gewesen und mit der 
scharbielen affgeteickent werden; wann sich aver einich 
brandt oder derglycken unglueck toedroege, derhalven 
einer itwess wyderss vannoden hedde, dem soll oick tho 
baten syness bouwess na gedrage syner gerechticheit ferner 
holt gewist werden. 


= Pal 


44. Peen der overfoerer. 


So aver ymantz van den erven hirentegen dede, 
sall der in vyff marck van yderm boum sunder einige 
begnadungh verfallen syn, halff unserm gnedigen hern 
und halff den erven unaffloesslich tho betalen. 


45. Eickenpatensettung. 


Dartegen soll, so woll unser gnedige her alss ein 
yder erve verplicht syn, fuer yder tymmerholt oick 
plancken oder staecken holt twe fruchtbare eicken paeten 
in die stat by vermydungh der peenen van einer marcken 
tho planten und fuer umbganck dess nestfolgenden meyss 
den holtrichter und holtknechten (welche sich dartho eines 


besundern dags to erledigen), gruyn so voell moeglich to 
leveren. 


46. Peen op dat uttrekken bemelter paten. 


Im fall aver ymantz dese paten, wan die einmall an 
statt der affgehouwener beume, wie fuergemelt, geplantet, 
weder uittrecken wurde, soll hy van ider paete in thien 
marck gebroeckt werden. 


47. Etlich kempe mit eickeln tho beseien. 


Idth sollen oick drie oder vier platz in der marcke 
up gemeinen kosten durch bestellungh der holtknechte 
affgegraven fuer den schwynen und beesten gefryet und 
mit eickelen beseyet worden, damit die erven dair uith 
ollein to bepoetungh disser marcken und sunst nit junge 
paeten bekommen und nemen moigen. 


48. Schairbyle. 


Wie dan oick die schairbyle in einer kisten to West- 
hoven binnen der kapellen verschloiten und bewart werden 
und unsers gn. hern rentmeister to Hoerde einen, inglicken 


— 21 — 


N. N. van der erven wegen oick einen verscheiden schluttel 
darvan hebben, und up gesinnen des holtrichters reiken sall. 


49. Brandt und tuynholt. 


„Ingleichen soll einem ydern van den erven brantholt 
„allein tot behuff obbemelter saelstatt und tuynholt tho 
„Noediger bewrechtung der ländereyen in sinen huven ge- 
„hoerich als oick slyten.“ 


Holt to slyten, hoppenstacken etc. ete. 


„Hoppenstaken und derglycken, nae ynes ydern not- 
„turfit yders jairs tot tween tyden, nemlich in dem Mertz 
„und allerhyligen maint von den holtrichter und holt- 
„Knechten unweigerlich gewysett!) werden, und der holt- 
„richter alsdan eynen van den erven darby bescheiden sall, 
„und aver sunst soll ymantz bey sich selffs und buten 
„den tyden gein brant, tuyn en ander holt houven by 
„eyner peenen van vyff marcken up yder fuder holtz. 
„Dairock buten den tween tyden ymanden an synen tuynen 
„ein unversehnlicher schade fuerfiele, alsdan soll derselve 
„durch den holtrichter besichtigt und dartoe ock van dem 
„unschedlichsten holt die noturfft gewieset werden ?).“ 


80. Wie und war das brantholt tho wysen. 


Alssdann oick bemelte holtriehter und holtknechte 
darup acht nemen sullen, dat sie sulch brantholt nit fuer 
den voet aff und ohne unterscheidt sonder an unfrucht- 


!) Bei Sethe „getuystelt“, was auf einem Lefefehler beruhen wird. 

?) In der erjten Ausgabe hieß es: „Inglichen soll ein jder van 
„den erven sich noitturftigh brandtholt, allein tho behoiff syner 
„obernanter saelstat und thuynholt to noediger bewrechtungh der 
„lendereyen in synen hoven gehoerich vom holtrichter und holt- 
„knechten ider jairss tot tween tyden, nemlich in dem Mertz und 
„allerheilgen maint wysen laten und aver sunst by sich selffst und 
„buiten den tyden gein brant oder tuynholt houven by einer peenen 
„van vyff marcke up ider foder holtz.“ 


— 22 — 


baren beumen und den orteren daer, dat mit den mynsten 
schaden nae dess bedurfftigen gelegenheit geschien kann, 
wiesen und dat aller kleinsten holt an beqwemen oerteren 
ein tit van jairen ungewiesen und ungehouwen laiten. 


51. Verschonung des jungen holts. 


Und wess iderem erve also gewiest is, darin sall hy 
der jungen paeten, heistere und derglycken fruchtbaren 
holtess in dem houwen verschonen, by einer peen van drien 
schilling up ein paet und 2 mark up ein heister, „then 
were dan, dat hy bewiesen kunthe, dat sulchs buten 
einigen fuersatt und snnder vorwarlosungh geschehn, und 
doch glykewoll die umbgefallen paiten, : heisteren oder 
ander holt tot behuff der marcken liggen to laten“ '). 


52. Alienetie des gewysden holts. 


Alsdan dairneven nemantz itwess van dem tymmer 
oder oick brandt und tuynholt so ime vurgemaiten ge- 
wesen, anderst warhin dan tho obgenanter syner saelstat 
und bewrechtung gebruicken noch datselve anderen ver- 
kopen, verbuyten oder vergeven, oick sunst gein ander 
holt, idt sie gestalt, woe idt will, fry by sich selffs houven, 
uitfuyren, oidir an anderen veruyteren und brengen soll, 
allet up verwirckungh vurgesatter peenen. 


53. Keine koelen tho bernen. 
Also soll oick in disser marcken nymantz van den 
erven gestadet werden, holt tho koelen tho verbernen. 


54. Peen der fremden. 


Volweniger soll den frembden oder oick denjenigen 
so op der marcken nit berechtiget, gestadet oider tho- 
gelaiten werden, sunder verboden syn, eimich tymmer, 


1) Iſt 1566 hiezugeſetzt. 


— 223 — 


brant, tuyn, oder ander holt to houwen odir uith tho fuiren 
by peenen van thien marck up ider tymmerholt, acht marck 
up ider foder holtz, vier marck up ein schepholtz. 


55. Heidthowen. 


Desglycken soll nymantz under den fruchtbaren 
beumen, oder anderen schedigen steden heidt houwen, 
oder den grunt sunst beschedigen, darmit die jungen beume 
desto beter upwassen moigen. 


56. Windtschlege. 


Und dair hirnegst einich holt van den wyndt neder- 
geschlagen wurde, odir sunst viele, dass soll sich nymandtz 
undernemen, idt sy ime dan durch holtrichter und holt- 
knechten vurgerurter maiten gewist, darmit dat ander 
holt desto mehr verschoent werden moige. 


57. Peen. 


Welcher hirtegen dait, soll mit affnemunge thien 
marcken jdermalss und sunst nae gelegenheit der dait 
gestraifft werden. 


98. Unsers g. heren holtwysung. 


Wannehr oick unser gn. her tho syner F. G. noit- 
turfitigen tymmer, brant, mackungh und erhaldungh ge- 
meiner wege, bruggen und sunst wie gewointlich bedurftig, 
sall glichffalss up gesinnen syner F. G. rentmeisters to 
Hoerde, suelch holt durch die holtrichter und holtknechten 
gewist und affgeteickent werden, und wess tho iderer tit 
durch dat gantze jair, so waill unserm gn. hern als den 
erven obgerurter gestalt gewesen und aff geteiekent. 


Anteikniss van holtwysung und reknung. 


Soll der holtrichter alle maill mit fiyt treulich up 
schryven und darvan alle jair up die broicken reckenungh 


— 24 — 


klaren schriftlichen bericht, wem, woe voell und up wat 
dagh dat holt ideren gewiest und geteickent, fuerbrengen. 


59. Holtwysung tot den slechten. 


Dwyli man oick gloefflichen bericht, dat unser gn. 
her up der Ruyren im ryck Westhoven van alderss twe 
vyscheryenn alle wege gehat, darvan die ein Herman van 
Nehem und die ander Sybergs erven pachtwiess gebruicken, 
inglicken Frydach van Lair eine und bemelte Sybergs 
erven oick eine vyscherye daselffst van oeren alderen ererst 
und dat tho mackungh und underhaldungh der schlechten 
van der sulchen vier vyschereyen noitturfftigh holt, uit 
deser marcken van unverdencklichen jairen her unbekroent 
geholt, so soll soelchs den allein, oick noch hinfuerter ge- 
stadet, doch dat holt irst in maiten, alss baven gesatt, 
gewesenn werden. 

„Wannehr ock einiger erff nodich hedde syn althoevige 
„erfgrunde an der Ruyren in dem ryck gelegenn fuer in 
„und affbreck tho beschudden und tho verdedingen, soll 
„alsdan op desselvigs angeven der platz und gelegenheit 
„durch den holtrichter und van den erven besichtigett 
„und nae befinden dartoe noturfftig underholt am unschede- 
„ligsten gewesen und toegelaten werden !).“ 


60. Die maste. 


Sovil die mast betreffen doit, soll dieselve all und 
jeder jairs wan der almechtigh die beschert und sulchs 
vierthien dage tho voren verkundiget, durch unsers gn. 
hern rentmeister tho Hoerde vort den holtrichter und 
holtknechten, oick van den erschienenden erven besich- 
tiget, 

Besichtigung und Satung. 

und woe vill darup nae gedrage der masten tho 

dryven gesatiget oder verdragen werden, und wan sulchs 


1) Zuſatz in der Ausgabe von 1566. 


— 225 — 


gescheen, soll nae altherbrachten gebruick van wegen 
hoichgemeltz unsers gn. hern, die halve mast und durch 
die erven (darunder die inhebbere und besittere syner f. 
gn. hoven mit tho verstain.) nae beloip eines jeden hebben- 
der hoven die ander helfte, bedreven und aver die swyne 
irst ingebrandt und 


Inbernung der swine, 


woe gewointlich in die kauen verdeilt und gelacht 
werden. 

61. Overdrifte. 

Wess oick up der masten oder in den kauen unge- 
brant oder baven einst idern gerechticheit und antall (darup 
die holtrichter und holtknechte sunderlingh upmerckens 
tho nemen sullen), oevergedreven tho syn befunden wurde, 
soll unserm gn. hern und den erven verhroeckt und ver- 
fallen syn, oick sunder einige gnaide oder middell aff- 
gedreven werden. 

Brantisern. 


Die brandtisern darvan sullen in der baven gerurter 
kisten bey der scharbylen gelacht und verschlaiten werden, 


62. Namaste. 


Alss oick anregungh gedain van der namaesten und 
wie ess mit derselven tho halden, ist affgeredt, dat ein 
ider erve so in dem rycke geseten, dat vasell van synem 
troep darup dryven moige, oick unsers gn. hern rent- 
meister van wegen syner f. gl. nae gelegenheit der nae- 
masten und syner f. gl. gerechticheit, aller gebuer in dem 
sich schicken soll. 


69. Zegen. 


Nae nestkommenden sint Merten sullen geine geiten 
oder‘ zegen up deser marcken gestadet werden, und so sie 
dairen baven nae der tit aldair befunden, unserm gn. hern 


und den erven verfallen syn. 
Beiträge zur Geſchichte Dortmunds. XI. 15 


No 


64. Selfs oder eigendriften. 


Idt soll aver nymantz noch ein fuer den andern erven 
eigen dryft, einige ungewointliche thoschlege oder ander 
fuerthel hebben oder genieten. Doch dwyll under den 
erven sint 

Anschoette, 

so sich etlicher eigner anschotten in deser marcken 
anmaiten, dern man innenn noch nicht gestendigh, wess 
die nae kunfftiger besichtigungh und erledigungh der ge- 
brechen van bemelten anschotten behalden, dat moigen 
dieselvigen alssdan, so fern sulchs sunder schaden der 
marcken geschien kan, selfst bedrieven, sunst aver soll 
innen dafuer nae gedrage und erelerungh der holtrichters 
und holtknechten up der gemeiner marck ingebrandt werden. 


65. Wydere handlung. 


Und naedem obgemelte fuerstliche rhede suelchem 
bevell, als sy van unserm gn. hern tho besichtigung und 
hinlegung dern gebrecken van den anschoeten und etlichen 
ungewointlichen thoschlegen in disser marck entfangen, 
oick itzo underdeniglich tho volntrecken in furhebben ge- 
west, ditmaill nit wercklich noch entlich naesetten moigen, 
darumb dat die erven so bemelte anschoette und thoschlege 
to verdedingen fuergenommen und neven den rheden up 
die inaelstede erschenen mit iren bewyss noch nit gefast 
gewest, oick irer etliche noitwendigh verryden moiten, 
und also deser handlunge nit langer bywoenen koennen, 
iss sulchs vurhebbende besichtigungh und handlungh noit- 
wendigh ingestalt und die affrede genommen, dat in dem 
negstkommenden froelinck odir linte, wan sich dat weder 
etwass tho mildern anfengt, durch unsers gn. hern ver- 
ordenten rheden und den erven bemelte anschoete und 
thoschlege besichtiget oick, derwegen noitturftig bericht, 
anzeig und bewiess vort upgenommen und die gebrecken 
van den anschoeten und thoschlegen der gebuir so vil 
moeglich hingelacht, darneven oick die kotten, 


— 227 — 


Kotten, dyceken, wischen. 


Dycken, wischen und andere pletze, so in der mareken 
gelegen und unserm gn. hern und den erven thosamen 
int gemein tho kommen, alsdan mit in dem ougenschyn 
genommen und dairoever gebuirliche versehungh gedain 
werden soll. 


66. Fellen darover nit verordnet. 


Und imfall den holtrichter oder holtknechten itwess 
fuerfiele, daroever in deser ordnungh gein versehungh 
gedain, oder sunst mangelten, welchs geinen vertogh biss 
an die holtingh Iyden kundt, sullen sie darzu nit handeln 
noch fuernemen, sunder fuerwetten und bevell des ampt- 
mans tho Swerte und rentmeisters to Hoerde und twier 
oder drier van den erven und sunst dat up die holtinge 
jerlichs angeven. 


67. Upseherer tho handthavung deser 
ordnung. 


Wie dan oick der ambtmann to Swerte und rent- 
meister tho Hoerde, insunderheit ein flitigh upmerekens 
nemen und daran syn sullen, dat disser ordnung nit allein 
durch den erven, sunder oick fuernemlich durch den holt- 
richter und holtknechten wirklich gelevet und der tho 
widder nichtz fuergenommen noch ithwess oeversehen odir 
naegelaiten, sunder dieselve ordnungh allenthalven gehant- 
hafft werde. 

Alle und jede upgesatte artikulen und puneten hebn 
die erven guitwilliglich angenommen und gelaeft oick ver- 
sprocken dieselve stede vast und unverbrocken tho halden 
und tho volntrecken. 

Allet up walgefallen und ratification hoichgemeltz 
unsers gn. heren oick vurbeheltlich dem helig. roemischen 
ryck und irer f. gn. inglycken den erven sunst ires rechten, 
sunder geferde und argelist, in urkundt hoichgedachtes 
unsers gn. hern secret siegelss hirunder up spatium ge- 
druckt, geteickent tho Hoerde den 22. Octobris anno 1563. 

15 * 


— 23 — 


Diefes Verzeichniß enthält die zur Reichsmark berechtigten 
„Hufen“ als „doppelte“ und „ſchlichte“ Hufen. Die Rechts: 
verhältniffe, wie fie aus obigen Aufzeichnungen hervorgehen, 
find für die Reichsmark bis zu ihrer Theilung maßgebend ge- 
blieben. Ueber die Reichsmark enthält ein Kommiffionsprotofoll 
der föniglichen Domänen der Nentei Horde von 1727—1733 
folgenden Sag: „Wegen der Reichgmarfen, wovon ©. Königlich. 
Majeftät Hälfte der von Nehem zur Ruhr, von Romberg zu 
Maßen, von Rump zu Steinhaus und von Haus zu Wandt- 
hoven in Erbpadht haben” u. ſ. w. Die Größe diejer Reichs— 
marfen ift 1438 holländifhe Morgen 358 Ruthen !). 

Das hier erwähnte Erbpachtverhältniß der vier adligen 
Häufer Ruhr, Hufen, Wandhofen, Steinhaufen geht auf Erb- 
pachtsverträge zurüd, die im Sahre 1685 abgeſchloſſen waren. 
Hiernah hatte der preußifhe Staat die ihm gehörige Hälfte 
den vier adligen Häufern in Pacht gegeben. Die „Reichsmark“ 
betrug 1727/33 noch 1438 holländifche Morgen 358 Ruthen?), 
alfo rund 1170 ha. Die Reichsmark war aber damals bereits 
ftarf durch „Anſchüſſe“ und „In-Zuſchlag-nehmen“ der Snter- 
effenten gefchmälert. Gleichwohl ergiebt fih, wenn wir Die 
Zahl der 15 doppelten und 39! einfachen Hufen nach Ber- 
hältniß ausrechnen, daß der Antheil der Doppelhufe 1727/33 noch 
— 33 ha zu feßen ift. Bei dieſer Rechnung tft jedoch angenommen, 
daß die ftaatlihe Hälfte erft feit 1300 von den Grafen von 
der Mark beanſprucht wurde, urfprünglich alfo der ganze Wald 
zu den Hufen gehörte. | 

Die Theilungsaften und Theilungskarten der „Reichsmark“ 
find verloren gegangen. Wir wiſſen jedoch, daß das adlige 


1) Gedrudt bei Rive, Bauergüterwefen. Köln 1824. ©. 121. 

2) Die mir zugänglich gewejenen Mefjungen der Waldungen der 
Grafſchaft Mark aus dem 18. Jahrhundert find ſämmtlich nad) Holländer 
Morgen, & 600 Ruthen, vorgenommen. Nah Meiten, Volkshufe und 
Königshufe, S. 59, hält die Holländer Ruthe 3,68 m. Dem entjpricht 
genau der Elevifche Morgen von 600 Ruthen mit 85,25 ar (Meiten, Siede- 
(ungen, II ©. 564) Nad einer Handſchrift saec. 15. bei Lacomblet, 
Archiv 1 ©. 208, hat der holländiide Morgen 6 Hoedt, die Hoedt 
100 Ruthen, die Ruthe 34 () Fuß. 


— 29 — 


Haus Wandhofen für fein Viertel Erbpadhtsantheil und für 
32 ihm eigenthümliche Hufenrechte 354 Magdeburger Morgen 
108 Ruthen, ſowie 60 Morgen 50/2 Ruthen Zufchläge, das 
adlige Haus Steinhaufen für fein Viertel Erbpacht und 3 ihm 
eigenthümliche Hufenrechte 317 Morgen 33 Ruthen und 
61 Morgen 344 Ruthen Zufchläge erhalten hat. Da die 
Theilungsverhandlungen verloren gegangen find, ift nicht erficht- 
lich, in welcher Weife die Hudeberechtigten aus Wefthofen 2c. 
entjchädigt find. Mit Sicherheit ift alſo nur zu fagen, daß die 
in den Meptifchblättern 2578, 2579 eingezeichneten Waldungen 
am „Kluſenberg“, „Syburg“, „Afenberg“, und „Buchholz“, 
fowie „Fürjtenbergsholz” und die „Reichsmark“ aus der alten 
Reichsmark heritammen. „Fürltenbergs Holz“ bezeichnet den 
Antheil, welchen der Reichsfreiherr von Fürftenberg Herdringen, 
für die Häufer Wandhofen und Steinhaufen erhalten hat. Der 
Antheil des Haufe Ruhr, welches für jein Viertel und feine 
Hufenrechte 387 Morgen aus der Reichsmark erhalten hat, ift 
unter da3 Haus Ruhr und die heutige „Reichsmark“ vertheilt. 
Letzteres Gut ift durch Zukauf ftark vergrößert. 

So feſt war aljo hier die Tradition in Bezug auf die 
Hufenrechte, daß diejelben noch bei den Theilungen im 18. und 
19. Sahrhundert die Grundlage zur Feititelung der Einzel- 
berehtigungen gebildet haben. Die Befigergreifung durch die 
Grafen von der Mark hat zwar bewirkt, daß die Hälfte der 
Reichsmark Staat3eigenthbum geworden ift, hat aber die Grund- 
lage nicht geändert, wonach die Berechtigungen an Holzhieb 
und Maſt fih auf den Hufenrechten aufbauten. Die Frage 
nah den Grenzen der Reichsmark hat zu der Frage geführt: 
„Iſt eine altſächſiſche Mark okkupirt, oder ift eine Neuabgrenzung 
durch karolingiſche Beamte erfolgt?" Die fihere Erfenntniß, 
daß für die Nechtsverhältnifje innerhalb des Waldes der Reichs— 
mark die Anfenrechte entjcheivend waren, legt des Weiteren die 
Stage vor: „Sind die Hufen, wie fie in dem fider 
farolingifhen Reichshofe Wefthofen befjtanden 
haben, eine farolingijhe Neuerung, oder find e8 
altjähfiihe Hufen, die der Eroberer offupirt 


— 230 — 


hat?” Diefe Frage fann im Zufammenhange nur jo gelöjt 
werden, daß das Vorgehen der Franken im Eroberungsgebiete 
betrachtet wird, eine Unterfuhung alfo geführt wird, die ein 
jehr weites Gebiet umfpannt. Das Material für eine ſolche 
Unterfuhung ift aus den verjchiedenartigiten Beröffentlihungen 
zu gewinnen. Hier gilt es zunächſt hervorzuheben, welches Ge— 
wicht eine Unterfuhung in die Wagſchale zu werfen hat, Die 
von der „Reichsmark“ ihren Ausgang nimmt. 

Die alte Sachfenburg, die in der Reichsmark liegt, iſt 775 
Karl erobert worden. Seit 775 bi3 1300 ift das „Reich von 
Mefthofen“ beim Reiche geblieben. Es giebt wenige Stellen 
in Deutfchland, wo das Neichseigenthum jo lange beim Reiche 
geblieben ift, wo ferner die Eroberung und die Drganijation 
durch Karl fo ficher bezeugt ift wie hier. Die Hohenfyburg war 
eine Volfsburg, die für gewöhnlich nicht bewohnt war. Ihr Um— 
riß und ihre Struftur find volljtändig duch Schuchhardt in dem 
„Atlas vorgefchichtlicher Befejtigungen in Niederſachſen“, 6. Tafel 
46, Elargeftellt. Der von Schuchardt gezeichnete Grundriß des— 
jelben ift von mir in der „Geſchichte der Hohenſyburg“, welche 
als Theil der Feitfehrift: „Das Kaijer Wilhelm-Denfmal auf 
Hohenſyburg“, Eſſen 1901, erſchienen ift, nachgebildet; auch ift 
dort die Schuhardt’fhe Beſchreibung wiederholt. Seit der 
Aufnahme der Hohenfyburg durch Schuchardt iſt derjelbe num 
in Bezug auf frühgermanifche, ſächſiſche und Farolingifche Be— 
feftigungen zu weiteren NRejultaten gefommen, die in der Vor— 
rede des 7. Heftes des „Altlas“ zufammengefaßt find. Der 
entfcheidende Wendepunkt in der archäologiſchen Forſchung war 
der, daß Schudhardt an einem zweiten Punkte Weitfaleng, 
Altenschieder, das Berhältniß der ſächſiſchen und karolingiſchen 
Befeſtigungsweiſe flargeftellt hat. Karl verweilte, ehe er jeinen 
Winteraufenthalt 784—785 in Eresburg nahm, wo er nad 
meiner Auffaffung die Hellwegsftraße anlegte, Weihnachten 784 
in Skidrioburg !). Der Aufenthalt hat mit dem bei der Hohen- 

1!) Annal. Laurissens. Mon. Germ. Script. I ©. 166 Ann. 784: 


„Et celebravit natalem domini juxta Skidrioburg in pago Waizzagawi 
super fluvium Ambra in villa Liuduhi.* — Ann. Einh.: „Celebratoque 


ſyburg eine jofort hervorjpringende Aehnlichkeit. Bezeichnend 
it, daß Karl jeinen Aufenthalt nahm in castris juxta castra 
Saxonum, quod dieitur Skidroburg. 

Die Ortſchaft, um die es fich handelt, ift nicht zweifelhaft: 
der Hweitagau lag im Norden und Dften des Detmolder Gaues, 
die Ambra ijt die Emmer, die bei Schieder und Lügde vorbei 
zur Wefer fließt. Karl lagerte juxta castra Saxonum Skidro- 
burg. Die Skidroburg, heute Herlingsburg genannt, ift durch 
Hölzermann in den „Lokalunterſuchungen“ 2c., Tafel XXXV, 
abgebildet. Schuchhardt hat mehrfach die unabweisbare Analogie 
mit der Hohenfyburg und der Eresburg, fowie anderen ficher 
ſächſiſchen Volksburgen betont!). Die Terrainbenußung, bei der 
ein möglichſt ifolirter Berg mit einer weiten Fläche oben ge- 
wählt wird, die Art des Walles als Kantenwall, die Art des 
Grundriſſes und des Thores zeigen die Gleichartigkeit als völlig 
einwandfrei. 

Weiterhin hat aber Schieder ein hervorragendes Sntereffe. 
Durch die neueiten Feititellungen Schuchhardt’3 ift nämlich in 
Altenjchieder eine curtis gefunden, die ficher Farolingifchen 
Urſprungs ift. 

Alfo auch hier führt uns die Betrachtung von zunädjft 
lofalen Berhältniffen zu der nothwendigen Forderung, diefelben 
in dem großen Zufammenhange der karolingiſchen Einrichtungen 
zu verfolgen. 


4. Böhden, Vöhdeland, voweide, veweide, pascua, walde- 
meine, houde von der weide, drifft, am Hellwege und in 
Weſtfalen. 


Im weſtlichen Weſtfalen, auf dem thonhaltigen Kleiboden 
des alten Fürſtenthums Münſter, alſo dem fruchtbarften Theile 


in castris natalicio domini die super Ambram fluvium in pago Huettagoe 
Juxta castrum Saxonum, quod dicitur Skidroburg, ad locum vocabulo 
Rimi, in quo Wisura et Waharna confluunt, populabandus accessit.“ 

ı) In den „Neuen Jahrbüchern“ ꝛc. Teubner 1900. 1. Abtheilung 
©. 108 unter Nebeneinanderftellung der Grundriffe, im Atlas, Heft VI, 
Nr. 201, VII 244. 266. 275 ff. 


— 32 — 


desjelben, jowie an dem durch Fruchtbarkeit berühmten Hell- 
wege findet man auf Kleiboden noch im 19. Sahrhundert eine 
Form der Aderbeftellung, die man „Vöhden“ nennt. Schwerz 
hat in der „Bejchreibung der Landwirthſchaft in Weftfalen und 
Aheinpreußen“ I 1836 dieſe Vöhden ©. 148, 164 ff., 249 ff. 
bejcehrieben und ihr „Unwesen“ verurtheilt. Auf feinen Aus— 
führungen beruhen die Ausführungen von Hanfen, Agrar- 
hiftorifche Abhandlungen 1880 I ©. 227 —229; dabei hat aber 
Hanfen ein Manuffript von Schwerz benußt, jo daß die Aus— 
führungen Hanfen’3 reichhaltiger find wie die gedruckten von 
Schwerz; auf Hanfen gehen weiterhin die Ausführungen von 
Meigen, Siedelung und Agrarweſen II ©. 74, zurüd. Wenn 
aber Meigen bier jagt: „Die Vöhden finden fih nur auf den 
ſchweren Kleiböden zwifchen Horitmar und Steinfurt im Welten 
und der Lippe und Bodum im Oſten,“ jo ift einmal diefe 
geographijh unmögliche Bezeihnung eine wenig glückliche 
Wiedergabe des Ausdruckes Hanſen's: „auf der Klaiftrede, die 
von Horſtmar und Steinfurt aus über Coesfeld u. j. w. nad) 
der Lippe und auf Bochum fich hinzieht“; dann find auch die 
von Schwerz und Hanjen erwähnten Vöhden am Hellweg von 
Meigen nicht berüdfihtigt!). Allerdings beruhen die Be- 
jhreibungen der WVöhdeländereien von Schwerz weſentlich auf 
jeiner Kenntniß der Kleigegend des Fürſtenthums Münfter. 
Unter „Vöhden“ verjteht man folgende Form der Bemwirth- 
Ihaftung: Es giebt in diefen Ländereien eine Reihe von Ader- 
jahren; dann folgt diefelbe Zahl von „Dreifch”jahren, in denen 
nur Weidenugung ftattfindet. Der Turnus ift meift vier» bis— 
jechsjährig; am Hellmege finden wir einmal auch einen drei- 
jährigen. „Die Eigenthums- und Nußungsredhte haben fi 
bier jehr verfchieden geftaltet. Die Grundeigenthümer find ent- 
weder jowohl in den Ader- als in den Dreifhjahren nugungs- 
berechtigt, aljo zur Kultur wie zur Weide, oder bloß in den 
Aderjahren. Außerdem giebt e8 noch bloße Hutungsberechtigte, 
die gar fein Grundeigenthbum daran haben, und zwar jolche, 


1) Hanfen I ©. 229. 


— 233 — 


die gar fein Weidegeld, und folche, die ein geringes Meidegeld 
zahlen Y.“ Das „leidige Vöhdeweſen“ bei Horftmar mit je 
vierjährigem Umlaufe ſchildert Schwerz I ©. 169: 1—4 Jahr 
Weide, 5 Wintergetreide, 6 Gerſte, 7 Wintergetreide oder Hafer, 
8 Hafer, dann wieder 4 Jahre Weide oder auch 4 Sahre lang 
Haferkultur oder ähnliche Kultur. Andere Umtriebe find ähn- 
ih; vergl. Hanjen I ©. 228 Anm. 1. 

Die Vöhden find oft verfchieden groß, und die Grund- 
befiger find oft jehr ungleich daran betheiligt, jo daß e3 vor- 
fommt, daß ein Hof während der Aderzeit mehr Pferde und 
Arbeitskräfte einftelen muß als während der Dreiichjahre. 
Hanfen jagt ©. 229: „Sachlich können die Vöhden im Münfter- 
ſchen nichtS anders geweſen fein als die Wildländereien der 
weitfälifchen Gebirgsgegenden, nur unterfchieden von ihnen dureh 
ſtärkere und befjere Nußung zum Aderbau und durd ſchlag— 
mäßigen Umtrieb.“ 

Dieſe Wildländereien im weſtfäliſchen Sauerlande, in den 
Kreiſen Arnsberg, Brilon, Meſchede, auch Wittgenſtein, lagen 
oft 6—15 Jahre dreiſch?); dann folgten einige Roggen- und 
Haferjahre. Wirthichaftlich ftellt alfo diefer Zuftand nad) 
Hanjen einen Kulturzuftand dar, der dem von Tacitus be- 
jchriebenen „agri pro numero cultorum ab universis in 
vicem oceupantur — arva per annos mutant et superest 
ager“ noch ziemlich nahe fteht. Dazu fommt, daß am Hell: 
wege, jomeit es ſich feftftellen läßt, die Vöhde während der 
Dreifchjahre Gefammtweide der Gemeinde war, dagegen während 
der Aderjahre Brivatnugungen Einzelner — nicht der Gemeinde — 
eintraten. Daß der Zuftand wirthichaftlich ein fehr rückſtändiger 
it, jagt Schwerz in Beziehung auf den Hellweg I, ©. 249: 
„Vöhden find um fo umverzeihlicher, als fie nur auf dem 
bejjeren Boden zu Haufe find. Man trifft fie in den vormaligen 
Aemtern Lünen, Caftrop, Bohum und Werl. Sie find mehren- 
theil3 fünfjährig, jeltener ſechs- oder dreijährig.” Ueber die 


1) &o Hanfen 1. c. I 227, wohl nad) dem Manuffripte von Schwerz. 
2) Schwerz I ©. 418, 424. 


irrationelle Viehzucht in den Vöhden des Münjterlandes jagt 
Schwerz ſodann: „An dieſem Unweſen find die Vöhden und 
Gemeinheiten ſchuld. Solange dieje beitehen, wird der Bauer 
nicht aufhören, feinen Viehbeſtand nur nad) der Kopfzahl ab- 
zufchägen. Seder zur Hut Berechtigte ſucht den Andern durch 
die Mehrzahl, die er auftreibt, zu übervortheilen, und jo haben 
Beide nichts.“ 

Es fragt fich, ob diefe Wöhden, wie Hanfen annimmt 
(I ©. 228/229), früher noch eine weit größere Ausdehnung 
gehabt haben, oder ob fie vielleicht doch eine jpätere Entwide- 
lung darftellen, wonach aus der gemeinfamen Weide einzelne 
Stücde almählih als Wechfelland ausgeſchieden find. Auch 
für die Trierer Gehöferfchaften hat Hanjen den Zuftand des 
Gemeinbefiges als den älteiten angenommen, während man 
neuerdings denjelben als eine jpätere Entwidelung auffaßt'); 
auch Hanfen hat fich diefer Anfiht ausgeſchloſſen. 

Es wird fi alfo darum handeln, die urfundlicden Nach— 
richten über Vöhdeland zufammenzuftellen. Dieje Zufammen- 
jtellung ift nun gerade für das Münfterland wenig ergiebig, 
dagegen haben fi für den Hellweg Nachrichten ergeben, die 
bis in die Zeit zurüdreihen, in der die Agrarverfaſſung am 
Hellmege etwas deutlicher wird. Dabei müfjen aber die anderen 
Formen der gemeinfamen Weide, aljo die Bedeutung von ve- 
weide, pascua, waldemeine, houde von der weide und 
drifft, erläutert werden. Es werden nämlich dieſe Begriffe, 
deren jeder urfprünglich einen fpeziellen Sinn hat, in den Ur- 
funden auch öfter generell verwandt. Die ſchärfſte Unterfcheidung 
bringen die Dortmunder und Bradeler Urkunden; aus ihnen 
läßt fih die Erkenntniß für die verjchiedenartigen Berhältniffe 
gewinnen. Ferner wird der Name und die Sache der „Vöhde“, 
die identifch mit „Vowede, Vewede, Veeide“ ijt und lediglich 
eine verfürzte Form für „Vowede“ daritellt, durch die Bochumer 
große und kleine Vöhde Elargeftellt, mit der wir beginnen. 


1) Lamprecht, Deutfches Wirthichaftsleben, I 451 ff.; vgl. jeine Aus- 
führungen in Handwörterbuch der Staatswiffenfchaften IV? ©. 58 ff. 


— 239 — 


Bodum war nach), einer Urkunde von 1041!) eine villa 
publica — ein Reihshof. Darpe hat in jeiner Gejchichte der 
Stadt Bodum 1888 I ©. 22/23 ff. die einzelnen Züge 
zujammengetragen, welche den Charakter des Reichshofes er- 
örtern jollen. Wichtig fcheinen nun vor Allem die Anrechte 
an der „Vöhde“ und der „Mark“ zu fein, die verfchiedenen 
Charakter tragen. Seit 1243 traten die Grafen von der Mark 
in den Mitbefiß der „curtis Cobuchem“ oder der „villa 
Cobbonis dieta Bokum ?)*; 1321 Juni 8 ließen fie das „jus 
eurtis nostre in Bochem“ aufzeichnen®). In diefem Hofrechte 
hieß es: „Volumus eciam, ut iidem opidani et cives nostri 
suis areis sitis infra Bochem et pascuis suis, que vewede 
dicuntur, utantur in omni eo jure, sieut antiquitus fuerunt.“ 
Dieſes ift der dem Driginal der Urkunde entnommene Musdrud, 
während Abjchriften haben: „pascuis, que veeide dieuntur“ ?). 
Es unterliegt feinem Zweifel, daß diefe pascua — vewede — 
veeide zwei „Vöhden“ bei Bochum find, welche noch 1790 be- 
fanden. Dieſe Vöhden bejchreibt Kortum in der Gefchichte 
der Stadt Bochum’) 1790 ausführlich folgendermaßen: 

„Die merfwürdigften zur Stadt gehörigen, aber außerhalb 
derjelben liegenden Plätze find: 1. die Veude oder Föhde; 
2. die Bleiche; 3. das Griefenbrud; 4. der Richtplatz. 

1. Die Beude oder Föhde ift ein anfehnliches Stüd 
Landes, welches fait den ganzen nördlichen und öftlichen Theil 
der Stadtfeldmarf ausmadt. Es ift von den älteften Gebietern 
diejer Stadt und Bürgerfchaft geſchenkt worden. Graf Engel- 
bert im Stadtprivilegium vom Jahre 1321 erwähnet deffelben 
ſchon und bejtätiget den Bürgern in Buchen den Gebrauch der 
Veude. ES ijt ein bloßes Eigenthum der Stadt, feine von 


1) Zacomblet, U.-8. I 176; vgl. Beiträge X ©. 16. 

?) Darpe ©. 30 ff. mit den Belegftellen; v. Steinen, Weftfäl. Gefch. 3 
©. 1435 f. 

?) Zulegt gedruckt bei Darpe, Gefchichte der Stadt Bochum: Urfunden- 
buch, Mittelalter. 1889. Nr. 2. 

*) Kortum bei Weddigen, Neues Weftfälifhes Magazin. 1790. ©. 68. 

5) Ebd. ©. 114—115. 


— 2860 — 


den nahgelegenen Dorfſchaften hat Theil daran, und feiner 
als derjenige, welcher wirklich Bürger ift, darf fich des Gebrauchs 
defjelben anmaßen. Aus einem im Stadtarchive befindlichen 
Dokumente erhellet, daß im Sahre 1522 das nahliegende Dorf 
Aldenbohum auch das Recht darauf fich zumeilen zwar ange: 
maßet, daß aber jederzeit die Stadt ihre Schüttgerechtigfeit 
darauf behauptet habe. Dieſes ſchöne Stüd Landes wird in 
zwey Theile unterſchieden, wovon der öftlich liegende Theil Die 
‚große, der nördlich Tiegende die Fleine Veude genannt wird. 
Eine derjelben dienet beftändig zur Weide des Viehes, und 
zwar 6 Sahre lang; mittlerweile wird auf der anderen Getraide 
gezogen. Wenn 6 Sahre verftrichen find, jo wird dieſe zur 
Weide genommen, und die andere geadert, und aljo alle 6 Jahre 
immer mit beiden abgewechjelt. In dem legten von den 
6 Sahren, da eine Veude Korn trägt, wird auf derjelben weißer 
Klee geſäet; jeder Bürger trägt zur Ausſaat deijelben bey, und 
alfo wird diefe zu der nächitfünftigen Weide, damit das Vieh 
darauf überflüffige Nahrung finde, gejehidt gemacht. Die Weide 
oder Hütung fängt am Maytage an und währet bis im Herbite, 
fo lange die Witterung günftig ift. Dieje Weide it für alle 
und jede, reihe und arme Bürger gemeinſchaftlich, und ohne 
etwas weiter dafür als das Hirtenlohn zu bezahlen, kann jeder 
jo viele Schweine, Ziegen und Kühe auftreiben als er will. 
Diefeg Vieh dünget in den 6 Jahren, da e3 darauf weidet, 
das Land, fo daß es zum Fünftigen Aderbau wieder gejhidt 
und fruchtbar wird. Obgleich aber diefe Veude während den 
6 Weidejahren eine Gemeinheit ift, jo ift doch diejelbe in ein- 
zelne Stüde und Felder abgetheilt, welche dag Eigenthum ein- 
zelner Bürger find, die jolches ehemals erblich anerfauft haben, 
nur vernußen fie dafjelbe, wie gejagt, als Aderland blos und 
allein in den Sahren, da fein Vieh darauf weidet. Biele 
Bürger haben in jeder von den beiden Veuden ihre abgetheilte 
erblihe Aeder, und können alſo entweder von der einen oder 
von der andern, wechjelsweife 6 Jahre nach einander, eigen 
ihr Land nußen; andre haben nur in einer allein ihre Erb— 
äcer; diefe können alſo auch nur 6 Jahre lang hintereinander 


— 2397 — 


die Frucht ziehen, und müfjen alsdann eben fo lange warten, 
bis die Reihe der Umaderung wieder an diejenige Veude fommt, 
worin fie ihre Felder haben. Es ift alfo die ganze Veude, 
beide zujammengenommen, theils eine Gemeinheit, theils ein 
bejonder3 Eigenthum. Das Veudeland ift übrigens ſowohl 
wegen jeiner ungemeinen Ergiebigfeit, als auch wegen feiner 
Nähe bey der Stadt, befonders aber weil es nicht viel Düngung 
bedarf, jehr theuer im Verhältniß gegen anderes Aderland. 
Bor einigen Jahren wurde die Theilung der Veude in Vor- 
ſchlag gebracht, es ward aber daraus nichts.“ 

Die Urkunde von 1321 erwähnt bereit3 die veweide; es 
ift aljo die Behauptung Kortum’3 wenig wahrſcheinlich, daß 
die einzelnen nach ſechs Jahren in Privatbetrieb zu nehmenden 
Stüde von den Bürgern erblich angefauft jeien; vielmehr 
werden fie von vorne herein den einzelnen Hufen zugewieſen 
jein. Ueber die Größe der Bochumer Vöhden hat fich nichts 
Zuverläfliges feftitellen laſſen. 

Genau dem Umfange nad ift eine andere „Vöhde“ be- 
fannt. Sie liegt nördlihd vom Hellwege bei Werlaha, dem 
Orte, welcher in einer Urkunde König Heinrich's I. von 931 
Februar 231) als eivitas regia bezeichnet wird. Dieſe Vöhde 
iſt Geſammteigenthum der Bürger in Werl. Sie ift in der 
Größe von 134 ha durch die Generalfommiffion in Servitut- 
befreiung und Theilung genommen. Bon den 164 Sntereffenten 
waren 156 in Werl; die übrigen ftammten von Werler Bürgern 
ab. Daß dieje nördlich von dem Reichshof Werl liegende 
Vöhde ebenjo wie die veiweide bei Bochum mit zur Aus— 
ftattung des Neichshofes und dem Nutzungsrechte der Inſaſſen 
desjelben unterworfen gehört hat, wird man wohl annehmen 
fünnen. 


) ©. Beiträge X ©. 21. Die Urkunde M. G. Dipl. I 1 Nr. 26 ift 
allerdings nicht im Driginal enthalten, hat in der Abfchrift ſicher Inter- 
polationen mit aufgenommen (Ottenthal, Regeften des Sächſiſchen Haufes. 
1893. Nr. 31), beruht aber auf echter Grundlage. Der Beiträge X ©. 21 
auf dasſelbe Werf bezogene Aufenthalt Dtto’3 I. von 936 Dftober 17 muß 
des Itinerars wegen nad Werl bei Burgdorf verlegt werden. 


— 238 


Vöhden liegen ferner in der Grafſchaft Dortmund bei 
Altenderne und SKirchderne, jowie in der Brambauerjchaft. 
Näheres Material über die im 18. Jahrhundert eingeleiteten, 
im 19. Sahrhundert erfolgten Theilungen tft zur Zeit nicht zu 
bejchaffen gemejen. 

Dann eriftirte eine Fleine Vöhde bei Deufen in der Nähe 
von Dortmund. Als im Jahre 1802 die Theilung der Deufener, 
Ellinghaufer, Lindenhorfter und Holthauſer Gemeinheiten ein- 
geleitet wurde, wurde 1802 April 21 durch Verhandlung in 
Holthaufen in der Graffchaft Dortmund feitgeftellt!) : 

„Theilungsobjekte find: 

a) Das Holthaujer, Lindenhorfter, Deufener und Elling- 
haufer Bruch ift bis dahin von diefen in der Grafſchaft Dort- 
mund liegenden Comunitäten zur Viehmweide benugt worden. 
Diefes Bruch enthält nach einem ohngefähren Weberjchlage an 
Flächeninhalt 800 Morgen dortmundifches Maaß, jeden Morgen 
zu 4 Sceffelfaat Dortmunder Morgen gerechnet. 

b) Das Deufener Gehölg ift nach der Angabe der Hob3- 
leute vor ohngefähr 36 Sahren unter diefen Comunitäten ge— 
theilt worden, und der ad h. gedachte Hobsmann Plaes einen 
Antheil erhalten. 

c) Nahe an diefem Deufener Holge liegt die Jogenannte 
Deufener alte Wiefe, welche nach einem ohngefähren Weber: 
ſchlage 6 Morgen an Flächen-Innhalt hat. Diefe Wieje ijt 
Föhde Grund, gehört zu folgenden Höfen in Deujen als 
nad) Berengmann, Emjchermann und Plaes. Nach Verlauf der 
fünf Aderjahre haben die in Rede ftehenden Comunitäten auf 
derfelben die Huhde mit allem Vieh und fommt es bei der 
vorhabenden Theilung darauf an die Comunitäten für die 
Aufhebung der Huhde zu entjchädigen. 

d) Mit dem fogenanten Schöpingsfamp ohngefähr 
2 Morgen Dortmunder Maß an Flächen-Sunhalt hat e3 die 
nembliche Bewandtniß wie ad c. 

e) Die Deders Wieſe gehört nach Reinoldi in Dortmund, 


1) Theilungsaften im Dortmunder Archiv Nr. 25°. 


— 239 — 


welche aus demjelben jährlich einmal, nemlich von Mai bis 
Mitte Auguft den eriten Schnitt ziehet. (Nachher hat die 
Bauerſchaft Deufen die Hude dort.) 

f) Die Südwiefe gehört nach Deufen. Die Comunitäten 
Holthaufen, Lindenhorft, Ellinghaufen erereiven dort die Huhde, 
wie die Deufer in der Deder Wiefe. 

8) Die große Deufer Wiefe, ohngefähr 100 Morgen groß. 
Die Eingefeffenen zu Deufen, Ellinghaufen, Lindenhorft und 
Holthaufen haben faft durchgehends in diefer Weide ihre ab- 
gejteinten Diftrifte jedoch tritt dabei folgendes Verhältniß ein. 
Die Deufer und Ellinghaufer Comunitäten behaupten in jener 
Wieſe bis zum 15. May ein ausfchliegliches Huhderedht.“ 

Es zeigt ſich in diefem Protofoll demnach folgendes ver- 
Ihiedenes Verhältniß: 

1. Es giebt Vöhdeland mit fünfjährigem Umtrieb; 

2. es giebt Hudeland, welches für den erften Schnitt 
Privateigenthum ift, hernach gemeinfame Hude für alle Snter- 
ejjenten wird; 

3. es giebt Land, welches nur zur Hude dient. 

Das DVerhältniß wie 2 findet fich des Weiteren im 
Hudarder und im Dorftfelder „neuen Bruch“. 

Reines Vöhdeland mit dreijährigem Umtriebe fennt ferner 
die Beichreibung des Neichshofes Brakel. Bei v. Steinen, 
Weſtf. Geſch. I S. 1819 ff., ift der Beſitz des Reichsſchulten 
nach einer Abjchrift, die auf das Sahr 1299 zurüdgeht, auf: 
geführt. Derſelbe umfaßt): Einen Kamp von 8 Morgen, die 
Acderbeete dem Kampe gegenüber von 42 Morgen, 1 Morgen am 
Hellweg — den Schouder Morgen, 1 Morgen — der Ryner 
Acer, 1 Scheffelfaat hinter dem Kampe: „Item an dem Bover- 
kampe liegt ein deil landes und ist weylandt, dat man 
3 jJare seien mag und ist 3 jahr nechst die gemeine voe- 
weyde — 1 morgen. Item benedden Bovenkampe list 
oock ein stück und ist auch vehelandt, dat man die 3 jaren 
seien mag, und ist dan auch 3 jahr darnechst die gemeine 


1) Der Anfang ijt oben S. 190 mitgetheilt. 


— 240 — 


vehweide, helt 3 morgen. Item 2 wieseken noch gefunden, 
doch gantz klein, dat holt und gerechticheit in den vor- 
semelten hoff horende. 

Item!) dat Konigsundern gehörende in den vorgemellten 
hoff tosamen und als ein eckern wesset, so drievet myn 
gnediger juncker dat vorgemelte holt halff, und ein 
schulte des vorgemelten hofes bedrievet die andere helfft?). 

Item, die vorgemelte hoff an dem Oistholte am erlen- 
holte 7 gaven und dan noch von den vorgemelten itlichen 
gaven eine, dat machet 7 penninge. 

Item, noch hefft die vorgemelte hoff an die Oistholte 
an brennholte 20 gaven. 

Item in dem Busschei hefft die hoff an holte 7 gaven. 

Item an die Westholte ein scharvoider und 2 gaven, 
machen 8 gaven. 

Summa der sembtlichen gaven machen 42. Item, als 
eckern wasset, so pflegt ein schulte des hoves to Brakel 
die vorgemelten gaven allein to bedrieven. 

Dann werden die Geredhtfame des Schulten noch einmal 
zufammengefaßt: Item so ist de vorgemelte hoff in der 
Brackeler vey und weyde berechtiget, so was ein schulte 
des vorgemelten hoves winters und sommers an perden, 
kohen, schwien und schapen geweyden kan, dar mag hey 
to aller tyde sienen beesten ter weyden to gebruken. 

Die Gerehtfame ift demnach: 

1. Sm Brafeler Oſtholz, Weftholz, Buſchei Holz und 
Schmweinemaft. | 

2. Sn den Vöhden (= voeweyde, veweide, weylandt, 
veheland), Weiderechte und nad) je dreijährigem Umtrieb je 
drei und ein Morgen Vöhdeland zur Beltellung. 


1) Bon hier an muß die Aufzeichnung eine fpätere jein oder einen 
Zufat erhalten haben, wenn der Graf von der Mark, der erft 1300 den 
Reichshof erhielt, mit „myn gnediger juncker“ gemeint fein jollte; doch 
ift es nicht unmöglich, daß „myn gnediger juncker“ die Herren von 
Limburg find. 

2) Bal. ©. 172. 


— 41 — 


3. In der Weide Eintrieb von Kühen, auch Pferden. 
Dieje Weide ift die Brafeler-Wambeler Heide, welche 1792 in 
Theilung gegangen ift?). 

4. Giebt es für den Schulten Schäfereigerechtfame, die 
„schapedrifft“. 

Ueber die Schaftrift am Hellwege haben wir ein Weisthum 
von 1347 über die Erbgenofjen von Körne und Wambel, welches 
zeigt, daß die Schaftrift auf Brachland fih bezieht, wonach 
aljo bei der Dreifelderwirthichaft jedes dritte Jahr Brache war. 
Von jedem Hofe ſollten 25 Schafe und ein Widder, von jedem 
Kotten 10 Schafe getrieben werden dürfen; doch müßte die 
Were des Hofes beſetzt ſein. Das Pfändungsrecht im eigenen 
Korn hat jeder einzelne Beſitzer, was alſo zeigt, daß es ſich um 
Brachland bei Dreifelderwirthſchaft handelt. Das Pfändungs⸗ 
recht „oppe der meynheyt und oppe der waldemeyne“ je 
drei Bauern. Die „meynheyt und waldemeyne“ ift die per- 
manente Weide. 

Das Vöhdeland in Brafel lernen wir aus Folgendem 
weiterhin kennen: Johann von Wickede, Hildebrand's Sohn, 
beſaß 1393 in Brakel einen Hof?), zu dem gehörten „9 morghen 
landes, unde 1 scepelsede landes ande vowede landes 
10 scepelzede und 1 gave holtes in dem Ostholte*, alfo 
10 Scheffelſaat Wöhedelandes. Da der Hof eine Gabe Holz 
in dem Oſtholze hat, alſo Reichshof ift, ergiebt ſich wiederum, 
daß die Einrihtung der voweyden oder Vöhden bei der eriten: 
Cinrihtung der Reichshöfe entweder ſchon vorhanden geweſen 
oder neu eingerichtet fein muß. 

Ein Verzeichniß der im Regierungsbezirfe Arnsberg in den 
Kreifen Hamm, Soeft, Lippftadt, Dortmund und Iſerlohn beim 
Schluſſe des Jahres 1824 anhängigen Gemeinheitstheilungen 
nennt im Kreije Hamm an vierter Stelle „Zenningfer Waldemey 
und Voehden Hageney bei Ahynern“. Dazu famen 1830 die 
Verhandlungen über die Mundloher Vöhden, 1842 die Theilungen 


1) Bol. ©. 183. 
2) Rübel: Dortm. Finanz und Steuerweſen, S. 274. 
Beiträge zur Geſchichte Dortmunds. XI. 16 


— 22 — 


der Afferder Vöhden und der Südkamener Heide. Das Ver— 
zeichniß von 1824 weiſt im Kreiſe Soeſt!) feine Vöhde, im 
Kreiſe Lippſtadt wohl den Lipperbruch und die Böekersheide, 
aber feine Böhde, im Kreiſe Dortmund (bei Caſtrop) die 
Bövinghauſer große und Kleine Böhde auf. Sehr ausgedehnt 
kann demnach die Einrichtung von Vöhden damals nicht geweſen 
fein, da allein im Kreife Dortmund 1824 34 Gemeinheit3- 
theilungen fehwebten, unter denen eine einzige Vöhden betraf, 
während im Kreife Hamm unter 49 Theilungsjachen nur drei 
Vöhden genannt werden. 

Die Frage entſteht: War nicht urjprünglih überhaupt 
das ganze Land der Feldflur derartiges Vöhdeland? Hanſen I 
©. 228/229. ſcheint wenigſtens anzunehmen, daß die Vöhden 
auf den alten Feldmarfen mindeitens in den Außenfeldern viel 
weiter verbreitet gemwejen jein müſſen. Dem jteht aber doch 
entgegen, daß die älteften Aderfluren der Reichshöfe Brakel und 
Dortmund wenigſtens bereit3 ganz bejtimmtes Morgenmaaß an 
Aderland aufweisen, ſowie daß das Vöhdeland fich weſent— 
lih auf reines Kleiland in bejtimmter Lage erjtredte. Der 
Gang der Entwidelung, jomweit er fih urkundlich verfolgen 
läßt, fcheint vielmehr gemwejen zu fein, daß zwar urfprünglich, 
nachdem feiter Privatbefig entitanden war, noch beitimmte 
Ländereien Böhdeland waren und geblieben find, daß aber mit- 
unter auch das Vorhandenjein joldher Vöhden den Anlaß ge- 
geben hat, auch reines Weideland zunächſt in Vöhdeland, dann 
in privates Aderland zu verwandeln. Wenigſtens läßt ſich 
eine ſolche Entwidelung oder der Anlauf zu einer ſolchen Ent- 
widelung einmal urfundlih in Sferlohn verfolgen, wo wir auf 
neu eingerichtete oder neu einzurichtende Vöhden treffen. Hier 
mag das Verhältniß am Hellmege das Vorbild abgegeben haben. 

Bon den Marfenrehten der Stadt Sferlohn, den Wäldern 
und Marken, wie fie 1802 zu Recht beftanden, berichtet ein 
Bub von Giffenig: „Hiſtoriſch-ſtatiſtiſche Nachrichten von der 


1) Ueber die „Eineder Vöhde“ bei Einecke, Kreis Soeft, hat ji 
Genaueres nicht ermitteln laſſen. 


— 293 — 


Stadt Iſerlohn. 1802.” Dasfelbe enthält Holzmarfenordnungen 
von 1570 und jpäter.und zeigt, wie die alten Marken fich im 
Laufe der Jahrhunderte in Kleinere Marken zertheilt haben. 
1336 April 14 jchreibt Graf Adolf von der Marf an Alle, die 
an der „Waldemeine” berechtigt find, zu fördern, daß diefelbe 
liegen bleiben folle al3 der Stadt „Voweide“ ). Ferner bittet 
er, „wer da Erbe inne hätte, jolle beweifen, daß er einen 
gleihen Wechjel darin nehmen wolle“, denn die Maßregeln, die 
der Bürgermeifter und Rath von Sferlohn dort träfen, ge 
jhähen mit feiner Zuftimmung, da die Stadt Sferlohn diefe 
„Waldemeine“ haben foll zu ihrer „Vohweide“. Daß diefe 
Vohweide — Böhde ift, ift nach obigen gleichzeitigen Urkunden 
wohl zweifellos. E3 fragt fih: was war die „waldemeine* 
und was die „Erben“ in derjelben? Die gefammten Forften 
können es nicht gewejen fein, denn 1802 eriftirten noch) 1828 
holländiſche Morgen Marfenwaldungen mit Vieheintrieb der 
Adjacenten. Es ift aljo ein beftimmter Theil der Marken, den 
wir aus der Urkunde nicht näher kennen lernen; aber die 
Analogie von Dortmund ergiebt hier die Aufklärung. Diefe 
Analogie wird ergeben, daß „waldemeine* ſchlechthin für 
„Weide“ gebraucht wird, ob fie nun im Walde oder auf nicht 
bewaldetem Boden ftattfand. Die Gefammtweide wird in Dort: 
mund „waldemeine“ genannt, obwohl nicht alle Weide Wald 
war. Die Erben in Sferlohn, die den Wechjel daran thun follen, 
jollen das Land als „Wechjelland” annehmen, und in gleichem 
Turnus ſoll es Aderland und Viehweide fein. Es wird fi 
aljo auch in Iſerlohn um unbewaldetes Weideland, welches 
gleichwohl waldemeine heißt, handeln. 


1) v. Steinen, Weſtf. Gefh. I 1032: „Wy greve Alf van der 
Marke biddet alle de ghynen, de recht hebbet an der woldemeyne 
de gheleghen is tho Lon boven der stadt, dat se dar tho vorderen, 
dat de woldemeynen bliven liegene tho de stades van Lon voweyde. 
Vortmer bitte wir, so we dar erve inne hebbe, dat he bewisen mughe, 
dat he dar af nimme eynen liken wessle. Wat de borghermestere 
ande de rat van Lon hir tho deden, dat hebbet se ghedan mit unsen 
willen, winte de stad van Lon zal desse woldemeynen hebben tho 
erer vowede e. c. Sunte Tyburcius unde Valerianus dagh. 1336.“ 

16 * 


— 244 — 


1802 eriftirten eigentliche Vöhden nicht mehr bei Sferlohn ; 
doch findet fih wohl die legte Erinnerung an diefe Vöhden in 
Folgendem. Giffenig jagt: „Außer vorbefchriebener Viehhude 
treiben die Stadtshirten nad alter Obſervanz die Kühe auf 
die in der Stabtfeldmarf gelegenen Ländereyen und Wiefen, 
wenn Alles eingeerndtet worden.“ Es ift aljo zunächft wohl 
Böhdegrund eingerichtet, dann das „Dreifchliegen“ des Vöhde— 
grundes in Wegfall gefommen, und wird nur noch das Recht 
des Vieheintriebes nach der Ernte und im Brachjahre ſchließ— 
[ich geblieben fein?). 

Ungefähr um diejelbe Zeit wie in Sferlohn lernen wir in 
Dortmund Verhandlungen kennen, die fi) auf Vöhdeland be- 
ziehen, und zwar ergeben diejelben, daß die Stadt damals wegen 
Böhdelandes in einen doppelten Konflikt geriet. Das Re— 
pertorium des Archivs der Stadt Dortmund, welches um 1350 
in das „rothe Buch“ eingetragen iſt?), enthält verzeichnet?): 
1. „Des greven brief van der Marke vanme Havervelde“, 
2. XIX „Littera Conradi de Lyndenhorst de pascua dicta 
Havervelt, etiam littera de castello dieto Koningesberch“. 
1. Einen Brief de3 Grafen von der Mark über da3 „Hafer: 
feld”, 2. einen gleichen des Grafen Konrad von Lindenhorft 
über die „pascua“, genannt Haferfeld, und das Kajtell Königs- 
berg. Der erfte Brief ift nicht erhalten, wohl aber der zweite 
von 1316 Suli 30. In demfelben erklärt Konrad von Linden- 
horjt, daß er zu Unrecht auf die pascua eines Kampes „campi 
ab illa parte ponti versus Lindenhorst siti et de rivo 
ffuente de Holteeoten in rivum, qui dieitur Alebecke“ An— 
ſpruch erhoben hätte und die Dortmunder Bürger in den pas- 
euis habe hindern wollen. Er läßt jeden Anſpruch auf dietum 
campum vel ejus pascuas fallen und „jacebit dietus campus 
sine seminibus desertus eternaliter et ineultus ud usum 


1) Schwerz fand vor 1836 (I 427) in Sferlohn unter andern folgen- 
den Fruchtwechfel: 1. Brache, 2. Roggen, 3. Klee, 4. u. 5. Hafer. 

2) Dortm. U.:8. I 2 VI ff. 

3) Ebd. VII 7. 


— 245 — 


generalem opidanorum Tremoniensium , quod waldemene 
dieitur et pecorum eorundum“; auch wird noch beftätigt, 
daß universa pecora et boves opidanorum Tremoniensium 
ibunt in pascuis perpetue ab opido Tremoniensi usque 
Altenmengede et usque Kfiningesberg; endlich verpflichtet 
ih der Graf, das Kaftell Königsberg niederzulegen, wenn e3 
in feine Hände kommt. 

Was die Lage des „campus“ betrifft, fo jteht dieſelbe 
ganz feit. Der Bach „Holzkampsbach“, vom Fredenbaum ber: 
fommend, ergießt fich vor der Hobertsburg in den Aalbach; 
das Dreied zwiſchen demfelben und dem Aalbache, noch heute 
Weide, hieß Haferfeld. Im Sahre 1827 wurde dag Haferfeld 
den „Erben des Forftes” in der Größe von 67/8 preußischen 
Morgen?) zuerkannt. Es lag im „Forfte” zwifchen dem vorderen 
und hinteren Weſterholze, ift alfo 1827 noch als zum Korite 
gehörig betrachtet worden. Der Name „Haferfeld“ und die 
Urkunde von 1316 in Verbindung mit der Sferlohner von 
1336 zeigen, daß dieſes Land als pascua, veweide — Vöhde 
verwerthet wurde, daß diefe Nugung aber, da der Graf von 
Dortmund Anſpruch darauf erhob, zunächſt fallen gelaffen ift 
und das Land liegen blieb öde und immer unbebaut zum all- 
gemeinen Gebrauche der Dortmunder Bürger als „waldemeine“. 
Nachher ift hier Wald nicht mehr geweſen; daß vorher Wald 
hier gejtanden habe, der alfo ausgerodet wäre, ift mindefteng 
ſehr unmwahriheinlih, einmal des ſehr fumpfigen Geländes 
wegen, dann aber, weil eine ſolche Rodung nicht ohne Zu- 
ftimmung der „Erben des Forſtes“, der Reichsleute, hätte 
erfolgen fünnen und dürfen. Ueber diefe übte 1316 der Graf 
von der Mark ein Recht als Pfandherr des Reichshofes aus. 
Auch von ihm gab es einen Brief „vanme Havervelde“; auch 
er hat ji aljo um die „pascua Havervelde“ gefümmert und 
hätte eine Rodung fcehwerlich zugegeben. Alfo muß die pascua 
von Alters her ein baumlojes Parzell inmitten des Forftes 


°) Erfenntniß der Generalfommiffion in Münfter vom 30. Dezember 
1826, publizirt 17. April 1827, gedrudt: Fahne, Dortm. U.B. II 2 ©.300. 


— 246 — 


gewefen fein. Da der ganze Forit waldemeine war, wurde 
auch diefer Theil 1316 als waldemeine bezeichnet). 

Das „Haferfeld“ tritt nun in fpäteren Urkunden wiederum 
als Mechfelland auf. 1376 war der Reichshof Dortmund durd) 
die Stadt aus der Reichspfandfchaft des Grafen von der Mark 
abgelöjt. Nicht lange nachher iſt das Haferfeld wieder Wechjel- 
(and — Böhde. In den Einnahmen der Stadt von 1390 bis 
1398 (Dortmunder Finanz- und Steuerweien, ©. 132 ff.) 
figurivt 1390 nämlich: Van deme Havervelde her Detmar 
und Joh. Murman. Van deme gude to Dozen, dat lach 
do woste. 1390—1398 heißt es von deme Havervelde e. c., 
dagegen wird 1397 van deme gude to Dozen 20 sol 5 den, 
1398 2 mr 31 den gebucht. Demnach war das „Out zu 
Deufen“ damals Vöhdeland mit mindeftens jehsjährigem Um— 
triebe. Oben (©. 238) ift erwähnt, daß die Deufener Vöhde 
1802 fünfjährigen Umtrieb hatte. Was nun die Einnahme aus 
„deme Havervelde her Detmar und her Johan Murman“ 
betrifft, fo erfcheint im Güterverzeichniß de Johan Murman, 
S. 252: Item op dem Havervelde hebt sey 8 morgen 
landes, desse hort Albert Swarten half to, hiir hevet dey 
stad + jarlix ut 8 molder haveren + und dey greve van 
Dorpmunde jarlixes 8 den. Das zugefeßte + bebeutet im 
Rechnungsbuche regelmäßig: Einnahmen aus dem „Reiche“, 
dem ehemaligen Reichsgute. Jeder Morgen Königshofesland 
ergiebt ſonſt zwei Malter Getreide (Steuer und Finanzen, 
S. 142), das Wechſelland Haferfeld dagegen nur die Hälfte 
— einen Malter. Es ergiebt fi) alſo daraus: Das „Haferfeld“ 
war 1390 — 1398 Vöhdeland, wurde 1390—1398 zum „Reiche, 
1827 zum „Forſte“ gerechnet. Auf die Erträge desfelben als 
Reichsland erhob 1316 der Graf von Dortmund, in ungefähr 
gleicher Zeit der Pfandherr des Reichslandes, der Graf von der 
Mark, Aniprud. 1316 ließ der Graf von. Dortmund feinen 
Anfpru fallen, das Land wurde feines Charakters al3 Vöhde 


1) Solche größere Blößungen innerhalb des Forites feinen noch 
anderweitig eriftirt zu haben; im Oſten menigitens ift die „Lakenwieſe“ 
wohl eine gleihe Waldwiefe. 


— 2491 — 


entEleidet, aber wohl nach 1376 wieder als Vöhde eingerichtet. 
Dasſelbe Haferfeld lernen wir auch aus einer ungedruckten, defekten 
Niederfchrift der Ländereien, welche den Brüdern von Brafe 
gehören (Dortm. Archiv Nr. 11103°%), 1393 Eennen. Bei der 
Puntinge gaben diejelben zunächſt den Befit von einem Reichs— 
hofe an. Ob folgende Angabe mit zu demfelben gehört, läßt 
ih bei dem Zuftande der Handichrift nicht erkennen: „Vort 
8 morgen in... .Havervelde, dei gheldet dem g(reven) 
von Dorpmunde 8 den. und der stad van Dortmunde 
8 malder haveren,“ aljo ganz das gleiche Verhältniß wie bei 
Murmann liegt hier vor: der Graf von Dortmund wohl als 
Lehnsträger der „Grafſchaft Dortmund“ erhielt 1 den. von dem 
Piorgen, fei es nun Novalzinz, oder jei e3 eine ältere Berech— 
tigung, wonach eben die Reichsleute für die Benußung des 
Vöhdelandes von jeher zu zinjen hatten. Mit voller Sicher— 
heit läßt ſich alſo nicht behaupten, ob das Vöhdeland „Hafer: 
feld“ eine urjprüngliche Einrichtung, aus der erjten Einrichtung 
des „Forſtes“ herrührend, ift, oder ob das Vöhdeland erſt ſpäter 
auf einer Blößung im Forfte angelegt ift. Doc ift nach der 
Analogie von Brakel, Wambeln, Werl, Bochum und dem 
ganzen Zuſammenhange wahrjcheinlicher, daß das Vöhdeland 
mit bei der eriten Einrichtung des Reichshofes gejchaffen wurde, 
daß von 1316 ab zunächſt die Nußung als Haferland aufhörte, 
nach 1376 aber wieder aufgenommen wurde. Für die weite 
Verbreitung des „Haferlandes“ !), welches alſo Vöhdeland mit 
SHaferbeitellung war, ſpricht auch die Thatjache, daß jeder Reichs— 
hof zu liefern hatte unter Anderm 2 Hofjcheffel Roggen aber 
4 Malter Hafer. (Dortm. U.B. II 59.) 

Anders Liegt dagegen die Sache in Iſerlohn. Hier war 


1) Hanfen, Agrarhijtorifche Abhandlungen, I S. 321, bringt Bei- 
jpiele aus einem Erdbuche für das Schleswiger Domkapitel von 1639: 
„Auf dem Wechjellande fand während der Baujahre regelmäßig und von 
Alters ber gar fein Wechjel der Früchte ftatt, fondern e8 wurde 3 rejp. 
4 Jahre Hinter einander Hafer auf Hafer gebaut. Es findet ſich daher 
im Erdbud für Wechfelland auch die Benennung ‚Haferland‘.” Vgl. auch 
©. 349 Anm. 1. 


— 248 — 


offenbar 1336 beabfichtigt, wohl nad dem Vorbilde am Hell- 
wege, einen Theil der waldemeine in veweide — Vöhde zu 
verwandeln. Ob fonft Böhdeland in Sferlohn ſchon eriftirt 
bat, ift nicht nachzumeifen. 

Für Dortmund entjteht dadurch weiterhin die Frage, ob 
die „veweide — pascua“, Vöhdeland, nicht auch an anderen 
Stellen ebenjo wie im Reichshofe Brakel, Werl und Bochum 
von Alter ber eriftirt habe. Die Frage ift Schon zunächft aus 
der Urkunde von 1316 zu bejahen. Wenn das Vieh der Dort- 
munder „in paseuis perpetue* bis Altenmengede und Königs- 
berg gehen darf, jo können diefe „paseua“ nur Vöhden ge- 
wejen jein, und zwar an den Ufern der Emfcher, die von der 
villa Dortmund abwärts bis Königsberg und Altenmengede 
vorbeifließt. Das „gud to Dozen“, melches 1390 — 1396 
„wüſte lag“, aber 1397/1398 Gelderträge aus Landzins brachte, 
iſt zweifellos jolches Böhdeland. E3 liegt eben an der be- 
zeichneten Stelle vom Aalbach bis nach Königsberg hin, wo 
die pascua der Dortmunder 1316 waren. Das Weiderecht auf 
diefen VBöhden muß fpäter in Wegfall gefommen fein. Ab— 
löfungsverhandlungen über diefe an der Emſcher fich hinziehen- 
den Kämpe und NAderftüde find außer den oben erwähnten 
nit vorhanden; gleihwohl muß, da ſowohl Königsberg wie 
Mengede mit dem Reihsgut in engfter Verbindung fteht (Bei- 
träge X ©. 83—85), von Alter her ein derartiges Recht der 
pascua für die Bewohner der villa Dortmund beftanden haben. 

Diefe Vermuthung erhält eine weitere Stüße dadurch), daß 
innerhalb der villa Dortmund an der Emfcher von Hörde bis 
unterhalb Dortmunds wahrscheinlich gleiche Verhältniffe beftanden 
haben, die aber bereit3 1393 anderen Rechtsformen gewichen find. 

Dei der Aufnahme von 1393 finden fich im Allgemeinen 
nämlih Angaben über Bodenqualität nit. Eine Ausnahme 
beiteht jedoch; es wird hinzugefegt: „dat is eley“, „ope deme 
kley*. Stellen wir diefe Morgen „Kley“-Land zufammen, fo- 
weit fie erwähnt werden), jo erhalten wir 30 Morgen 2 Scheffel- 


) Dortmunder Finanz und Steuerwejen 23614, 2514, 13, 25447, 
26815, 28, 27, 2786, 28221, 28511, 28614, 28722, 99119 24, 


\ 


— 249 — 


jaat, von denen angegeben ift, daß es cley ift oder op dem 
cleyge liegt. Alles Land liegt aber an der Emfcher bei Schüren, 
bei Meldinghaufen, an der Mortmühle, an der Kortenmühle 
und Totenmühle, alſo Alles in nächfter Nähe der Emjcer; e3 
find ſomit die Außenfelder der Feldmarf von Dortmund. Der 
Kleyboden dort war alfo 1393 Privatbefit ; gleichwohl wird er 
vorher wohl Vöhdeland geweſen fein. Die Vöhden waren ja 
durchweg auf Kleiboden angelegt; wenn die Befiger bei der 
Aufnahme von 1393 ihr Land als „cley“ bezeichneten, Sollte 
wohl Damit der geringere Werth des Bodens bezeichnet werden, 
der vielleicht vorher Vöhde geweſen war, ebenfo wie die anderen 
pascua weiter unterhalb an der Emſcher, die 1316 erwähnt 
werden. Ferner iſt Vöhdeland für Körne und Wambel, die 
zur villa Dortmund gehörten, 1393 noch ficher nachweisbar, 
und zwar lag das Vöhdeland in Körne an der Niederung des 
Körnebaches, die ganz gleiche Bodenverhältniffe hat wie die 
Emjcher-Niederung. Heine von Rode befaß 1393 in Körne 
einen Hof von 23 Morgen 1 Scheffelfaat 7 Becherfaat, im Ge- 
menge liegend; er jchäßt ihn ein: „dey hevet Heyne alzo 
leyf, als hundert mark nu tho der tyd, wante des landes 
vyl dreysch leghet, dat men nu nicht vordaen en kan!)“; 
von dem Lande liegt alfo viel dreifch, fo daß man es nicht 
austhun kann, es ijt alfo Vöhde. Dasjelbe hat nach der ganzen 
Beichreibung am Körnebah, und zwar zu beiden Seiten der 
Körne, in der Gegend, die den Namen „Körner Marſch“ führt, 
gelegen. Ferner befaßen die beiden Johann Wickede 1393 in 
Wambeln einen Hof von 22 Morgen Landes mit 3 Morgen 
veyweyde?), eine Hofftatt und eine halbe Hufe Holz; in der 
Marf von Brafel, „des landes leget wat dreysch und gilt 
tenden“; aljo die voweide lag theilweife „dreiſch“. Auch 
für den Wambeler Hof zeigt die Zugehörigkeit zur Brafeler 
Mark die Ausfegung des „Vöhdelandes“ als eine mit dem 
„Reiche“ in Berbindung jtehende Einrichtung. 


1) Kübel, Dortm. Finanz- und Steuerweſen. S. 293°. 
2) Ebd. ©. 269. 


— 230 — 


Demnach war auch innerhalb des Reichshofes Dortmund 
noch 1393 Vöhdeland troß dichter Bevölkerung nicht unbekannt. 
Noch andere Stellen außer der Körner und Emſcher Niederung 
mögen Böhdecharafter getragen haben. Aus der Boden- 
bejchaffenheit und der Lage zu den Brafel-Mambeler-Weiden 
läßt es fich für das „Marſch“-Land vermmuthen. Es gab am 
„Körner Holze“ außer der „Körner Mari” !) im Welten davon 
die „Galgenmarſch“; beide Marſchen beftehen aus Kleiboden 
und liegen in den fumpfigen Niederungen bei den Teichen, die 
ver Körnebadh dort bildete. 1372 Dftober 16 verfaufte der 
Kath mit Zuftimmung feiner Bürger 4 Morgen Landes auf 
der „Galgenmarſch“ und einen 5 Fuß tiefen und 20 Fuß 
breiten Teich dort?). Die Galgenmarjch galt alfo damals als 
Stadteigenthbum. Zum Forfte gehörte fie nicht, alfo wohl zur 
veyweide. Da die Körner Marjch ganz fiher voweyde gewefen 
it, jo wird auch die Galgenmarjch Vöhde geweſen fein, die 
dann, wie der Verkauf von 1372 zeigt, in volles Privateigen- 
thum der Berechtigten ebenfo übergegangen jein wird, wie es 
für das Kleiland an der Emſcher wahrſcheinlich ift. 

Nunmehr gilt es, die Almende, wie fie jonft wohl heißt, 
oder die waldemeine und houde der Dortmunder des Näheren 
zu unterfuhen. Im Jahre 1340 entſtanden ſchwere Streitig- 
feiten in Dortmund®), „vel en krich, weer dee grunt, dee 
veyweyde, dee schuttinege unde de houde van der weyde 
tho Dortmunde were der rikes Juden eder der ghemeynen 
borgeren van Dortmunde“, ob der Grund und Boden, die 
Viehweide, das Recht zu pfänden (schuttinge) und die Hude 
von der Weide den Neichsleuten oder der Gejfammtheit der 
Bürger gehörten. Erſteres behauptete Alwin von Herrede, 
legtere3 Bertram von dem Putte „mer wan ekeren wosse, 
wan dat tidich were, so mochten see (die Reich3leute) 
schutten in dem vorste“. Die Reichsleute hätten nur das 
Recht zum Pfänden in dem Forfte, wenn Edern wüchſen, fonft 


1) Rübel, Dortm. Finanz und Steuerwefen. S. 212°, 
2) Dortm. U.-8. I 873. 
2) Gedrudt ebd. I 370. 


— 3 — 


nit. Der Streit wurde entſchieden durch Rathsſpruch: „dee 
grunt, dey veyweyde, dee schuttinge unde de houde von 
der weyde tho Dortmunde de weere der ghemeynen borgere 
van Dortmunde“, während die Reichsleute behaupteten, die 
Bürger hätten das alle8 „von ghenaden der rikes luden“. 
Hier wird alfo getrennt: „veweide*, d. h. Eintrieb von Vieh 
in das Vöhdeland, von „houde von der weyde“, d. h. Ein: 
trieb von Vieh in den „Forſt“, auch in die anjchließenden 
Blößen und Waldwiefen. 1343 hatten die Reichsleute bloßes 
Feld und den Meg nad) Eving mit Eichen bepflanzt (bepotet), 
um damit die „gemeine Weide” abzugewinnen; da zogen Die 
Erbjaffen, ſechs Gilden und die gemeinen Bürger aus in den 
„Forſt“ und zogen die Vote wieder aus. 

Es gab alfo außer dem 1. Forit, welder als Hude für 
die Bürger und als Schweinemaft und Holz für die Neichgleute 
diente, 2. gemeine Weide, die nicht mit Bäumen bejegt war, 
3. Viehweide. 

Den Fort und das Körnifhe Gehölz oder Dejterholz 
fennen wir genau aus den Büchern der Neichgleute. Diefelben 
bilden die zu demjelben gehörige Markgenoſſenſchaft. 

An demjelben lagen Stüde, die nicht mit Holz bejtanden 
waren; das lehrt die Urkunde von 1316 über das „Haferfeld“, 
das lehrt auch eben jene Urkunde von 1340/1347. Die Reichs— 
leute nämlich hatten 1343 „bepotet horste, blote velt und 
den wegh tho Evenecke, dar nu gepotet en was, unde 
dar sie nicht tho rechte poten mochten, umme dee ghe- 
meynen weyde in sich tho winnene unde der ghemeynen 
stad af tho dringene*, fie hatten Eichen auf die „gemeine 
Weide” gepflanzt, um fie für fi zu gewinnen; darauf gingen 
Kath und gemeine Bürger in den „Forſt“ und zogen die Bäume, 
die auf ihrer „gemeinen Weide” ftanden, wieder aus. 

Zu diefer „gemeinen Weide” gehörten aljo Parzellen an 
und in dem Forſte. Außerdem übten die Dortmunder in der 
„Waldemeine” (S. 244), im Forfte die „Hude“ aus, wenn nicht 
Eckern gewachſen waren. Endlih gab es, wie wir gejehen 
haben, veiweide, Hutungsrechte auf Vöhdeland. 


— 232 — 


Der obige Streit wurde fehließlich 1347 dahin entjchieden, 
„wente dee weyde unde de grunt behorich hevet ghewesen 
unde is der ghemeynen stad van Dortmunde unde den 
ghemeynen borgeren van Dortmunde, dar Dortmunde is 
oppe begripen, besat unde ghetymmert, dee wii hebbet 
ghehat in hebbender were van anbeginne der begripincge 
unde der tymmerinege unde dee wii hebbet behalden unde 
vertan vor den heren“, jo dürften die Reichsleute Feinerlei 
pote ſetzen; die pote feien geſetzt oppe blike unde oppe blote 
horste unser weyde, alfo zu Unrecht gefeßt und mit Recht 
ausgezogen; die Reichsleute dürften einen Stamm nur dort 
pflanzen, wo immer ein folder geftanden babe. 

In diefer Urkunde ift ſchließlich veyweide und hude nicht 
mehr getrennt, es gelten ſämmtliche Rechte der Weideberechtigten 
durchweg al3 „weyde“, mögen fie im „Forfte“, auf „Böhdeland 
— veweide“ oder auf reinem Weidelande ausgeübt werden; 
nur die Schweinemaft und Holznutzung gehört den Reichsleuten. 

Aehnliche Verhältniffe treten in einem Streite zwiichen dem 
Klofter Delinghaufen und den Herdringer Markgenoffen hervor!). 
Rütger, der Propſt von Oelinghauſen, war mit Gottfried Vroboſe 
und deſſen Markgenoſſen in Streit gerathen, wegen der pascuis, 
que waldemene seu vewede?) vulgariter appellantur, ad 
eandem marcham pertinentibus“; derſelbe wurde 1321 
Dezember 30 durch den Grafen Wilhelm von Arnsberg dahin 
erledigt, daß eine frühere Entfcheidung von 1212 April 232) 
zu Recht beftehen bleibe, wonach dem Klofter ein Drittel des 
Markenrechtes, ein Scharamt und ein Forftamt zuftehen folle, zwei 
Drittel den Markgenofjen, jo zwar, daß, wenn Eichen wüchlen, 
das Klofter einen befonderen Schweinehirten halten dürfe, die 
pascua wie bisher beiden gemeinjam jei. Hier heißt „pascua“ 
offenbar ganz allgemein Gintrieb von Vieh, ausgenommen zur 


) Gedrudt Seibertz, U.-8. II 585. 

?) Seibert lieft „bewede“; die Vermuthung, daß vewede zu lejen 
jei, wird mir von dem Staatsarchiv Münfter nad) Einfiht des Originals 
betätigt. 

2) Seiberg, U.-8. I 138. 


— 253 — 


Eichelmaft. Holzhieb und Eichelmaft gehören den Markgenoffen, 
wovon Klofter Delinghaufen ein Drittel der Rechte hat; die 
pascua, Eintrieb von Vieh in die Waldemeine, einerlei, was 
dieſelbe jei, ift gemeinfame Sache. Die pascua seu vewede 
werden hier dem Maft: und Holzungsrechte entgegengeftellt; 
aus der Bezeichnung waldemene seu vewede fönnen wir bier 
Schlüſſe über die Art der Bepflanzung oder Nichtbepflanzung 
nit machen. 

Verſuche, eine „Waldemeine“ durch Rodung zu Ader umzu- 
geitalten treffen wir auch in Herford 1293 April 41). Die 
Aebtiffin beſtimmt damals, daß von den Aeckern aus der 
Waldemeine ihr je 4 Denare Zins für den Morgen zu zahlen 
find, daß aber die Grundftüce, die noch nicht umgegraben 
find, auch [unbearbeitet Liegen bleiben müßten. Daß die 
bebauten Aeder indeſſen Böhdeland geworden wären, wird 
nit erwähnt, ift auch nicht anzunehmen. Im Uebrigen 
waren den Herforder Bürgern 1255 pascua, que woldemeine 
vocantur, gewährleiftet ?). 

In Paderborn vereinbart der Elefte 1281 Dezember 1 mit 
der Stadt, daß auf die waltgemene feinerlei Gebäude gejeßt 
werden dürfen?); über den Charakter der waldemeine erfahren 
mir nichts Näheres. 

Am nächſten verwandt den Dortmunder Verhältniffen find 
jerner Die von Büren, einem Städtchen an der Alme, nordöſtlich 
von Rüthen, aljo in einer Gegend, in der die farolingifchen 
Organijationen am Hellmege von uns Beiträge X verfolgt und 
nachgewieſen find. Die Edelherren von Büren vergleichen fich 
1296 November 10%) dahin mit der Stadt, daß die 5 Erben 
der nemorum seu rubetorum (zu deutſch „marke“) den 
Holzhieb haben jollen, daß die lucarii oder custodes nemorum, 


1) Weitf. U.-B. 4. 8. 2242; auch 6, 1483 ift eine Rodung in der 
gemeinen Marf erwähnt, fowie die „comunis strata — vedrift“, welche 
Einzelne durch Säen occupirt haben. 1292. 

2) Weſtf. U.-8. 4. 625. 

3) Ebd. 4. 1645. 

4) Ebd. 4. 2410. 


— 254 — 


„Scarende” genannt, das Recht haben follen, einen Wagen Holz 
zu „vroghen“ big zu 6 Denaren, daß aber die Städter iiberhaupt 
Die campos communes pascuales dietos vulgariter walde- 
meyne, prout in territorio nostro jurisdietionis fuerint 
universaliter situati, zufammen gebrauchen jollen. Hier werden 
die gefammten campi pascuales mit waldemeine bezeichnet, 
in denen den Erben der Holzhieb zufteht. Da der Holzhieb 
nur im Walde ausgeübt werden Tann, wird das gejammte 
Meiderecht furz als waldemeine bezeichnet, obwohl offenbar 
auch nichtbewaldete campi mit einbegriffen find, — eine Bezeich- 
nung, die nunmehr für die verjchiedenften Stellen belegt ift. 
Befondere Beachtung verdient noch die waldemeyne in 
Soeft. 1297(8) Febr. 14 übergab Bürgermeifter und Rath 
von Soeft: „pratum nostrum, quod primitus juris publici, 
quod waldemene dieitur, existebat, situm ante molen- 
dinum dietum Veltmoele dem Dietrich de Capellis für 
18 sol. in Erbpacht, jedoch fo: Et licet supra scriptum sit, 
quod dieta pensio sit opido nostro ministranda, tamen 
ipsa est concivibus nostris, illis, qui presunt Magnis West- 
hoven, specialiter singulis annis presentanda.“ (Deutſche 
Städte-Chronifen 24, S. XLVIII Anm. 3.) Der Rath giebt eine 
zur Allgemeinheit „Waldemeine” genannte Wieje in Erbpadt, 
jo daß die Pacht der Stadt zwar geleiftet werden muß, aber 
der Hove „Große Weſthoven“ auszuzahlen ift. Die ſechs Soefter 
Hoven find eine Verwaltungseinrihtung wie die Dortmunder 
drei Bauerfhhaften, die in Soeft zur Stadtverteidigung gebildet 
waren, indem jede Hove einen Antheil an der Stadtmauer hatte, 
aber auch zugleich eine Hudegenoſſenſchaft!). Für die Zwecke 
der Hude war alfo, wie die Urkunde von 1298 lehrt, die ge— 
fammte der Stadt von Alters her gehörige Weideflur „walde- 
meine“, gerade wie in Dortmund in einzelne den Hoven ge- 
hörige Hudediftrifte getheilt. Aus dem der „Großen Weſt— 


1) So bei Rothert: Die räumlide Entwidelung der Stadt Soeft, 
ihre Hoven und Kirchfpiele im 4. Jahrbuch des Vereins für evangelijche 
Kirchengefchichte der Grafihaft Marf. 1902. ©. 26. 


— 255 — 


hoven“ zugewieſenen Theile war eine Wieſe in Erbpacht ge⸗ 
geben, das Geſammteigenthum gehörte der Stadt; ſie alſo ver— 
pachtet die Wieſe und iſt rechtlich Empfängerin der Pacht, 
aber die Pacht wird faktiſch derjenigen Hove ausgezahlt, 
deren Huderecht durch Verpachtung der Wieſe geſchmälert iſt. 
Auch bier zeigt ſich, daß waldemeyne ein ganz genereller 
Ausdrud für die Hude der Gefammtheit ift. 

Noch allgemeiner werden zur waldemeyne gelegentlich auch 
die Nußungsrechte gerechnet, die wie die Fifcherei nicht Weide: 
techte allein find, jo Seiberk, U.-8. I S. 629: mediam partem 
piscium capiendorum in fluvio Waldemeyne prope Velmede, 
wo es das Recht zum Fiſchfang im Fluffe, ſoweit er durch die 
Waldemeine fließt, zu bedeuten fcheint, und ebenſo II Nr. 755, 
wo Graf Öottfried IV. an Hüften das Recht giebt: „darr is eyne 
wisscherye, dat waldemeyne is,“ die Hüften ebenſo wie die 
alten Markenrechte haben fol. Endlich in noch allgemeinerem 
Sinne für Almende oder alles Eigenthum, welches nicht Brivat- 
befit ift, einerlei, ob e3 zur Weide benußt wird oder ganz 
unbenußt innerhalb der Stadt liegt, ift es in einer Urkunde 
des Grafen Engelbrecht III. von der Mark verwandt (v. Steinen, 
Weſtf. Geſch. 2 ©. 1309), durch welche derfelbe den Bürgern 
von Unna 1352 Dezember 22 geftattet, ein wagehuys tot 
Unna by dem Markete op die waldemeyne zu zimmern. 

Demnach) ift in den Urkunden nit an allen Stellen ſcharf 
gejchieden. Bei vowede, vewede hat man zunädft nur an 
Weide auf Vöhdeland zu denken, doch ift fein Zweifel, daß 
einmal in Delinghaufen vewede für Weide ſchlechtweg geſetzt 
it. Waldemeine iſt zunächſt Hutungsrecht im Walde, doch 
wird der Ausdrud ebenfalls für die geſammten Hutungsrechte, 
einerlei, ob ſie im Walde oder in den an den Wald ſtoßenden 
Blößungen ausgeübt wurden, in noch allgemeinerem Sinne auch 
für jede Art von Almendenutzung verwandt. Es wird einmal 
waldemeine identiſch mit vewede und pascua geſetzt. Bei 
pascua haben wir zunächft wieder an Weiderechte auf Vöhde— 
land zu denken, doch wird auch diefer Ausdruck mehr generell 
gebraucht. In jedem einzelnen Fale muß man alfo das zu 


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Grunde liegende Berhältniß erft genauer zu erfennen fuchen und 
muß feititellen, ob eine jpezielle oder mehr generelle Bezeichnung 
vorliegt. Der allgemeinfte Ausdrud für Weidegerechtfame ift 
weide. Am jchärfiten find die Unterfchiede in den Dort- 
munder, auch Brafeler Urkunden firiert. Die Betreibung der 
Drache wird in Dortmund immer „schapedrift“, nit houde 
genannt. Dagegen wird in derfelben Dortmunder Urkunde, in 
welder anfänglich veweide — Hude im Vöhdeland und hude 
von der weyde — Hude im Wald und in den Waldwiejen 
gejchieden wird, ſchließlich nur der generelle Ausdrud 
„weyde“ für beide Rechte gebraucht. Diefe mangelnde Unter: 
iheidung in der Sprache der Urkunden läßt fich leicht daraus 
erklären, daß bei der veweide, der houde von der weyde und 
der waldemeine immer diefelben Intereffenten in Frage kamen, 
alfo eine ſcharfe Unterfcheidung der landwirthſchaftlichen Qualität 
der benußten Strede entbehrlich ſchien; anders ftellt es fich, wo 
die Intereſſenten verfchiedene Körperfchaften find. Hier werden 
ganz ſcharf die Nutzungsrechte am Forfte, Eihelmaft und Holz— 
hieb, gegenüber den Huderechten, den Rechten an Laub und 
Gras betont. 

Auch der Rath von Dortmund redet 1347 nur davon, 
daß die „weide“ den gemeinen Bürgern gehöre, während der 
Schweineeintrieb und die Holznugung den Reichsleuten zufäme. 
Es iſt aljo das Verhältniß bier und anderweitig: Schweine: 
maft und Holzhieb im Walde gehören den Marfgenofjen, in 
Dortmund den ReichSleuten, Eintrieb von allem anderen Vieh 
„Weide“ jchlechthin, ob fie in „Waldemeine”, d. h. in den Forft, 
in „vewede“, d. h. in Vöhdeland, in „gemeine Weide“, d. h. 
in nur zur Weide daliegendes, nicht mit Holz bejtandenes 
Weideland erfolgte, gehörte den gemeinen Bürgern und wird 
generell als „weide“ bezeichnet. 

Dieſes Rathserkenntniß beftätigt angeblich jchon beftehen- 
des Recht. Wann diejes entitanden ift, wo die Anfänge diefer 
Rechtsordnungen liegen, ift eine Frage, die nur in einem größeren 
Zufammenhange gelöft werden kann. Diefen Zufammenhang 
zu finden und Material für die Löfung diefes Zufammenhanges 


— 257 — 


zu gewinnen war der Zweck unſerer äußerlich ſcheinbar zu— 
ſammenhangloſen, agrarhiſtoriſchen Unterſuchungen. 

Was nun die Bodenbeſchaffenheit der Ländereien, welche 
als Vöhdeland ausgeſetzt waren, betrifft, ſo iſt ſchon geſagt, 
daß es durchweg als „Kleiboden“ bezeichnet wird. Derſelbe 
hält die Feuchtigkeit lange feſt und bildet eine ſo ſchwere, feſte 
Maſſe, daß er im Frühjahre lange nicht umgebrochen werden 
kann. Das Feld, das bei Dortmund an die Galgenmarſch und 
die Körne fih anjchließt und gleichartigen Boden hat, heißt 
deshalb auch „das fpäte Feld“ 1). Iſt der Boden umgebrocdhen, 
jo wird er durch Eintrocdnen der großen, fehweren Schollen 
unter Einwirkung der Sonne leicht fteinhart und bleibt in 
großen Klumpen liegen. E38 beftätigt alfo auch diefe Betrachtung 
die in den Beiträgen X ©. 38 ff. entwidelte Carey'ſche Theorie 
von dem Gange der Bodenkultur. Die Böhdeländereien haben 
ih am Hellwege bis in das 19. Sahrhundert erhalten, obwohl 
fie einen Zuftand darftellen, der dem des vollen Privateigeng 
an Aderland vorangegangen ift. Die fruchtbarften Ländereien 
find am fpätejten der Kultur erfchloffen. In Bochum, Brafel, 
Werl Liegen die Vöhdeländereien unmittelbar an den alten 
Höfen, e3 iſt alſo nicht die weite Entfernung von den Hof- 
ftellen, welche bewirkt hat, daß das Land als Vöhdeland liegen 
blieb und oft nur eine ganz oberflählihe Kultur als Hafer- 
land erhielt, e3 ift vielmehr die Schwierigkeit der Beftellung, 
zu großer Waffergehalt wegen mangelnder Abzugsgräben und 
unzureichende Ausjtattung mit geeigneten Adergeräthen, ſowie 
unzureichende Düngung, welche diefe alten Formen der Kultur 
mitten im fruchtbariten Theile Weitfalens erhalten bat. 

Auch aus diefem Grunde werden wir zu dem Schluffe 
geführt, daß wir in Vöhdeland wejentlich die älteften agrariſchen 
Formen der Aderbeitelung am Hellmege zu erbliden haben, 


1) Dortm. Finanz und Steuermwefen, ©. 212: „l morgen up dem 
Spedenvelde nicht verre van dem Oldenwege, dey ut deme Korner 
holte geit to der Korner mersche, desse morgen leent ok de greve 
van Dorpmunde.“ Vgl. S. 2141, 268°, 

Beiträge zur Geſchichte Dortmunds. XI. 17 


— 2583 — 


wenngleich in einem Falle, nämlich in dem von Sferlohn, es 
ganz ficher ift, daß Vöhdeland eine Neueinrichtung des 14. Jahr— 
hunderts auf altem Gemeindeland ift. Aber die Heimath ber 
„Vöhden“ ift nicht das Bergland von Iſerlohn, fondern die 
ſchweren Kleiböden des Hellweges und Miünfterlandes. Wie 
weit wir mit Hanfen auf viel größere ehemalige Ausdehnung 
des Vöhdelandes am Hellwege jchließen dürfen, läßt ji erſt 
beantworten, wenn die Frage nad) der Flurgejtaltung des 
Königslandes am Hellwege beantwortet iſt. 


Pierer'ſche Hofbuhhruderei Stephan Geibel & Co. in Altenburg. 


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